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Warmlaufen - 22.10.2015

Qäbälä bei Kaffee und Kuchen

Es wDas Kaukasus-Gebirge um Qäbälä. (Bild: Wikipedia / Matthew Hadley / CC-BY-SA 1.0)aren bewegende Tage seit dem Spiel in Mainz am vergangenen Freitag. Sportlich fand unsere Borussia zwar wieder in die Erfolgsspur, aber für uns wird dieses Spiel aufgrund des persönlichen Verlusts immer ein besonder trauriges blieben. Gut tat immerhin, dass wir nicht im Drei-Tage-Rhythmus zum nächsten Spiel hetzen mussten, sondern etwas Zeit hatten, um wieder Lust auf Fußball zu entwickeln. Zumal es heute nicht wie ein normales Spiel wirkt, sondern eher wie die letzte Stunde Erdkunde nach einem langen Tag in der Ganztagsschule. Der BVB tritt in Aserbaidschan beim FK Qäbälä an. Gespielt wird um 17 Uhr deutscher Zeit, so dass der eine oder andere Zuschauer vor dem Fernseher statt des obligatorischen Bierchens womöglich auf Kaffee und Kuchen setzen wird. Abseits der Frage nach der kulinarischen Begleitung stellt sich natürlich zwangsläufig auch die Frage, wer dieser FK Qäbälä eigentlich ist.

Der Verein wurde 1995 in der Stadt Goy Gol gegründet und kickte zehn Jahre in den Niederungen des aserbaidschanischen Amateurfußballs. 2005 zog der Verein dann in das rund 100 Kilometer weiter östlich gelegene Qäbälä. Schade, dass die Partie am Donnerstag in Baku stattfindet. Denn das 13.000-Seelen-Dorf wäre sicher eine romantische Alternative zu den handelsüblichen Zielen im Europapokal gewesen. Qäbälä liegt in einem malerischen Tal in der gewaltigen Gebirgskette des Großen Kaukasus. Hauptattraktion sind die Ruinen der historischen Stadt Cuxur Qäbälä, die vor rund 50 Jahren entdeckt worden waren. Doch auch die Millionen-Metropole Baku mit ihrer herrlichen Altstadt ist eine Reise wert. Wie schön, dass (im Gegensatz zu Saloniki) für die BVB-Fans die einzig relevanten Tipps darin bestehen, welche Sehenswürdigkeiten sie besuchen sollten...

Tony Adams als Trainer

Zurück zum FK Qäbälä: Mit der Hilfe der mächtigen Gilan Holding-Gesellschaft verpflichtete der Verein in den vergangenen Jahren Trainer und Spieler von europäischem Format. 2010 wurde zum Beispiel die Arsenal-Legende Tony Adams für eineinhalb Jahre als Coach geholt. Dass Adams in dieser Zeit fast zwei Millionen Euro verdiente und damit weit mehr als die meisten Bundesliga-Trainer, verdeutlicht den Umstand, dass der FK Qäbälä „nicht mit Erdnüssen“ zahlt, wie es unser Geschäftsführer wohl formulieren würde.

Dodo ist Qäbäläs Rekord-Spieler mit 112 Einsätzen. (Quelle: Wikipedia. Foto: Fajberglas. Lizenz: CC BY-SA 3.0)Nicht nur das Beispiel des FK Qäbälä zeigt, dass der aserbaidschanische Fußball im Kommen ist. Meister Qarabag Agdam schlägt sich in der starken Gruppe J mit Tottenham, Monaco und Anderlecht bisher wacker und liegt dort auf Platz 2

Gai macht das Spiel und die Tore

Seit Anfang des Jahres wird der FK Qäbälä von Roman Grygorchuk trainiert. Der Ukrainer sorgte dafür, dass der Verein wie im Vorjahr hinter Qarabag Agdam (die Älteren erinnern sich) und Inter Baku auf dem 3. Platz landete. Zudem veranlasste Grygorchuk, dass viele Nationalspieler aus seinem Land verpflichtet wurden. Der Bekannteste dürfte Oleksiy Gai sein, der seit der Jugend bei Schachtjor Donezk gespielt hatte. Der 32-Jährige ist der Dreh- und Angelpunkt im Spiel des FK Qäbälä. Gai macht das Spiel und die Tore. Mit vier Treffern in sieben Liga-Partien ist er Qäbäläs Top-Torschütze in der bisherigen Saison.

