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Auffem Platz - 27.09.2015

Bitterer Nachgeschmack im Nostalgie-Duell

Gelungnenes Fahnen Intro auf der SüdtribüneEndlich. Endlich wieder ein echter Gegner. Gleich zweimal in Folge hatte es die Borussia zuletzt mit überflüssigen Retorten-Vereinen zu tun. Auf die Plastik-Elf der IG Farben am vergangenen Sonntag im Westfalenstadion folgte am Mittwochabend die Fahrt zum Kunst-Verein aus dem Kraichgau. Wie wohltuend war es da, dass gestern Abend endlich mal wieder ein klassischer, ein Traditionsverein Gegner des Ballspielvereins war - und was für einer! Die „Lilien“ aus Darmstadt stellten sich an der Strobelallee vor. Und der Jubel im vollbesetzten, stimmungsvollen Gästeblock kannte keine Grenzen, als Aytac Sulu in der Schlussminute einen Punkt für den Liganeuling rettete - was wiederum dem Kräftemessen in diesem nostalgisch anmutendem Duell aus Dortmunder Sicht einen ganz bitteren Beigeschmack bereitete.

Taktik

Beide Mannschaften agierten aus einer 4-2-3-1-Grundformation. Thomas Tuchel gab Marcel Schmelzer und Matthias Ginter das Mandat auf den defensiven Außenbahnen, Sokratis und Mats Hummels bildeten die Innenverteidigung. Davor räumten Ilkay Gündogan und Julian Weigl auf der Doppel-Sechs auf. Hinter der Spitze Aubameyang bildeten Henrikh Mkhitaryan, Shinji Kagawa und Marco Reus die offensive Dreier-Reihe.

Marco Reus stand erneut in der StartelfDarmstadts Dirk Schuster schickte die Vierer-Abwehrkette (von links) Junior Enrique Diaz Campbell, Luca Caldirola, Aytac Sulu und György Garics auf den Rasen. Jérôme Gondorf und Peter Niemeyer standen auf der Sechs. Konstantin Rausch, Jan Rosenthal und Marcel Heller agierten als offensive Dreier-Reihe hinter der zentralen Spitze Sandro Wagner.

Erste Hälfte

Die erste echte Torchance des Spiels nach einem schnellen Gegenstoß bescherte dem Aufsteiger direkt die überraschende Führung. Jérôme Gondorf flankte von der linken Seite auf den zentral mitgelaufenen Marcel Heller, der ohne Probleme zur Darmstädter Führung einschoss (17.). 

Das 0:1 spielte den Darmstädtern taktisch enorm in die Karten, zogen sich die Lilien fortan doch extrem zurück und agierten bisweilen sogar mit einer Sechserkette. Der BVB dominierte das Geschehen entsprechend, wusste aus den bisweilen bis zu 70 Prozent Ballbesitz jedoch kein Kapital zu schlagen.

Rosenthal gegen WeiglAubameyang verpasste das umgehende 1:1, als er einen Querpass von Reus am zweiten Pfosten nicht im Tor unterbringen konnte (20.). Schmelzer hatte den Ausgleich nach einer Mkhitaryan-Hereingabe auf dem Schlappen, verzog jedoch (24.). Aubameyang rutschte an einer Flanke von Mkhitaryan vorbei (28.).

Nach diesem zwischenzeitlich wütenden, aber glücklosen Anstürmen der Borussen verflachte das schwarzgelbe Offensiv-Spiel jedoch zusehends, sodass es innerhalb von vier Tagen zum zweiten Mal mit einem 0:1-Rückstand in die Kabinen ging.

Die Kulisse neben dem Rasen passte sich derweil dem Geschehen auf dem Rasen an. Die „Gelbe Wand“ fand akustisch zunehmend nur noch in den Blöcken 12 und 13 statt, sodass die Südtribüne gegen die Lilien zu diesem Zeitpunkt ein sehr trostloses Bild abgab.

Zweite Hälfte

Die zweite Hälfte begann verhalten. Der Wachmacher war Mkhitaryan vorbehalten, dessen 107 km/h schnelles Geschoss Darmstadts Schlussmann Christian Mathenia parieren konnte (60.). Der Armenier weckte damit nicht nur die eigenen Mitspieler, sondern plötzlich war auch das Publikum wieder hellwach und peitschte den BVB nach vorne. Und so schien das 1:1 nur eine Frage der Zeit zu sein. Und wer hätte es erzielen sollen, wenn nicht Pierre-Emerick Aubameyang? Der Gabuner traf nach feiner Ablage von Matthias Ginter (63.). 

Da war die Welt noch in Ordnung: PEA bejubelt mit dem Salto das ".1Der Ballspielverein witterte nun Morgenluft. Der eingewechselte Adnan Januzaj steckte am Strafraum durch zu Aubameyang, der die Kugel mit 104 km/h unhaltbar zur Dortmunder Führung in die Maschen drosch (71.). In der Folge besaßen die Schwarz-Gelben zwar weitere Chancen, doch mit letzter Entschiedenheit schien man das 3:1 nicht anzupeilen. Mkhitaryan legte Aubameyang noch zweimal auf, doch dieser verpasste es, mit weiteren Treffern den medialen Lewandowski-Hype zu beenden. Zudem blieb dem BVB zwischenzeitlich ein Strafstoß nach Foul von Mathenia an Sokratis versagt (69.).

