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Unsa Senf - 04.09.2015

Volle Fahrt zurück - der BVB nimmt die Ticketpreise für die EL zurück

Die Nachricht mag so manch Einen überrascht haben: Der BVB nimmt für Dauerkarteninhaber mit Option die unverschämte Erstrechnung wieder zurück. Statt mit einem Mal alle drei Spiele in Höhe des vollen Tageskartenpreises einzuziehen, wird nun doch von Spiel zu Spiel abgebucht. Die Südkarten zu 10 Euro, der Rest mit einem Rabatt von 30 %, so dass man ungefähr auf den normalen Umlagepreis der Dauerkarte pro Spiel kommt. Also alles gut? Grund zur großen Dankbarkeit, weil der BVB auf Wünsche der Fans eingeht und eine gewisse Fannähe zeigt?

Mitnichten. Borussia Dortmund hat mit dieser Maßnahme nur etwas korrigiert, das mit gesundem Menschenverstand eh nicht zu erklären war. Ein Spiel gegen Qäbälä teurer als das Derby, Real Madrid günstiger als Krasnodar. Netter Versuch. Da scheint manch einem in der Konzernleitung das Wort „ausverkauft“ so laut im Kopf gedröhnt zu haben, dass es die Stimme der Vernunft übertönt hat. Die Preisgestaltung der diesjährigen Europa-League Saison steht in der Tradition der „Für jeden, der sich beschwert, stehen 10 neue Interessenten bereit“-Rhetorik, die man sich leider in den erfolgreichen Jahren ab 2011 angeeignet hat. Nicht umsonst hatte Herr Watzke in der Vergangenheit schon verkündet, dass er in der Europa-League, egal gegen welchen Gegner, ein gut gefülltes Stadion erwarte. Nicht, dass diese Annahme völlig aus der Luft gegriffen ist, aber sie offenbart auch eine gewisse Selbstverständlichkeit, mit der die schwarzgelben Fanscharen einkalkuliert werden. Die Formulierung „egal gegen welchen Gegner“ kann man gedanklich nur zu leicht um „egal zu welchem Preis“ erweitern.

Jahr für Jahr wurden die Ticketpreise angezogen, die Bedingungen Stück für Stück zu Gunsten des BVB verschärft – ohne dass es zu ernsthaften und spürbaren Protesten kam. Warum also nicht einmal die Taktzahl etwas erhöhen und austesten, wo denn die Grenze des Erträglichen für die Fans wirklich liegt? Wer heute anstandslos mehr als 30 Euro für einen Sitzplatz in der Europa-League bezahlt, dem kommen dann Preise über 40 Euro ganz natürlich vor, wenn es nächste Saison hoffentlich wieder in der Königsklasse weitergeht. Dabei hat man dieses Mal zu hoch gepokert und sich verzockt. Der Einsatz wurde so hoch angesetzt, dass viele Fans einfach nicht mehr mitgehen wollten und über die verschiedenen Kanäle und Institutionen ihren massiven Unmut geäußert haben. Breiter Protest gegen den eigenen Verein. Es ist wohl ziemlich schnell klar gewesen, dass sich ein veritables PR-Desaster bei dem Verein, der es bislang eigentlich bravourös verstanden hat, sich gleichzeitig als sympathischer Gegenentwurf zum großen Geld zu präsentieren und dabei in allen Ticketpreiskategorien einen unrühmlichen Platz in der Spitzengruppe einzunehmen, abzeichnete und man ruderte schnell und sogar ziemlich weit zurück.

Gut, man hat also Mist gebaut und dann sollte man auch dazu stehen. Tut man aber auch nicht. Die Formulierung, es sei „ein Fehler unterlaufen“, ist nicht nur wachsweich, sondern auch absolut nichtssagend. Welcher Fehler dort passiert sein soll, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Praktikanten, die falsche Preise eingeben, sind genau so gut möglich wie Feenstaub, der auf mysteriöse Weise die erzeugten Rechnungen abändert. Das ist Quatsch. Hier ist kein Fehler unterlaufen, das war eine bewusste und strategische Entscheidung im Vorfeld. Wie sonst ist man auf die 20 % Rabatt für die Qualifikationsspiele gekommen? Schon diese Preise waren höher als ein x-beliebiges Bundesligaspiel, der Rabattierungssatz von 20 Prozent findet sich sonst an keiner anderen Stelle. Kleiner Quervermerk: es ist noch nicht so lange her, da hat der BVB für Spiele diesen Kalibers den Dauerkarteninhabern freien Eintritt gewährt, weil man froh war, dass so viele Leute trotz überschaubaren sportlichen Erfolgs bei der Stange geblieben sind. Man hat mit der Preisgestaltung für die Spiele gegen Wolfsberg und Odds bewusst hoch angesetzt, um einen noch höheren Preis für die Gruppenspiele argumentieren zu können. Es war sicherlich eine Fehleinschätzung, aber kein Fehler, der irgendwie passiert ist. Ansonsten könnten wir uns ja vielleicht auch darüber unterhalten, wie die fehlerhaft eingezogenen 10 % Differenz aus den beiden Spielen jetzt noch nachträglich rückvergütet werden, wenn man doch eigentlich die gewohnten Preise aufrufen wollte.

Aber gut, das Ding ist erst einmal durch. Und beide Seiten sollten etwas daraus gelernt haben. Wir Fans, dass es trotzdem wichtig und auch wirkungsvoll ist, wenn man den Mund aufmacht. Es ist nicht verboten, seinen Unmut zu äußern und deutlich zu machen, dass man mit Entwicklungen nicht einverstanden ist. Ganz so leicht ist es eben doch nicht, dass man für Kritik sofort auf der Tribüne ausgetauscht wird. Und der Verein, dass eine so große und treue Anhängerschaft auch ein Privileg darstellt, das man pflegen und bewahren muss. Der letzte Satz der Verlautbarung, dass man sich zeitnah mit Fanabteilung und –rat zusammensetzen wolle, um Ticketingsorgen anzugehen, macht Hoffnung, dass man verstanden hat.

Ein Angebot, das von Fanseite mit Sicherheit gerne angenommen wird. Schließlich gibt es da für die Zukunft einige Dinge zu besprechen – aber wir lassen mit uns reden.

Sascha, 04.09.2015


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