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Warmlaufen - 22.08.2015

Alles Plastik, oder was? - Der Vorbericht zum Auswärtsspiel in Ingolstadt

Eine neue Saison heißt oft auch, dass man neue Vereine kennenlernt. Manche von Ihnen begrüßt man gerne (wieder) im Oberhaus des deutschen Fußballs, bei anderen hofft man, dass sie möglichst schnell wieder verschwinden mögen. Unser Gegner im ersten Auswärtsspiel der Saison, der FC Ingolstadt, dürfte für die meisten Fans eher zur letzten Kategorie gehören. Langweilig, Plastik, Werksclub, Spielzeug – das dürften die gängigsten Meinungen zu diesem Verein sein. Und damit landet er in der gleichen Kategorie ungeliebter Vereine wie Wolfsburg, Hoffenheim oder Leipzig. Schauen wir uns „die Schanzer“ doch mal genauer an.

Der Vorwurf, ein langweiliger Verein zu sein, lässt sich wohl nicht von der Hand weisen. Kunststück, wenn man aus einer Stadt kommt, über die bei Wikipedia zu lesen ist: „Für die Zeit zwischen dem späten 9. und dem beginnenden 13. Jahrhundert fehlen jegliche urkundliche Belege für Ingolstadt.“ Man hat also sozusagen über 400 Jahre hinweg die Langeweile kultiviert. Aber gut, dafür kann der Verein ja nichts. Wofür er wohl etwas kann, das sind die Zuschauerzahlen. Der Audi-Sportpark umfasst 15.000 Plätze, die im Schnitt in der letzten Saison nur zu zwei Dritteln besetzt waren. Weniger Zuschauer kamen nur nach Aue, Aalen, Frankfurt (FSV) und Sandhausen. Ganze drei Mal war das Stadion ausverkauft, zwei Mal davon gegen 1860 München und den „Glubb“. Die volle Hütte dürfte also nicht unwesentlich mit der Schar reiselustiger Gästefans zusammenhängen. Das sind für eine Aufstiegssaison bescheidene Zahlen und man kann nicht gerade davon sprechen, dass der FC Ingolstadt eine Region in Euphorie und Aufregung versetzt hat. Natürlich fehlt da jeglicher Glamourfaktor bekannter Bundesligavereine und die wenigsten Gästefans werden Ingolstadt mit leuchtenden Augen verlassen.

Mit Sicherheit ein Grund dafür ist, dass der FC Ingolstadt ein junger Verein ist. Auch wenn die „04“ im Vereinsnahmen einen eher unrühmlichen Jahrgang im vergangenen Jahrtausend suggeriert, ist der Verein als solcher erst 11 Jahre alt und aus einer Fusion des MTV Ingolstadt mit dem ESV Ingolstadt –Ringsee in der Bayernliga hervorgegangen. Für manchen schon ein Grund, die Nase zu rümpfen, aber letztendlich auch keine andere Gründungsgeschichte, als die heutigen Traditionsvereine 1. FC Köln, VfL Bochum oder MSV Duisburg vorweisen können. Hauptantreiber für die Fusion war damals der Unternehmer Peter Jackwerth, der sich mit seinem Zeitarbeitsunternehmen TUJA GmbH zu Anfangszeiten gleichzeitig als Trikotsponsor und auch Namensgeber des damaligen Stadions in Ingolstadt engagiert hat. Mittlerweile hat sich Jackwerth aus seinem Unternehmen zurück gezogen und konzentriert sich als Vorstandsvorsitzender und Mitglied des Aufsichtsrats voll auf den Fußballverein. Von Hoppscher Allmacht ist er allerdings deutlich entfernt. Von den insgesamt sechs Posten im Aufsichtsrat werden vier von aktuellen oder ehemaligen Beschäftigen des Audikonzerns oder deren Mutter VW belegt. Der Audi AG besitzt knapp 20 % der FC Ingolstadt Fußball AG, ihr gehören über die Tochtergesellschaft Audi Immobilien Verwaltung GmbH 100 % der FC Ingolstadt Stadionbetreiber GmbH und somit das Stadion und Trainingsgelände. Zusätzlich hat man mit 5 Millionen Euro für die Namensrechte ca. 20 % der Baukosten getragen. Fairerweise darf man nicht unerwähnt lassen, dass die Schanzer für die Nutzung auch eine jährliche Miete zahlen. Dennoch, ein Kunstprodukt sind sie sicherlich. Ein Hybrid, der Züge von Hoffenheim und Wolfsburg in sich trägt, ohne dass eine der beiden Komponenten allein entscheiden darf. Ohne den Unternehmer Jackwerth würde es diesen Verein vermutlich gar nicht geben, ohne Audi hätte er sich wohl nie von anderen Clubs wie Jahn Regensburg absetzen können. Ein VolksHopp sozusagen.

Sportlich geht man jedoch einen anderen Weg als Hoffenheim oder die Leipziger Brause und die Leistung der letzten Saison darf man durchaus schätzen. Während die zuvor genannten Vereine für Spieler wie Carlos Eduardo oder Davie Selke für Zweitligaverhältnisse astronomische Summen investiert haben, liest sich der Kader von Ingolstadt wie eine Sammlung gescheiterter Erstligaexistenzen. Matthew Leckie, Marvin Matip, Almog Cohen, Tomas Pekhart und Tobias Levels. Erweitert durch Spieler aus dem eigenen Nachwuchs und anderer Vereine, die noch nie erstklassig gespielt haben. Die 3,2 Millionen €, die man sich für Verstärkungen für die erste Liga gönnt, nehmen sich geradezu bescheiden aus im Vergleich zu den über 15 Millionen mit denen Red Bull den Aufstieg anpeilt. Und dabei sind die Gratisspieler, die innerhalb der Bullenbande verschoben wurden, nicht einmal berücksichtigt. Natürlich kann man einwenden, dass der FC Ingolstadt ohne Audi und Co. wohl auch diesen Kader nicht finanzieren könnte, aber das häufig angeführte Argument, dass solche Clubs den alten Traditionsvereinen einen Aufstiegsplatz wegnehmen, zieht in diesem Falle nicht. Man hat mit gleichen Mitteln schlicht und ergreifend besser gearbeitet als beispielsweise Kaiserslautern. Eine Leistung, die man auch mal anerkennen muss.

Trotzdem sollte die Mannschaft von Trainer Ralf Hasenhüttl eigentlich kein großer Stolperstein für unseren BVB werden. Noch liegen Welten zwischen beiden Kadern und wenn unsere Borussia nur halbwegs die Leistung aus dem Gladbachspiel abrufen kann, dann sollte es für den zweiten Sieg im zweiten Spiel reichen.

Borussia Dortmund: Bürki – Stenzel, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Weigl, Gündogan, Reus, Kagawa, Mkhitaryan – Aubameyang

Ingolstadt: Özcan – Levels, Matip, Hübner, Engel – Groß, Roger, Morales – Hartmann, Hinterseer - Leckie

Sascha, 21.08.2015

 


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