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Warmlaufen - 04.12.2015

Viel Rauch um Nichts

4000 Gästefans werden den Gästeblock füllenBevor ich mich dem Topspiel (und dies mal passt der Name ja sogar) widme, will ich noch kurz den Nebenschauplatz betreten, den das Stuttgart-Spiel eröffnet hat: die offensichtliche Uneinigkeit der Dortmunder Fanszene und die zunehmende Isolierung der Ultras vom Rest der Tribüne.

Wer die Kommentarspalten in Facebook unter den beiden widersprüchlichen Artikeln von schwatzgelb.de zum Thema „Präsentation von Stuttgart-Fahnen“ gelesen hat („Ich soll keine FB-Kommentare lesen!“ „Ich soll keine FB-Kommentare lesen!“ „Ich soll keine FB-Kommentare lesen!“), konnte sehr gut sehen, worin das Hauptproblem besteht. Die Meinungen sind festgefahren und keine der beiden Seiten ist bereit, auch nur einen winzigen Schritt aufeinander zuzugehen oder sich in den anderen hineinzuversetzen. Man ist so gut aufeinander zu sprechen, wie die VW-Führung auf die US-Umweltbehörde.

Jeder nimmt für sich in Anspruch, das alleinige Recht auf die richtige Meinung zu besitzen. Man ist länger dabei als der andere, hat bessere Kenntnisse über Fankultur, höhere Moralvorstellungen oder macht mehr Stimmung. Der andere ist daher zwangsläufig ein Eventfan, ein Sesselpupser, ein Selbstdarsteller, ein Krimineller. Das ist kein Problem vom BVB. Oder vom Fußball. Das ist ein Problem von Facebook. Es ist so herrlich anonym. Man muss seinen Handlungen keine Taten folgen lassen. Man kann lügen, ohne dass es einer merkt. Und es sorgt so vor allem dafür, dass wir uns selbst darstellen, statt die Argumente des Anderen anzuhören oder gar selbst Argumente zu präsentieren. Doch Argumente wofür eigentlich? Dass man der bessere Fan ist? Dafür kann es keine Argumente geben. Es ist wie die Diskussion der Religionen über den Sinn des Lebens. Nur wer schon Teil der einen Gruppe ist, versteht auch deren Argumente. Statt den Anderen also von seiner Meinung überzeugen zu wollen, wäre es vielleicht einfacher, sich auf das zu konzentrieren, weshalb wir alle ins Stadion gehen: Der BVB.

Es könnte anstrengend werdenLiebe Ultras: ihr seid nicht alleine! Ihr seid auch nicht die einzigen, die Stimmung machen wollen! Ohne den Rest der Fans wärt ihr nur ein Wolfsburger Europacup-Auswärtsmob: ein kleines bemitleidenswertes Grüppchen inmitten einer leeren Tribüne. Ihr braucht die „Eventfans“ und „Sesselpupser“ (die ja außergewöhnlich oft sogar im Stadion sind und manchmal sogar auswärts fahren und mitsingen!), alleine könnt ihr keine Stimmung machen. Das ist ein Fakt. Es wäre daher auch ab und überlegenswert, den Ultrakodex dem Gemeinschaftsgefühl unterzuordnen, statt den Ast abzusägen, auf dem ihr sitzt.

Liebe Anti-Ultras: für die scheiss Stimmung seid doch ihr verantwortlich! (Zitat Ende) Wenn Euch die Lalala-Gesänge nicht passen, dann stimmt etwas anderes an! Wenn ihr glaubt, dass es ohne Ultras Stimmung geben kann, warum zeigt ihr das dann nicht? Ohne die „Selbstdarsteller“ und „Kriminellen“ ist es meistens ziemlich ruhig. Wenn ihr den „Hampelmann“ da vorne nicht braucht, weshalb zwingt ihr ihn dann nicht, das Lied anzustimmen, das euch gefällt? Wenn ihr die Tribüne mitreißen könnt mit dem Song, den ihr singen wollt, dann werden die 200 Leute in Block Drölf kaum was dagegen singen (können).

So. Nachdem das Öl nun im Feuer ist, können wir uns wieder dem Spiel widmen. Und das ist gar nicht mal so uninteressant. In der Heimtabelle liegt der VfL punktgleich mit dem BVB und mit einem nur minimal schlechteren Torverhältnis auf Platz 3. In der Auswärtstabelle hingegen, in der der BVB ebenfalls Platz 2 belegt, entgehen die Wolfsburger gerade knapp der Relegation. Da es aber nun mal nach Wolfsburg geht (Eine Reise die so schrecklich ist, dass sich der SV Werder Bremen vor zwei Wochen gar nicht erst die Mühe gemacht hat, sie anzutreten.), ist die Auswärtsbilanz der Wölfe für dieses Spiel so interessant wie die Wolfsburger Innenstadt für die UNESCO-Weltkulturerbe-Juroren.

Die Dortmunder Auswärtsbilanz hingegen ist von großer Relevanz für das Spiel. Und die Bilanz kann sich zwar sehen lassen, weist aber in sieben Spielen auch schon 12 Gegentore auf. (Demgegenüber stehen 16 eigene Treffer.) Auch wenn viele davon eine direkte Konsequenz der offensiven Spielweise sind (wie Sascha hier hervorragend dargestellt hat), wäre es durchaus empfehlenswert, gegen den starken Wolfsburger Angriff - 20 Tore zuhause in dieser Saison - die vermeidbaren Fehler auf ein Minimum zu reduzieren. Sollte das gelingen, könnte man den Abstand auf den VfL auf zehn Punkte ausbauen und somit die Bundesliga noch etwas langweiliger machen. Dann dürfte nämlich auch die Frage nach dem Vizemeister schon vor Weihnachten geklärt sein.

Das Motto muss sein ein Tor mehr zu schiessen als zu bekommenSollte der BVB hingegen Abwehrgeschenke an die Stürmer aus der Autostadt verteilen, könnte es trotz relativ mildem und trockenem Wetter ein unangenehmer Abend werden. Das zu verhindern dürfte aufgrund der Grippeerkrankung beider Innenverteidiger in dieser Woche einem neuen Duo überlassen werden. Alternativ werden die Möglichkeiten Ginter/Bender oder Subotic/Bender genannt. Da aber auch Weigl ausfällt, dürfte Bender wohl auf der 6 gebraucht werden und ein Einsatz von Subotic daher wahrscheinlich. Sonst gibt es für Tuchel wenig Grund zu rotieren, alle anderen Stammkräfte sollten zur Verfügung stehen. Und die individuelle Belastungssteuerung hob er sich ja meistens für die Europaleague auf.

Also machen wir uns auf in Richtung Norden, stellen die Eitelkeiten beiseite und konzentrieren uns auf das, was wir eigentlich besser können als alle anderen: Stimmung in die Bude bringen! Denn eines ist sicher - kaum eine Bude braucht das so dringend, wie die in Wolfsburg!

 

So könnten sie spielen:

VfL Wolfsburg: Benaglio - Träsch, Naldo, Klose, M. Schäfer - Guilavogui, Arnold - Vieirinha, Schürrle - M. Kruse - Dost

Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Ginter, S. Bender, Schmelzer - Gündogan - Castro, Kagawa - Reus, H. Mkhitaryan - Aubameyang

Schiedsrichter: Stieler

Zuschauer: manipulierte Statistik erhältlich beim VW-Händler Ihres Vertrauens

Nadja, 03+1.12.2015


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