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Helden in schwatzgelb - 07.08.2015

Siggi Held feiert heute Geburtstag – wir gratulieren!

Er gilt als der große Schweiger der „Helden von 1966“. Heute feiert Siggi Held seinen Geburtstag. Auch ohne rundes Jubiläum darf ein Glückwunsch für diese tragende Säule der Europapokalmannschaft, die wir anlässlich des 50. Jubiläums des Triumphs von Glasgow diese Saison besonders begleiten, nicht fehlen.

Gerade erst zu Borussia Dortmund gewechselt, war die Saison 1965/66 für Held gleich die erfolgreichste: Mit dem BVB wurde er deutscher Vizemeister und Europapokalsieger und seiner erstmaligen Berufung in die Nationalmannschaft folgte die Teilnahme an der Weltmeisterschaft mit dem Endspiel gegen England in Wembley. Er war zudem der erste Gast überhaupt, der auf die Torwand des ZDF-Sportstudios schießen durfte.

Mannschaft von 1965/66, Siggi Held steht in der hinteren Reihe ganz links

Herkunft und frühe Karriere

Held wurde in Freudenthal im Sudetenland geboren und  war damit einer der ersten BVB-Spieler, der nicht aus dem Ruhrgebiet, bzw. aus dem Westen Deutschlands stammte. Aufgewachsen ist er in Marktheidenfeld in Franken, wohin seine Familie nach der Vertreibung aus Freudenthal, dem heutigen Bruntál in Tschechien, kam. Ihren Besitz hatte die Familie Held nahezu vollständig zurücklassen müssen und kam zunächst in einem Flüchtlingslager unter, wo die Lebensbedingungen alles andere als gut waren: für Siggi Held war es keineswegs selbstverständlich, genug zu essen zu haben. Erst als sein Vater eine Stelle als Bahnbeamter antreten konnte, ging es für die Familie langsam aufwärts. Sein Vater war es auch, der ihn zum Fußballplatz des Ortes mitnahm und seine Fußballleidenschaft an den Sohn weitergab. Dieser träumte den Traum vieler Kinder, einmal Fußballer zu werden und nutzte jede Möglichkeit und Fläche, um zu spielen. Doch erst mit 15 Jahren wurde er Mitglied beim TV Marktheidenfeld, seinem ersten Verein. Ein solch später Einstieg in den Vereinsfußball wäre heute für die Karriere als Profifußballer nicht mehr denkbar.

Auf seinen Durchbruch als Fußballer musste auch Siggi Held länger warten und zunächst machte er eine kaufmännische Lehre bei einem Steuerberater – parallel zum Fußball einem Beruf nachzugehen war für die damaligen Spieler die Regel. Entdeckt wurde Held eher zufällig von Sepp Herberger, der ihn während seiner Bundeswehrzeit bei einer Militär-Fußball-Meisterschaft spielen sah. Bei Kickers Offenbach, für die er nun spielte, blieb Held bis 1965. Da sein Traum, in der erst kürzlich gegründeten Bundesliga mitzuspielen, mit den Offenbachern nicht erfüllbar war, strebte Held einen Wechsel an. Seine Wahl fiel auf Borussia Dortmund. Im Vorfeld hatte Held einen frühen Bundesligaskandal ausgelöst, da ein von ihm engagierter Spielerberater einen Vorvertrag mit Hertha BSC ausgehandelt und er daher schon während seiner Tätigkeit bei Offenbach Geld von Hertha BSC erhalten hatte. Held wurde vom DFB-Strafgericht zu einer Geldstrafe und einer vierwöchigen Sperre verurteilt.

