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Unsa Senf - 26.11.2015

Bartosz Kapustka - Tuchels nächster Glücksgriff?

Am 7. September 2015 war es so weit. Der Junge aus Tarnów im Südosten Polens war bereit für seinen ersten großen Auftritt auf internationaler Bühne. Im Spiel der EM-Quali gegen Gibraltar wurde der erst 18-Jährige in der 62. Spielminute ausgerechnet für Jakub Błaszczykowski eingewechselt und kam so zu seiner Länderspielpremiere im rot-weißen Dress der A-Nationalmannschaft. Keine 10 Minuten brauchte der beidfüßige offensive Mittelfeldspieler dann, um seinen Tag zu vergolden. Beim Stand von 7:0 vollendete das in Polen als neues Wunderkind gepriesene Talent einen Angriff nach Vorarbeit von Milk und Grosicki und staubte ab zu seinem Premierentor. Der Debütabend war perfekt.

Doch wer ist der blutjunge Ausnahmespieler, an dem besonders der BVB großes Interesse haben soll?

In den meisten Fällen sind Gerüchte um Spieler und interessierte Vereine mit großer Vorsicht zu genießen. Als jedoch vor einigen Tagen mehrere Medienberichte die Runde machten, der BVB sei überaus interessiert daran, einen jungen polnischen Spieler zu verpflichten, klang dies nicht nur beim ersten Hinhören wie Musik in den Ohren eines Borussen.

Der 1996 geborene Bartosz Kapustka ist offensiver Mittelfeldspieler, welcher sowohl auf links, rechts und auch auf der Zehn einsetzbar ist. Ausgestattet mit sehr gutem Passspiel und einer für das Alter ausgesprochen ausgeprägten Feldübersicht, überzeugt die #67 des KS Cracovia in der heimischen Ekstraklasa besonders in dieser Saison. Nach 15 Pflichtspielen stehen überaus vorzeigbare 12 Scorerpunkte auf der Habenseite. In der polnischen Nationalmannschaft durchlief Kapustka sämtliche Jugendmannschaften von der U-17 bis zur U-19, bis er dann schließlich von Coach Adam Nawałka in die A-Nationalmannschaft berufen wurde und im September 2015 zu seinem Länderspieldebüt kam. Mittlerweile konnte Kapustka in seinen drei Länderspielen starke zwei Tore und Vorlagen verzeichnen.
Aufkommende Vergleiche mit einem vor kurzem in Richtung München abgewanderten polnischen Ausnahmestürmer verbieten sich an dieser Stelle zwar aufgrund von Spielstil, Position und Erwartungshaltung. Trotzdem könnte sich besonders einer der wenigen gemeinsamen Nenner in diesem Fall für den BVB paradoxerweise als absoluter Glücksfall erweisen: Cezary Kucharski. Vielen Schwarzgelben noch ein Graus aus früheren Tagen, vertritt der Berater neben Robert Lewandowski unter anderem auch die Interessen von eben jenem Bartosz Kapustka. So soll es im Februar diesen Jahres in Hamburg zu einer Aussprache zwischen Kucharski und Hans-Joachim Watzke gekommen sein, bei welcher der ehemalige polnische Nationalspieler Dortmunds Geschäftsführer den „heißen“ Tipp aus Polens höchster Spielklasse gegeben haben soll. Doch nicht nur der BVB soll seine Fühler ausgestreckt haben. Vor allem Juventus Turin soll ebenfalls starkes Interesse an einer frühzeitigen Verpflichtung des Jungstars signalisiert haben. Die Borussia könnte in diesem Fall jedoch einen leichten Vorteil gegenüber der Konkurrenz haben, da Berater Kucharski das Umfeld in Dortmund bestens kennt und unter anderem BVB-Scout Artur Platek, ebenfalls polnischer Landsmann, bereits für Cracovia tätig war und über gute Kontakte verfügt.

 

Football is my life ⚽️❤️ #passion

Ein von Bartek Kapustka ⚽️ (@kapi67) gepostetes Foto am 28. Okt 2015 um 11:12 Uhr

Mit Fokus auf das Spiel des BVB und Trainer Thomas Tuchel könnte die Verpflichtung des jungen Polen passen wie die Faust aufs Auge. Ein frischer, junger und unbekümmerter, in der Offensive polyvalent einsetzbarer Mittelfeldspieler, der behutsam hinter den etablierten und langfristig gesetzten Stammkräften wie Mkhitaryan, Reus und Kagawa aufgebaut werden könnte. Mit dem mehr als wahrscheinlichen Abgang von Adnan Januzaj zurück zu Manchester United und der Möglichkeit, dass der AC Florenz Kuba fest verpflichtet, wäre spätestens im Sommer 2016 mindestens ein Kaderplatz für einen hochveranlagten Spieler wie Kapustka frei. Nicht auszuschließen ist zudem, dass zurzeit eher unzufriedene Spieler wie ein Jonas Hofmann sich dazu entschließen, einen Vereinswechsel zu vollziehen. Hinzu kommt die Tatsache, dass bei einer zurzeit kolportierten Ablösesumme von drei bis vier Millionen Euro das Risiko einer Verpflichtung mit Blick auf die heutige Transfermarktsituation sehr gering wäre. Als gutes Beispiel für den Umgang Tuchels mit jungen Spielern und der Fähigkeit, diese in kurzer Zeit extrem weiterentwickeln zu können, dient nicht nur ein Julian Weigl in dieser Saison. Schon zu Mainzer Zeiten wurde dem Coach nachgesagt, einen besonders effektiven Weg und Zugang zur Kommunikation mit jungen Spielern gefunden zu haben.

Bleibt deshalb nur zu hoffen, dass das Trio aus Watzke, Tuchel und Zorc einen guten Riecher beweisen und die Chance wahrnehmen, den nächsten aufregenden polnischen Jungstar verpflichten zu können. Denn für unbekannte polnische Kicker hat der BVB in der Vergangenheit ein mehr als erfolgreiches Händchen bewiesen.

26.11.2015, Boris Davidovski


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