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Spielbericht Profis - 15.08.2015

Saisonstart nahe der Perfektion

Spruchbandaktion der Südtribüne Dortmund gegen SpieltagszerstückelungPerfekter Saisonauftakt für den BVB gegen Gladbach. Der erste echte Härtetest unter Thomas Tuchel wurde mit einem 4:0 bestanden, das noch deutlich höher ausfallen gekonnt hätte. Der BVB brannte ein Offensivfeuerwerk vom Feinsten ab und rief Erinnerung an Zeiten wach, als die Schwatzgelben die ganze Liga an die Wand gespielt haben.

Die Bauern vom Niederrhein hatten uns ja zuletzt trotz geringerer finanzieller Möglichkeiten etwas den Rang abgelaufen. Es war also an der Zeit, die Verhältnisse wieder gerade zu rücken. Natürlich war der Tempel ausverkauft und dank des neuen Stehplatzblocks auf der Nord konnten endlich wieder mehr als 81.000 Fans die Borussia live erleben.

Zum Einlauf der Mannschaften präsentierte die Süd eine riesige Zaunfahne und mehrere Banner und Tapeten zum Protest gegen eine weitere Aufsplittung des Spieltags und drohende Montagsspiele. Der Gästeblock protestierte zeitgleich gegen Betretungsverbote.

Aktion der Gladbacher gegen BetretungsverboteDann sang endlich Karl-Heinz Bandosz und die Saison begann. Europaliga und Pokalspiele sind eben kein echter Ersatz für Bundesligafußball. Kaum rollte der Ball, standen schon sämtliche Tribünen und peitschten die Mannschaft mit Wechselgesängen nach vorn.

Der BVB begann im gewohnten 4-2-3-1 System mit Julian Weigl anstelle von Sven Bender auf der Sechs. Lucien Favre ließ etwas überraschend Patrick Herrmann nur auf der Bank. Dass ein deutscher Nationalspieler bei den Gladbachern keinen Stammplatz mehr sicher hat, ist ein weiterer Ausweis der gesteigerten Qualität im Kader der Grenzländer.

Roman Bürki, der den Zweikampf mit seinem Namensvetter Weidenfeller zunächst gewonnen hat, segelte gleich unter der ersten Gladbacher Ecke durch und sorgte so für einen ersten Schreckmoment. Das sollte aber sein einziger Wackler in diesem Spiel bleiben. Seine Vorderleute hielten den Ball allerdings auch weitgehend fern von seinem Kasten.

Hier jubelt Micki noch nach seinem AbseitstorNach einer schönen Kombination über Hummels und Kagawa erzielte Mkhitaryan das vermeintliche 1:0, aber der Linienrichter hatte ihn zuvor fälschlich im Abseits gesehen. Direkt im Gegenzug hatte Gladbach die große Chance zur Führung, aber Schmelzer klaute Drmic noch im letzten Moment den Ball vom Fuß. Obwohl der gegenseitige Respekt der Mannschaften jederzeit zu spüren war, entwickelte sich eine mitreißende Partie.

Und der BVB belohnte sich für seinen druckvollen Start. Nach einer Viertelstunde schickte Kagawa Reus in den Strafraum und der vollendete überlegt. Keine Chance für Sommer. Natürlich wurde der Treffer mit höhnischem Dööp-Dööp-Dööp gefeiert. Dortmund blieb auch nach dem Treffer weiter am Drücker und erspielte sich eine solide Feldüberlegenheit.

Dann zeigte Marcel Schmelzer erneut, dass Thomas Tuchel ihm das Flanken beigebracht hat. Er servierte den Ball wunderbar für Aubameyang, der ihn mit seiner neuesten Frisurenkreation ins lange Eck verlängerte. Erneut erklang Scooter im Süden und anschließend flogen verbale Steine auf die Elf vom Niederrhein. Dass dem Glafbacher Pöbel als Konter nichts anderes als homophobe Scheiße einfiel, verdeutlicht erneut das überschaubare Niveau, auf dem sich der Intellekt des gemeinen Ponyfans bewegt. Die Süd schmetterte im Gegenzug voller Inbrunst die Lotosblume durch den Tempel.

