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Auffem Platz - 14.08.2014

Rekord-Supercup-Sieger im englischen Westfalenstadion

Die Gelbe Wand zeigte sich recht stimmungsmauRekord-Supercup-Sieger - mit diesem monströs langen Titel darf sich der Ballspielverein Borussia seit gestern Abend schmücken. Das 2:0 (1:0) gegen den FC Bayern München war nach 1989, 1995, 1996 und 2013 der fünfte Sieg in einem offiziellen Supercup-Finale - mehr Titel kann kein anderer Verein in diesem Wettbewerb aufbieten. Dem zuletzt bereits in höchstpeinlicher Weise herum polternden Rekordmeister wurde dabei zudem aufgezeigt, dass noch viel Arbeit vor ihm liegt.

Den Bayern scheint die Panik vor der Saison bereits seit einigen Wochen regelrecht ins Gesicht geschrieben zu sein. Da waren die lächerlichen Klagen, dass die Liga zu früh wieder starte und man sich nicht ordentlich vorbereiten könne (so eine Reise quer durch die USA soll hingegen sehr förderlich sein). Und da war ein Rummenigge, dem der Allerwerteste wohl bereits auf Grundeis zu gehen scheint, versucht er doch offensichtlich mit seinen Reus-Zitaten beim vermeintlich ärgsten Verfolger gezielt Unruhe zu schaffen. Alles in allem präsentiert sich der hochgelobte FC Bayern derzeit weniger als Global Player, sondern eher wie ein lächerlicher Oktoberfestverein - oder wie ein vor Kraft strotzender Bua, der auf der Wies’n ein paar Maß zu viel intus hat.

Die Niederlage, in die sich die Bazis fast völlig ohne Ideen und auch über weite Strecken ohne wirkliche Gegenwehr ergaben, dürfte die Sorgenfalten in den weißblauen Gesichtern nicht geglättet haben. Man munkelt, dass das Spiel in einer bayerischen JVA sogar extreme cholerische Anfälle ausgelöst haben soll. Allerdings liegen gegenwärtig keine gesicherten Informationen vor, ob der Fernsehempfang in der Zelle gestern überhaupt möglich war.

Leider nur Zuschauer: Hummels, Reus und GündoganLeider war dieser Sieg über die Bayern aber kein wertvoller Triumph in der Bundesliga oder einem anerkannten, traditionsreichen Pokal-Wettbewerb, sondern nur ein Quasi-Testkick im dennoch ausverkauften Westfalenstadion. Genau genommen hat die Borussia da gestern Abend einen Wettbewerb gewonnen, für den man sich eigentlich gar nicht qualifiziert hat, denn weder darf man sich aktuell Deutscher Meister nennen, noch Pokalsieger. In Double-Jahren erscheint ein Supercup daher ganz besonders irrsinnig.

Aufstellung und Taktik

Borussen-Trainer Jürgen Klopp schickte seine Mannschaft mit einer Mittelfeldraute auf den Platz. Vor Torhüter Langerak und der Vierer-Abwehrkette aus Schmelzer, Ginter, Sokratis und Piszczek stand Kehl auf der 6. Die beiden Halbpositionen nahmen Mkhitaryan und Kirch ein. Die offensive Rautenspitze bekleidete Jonas Hofmann und den Sturm bildeten Aubameyang und Immobile.
Höchstinteressant war wieder einmal der Vergleich desselben Spielsystem mit jener Interpretation vergangener Tage. Die Kloppsche Raute hatte mit der oftmals statischen unter seinen Vorgängern Doll, Röber oder van Marwijk kaum etwas gemeinsam. Hofmann stieß oftmals in die Sturmreihe vor und tauchte zentral am Strafraum auf, sodass sich das System in ein 4-3-3 verschob. Aubameyang und Immobile tauschten vorne öfters die Seiten, verhedderten sich dabei aber mitunter; so standen sich beide kurz vor dem Pausenpfiff in aussichtsreicher Position gegenseitig im Weg und die Chance war vertan (45.+1).