Held bei Borussia Dortmund

Der Wechsel zu Borussia Dortmund war für Held keineswegs eine Selbstverständlichkeit. „Ich wusste nur zu gut, dass ich jetzt einer der großen deutschen Spitzenmannschaften angehörte“, schreibt er in seinen Erinnerungen „Rund um den Ball“. Den hohen Erwartungen wurde Held mehr als gerecht: Gemeinsam mit Lothar Emmerich und Stan Libuda bildete er eine äußerst erfolgreiche Sturmreihe. Durch seine Schnelligkeit und Dribbelstärke gelang es ihm, mit seinen zielgenauen Pässen die perfekten Vorlagen für den Torjäger Emmerich zu liefern. Im Europapokalfinale 1966 gegen Liverpool war es jedoch umgekehrt: in der 61. Minute schickte Emmerich Held in den freien Raum und der verwandelte zum 1:0. Beteiligt war Held auch an dem spielentscheidenden 2:1 für Borussia in der Verlängerung, als er mit dem hinausgelaufenen englischen Torwart zusammenprallte. Den abgewehrten Ball verwandelte Libuda aus dem Halbfeld mit einer wunderschönen Bogenlampe zum Siegtor. Nach dem Europapokalfinale gegen Liverpool nannte die englische Presse Emmerich und Held denn auch die „terrible twins“.

Beim BVB blieb Held zunächst bis 1971 und kehrte 1977 nochmals von den Kickers Offenbach für zwei Jahre zur Borussia zurück. Es folgten weitere Engagements bei Preußen Münster und Bayer 05 Uerdingen, bis Held 1981 mit für einen Profifußballer stolzen 39 Jahren in das Trainerfach wechselte. Insgesamt kann Held 422 Bundesliga-Partien mit 72 erzielten Toren für sich verbuchen. Auch für die Nationalmannschaft ist die Bilanz sehenswert: Held war nicht nur bei den Weltmeisterschaften 1966 und 1970 dabei, sondern kam auf insgesamt 41 Länderspieleinsätze. Die Teilnahme an dem Endspiel gegen England in Wembley bezeichnet Held dabei in seiner Autobiographie selbst als Gipfel seiner Fußballkarriere. Allerdings stimme der Spruch, wonach die Zeit alle Wunden heile, in diesem Falle nicht, so Held: „Nichts ist je geheilt. Die schmerzliche Erinnerung bleibt wohl für immer.“

Trainer und Fanbeauftragter

Seine erste Trainerstelle trat er ausgerechnet bei unserem ungeliebten Nachbarn an. Mit den Blauen schaffte er den Aufstieg in die 1. Bundesliga, aber nach nur 18 Monaten wurde er von seinem früheren Teamkollegen Rudi Assauer ohne Begründung gefeuert, worüber auch die Freundschaft der beiden zerbrach. Der bodenständige Siggi Held führte seine Trainerkarriere nun als Globetrotter fort: Von Lüttringhausen über Island, wo er die Nationalmannschaft trainierte, Galatasaray Istanbul, FC Admira/Wacker, Dynamo Dresden, mit denen er trotz vier Strafminuspunkten den Klassenerhalt geschafft hatte, dem japanischen Verein Gamba Osaka, Vfb Leipzig sowie den Nationaltrainerposten in Malta und Thailand erstreckten sich seine Arbeitsorte. Als Trainer zeichnete ihn vor allem die stoische Ruhe aus. Die FAZ schrieb einmal, sein Temperamentausbruch hätte im Hochziehen der buschigen Augenbrauen bestanden [FAZ, 7. August 2002, Nr. 181, S. 31].

Während all dieser Trainerstationen behielt Held seinen Wohnsitz in Dortmund bei. 2006 wurde er als Nachfolger von Aki Schmidt Fanbeauftragter der Borussia. Während in der öffentlichen Berichterstattung über Siggi Held das Bild vorherrscht, er sei ein schweigsamer Mensch, erleben BVB-Fans ihn bei den Begegnungen ganz anders: als offen, freundlich und gesprächsbereit. Siggi Held selbst war immer der Ansicht, dass Leistung für sich spreche. Sieht man sich seine Leistung an, kann man wirklich nur sagen: Sprücheklopfen hatte er nie nötig.

Nina, 07.08.2015

 


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