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Unsa Senf - 29.08.2015

Mit Vollgas in die Gruppenphase - Die Gegner des BVB in der Europa League

Mit einem Offensivspektakel der feinsten Sorte beendete die Borussia am Donnerstagabend die mehr oder weniger mühselige Qualifikation zur Gruppenphase der Europa League über zwei zusätzliche Ausscheidungsrunden. Mit einem 7:2 fegte der BVB den zumindest im Rückspiel dann doch deutlich überforderten norwegischen Erstligisten von Odds BK aus dem Westfalenstadion, und sicherte sich somit die Teilnahme an mindestens sechs weiteren Europapokalspielen in dieser Saison. Die Auslosung Freitagmittag im Grimaldi-Forum von Monaco bescherte der Mannschaft von Thomas Tuchel durchaus interessante und vom sportlichen Format mal etwas „andere“ Herausforderungen auf internationalem Parkett. Die Gegner des BVB gibt’s hier im Check:

PAOK Thessaloniki (Griechenland)

Weg in die Gruppenphase:

Anders als den BVB, führte PAOK, den letztjährigen 3. der griechischen Super League, der Weg in die Gruppenphase der Europa League über drei Ausscheidungsrunden. Der zweimalige griechische Meister und viermalige Pokalsieger bekam es jedoch ebenfalls mit eher unbekannteren Ausnahmemannschaften wie Lokomotiva Zagreb, Spartak Trnava und Bröndby IF zu tun und hatte nur in den Duellen mit Trnava leichte Anlaufschwierigkeiten. Im heimischen Toumba-Stadion von Thessaloniki wurde in der finalen Qualirunde der Bröndby IF jedoch im Hinspiel mit einem souveränen 5:0 nach Hause geschickt und damit der Grundstein für eine erfolgreiche Qualifikation gelegt.

Sonstiges:

Erwähnt man das Toumba in Saloniki, so dürfen sich die Dortmunder Auswärtsfans schon mal auf ein sehr spezielles Stadionerlebnis mit 29.000 völlig fanatischen, und für ihre teils atemberaubenden pyrotechnischen Feuerwerke bekannten griechischen Fans freuen.

Schlüsselspieler und Spielanlage:

Betrachtet man den aktuellen Kader von PAOK etwas näher, so fallen dem ein oder anderen hartgesottenen Bundesligafan einige durchaus bekannte Namen ins Auge. Mit Ricardo Costa, Giorgos Tzavellas und Alexandros Tziolis befinden sich nicht nur gestandene Nationalspieler, sondern auch Akteure mit reichlich Bundesligaerfahrung in der Mannschaft des griechischen Erstligisten. Doch der wohl wichtigste Mann im Spiel von Saloniki ist der slowakische Nationalspieler Robert Mak. In der Bundesliga ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt, spielte der 25-jährige Torjäger erst bei Manchester City, bevor er für den 1. FC Nürnberg in Deutschlands höchster Spielklasse relativ erfolgreich auf Torjagd ging. Seine Torgefahr stellte er im schon erwähnten Qualifikationsspiel gegen Bröndby unter Beweis, als er PAOK mit drei Treffern quasi im Alleingang in die Gruppenphase schoss.

In der bevorzugten 3-5-2 Formation des aktuellen Trainers Igor Tudor (ehemaliger kroatischer Weltklasseverteidiger u.a. bei Juventus Turin), bilden Costa und Tzavellas in der Dreierkette den Kern des Defensivverbunds. Im Offensivspiel ist Mak selten auf sich allein gestellt und wird häufig von einer zweiten Offensivkraft, meistens Jairo, in der Spitze unterstützt. Tudor hat es zudem gut verstanden, der Mannschaft die richtige Balance zwischen Erfahrung, spielerischer Qualität und jugendlicher Unbekümmertheit zu verpassen. Während die erste Elf größtenteils mit internationalen und erfahreneren Spielern gespickt ist, schlummern auf der Bank vielversprechende und junge griechische Talente wie ein Stelios Pozoglou oder Efthymis Koulouris.