Marco Reus bejubelt den FührungstrefferDie Gäste schienen durch den deutlichen Rückstand geschockt und trauten sich kaum mehr aus der eigenen Hälfte. Dortmund setzte jetzt auf blitzartige Angriffe und wenn Reus der Ball nicht über den Schlappen gerutscht wäre, hätte er wohl schon so etwas wie eine Vorentscheidung erzielen können.

Der BVB blieb weiter spielbestimmend und ließ den hoch gehandelten Gladbachern überhaupt keinen Raum zur Entfaltung. Als die Gäste sich nach einer halben Stunde doch noch mal nach vorne trauten, wurden sie gnadenlos ausgekontert. Gündogan schickte Aubameyang auf die Reise und der hatte nach seinem Sprint über das halbe Spielfeld noch das Auge für den mitgelaufenen Mkhitaryan. Der Armenier zeigte seine neugewonnene Coolness vor dem leeren Kasten und knallte den Ball zum 3:0 in die Maschen.

Jetzt tanzten die Massen auf den Tribünen des Tempels, während die Schwatzgelben weiter angriffen. Aubameyang scheiterte allerdings mit einem Seitfallzieher an Sommer ebenso wie Hummels per Kopf. Das tat der Partystimmung im Westfalenstadion aber keinen Abbruch. Wieder hallten eindrucksvolle Wechselgesänge durch das Theater der Träume. Mkhitaryan war immer noch hungrig und versuchte es erneut aus der Distanz, verfehlte aber knapp. Aubame setzte nochmal den Seitfallzieher an, aber zum Tor des Monats wollte es noch nicht ganz Aubameyang steht Kopf - 2:0reichen. Das warf aber auch keinen Schatten mehr auf Dortmunds fantastische erste Halbzeit. Der BVB zeigte eine große Spielfreude und überrollte die Gäste. Am Ende standen 12:3 Torschüsse als eindrucksvoller Beleg der Dortmunder Überlegenheit zu Buche.

Halbzeit

Auch zur zweiten Halbzeit präsentierte die Süd wieder einige Transparente. Diesmal wurde gegen die Kollektivstrafen protestiert, mit denen der DFB den Dortmunder Fans in dieser Hinrunde sämtliches Material bei Auswärtsspielen verboten hat. Das Südtribünen-Bündnis zeigte damit, dass es in der Lage ist, mit koordinierten Aktionen, die sich mitnichten auf Block Drölf beschränken, ein deutliches Zeichen zu setzen.

Der BVB wollte da weitermachen, wo man in der ersten Halbzeit aufgehört hatte und bereits kurz nach Wiederanpfiff wurde Reus im Strafraum angespielt, konnte sich aber diesmal nicht durchsetzen. Mkhitaryan setzte dann Drmic mit einem blöden Fehlpass im Spielaufbau in Szene, aber der schloss überhastet ab und verfehlte den Kasten deutlich.

Henrikh Mkhitaryan sorgte für das beruhigende 3-0Quasi im Gegenzug versetzte der Armenier allerdings den Gladbachern den endgültigen Todesstoß. Von Reus wunderbar freigespielt, erzielte er seinen zweiten Treffer des Spiels. Der Westfalentempel feierte das Tor mit einer Scooter-Party über alle Tribünen. Die Stimmung kochte nun über. Mit so einem Saisonstart hatte wohl keiner gerechnet.

In der 57. Minute zeigte Gladbach dann mal einen Hauch der Qualität, die man von ihnen eigentlich erwartet hatte und kombinierte sich mit schnellem Direktspiel vor das Tor von Roman Bürki. Allerdings war gegen Sokratis dann doch kein durchkommen und auch die anschließende Ecke blieb ungefährlich.

