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Unsa Senf - 14.04.2015

Neustart auf zwei Hochzeiten

Der schwarzgelbe Blick geht heute, Mitte April 2015, sowohl nach oben als auch nach unten. Wir stecken momentan so ein bisschen zwischen den Welten. Auf der einen Seite schlichtweg eine Kack-Saison mit unzähligen enttäuschenden Heimauftritten und blutleeren Auswärtsdarbietungen, auf der anderen Seite aber das Pokalhalbfinale, DAS DERBY der letzten acht Jahre und eine überzeugende CL Gruppenphase. Grund genug für zwei Redakteure, die Vor- und Nachteile einer möglichen Euro League Teilnahme in der kommenden Spielzeit zu benennen und genauer unter die Lupe zu nehmen. Bühne auf und Vorhang frei.

Das DAGEGEN

Champions-League-Achtelfinale, DFB-Pokal-Halbfinale - soweit so gut. Dennoch ist es nicht verkehrt, die Saison 2014/2015 als desaströs zu bezeichnen. 33 Punkte nach 28 Spieltagen mit dem wohl teuersten Kader der Vereinsgeschichte, das ist nicht weniger als genau das: desaströs!

Dass wir dennoch in Reichweite der Europapokal-Plätze sind, ist geradezu lächerlich und sagt viel über die vermeintlich stärkste Liga der Welt aus, die sich diese Saison zu einer langweiligen Klassengesellschaft entwickelt hat. Mit einem großen Verlierer: Unserem BVB.

Bei uns stimmt in dieser Saison, von Sekunde 09 am ersten Spieltag an, überhaupt nichts. Neue Spieler passen nicht ins System, Verpflichtungen aus dem Vorjahr kamen keinen Schritt weiter, Bestandsspieler zeigten langanhaltende Formschwächen.  Spielerisch und taktisch sind in sämtlichen Mannschaftsteilen Rück- statt Fortschritte zu erkennen. Diese (Rück-)Entwicklung in vergessen geglaubte dollsche Zeiten führte zu sagenhaft schlechten Spielen wie: gegen Hannover, in Berlin oder gegen Augsburg. Und das waren nur die verlorenen Partien, oft genug - und nur so konnten wir überhaupt 33 Punkte sammeln - reichte eine mehr schlecht als rechte Leistung für Punkte. In der Rückrunde beispielsweise in Stuttgart oder Hannover, aber auch im Heimspiel gegen den 1. FC Köln zu begutachten.

Wer angesichts dieser Leistungen, der anhaltenden Ideenlosigkeit im eigenen Spielkonzept und den dilettantischen Individualfehler tatsächlich Hoffnungen auf eine internationale Teilnahme in der kommenden Saison hegt, der kann nicht ganz bei Trost sein.

Was diese Mannschaft braucht, ist ein völliger Neustart. Jürgen Klopp muss eine neue Idee für unser Spiel finden. Taktiken, deren Gegenmaßnahmen nicht jeder Fan schon vor Anpfiff kennt und die auch gegnerische Trainer mal wieder überraschen. Dafür braucht er Spieler, die beim BVB zum Star werden wollen und nicht als große Stars für teures Geld eingekauft worden sind - um dann, einer nach dem anderen, zu scheitern.

Für diese Neuentwicklung braucht es Zeit. Zeit für Training und ein Belastungslevel, dass es Spielern ermöglicht, ihre Wehwehchen oder auch echten Verletzungen erst einmal in Ruhe auszukurieren, anstatt drei Tage nach Spiel A schon wieder fit für Spiel B sein zu müssen.
Die Euro League hält für dieses dringend notwendige Update des kloppschen BVB auf die Version 2.0 keinerlei attraktive Features bereit. Die Attraktivität für neue Spieler ist gering, die Einnahmen ebenso, dafür ist die Belastung umso höher. Die Vielzahl der folgenden Bundesliga-Sonntagsspiele macht das Ganze auch für uns Fans wenig begehrenswert.

Diese Bundesliga-Saison sollte kein Ende nehmen, das sie nicht verdient hat. Diese Bundesliga-Saison des BVB hatte, das lässt sich schon jetzt sagen, keine internationale Klasse. Diese Bundesliga-Saison war maximal Tabellenmittelmaß und genau dort sollte sie auch enden. Damit am Ende keine Ausreden übrig bleiben, damit am Ende ein Sommer 2015 folgt, der die Weichen für eine Rückkehr zu erfolgreichen, attraktiven Fußball stellt. Und dafür braucht es keine Euro League-Teilnahme.

