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Spielbericht Profis - 14.02.2016

Genial langweilig: Ungefährdetes 1:0 über Hannover 96

Freude über den Arbeitssieg gegen HannoverGegen ein von Verletzungen gebeuteltes Hannover 96 hat sich der BVB ein unspektakuläres 1:0 erspielt. Der Tabellenletzte holte alles in seinen Möglichkeiten stehende aus sich heraus, musste sich letztlich aber einer geduldigen Tuchel-Elf geschlagen geben. Das Tor des Tages erzielte Henrikh Mkhitaryan. Die Stimmung passte sich dem Spannungsgrad des Spiels an: Laut wurde es kaum im Westfalenstadion, bei den BVB-Fans scheint die Luft zumindest in der Bundesliga endgültig raus zu sein.

Personalien

Fünf Rückrundenspiele, fünf unterschiedliche Startformationen: Auch gegen Hannover veränderte Thomas Tuchel seine erste Elf im Vergleich zum vergangenen Spiel, dem 3:1-Pokalerfolg beim VfB Stuttgart. Innenverteidiger Papa Sokratis bekam eine Pause und zur Freude vieler BVB-Fans stand Neven Subotic zum ersten Mal in dieser Rückrunde auf dem Platz. Wir nehmen dies gerne zum Anlass, noch einmal auf unsere Versteigerung eines von Neven signierten Posters aufmerksam zu machen. Das Unikat wird Neven dem Meistbietenden persönlich übergeben. Der Erlös fließt zu 100 Prozent in die Arbeit der Neven Subotic Stiftung, die sich unter anderem für eine hygienische Wasserversorgung in Äthiopien einsetzt. Zurück auffen Platz: Gonzalo Castro und Shinji Kagawa ersetzten dort Erik Durm und Pierre-Emerick Aubameyang, der aufgrund einer leichten Shinji Kagawa stand wieder in der StartelfBlessur gar nicht erst im Kader stand (immerhin wusste der Torjäger ein modisches Ausrufezeichen zu setzen). Umstellungen, die nicht bloß taktischer Natur waren, sondern das Trainerteam auch mit Hinblick auf die mindestens drei anstehenden englischen Wochen inklusive der Topspiele gegen Porto, Leverkusen und Bayern vornahm. Die 96er fuhren hingegen auf Felgen in Dortmund ein: Ganze acht Verletzte musste Thomas Schaaf ersetzen, unter anderem namenhafte wie Kapitän Christian Schulz, Hiroshi Kiyotake, Adam Szalai und Leon Andreasen.

Auffem Platz

Hannover 96 trat unserer Borussia mit einem 4-1-4-1 und zwei sehr tiefen, dicht gestaffelten Viererketten gegenüber. Die Gäste machten gar keine Anstalten, ihren Plan für die heutige Partie zu vertuschen: Reus und Co. möglichst lange und möglichst weit weg vom eigenen Tor zu halten. Was bleibt einem als Tabellenletzter gegen die erfolgreichste Offensive der Liga auch anderes übrig? Und für ihre Verhältnisse gelang der Hannoveraner Hintermannschaft das auch gut. Der BVB konnte aus seinem großen spielerischen Übergewicht nur wenige Hochkaräter heraus spielen. Wer weiß, vielleicht wäre es anders – und damit Marco Reus konnte volle 90 Minuten durchspielenzum von vielen erwarteten torreichen Debakel für die Schaaf-Elf – gekommen, hätte Marco Reus früh die größte Dortmunder Chance im ersten Durchgang genutzt. Doch nach Piszczeks Hereingabe scheiterte er in der 09. Minute aus drei Metern am starken Reflex von Ron-Robert Zieler. Zehn Minuten später setzte Reus einen Freistoß aus 20 Metern und halblinker Position an die Latte.

Mit Ausnahme eines Volley-Schusses von Subotic fünf Minuten vor der Pause, der über das Tor flog, sprang für die Hausherren keine große Chance mehr heraus. Die Distanzschüsse Marcel Schmelzers (31.) und Ilkay Gündogans (44.) konnten Zieler nicht in Verlegenheit bringen. Die Rothosen beschränkten sich derweil auf Konter, ohne jedoch Nadelstiche setzen zu können. Glück für Roman Bürki jedoch, dass er einen Kopfball-Aufsetzer von Andre Hoffmann gerade noch entschärfen konnte (41.).

In Durchgang zwei, die Borussia weiterhin mit großen Spielanteilen, passierte dann noch weniger. Und doch durfte das Westfalenstadion an diesem Tag jubeln: Nach einem Ballverlust während eines Hannoveraner Entlastungsangriffs verschlief der größte Teil der Gäste Umschaltspiel und Rückwärtsbewegung. Mkhitaryan nahm halblinks an der Mittellinie unbedrängt Fahrt auf, zog kurz vor dem Sechzehner ins Zentrum und knallte die Kugel nach seinem Solo trocken ins rechte Eck – 1:0 nach 57 Minuten!