Aber die Musik spielte an diesem Samstagabend weiter in der Hälfte der Gäste. Teilweise riss es sogar die eigentlich um Neutralität bemühten Pressevertreter aus den Sitzen, wenn die einzig wahre Borussia sich durch die Gladbacher Abwehrreihen zauberte. TU machte dann nochmal auf den Boykotte des Auswärtsspiels in Sinheim aufmerksam und schmetterte dazu „Fußball muss bezahlbar sein – für alle!“

Derweil zauberten die Borussen einfach weiter. Aubameyang lupfte den Ball in den Lauf von Kagawa und der kleine Japaner schaffte es nur ganz knapp nicht, sich die verdiente Belohnung für seine starke Leistung abzuholen. Mkhitaryan riss die schwatzgelbe Glaubensgemeinschaft dann mit einem wunderbaren Dribbling am eigenen Strafraum mit anschließendem Zuckerpass von den Sitzen. Der Armenier scheint sich unter dem neuen Trainer endlich von der Last der Erwartungen frei zu spielen.

Xhaka gegen AubameyangGladbach hatte die Angriffsbemühungen nun endgültig eingestellt und war nur noch daran interessiert, die Niederlage in einigermaßen erträglichem Ausmaß zu halten. Der BVB erspielte sich aber trotzdem munter weitere Chancen, vergab sie aber angesichts der sicheren Führung nun etwas leichtfertig. Es war aber wunderbar, mitzuerleben, wie der BVB endlich wieder das riesige spielerische Potential seiner Offensivkräfte auf den Rasen brachte. Kagawa, Reus, Mkhitaryan, Gündogan und Aubameyang malten ein paar Kombinationen zum Einrahmen auf das satte Grün.

Julian Weigl, der spielte, als hätte er schon 300 Bundesligaspiele auf dem Buckel, jagte auch noch einen Fernschuss knapp über den Winkel. Dortmund war alles, aber nicht satt! Mats Hummels sezierte mit einem Steilpass auf Schmelzer die gesamte Gladbacher Abwehr, nur der Abschluss wollte nicht mehr gelingen. Aber das konnte den nahezu perfekten Fußballabend der Borussia auch nicht mehr trüben.

Nach Schlusspfiff wurde die Mannschaft von einer ekstatisch feiernden Südtribüne empfangen und das Team lief sogar eine kleine Ehrenrunde. So kann es gerne weitergehen! Wenn dieses Spiel ein Fingerzeig Richtung Zukunft gewesen sein sollte, dann steht uns eine schöne Saison bevor.

Stimmen aus der PK

Thomas Tuchel war zufriedenFavre: Wir haben nicht schlecht angefangen und hatten zwei gute Konter. Nach dem Gegentreffer haben wir vergessen einfach zu spielen und richtig zu verteidigen. Der Gegner war sehr stark. Sie waren einfach viel besser als wir.

Tuchel: Es war eine herausragende Stimmung. Ich hatte Gänsehaut. Ich war froh wie meine Mannschaft heute auf dem Platz stand. Wir haben mit Mut und Disziplin gegen einen starken Gegner gespielt und uns viele Chancen erarbeitet.

BVB: Bürki - Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Weigl - Reus (78. Kampl), Kagawa (85. Bender), Mkhitaryan - Aubameyang (78. Ramos)

Münchenklappdach: Sommer - Jantschke, Schulz, Christensen, Wendt - Stindl, Xhaka (79. Dahoud) – Traoré (65. Herrmann), Johnson - Raffael – Drmic (66. Hazard)

Tore: 1:0 Reus (15.), 2:0 Aubameyang (21.), 3:0 Mkhitaryan (33.), 4:0 Mkhitaryan (50.)

Gelbe Karte: Xhaka

81.359 Zuschauer im Westfalentempel

Web, 15.08.2015


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