Und so kam es, wie es vermutlich kommen musste. Ein langer Freistoß aus dem Mittelfeld fand im Strafraum über Umwege den Weg zu Aytac Sulu, der sich aus wenigen Metern nicht lange bitten ließ und zum umjubelten Darmstädter Ausgleich einschoss (90.).

Statistik

BVB (4-2-3-1): Bürki - Schmelzer, Hummels, Sokratis, Ginter - Weigl, Gündogan - Mkhitaryan, Kagawa (90.+1 Ramos), Reus (59. Januzaj) - Aubameyang.

Darmstadt (4-2-3-1): Mathenia - Diaz Campbell, Caldirola, Sulu, Garics - Gondorf (83. Stroh-Engel), Niemeyer (57. Jungwirth) - Rausch (65. Kempe), Ratlose Gesichter nach Abpfiff vor der SüdtribüneRosenthal, Heller - Wagner.

Tore: 0:1 Heller (17.), 1:1 Aubameyang (63.), 1:2 Aubameyang (71.), 2:2 Sulu (90.). Schiedsrichter: Robert Hartmann. Zuschauer: 81.359 (ausverkauft). Gelbe Karten: Wagner (45.+4), Heller (55.). Torschüsse: 16:4. Ecken: 8:0. Flanken: 14:5. Ballkontakte: 69:31 %. Zweikämpfe gewonnen: 52:48 %. Fouls: 16:12. Abseits: 4:2. Meiste Torschüsse: Aubameyang (5) - Caldirola, Heller, Sulu, Wagner (je 1). Meiste Ballkontakte: Gündogan (154) - Wagner (48). Zweikampfstärkste: Weigl (70 %) - Gondorf (63 %).

Noten:

Roman Bürki: Besaß keine Chance zur Auszeichnung, an den Gegentoren machtlos. Note 4.
Marcel Schmelzer: Defensiv mit ein, zwei Risiko-Rückpässen, nach vorne bemüht. Note 4.
Mats Hummels: Defensiv weitegehend stabil, ohne dabei Bäume auszureißen. Note 4+.
Sokratis: Solider Abräumer, hätte vorne eigentlich einen Strafstoß gezogen. Note 3-.
Auf eine durchwachsene erste folgte eine starke zweite Hälfte. Note 3+.Matthias Ginter: Wunderbare Vorarbeit zum 1:1, ansonsten solide. Note 3.
Julian Weigl: Zweikampfstärkster Borusse ohne auffällige Aktionen. Note 3+.
Ilkay Gündogan: Versuchte dem Offensivspiel seinen Stempel aufzudrücken. Note 3-.
Henrikh Mkhitaryan: Auf eine durchwachsene erste folgte eine starke zweite Hälfte. Note 3+.
Shinji Kagawa: Agierte weitgehend glücklos. Note 4-.
Marco Reus: Fand nicht die richtige Bindung zum Spiel. Note 4-.
Pierre-Emerick Aubameyang: Einmal mehr die offensive Lebensversicherung des BVB. Note 2.
Adnan Januzaj: Bereitete das 2:1 vor, ansonsten ohne größere Aktionen nach der Einwechslung. Note 3-.
Adrian Ramos: Ohne Note.

Stimmen zum Spiel:

Dirk Schuster (Darmstadt): „Wir sind stolz und glücklich, dass wir einen Punkt entführen konnten. Wir haben kompakt gestanden und so das Spiel der Dortmunder nicht zugelassen. In der zweiten Halbzeit haben wir es nicht verstanden, uns zu befreien. Zwei Fehler wurden dann gnadenlos bestraft. Der Ausgleich macht uns stolz, gerade vor den 80.000 fantastischen Zuschauern Thomas Tuchel war nicht wirklich zufriedenbeider Fanlager.“

Thomas Tuchel (BVB): „Ich muss da ein wenig widersprechen. Wir spielen mittlerweile gegen viele tiefstehende Gegner und die 21 Tore beweisen, dass wir Lösungen gegen sie finden und haben auch heute zwei herausragende Tore rauskombiniert. Ich habe mich gefreut, wie wir das Tempo in der zweiten Halbzeit hochbekommen haben und hätten den Sieg auch verdient gehabt. In den letzten fünf Minuten gab es aber einige unnötige Ballverluste und wir haben auf dem Rasen einige falsche Entscheidungen getroffen. Vielleicht waren wir etwas müde und haben dem Tempo Tribut gezollt. Das 2:2 ist bitter und wir sind natürlich enttäuscht. Wir müssen aber aufpassen, dass ein Tor in der letzten Minute nicht die Bewertung der 89 Minuten davor umkehrt.“

Daniel Mertens, 27.09.2015


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