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Abschiedsspiel - 06.09.2015

Allez Dede und Obrigado

Kevion Großkreutz verabschiedete sich von den FansDer frühe Abend der großen Feierlichkeiten hatte noch nicht einmal richtig angefangen, schon durften die gut 81.000 ins Westfalenstadion gepilgerten Dede - Sympathisanten den ersten Gänsehautmoment erleben: Der am Montag zu Galatasaray Istanbul transferierte Kevin Großkreutz bekam dann doch noch seinen würdigen Abschied vor großer Kulisse im schwarzgelben Fußballtempel. Als letzter Spieler vor Dede wurde er, unter ohrenbetäubendem Lärm der Fans, von Stadionsprecher Norbert Dickel auf den Rasen gerufen. Mit feuchten Augen schritt Kevin erst in Richtung Mittelkreis, wo Michael Zorc und Aki Watzke mit Blumen und einer Bildercollage der schönsten Erinnerungen aus 6 Jahren Borussia warteten. Danach ging es noch einmal zur geliebten Südtribüne. Ein letztes Mal Auf Wiedersehen sagen. „WIR SIND ALLES DORTMUNDER JUNGS“ donnerte es aus mindestens 25.000 Kehlen, und Kevin war sichtlich gerührt.

Zeitreise für jeden BVB Fan

Danach war es Zeit für das eigentliche Spektakel auf dem Rasen und den Hauptprotagonisten dieses Abends: Leonardo de Deus Santos. Das Schaulaufen der Stars früherer und aktueller Tage. Eine Zeitreise für jeden BVB - Anhänger in wunderbare, sowie auch bittere Jahre vergangener Wie in alten Zeiten: Torjubel von Heiko HerrlichFußballgeschichte. Die Liste der Dortmunder Helden, die Dede auf dem Platz versammelt hatte, las sich durchaus beeindruckend: unter anderem Jan Koller, Marcio Amoroso, Ewerthon, Thomas „Icke“ Häßler, Torsten Frings, David Odonkor, Paulo Sergio, Jens Lehmann, Otto Addo, Heiko Herrlich und dutzend weitere Weggefährten hatten die Ehre, einen der ganz großen BVBler gebührend verabschieden zu dürfen.

Der sportliche Rahmen des größten Abschiedsspiels Europas vor 81.359 Zuschauern rückte an diesem Abend selbstverständlich in den Hintergrund. Ein 6:4 zur Halbzeit zu Gunsten von Dedes Weltauswahl, sowie der Endstand von 14:11 nach nicht ganz vollendeten 90 Minuten, sagten sicherlich wenig aus über die momentanen Fähigkeiten der leicht ergrauten, erschwerten und gealterten Kicker. Die besonders hervorzuhebenden „Highlights“ der Begegnung waren einerseits ein von Dede „rausgeholter“ und selbst verwandelter Elfmeter gegen Marc Ziegler, was das erste Tor des Helden mit der 17 und eine anschließenden Ehrenrunde mit Endstation Südtribünenzaun zur Folge hatte. Kurze Zeit später war sein zweites Tor dann ein wunderschöner Heber aus „über 92 Metern“ (O-Ton Norbert Dickel) über Roman Weidenfeller hinweg, der in einem Angriff zuvor sein Glück vergeblich in der Offensive versuchte. Der zweite Elfmeter des Abends brachte zugleich die größte Überraschung mit sich: kurzerhand überlegte Dede sich eben jenen Nobby Dickel als Elfmeterschützen auszusuchen, und unter tosendem Applaus versenkte der Held von Berlin den Ball mehr oder weniger souverän im Tor. „Ich bin fix und fertig“. Für mehr Worte war die Sauerstoffzufuhr beim Stadionsprecher nach einer kurzen, aber intensiven Jubeleinlage mit Dede dann doch zu knapp.

You'll never walk alone

Garant für gute Laune: David Odonkor mit DedeDas Spiel floß so vor sich hin, und kurz vor der 90. Minute wurde das Spiel dann inoffiziell beendet durch das erste richtige Highlight: auf den Platz schritten nämlich die Eltern und die Familie Dedes, um den emotionalen Teil des Abends einzuleiten. Zusammen mit seinen sechs Brüdern, seiner Frau und seinen Eltern wurden Erinnerungsfotos geschossen. Anschließend flossen die ersten dicken Tränen, und zwar nicht nur auf dem Rasen, als auf den Leinwänden die Karrierehighlights aus 13 wunderbaren Jahren Leonardo Dede liefen. Zum letzten absoluten Gänsehautmoment des Abends kam es dann bei einem letzten „You’ll Never Walk Alone“. Und Dede war dort, wo er sich am wohlsten fühlt: auf dem Zaun der Südtribüne. Bei genau den Fans, die ihn so abgöttisch lieben und verehren. Das ganze Westfalenstadion sang noch ein letztes Mal aus vollem Rohr die Hymne, und in den Augen des Brasilianers erkannte man in diesem Moment vor allem eines: pure Dankbarkeit und Glückseligkeit. Als dann auch noch goldene Luftschlangen vor der Südtribüne gen Himmel emporschossen, verschwamm die Szenerie vor der besten Tribüne der Welt für einen kurzen Moment zu einem schwarzgelben Traum aus Nostalgie und längst vergessener Fußballromantik. Und all das für einen schüchternen und zurückhaltenden Brasilianer aus den Favelas, der nach drei Jahren in Deutschland eigentlich wieder schnell weg wollte. Und am Ende doch blieb um sein großes Glück und seine zweite Heimat zu finden.

Er lebe hoch...Ein ganz Großer Schwarzgelber geht, und nun wohl zum wirklich allerletzten Mal. Doch wie Trude Herr schon wusste: Nie geht man so ganz. Auf ein ganz schnelles Wiedersehen.

Allez Dede und Obrigado!

Kader

Dede Weltauswahl: Teddy de Beer, Marc Ziegler, Evanilson, Miki Stevic, De Edson, Tinga, Nuri Sahin (o.E.), Levi (Dede), Rui Marques, Jan Koller, Lincoln, Mohamed Zidan, Sundi, Ewerthon, Rafinha, Paulo Sergio, Alex Frei, Sergej Barbarez, Leandro (Dede), Lucas (Dede), Marcio Amoroso, Felipe Santana, Ailton, Luciano (Dede), Lucio (Dede); Trainer: Thomas Doll, Ralf Zumdick 

Dede Nationalelf: Roman Weidenfeller, Jens Lehmann, Knut Reinhardt, Christian Wörns, Thomas Hengen, Florian Kringe, Stefan Reuter, Giovanni Federico, Thomas Häßler, Heiko Herrlich, David Odonkor, Giuseppe Reina, Dede, Lars Ricken, Otto Addo, Kevin Großkreutz, Marc-André Kruska, Torsten Frings, Kevin Kuranyi, Patrick Owomoyela, Marcel Schmelzer, Francis Bugri; Trainer: Michael Skibbe

Zuschauer: 81.359 Zuschauer (ausverkauft)

Schiedsrichter: Babak Rafati

06.09.2015, Boris Davidovski


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