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Fußball offline - 08.10.2015

Fußball bei Netflix: Club de Cuervos

Eines sei direkt am Anfang erwähnt: Die Serie ist vor allem für den spanischen Markt produziert worden und demnach komplett in Spanisch. Es werden aber deutsche und englische Untertitel angeboten. Das mag für den einen oder anderen schon ein Ausschlusskriterium sein, man gewöhnt sich aber dran. Ich habe die Serie mit englischen Untertiteln geschaut und konnte allem gut folgen.

Handlung

Irgendwo in Mexiko, scheinbar ca. drei Autostunden von Mexiko Stadt entfernt, liegt das fiktive Örtchen „Nuevo Toledo“, dessen einzige Attraktion der Fußballverein „Los Cuervos de Nuevo Toledo“ ist (erinnert ein bisschen an Sinsheim, aber da ist die einzige Attraktion eher das Technikmuseum). Salvador Iglesias ist der Eigentümer dieses Fußballclubs und hat es tatsächlich geschafft, den Verein in der ersten Liga zu etablieren. Durch seinen Tod müssen allerdings die Erben „Chava“ und Isabel die Geschicke des Vereins leiten. Die beiden Halbgeschwister mögen sich nicht besonders und sind zwei grundverschiedene Typen. Auf der einen Seite die karriere- und arbeitsfixierte Isabel, die zumindest das Geschäft versteht und auf der anderen Seite „Chava“, der große Visionär, der den Club zum Real Madrid Lateinamerikas formen möchte (aber eher so chaotisch arbeitet wie der HSV).

Bewertung

Wer eine Serie in der Qualität von „House of Cards“, „Narcos“ oder „Orange is the new black“ erwartet, wird enttäuscht sein. Club de Cuervos kommt leider nicht an das Niveau der genannten Serien heran, was aber nicht heißt, dass sie nicht trotzdem sehenswert sein kann. Neudeutsch würde man die Serie als Dramedy mit Mockumentary-Elementen bezeichnen, wobei ganz klar der Fokus auf Humor als auf Drama gelegt wurde. Humor ist ja bekanntlich verschieden und meinen hat „Club de Cuervos“ nicht ganz getroffen, nichtsdestotrotz gab es einige Highlights, bei denen ich laut lachen musste. Vieles liegt sicher an der Erwartungshaltung, denn obwohl es eine Fußballserie ist, bekommt der Zuschauer kaum Spielszenen gezeigt. Vielmehr geht um das „Drumherum“ wie Spieleragenten, das ausschweifende Privatleben der Fußballstars, die Berichterstattung, Starallüren, Kabinengespräche und natürlich auch die Familienstreitigkeiten der Iglesias. Sogar das Thema Homosexualität bei Fußballprofis wird thematisiert, wo dem Zuschauer an Hand des „hinterwäldlerischen“ Nuevo Toledo vor Augen geführt wird, wie gesellschaftlich rückständig der Fußball auf diesem Gebiet ist. Besonders die Fußballthemen werden allerdings mit wenig Tiefgang behandelt, man muss den Sport nicht verstehen, um der Serie folgen zu können. In erster Linie ist halt doch Comedy.

Alles in allem ist „Club de Cuervos“ sehr seichte Abendunterhaltung, die einige Lacher bereithält. Richtig vom Hocker reißen konnte die Serie mich jedoch (noch) nicht, da ein typischer Spannungsbogen bislang fehlt, vielleicht wird das mit einer etwaigen zweiten Staffel besser. Generell bleibt die Serie aber hinter der Qualität anderer Netflix-Eigenproduktionen zurück. Wenn es den eigenen Humor trifft, wird man sicher gut unterhalten, ansonsten hat man mit der ersten Staffel bislang nichts verpasst.

 

Seb, 08.10.2015


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