Einschätzung:

Betrachtet man die Sache rational und logisch, sollte die sportliche Hürde PAOK für die Borussia gar keine sein. Zieht der BVB abgeklärt und fokussiert seinen „Matchplan“ durch, wird für die Griechen in beiden Spielen nichts zu holen sein. Lassen sich die Dortmunder jedoch zu Konzentrationsschwächen hinreißen und verunsichern, zum Beispiel im Hexenkessel von Toumba, könnte es zumindest auswärts ein mehr als heißer Tanz werden.

Der BVB bestreitet sein Auswärtsspiel in Thessaloniki am 1. Oktober, das Rückspiel in Dortmund beendet die Gruppenphase am 10. Dezember.

FK Krasnodar (Russland)

Weg in die Gruppenphase:

In der letzten Spielzeit beendete der FK Krasnodar die heimische Premier-Liga als Drittplatzierter, was gleichbedeutend war mit der Teilnahme an der Qualifikation zur Europa League. So wie auch der BVB, musste der erst 2008 gegründete Klub zwei Ausscheidungsrunden überstehen. Die Gegner auf dem Weg zur Gruppenphase waren zuerst der slowakische Vertreter Slovan Bratislava und danach der HJK aus Finnland. Mühten sich die Russen in der ersten Runde noch zu einem relativ hart erkämpften 3:3 und 2:0 zum Weiterkommen, so wurde der finnische Kontrahent relativ souverän aus dem Weg geräumt.

Sonstiges:

Bei knappen 3000 Kilometern Entfernung erwartet die Dortmunder Anhänger eine relativ weite Anreise in die 830.000 Einwohner zählende südrussische Metropole unweit des Schwarzen Meeres.

Schlüsselspieler und Spielanlage:

Seit knapp zwei Jahren leitet der weißrussische Trainer Oleg Kononov die Geschicke beim russischen Erstligisten, welcher in der Liga aktuell einen durchschnittlichen 6. Platz belegt. Unter seiner Riege bilden der Schwede Granqvist und der Isländer Sigurdsson meist die Stamminnenverteidigung. Granqvist, mit 30 im besten Fußballeralter und zudem auch Kapitän der Mannschaft, gilt als sehr erfahrener und gestandener Nationalspieler mit über 40 Auftritten im gelben Trikot der Sverige. Mit Vladimir Bystrov, Dmitri Torbinski und Pavel Mamaev befinden sich zudem aktuelle, beziehungsweise ehemalige russische Nationalspieler im Kader, die im zentralen Mittelfeld und auf den Außenbahnen ihre Stärken ausspielen können.

Im bevorzugt gespielten offensiven 4-3-3 bildet in dieser Saison meist Fedor Smolov die Sturmspitze, wechselt sich aber häufig mit den anderen beiden Offensivkräften Wanderson und Ari ab. Ein besonderes Augenmerk gilt außerdem dem nur 1,65 Meter großen Brasilianer Joaozinho. Klein, wendig und schnell, kann sich der Linksaußen leicht zu einem Unruheherd entwickeln.

Einschätzung:

Letzte Saison noch in der Gruppenphase der Europa League gegen Wolfsburg, Lille und Everton als Dritter ausgeschieden, kann man den Russen dieses Jahr aufgrund der Gruppenkonstellation sicherlich mehr Chancen auf ein Weiterkommen ausrechnen. Realistisch erscheint ein Zweikampf mit PAOK um den zweiten Platz in der Gruppe, wobei die Russen den einen Tick höhere Qualität aufzuweisen scheinen als die Griechen. Der Borussia sollte jedenfalls auch diese Elf keinen Angstschweiß auf die Stirn jagen und bei konzentrierter Leistung müssten die sechs Punkte eigentlich im Sack sein. Einzig die Reisestrapazen könnten sich im Nachhinein als Nachteil erweisen.

Der BVB bestreitet sein erstes Gruppenspiel zuhause gegen Krasnodar am 17. September. Das Rückspiel in Russland findet am 26. November statt.