Während Gai das Spiel von der Sechser- oder Achter-Position heraus gestaltet, sorgt der Argentinier Facundo Pereyra auf der Zehn für die kreativen Momente. Auf den Flügeln wirbeln mit dem brasilianischen Kapitän Dodô und dem Bosnier Ermin Zec zwei wieselflinke Außenspieler. Und im Sturm-Zentrum wechseln sich die kantigen Oleksiy Antonov (Ukraine) und Sergei Zenjov (Estland) ab. In der Defensive hingegen ist die einzige Konstante, dass es keine Konstante gibt. Trainer Grygorchuk wechselt die Viererkette munter aus. Stammplätze gibt es dort nicht. Selbst bei den Keepern wird stets hin- und hergewechselt.

Die bisherige Saison lief für Qäbälä äußerst gut. In der Liga befindet sich der Club nach sieben Spielen mit 17 Punkten auf dem 2. Platz hinter Serienmeister Qarabag Agdam. Am vergangenen Spieltag feierte Qäbälä gegen den Siebten Xäzär Länkärän ein sächs zu null. In der Europa League schaltete Qäbälä in den vier Quali-Runden Dinamo Tiflis, Cukaricki aus Serbien, Apollon Limassol und Panathinaikos Athen aus. In der Gruppenphase gab es ein 0:0 gegen Saloniki und ein 1:2 beim FK Krasnodar.

„Wir erwarten eine gut organisierte Mannschaft“

So lustig der Name Qäbälä auch klingen mag: Den BVB erwartet am Donnerstag gewiss kein Spaziergang. „Wir erwarten eine gut organisierte Mannschaft, die schwer zu schlagen ist“, warnte auch Thomas Tuchel. Doch wir wollen den Gegner auch nicht stärker reden als er ist. Die Borussia geht als klarer Favorit in die Partie. Mit zwei Siegen aus den beiden Spielen gegen Qäbälä will und sollte die Mannschaft von Trainer Tuchel vorzeitig die Weichen auf K.o.-Runde stellen. „Wir wissen um die gute Ausgangslage, aber dafür müssen wir liefern“, so Tuchel.

Verzichten muss Tuchel in Baku auf Henrikh Mkhitaryan. Wegen der politischen Spannungen zwischen Armenien und Aserbaidschan bleibt unser Zehner mal lieber in Henrikh bleibt daheim.Dortmund. Eine Pause hat er sich ohnehin verdient. Schließlich kam Mkhitaryan in dieser Saison bisher in jedem Pflichtspiel zum Einsatz – sowohl beim BVB als auch in der armenischen Nationalelf. Für ihn wird wohl Jonas Hofmann in die Startelf rücken.

Auch Neven Subotic hat es nicht in den Kader geschafft. „Ich darf nur 16 Feldspieler nominieren, so dass es Härtefälle geben kann. Neven ist so einer“, sagte der BVB-Coach, bei dem Mats Hummels und Sokratis aktuell den Vorzug erhalten. „Dazu haben wir Sven Bender, der nicht nur als Sechser spielen, sondern auch zentral verteidigen kann.“

Ansonsten sind aber im Gegensatz zu der Partie in Saloniki, als die halbe Stammformation in der Heimat geblieben war, diesmal alle üblichen Verdächtigen mit an Bord. Auch Marcel Schmelzer ist wieder „fit, er ist bereit. Er ist ein Kandidat für die Startelf“, deutete Tuchel an.

So könnten sie spielen:

Qäbälä: Bezotosny – Ricardinho, Stankovic, Vernydub, Dashdemirov – Meza, Gai – Dodo, Pereyra, Zec – Antonov

Dortmund: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Sokratis, Ginter – Weigl, Gündogan – Reus, Kägäwä, Hofmann – Aubameyang

Schiedsrichter: Ivan Bebek (Kroatien)

Elster, 22.10.2015


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