Clemens

Das DAFÜR

2010 beim Heimspiel gegen Wolfsburg„Borussia Dortmund international“ bei Heim- und Auswärtsspielen hörten wir erst (sehr) lange Zeit nicht, und dann plötzlich wieder regelmäßig – sehr regelmäßig könnte man fast schon meinen. Die vergangenen Jahre, vier an der Zahl, tourte unser Ballspielverein durch Europa und bereicherte das illustre Teilnehmer-Feld der Champions League. Unglaubliche Erfahrungen und Anekdoten blieben aus dieser Zeit bei so vielen von uns hängen, ein Highlight jagte das nächste. Diese wunderbaren Erinnerungen werden für immer bleiben, denn sie ergänzten den ebenso spannenden Bundesliga-Alltag um eine zusätzliche Facette. Madrid, Madrid, Madrid, Málaga, London, Wembley, AmsterdamSt. Petersburg und noch so einige Schlagworte, mit denen wir einfach tolle Momente verbinden.

Zurzeit aber – und damit erzähle ich nichts Neues – hängt unsere Borussia so ein bisschen in der Luft. Das Abstiegsgespenst scheint vertrieben, auch wenn die weitere Ligazugehörigkeit noch nicht vollends gesichert ist. Vom Gefühl her geht nach oben mehr als nach unten. Ich für meinen Teil versuche nun kurz darzustellen, warum sich das „nach oben“ – möglichst auf Platz sieben oder gar Platz sechs oder gar als Pokalsieger – so richtig lohnt. „Nach oben“ bedeutet in diesem Zusammenhang natürlich nichts anderes als die Berechtigung zur Teilnahme an der Euro League in der kommenden Saison. Und das wäre schön, weil...

...mehr Spiele unseres BVB pro Saison für uns Fans prinzipiell immer schick sind und so auch triste Wochentage angenehm überbrückt werden können – wortwörtlich, denn der Freitag als Brückentag drängt sich da ja förmlich auf.

... die zusätzlichen finanziellen Mittel, die dann bereit stünden, nicht unterschätzt werden dürfen. Zwar wirft die Euro League als hässliche Nichte der CL nur einen Bruchteil der Vermarktungsgelder ab, aber die Zahlen wurden in den letzten Jahren schon reichlich angepasst. Außerdem würde von Sponsorenseite einiges an Geld fließen, denn zusätzliche Publicity in einem europäischen Wettbewerb lässt die Kommunikationsabteilungen aufhorchen. Und das obligatorische Europapokal-Trikot wird an den Fanshop-Kassen sicherlich keinen Ladenhüter-Status innehaben.

... einige Spieler, deren Vertragssituation derzeit so ein bisschen am berüchtigten Faden hängt (Namen werden keine genannt), selbst in der Euro League einen zusätzlichen Anreiz erkennen würden. Sozusagen die kleine Bühne, um sich und seinen Fußball zu präsentieren. International ist schließlich international (dass EL nicht gleich CL ist, weiß ich auch... klingt trotzdem plausibel).

... der Schnitt am und im Kader nicht ganz so groß ausfallen müsste. Mit Sicherheit wünschen sich zwar viele Fans genau diesen Schnitt, aber viele der Spieler, die mehr oder weniger auf der Kippe stehen, haben wir in den letzten so erfolgreichen Jahren doch sehr lieb gewonnen. Das soll bei weitem nicht bedeuten, dass kein Spieler den Kader verlassen soll. Die Verantwortlichen wären so aber in einer angenehmeren Lage und könnten nach rein sportlichen Gesichtspunkten ausmisten und müssen nicht auf Teufel komm raus die Kadergröße reduzieren, weil nur noch 35+x Spiele im Saison-Programm enthalten sind.

... weil unsere Borussia dann weiterhin die Chance hätte, sich in Europa zu zeigen. Denn der gute Ruf, der die letzten Jahre aufgebaut wurde, könnte dann noch immer gepflegt werden. Überall in Europa schauten die Leute gerne dem Vollgas-Fußball unserer Jungs zu, warum dann nicht auch in der Euro League, die spätestens ab dem Achtelfinale auch eher nach Königsklasse klingt und nicht nach B-Promi Veranstaltung.

... die Reiseziele... na gut, lassen wir das. Obwohl, angesichts von Teams wie Liverpool, eventuell Celtic und Milan und und und. Bate Borisov und Co. sind schließlich auch in der CL potenzielle Gegner.

Tim

14.04.2015


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