FK Qäbälä (Gabala, Aserbaidschan)

Weg in die Gruppenphase:

Letzte Saison noch in der allerersten Qualifikationsrunde relativ sang-und klanglos mit 0:5 gegen NK Siroki Brijeg aus Bosnien ausgeschieden, qualifizierte man sich dieses Jahr fast schon sensationell in 4 (!) Qualirunden als letztjähriger 3. der heimischen Premyer Liqası. Besonders das letzte Playoffduell sorgte für großes Aufsehen, als man völlig überraschend den großen Favoriten Panathinaikos Athen mit 2:2 nach Auswärtstorregelung besiegte und somit in die Gruppenphase einzog. Die Gegner in den vorherigen Ausscheidungsspielen hießen Dinamo Tiflis, FK Cukaricki und Apollon Limassol.

Sonstiges:

Am 3. Juli 1995 als Göy Göl Xanlar gegründet, unterzog sich der Klub drei weiteren Namensänderungen, bis 2007 der Name Qəbələ Futbol Klubu Einzug erhielt und bis heute noch Bestand hat.

BVB - Fans, die diese Auswärtsreise antreten wollen, gehören mit großer Sicherheit zu denjenigen, bei denen die Liebe für den Verein über alle Ländergrenzen hinausgeht. Seine internationalen Spiele trägt Gabala in der Hauptstadt Baku aus. Mit Flugzeiten um die fünf Stunden kann somit auf jeden Fall gerechnet werden.

Schlüsselspieler und Spielanlage:

Luiz Paulo Hilario Dodo. Oder einfach kurz: Dodo. Sorgte im Alleingang mit einem Doppelpack gegen Panathinaikos dafür, dass Gabala bald im Signal Iduna Park auflaufen darf. Der 27-jährige Brasilianer ist mit 138 Spielen der erfahrenste Mann der Elf von Trainer Roman Hryhorchuk.

Ebenfalls nicht zu vernachlässigen: Stürmer und Nationalspieler Aserbaidschans Javid Huseynov, der 14 Tore in 38 Spielen als Empfehlung mit nach Dortmund bringt. Zu guter letzt ein auch nicht gänzlich unbekannter Mann : Oleksiy Gai. Ukrainischer Nationalspieler und bis 2013 in Diensten von Shakhtar Donetsk, seit diesem Jahr aber ebenfalls aktiv bei Gabala. Zu Spielsystem, Aufstellung und Taktik lassen sich nur schwierig Schlüsse ziehen. Betrachtet man Gabalas Spiele gegen Panathinaikos Athen, so wird deutlich, dass Hryhorchuk höchstwahrscheinlich in einem 4-2-3-1 System spielen lassen wird, bei dem zum Beispiel Dodo auf der offensiven linken Außenposition zum Einsatz kommen könnte. Zudem lässt sich sagen, dass der Kader bis auf einige Ausnahmen größtenteils aus ukrainischen und aserbaidschanischen Spielern besteht und diese ihre Karriere größtenteils im Heimatland verbracht haben.

Der BVB absolviert sein Auswärtsspiel in Baku am 22. Oktober. Das Rückspiel in Dortmund findet am 5. November statt.

Einschätzung:

Die mit Abstand größte Unbekannte in dieser Gruppe. Einerseits ist es kaum möglich die heimische Liga in Aserbaidschan, mit nur 10 Mannschaften besetzt, qualitativ auch nur im Ansatz einzuschätzen. Andererseits setzt sich Qualität in den meisten Fällen im Fußball durch und so wird es auch hier Gründe geben, wieso gerade diese eigentlich komplett unbekannte Mannschaft aus dem großen Kaukasus es (verdientermaßen) in die Gruppenphase der Europa League geschafft hat. Nichtsdestotrotz kann dies dem BVB egal sein, denn gerade in diesem Fall ist es unter allen Umständen absolutes Pflichtprogramm beide Spiele erfolgreich zu gestalten.

Fazit

Lange Rede, kurzer Sinn: Man kann sagen, der BVB hatte das Glück den großen sportlichen Brocken komplett aus dem Weg gehen zu können und somit kann und muss es das Ziel sein, aus dieser Gruppe als Erster hervorzugehen. Bestätigt die Borussia die in der bisherigen Saison gezeigte Leistung und Spiellust in konsequenter Art und Weise, muss man sich dieses Jahr in diesem Wettbewerb auch vor weit größeren sportlichen Herausforderungen keinesfalls verstecken.

Europa, wir kommen! Heja BVB!

29.08.2015, Boris Davidovski


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