Henrikh Mkhitaryan entschied das Spiel mit seinem TrefferDanach besannen sich unsere Jungs fast ausschließlich auf das Verwalten des Ergebnisses, hielten den Ball noch länger in den eigenen Reihen, um 96 gar nicht mehr die Gelegenheit zu bieten, sich aktiv am Spiel zu beteiligen. Nach Ballverlusten wurden die Gäste direkt wieder attackiert und fast alle Angriffsbemühungen im Keim erstickt. Der Sieg und der Rekord, 28 Punkte aus zehn Heimspielen geholt zu haben, gerieten nicht mehr in Gefahr. Eine weitere gute Nachricht: Matthias Ginter, der nach 75 Minuten angeschlagen ausgewechselt werden musste, konnte am Sonntag schon wieder Lauftraining absolvieren.

So steht am Ende ein Kick mit wenigen Highlights und, typisch für diese Bundesligasaison, ohne Spannung – wenn man es negativ formulieren möchte. Auf der anderen Seite ist diese Partie ein weiterer Beleg, wie sehr die Mannschaft unter Thomas Tuchel gereift ist. Weil sie in der Lage ist, ihr Spiel, zwar auf Kosten der Dramatik, dafür dank taktischer Flexibilität aber unabhängig vom Gegner, geduldig und vor allem erfolgreich herunterzuspielen.

Auffen Rängen

Trostloser Auftritt trotz bester Anstoßzeit am SamstagKeine Frage, für Taktikfüchse ist es spannend zu beobachten, wie Fußballlehrer Tuchel seine Elf Woche für Woche umbaut und sein Personal auf den Gegner einstellen kann. Doch dass unsere Jungs auf Platz zwei einsam Runde um Runde drehen, schlägt sich immer stärker auf die Stimmung im Westfalenstadion nieder. Während das Spiel auf dem Rasen dahin plätscherte, erreichte kaum ein Gesang durchschnittliche Bundesliga-Lautstärke. Weder die altbekannten Schlachtrufe noch Wechselgesänge der Süd mit anderen Tribünen. Tiefpunkte waren auch die zum großen Teil ausbleibenden Reaktionen auf die Aufforderungen des Stimmungskerns an das Westfalenstadion, sich zu erheben.

Das alles ist für Fans von Hannover 96 Jammern auf ganz, ganz hohem Niveau und wenig überraschend, wenn wie gestern, gegen Ingolstadt oder im letzten Hinrunden-Heimspiel gegen Frankfurt das spannende Moment und erst Recht die Dramatik völlig auf der Strecke bleiben. Verständlich, dass man sich nach 15 Siegen aus 21 Spielen in Partien wie der gestrigen als Fan nicht von dem Gedanken frei machen kann, dass das Tor schon irgendwann fallen wird. Und selbst wenn nicht: Auch auf der Gegenseite mangelte es an SangeswilligeAngesichts von nun 13 Punkten Vorsprung auf den Tabellendritten könnte nicht mal mehr eine Niederlage (oder auch zwei am Stück) wieder Spannung in die Bundesliga bringen. Stimmungstechnisch scheint die Luft bei Bundesliga-Heimspielen daher raus zu sein. Von Ausnahmespielen wie gegen die Bayern vermutlich abgesehen. So liegt die Hoffnung für die Flucht aus dem, spannungs- wie stimmungsmäßig, wenig aufregenden Bundesligaalltag auf Europa League und DFB-Pokal.

Borussenfront erregt mit Banner Aufmerksamkeit

Mitglieder der Borussenfront, die nicht nur aufgrund ihrer einschlägigen Vergangenheit dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet wird,  präsentierten in der Halbzeitpause auf dem Zaun der Südtribüne ein Banner, das offenbar einem verstorbenen Kameraden gewidmet war. Unterschrieben war es mit „The Old Firm 26“, wobei die Ziffern 2 und 6 für die Abkürzung BF, also Borussenfront stehen. Es ist nach längerer Zeit das erste Die Borussenfront trat mit zwei Spruchbändern in ErscheinungMal, dass die Gruppe offen und gezielt Präsenz im Westfalenstadion zeigt. Unter anderem das Tragen von Gruppenkleidung der Borussenfront hat der BVB in seiner Stadionordnung verboten. Via Twitter verurteilt der Verein den Vorfall und behält sich, nach Auswertung des Videomaterials, rechtliche Schritte vor: „Der BVB steht weiterhin geschlossen gegen rechte Gruppierungen im Stadion.“

Nicht nur schwatzgelb.de, sondern jeder vernünftige BVB-Fan steht hinter dieser Linie des Vereins, denn solche Gruppierungen haben keinen Platz in der BVB-Familie.

Die Fotostrecke zum Heimsieg gegen Hannover findet Ihr wie gehabt auf unserer BVB-Fotoseite unter diesem Link.

Malte S., 14.02.2016


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