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Unsa Senf - 11.06.2015

Zlatan der Bodenständige

3266 Tage BVB, 170 Spiele zwischen den Pfosten und doch immer auf dem Boden geblieben: Zlatan Alomerovic ist für viele die Identifikationsfigur unserer zweiten Mannschaft. Jetzt geht es für die Nummer 1 der Amas weiter nach Kaiserslautern. Dort wird sich der Sohn serbischer Einwanderer einen heißen Kampf mit Marius Müller, seines Zeichens U-21 Nationaltorwart, um den Platz im Kasten liefern.

Wie viele Storys aus den letzten Jahren des BVB, erzählt sich die Geschichte des heute 187 cm großen Keepers wie ein Märchen. Weil er damals der Kleinste war, musste Zlatan als Kind ins Tor. Sein Vater versuchte ihn umzustimmen: Für Feldspieler gibt es zehn Positionen – für Torhüter nur einen. Doch Zlatan ließ sich von seinem Weg nicht abbringen: „Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass ich ein etwas skeptischer Mensch bin. Ich konnte die Defensivarbeit sozusagen nicht mehr verlassen, da ich dem Braten sonst nicht getraut hätte. Ich wollte die Verantwortung für den Kasten nicht mehr abgeben.“ Und wie sich herausstellte, war das genau richtig so.

Ein Kind des Ruhrgebiets

Nachdem er mit seinen Eltern im Alter von acht Jahren aus Serbien ins Ruhrgebiet, genau gesagt nach Witten, kam, spielte er sich bis in die Kreisauswahl und wurde im Jahr 2006 bei einem Turnier in Dortmund vom damaligen U15-Coach Volker Pröpper entdeckt. Der empfahl ihn für die U16, wo seine Karriere bei unserer Borussia ins Rollen geriet. Nach überzeugenden Jahren in der Jugend gehörte der mittlerweile 23-Jährige ab der Saison 2010/11 zum Inventar der Amateure, konnte sich aber zuerst nicht gegen Stammkeeper Johannes Focher durchsetzen.

Das sollte sich in der darauf folgenden Saison ändern: Unter dem neuen Trainer David Wagner wechselten sich die beiden Torhüter regelmäßig ab, sodass der Youngster in der Aufstiegssaison auf 15 Spiele kam, von denen unsere Zweite elf Mal gewann. Als Alomerovic im April 2012 einen Profivertrag bekam, war klar: Er soll Torwart Nummer 3 werden und näher an das Profiteam heranrücken. Bei den Amateuren wurde er zum Dauerbrenner in der ersten Elf, bei den Profis reichte es in Pflichtspielen leider nur für einen Platz auf der Bank. Zum tragischen Helden wurde er in dieser Saison bei dem jetzt schon legendären Spiel gegen Unterhaching: Als Alomerovic eine Viertelstunde vor Schluss wegen einer Notbremse die Rote Karte kassierte, ahnten die meisten Fans in der Roten Erde bereits die nächste Pleite für die Amas, doch Stellvertreter Bonmann hielt den Elfer und Harder netzte Sekunden später zum Tor des Tages ein. Trotz dieses spektakulären Siegs konnten die Amas das Ruder nicht mehr herum reißen und müssen den bitteren Gang in die Regionalliga antreten. Das BVB-Märchen Alomerovic endet an dieser Stelle leider ohne Happy End.

Publikumsliebling ohne Höhenflug

Aber nun genug mit der Märchenstunde. Auch wenn der Keeper mit der Rückennummer 33, der mit Hilfe des BVB eine doppelte Staatsbürgerschaft erlangen konnte, nicht den ganz großen schwatzgelben Sprung geschafft hat und einst als großes Idol Oliver Kahn nannte, ist er für viele Fans zu einem Aushängeschild unseres Vereins geworden. Nach Niederlagen ist er immer gerade geblieben und hat Stellung bezogen, nach besonderem Support aus dem BVB-Block bedankte er sich oft für die Unterstützung und forderte dazu auf, die Amas auch beim nächsten Spiel zu unterstützen. Da er nie vergessen hat, wo er herkommt, besucht er jedes Jahr seine Familie in Serbien und Bosnien und pflegt den Kontakt zu seiner alten Gesamtschule, wo er einst bei der Aktion „Schule ohne Rassismus“ zu Gast war.

Mit dem Wechsel von Zlatan Alomerovic verliert Borussia Dortmund einen Keeper, der stets mit Einsatz und Ehrgeiz zwischen den Pfosten stand. Auch er konnte den Abstieg der Amateure nicht verhindern, der FCK angelt sich trotzdem einen Keeper mit großem Potenzial. Zwar werden den Abgang viele Fans bedauern, die Regionalliga wäre für den Keeper jedoch der falsche Platz gewesen. Man weiß nicht, was die Ära Tuchel bringen wird, wenn man den Gerüchten um die Verpflichtung von Roman Bürki Glauben schenken will, kann man den Wechsel des bodenständigen Torwarts aber verstehen.

Alles Gute und Doviđenja, Zlatan!

11.06.2015, Lionard Tampier


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