Boateng gegen HofmannBayerns Pep Guardiola schickte Neuer zwischen die Pfosten hinter die Dreier-Abwehr aus Alaba, Javi Martinez und Boateng. Auf den Außenbahnen zogen sich zur Not die offensiver postierten Juan Bernat und Höjberg zurück, sodass mitunter eine massive Fünferkette rund um den Strafraum stand. Ansonsten bildeten Bernat und Höjberg zusammen mit den zentralen Gaudino und Rode das Mittelfeld hinter dem Offensiv-Trio Müller, Lewandowski und Shaqiri.

Erste Hälfte

Die erste nennenswerte Aktion besaßen die Gäste, als Shaqiri nach einem Zweikampf mit Piszczek plötzlich frei durchbrach, aber an Langerak scheiterte (3.). Auf der Gegenseite strich ein Distanzschuss von Immobile links unten am langen Pfosten vorbei (10.). Bei einem Kirch-Schuss musste sich Neuer nicht großartig strecken (17.).
Mkhitaryan spielte Aubameyang frei, dieser blieb jedoch in der Bayern-Abwehr hängen. Den freien Ball drosch der heranstürmende Mkhitaryan unhaltbar zum 1:0 in die Maschen (23.). Kurze Zeit später scheiterte Aubameyang nach Hofmann-Zuspiel an Neuer (26.).

Wie aus dem Nichts kam nach einer Ecke kurz vor der Pause Kehl plötzlich aus dem Gewühl an den Ball, doch gegen dessen strammen Schuss bekam abermals Neuer noch rechtzeitig die Arme nach oben (41.). Der Münchener Schlussmann musste sich vor der Pause noch zwei weitere Male auszeichnen. Nach einer Vorlage von Aubameyang parierte er zunächst gegen Hofmann und danach auch gegen den Nachschuss aus der zweiten Reihe von Kehl (43.).

Zweite Hälfte

Der 2:0-Torjubel inklusive Spiderman-MaskeIm zweiten Durchgang hatte Langerak auch endlich mal wieder etwas zu tun, als er gegen den heranstürmenden Lewandowski klärte (46.). Der Pole blieb ansonsten während des Spiels seiner Tradition treu, in den Duellen Bayern gegen Dortmund in der Regel weitgehend im Hintergrund zu bleiben (zwei Duelle aus dem Frühjahr 2012 einmal ausgenommen).
Nach einer Stunde kombinierten sich Immobile und Mkhitaryan ansehnlich in den Strafraum, ohne daraus jedoch Kapital schlagen zu können. Zwei Minuten später vollendete Aubameyang mit dem Kopf einen schönen Spielzug nach einer Flanke von Piszczek zum vorentscheidenden 2:0. In der Schlussphase hätte der Sieg noch höher ausfallen können, doch Immobile (76.), Mkhitaryan (79./90.+1) und Bender (87.) brachten die Kugel nicht mehr im Netz unter.

Englische Atmosphäre im Westfalenstadion

Und so konnten die 80.667 Zuschauer im ausverkauften Westfalenstadion am Ende eines recht einseitigen Spiels erleben, wie die Borussia den Supercup zum zweiten Mal in Folge an die Strobelallee holte. Richtige Begeisterungsstürme konnte der Titelgewinn jedoch auf den Rängen nicht entfachen. Schön ist der Supercup sicher für jene Fans, die ansonsten nicht so oft im Stadion anzutreffen sind und hier im Vergleich zum Bundesliga-Alltag recht einfach Karten ergattern konnten. Das Fernbleiben der aktiven Supporter-Szene auf beiden Seiten spiegelte sich jedoch selbstverständlich im Stimmungsbild wider, das größtenteils aus den obligatorischen Schmähgesängen gegen den Gegner bestand; oftmals machte sich aber auch eine ruhige, englische Atmosphäre im Stadion breit.

Supercup ein Erfolg für das neue Polizeikonzept

Sebastian Kehl stemmt den Pokal gen HimmelPositiv anzumerken ist die - gerade in Relation zu 80.000 Menschen - geringe Polizeipräsenz rund um das Stadion. Natürlich, gerade angesichts des Zuschauertyps, der gestern weit verbreitet im Stadion war, ist ein massives Polizeiaufgebot im Vergleich zum Bundesliga-Alltag völlig überzogen. Und dennoch sei die deutlich reduzierte Präsenz hier positiv hervorgehoben - zumal die anwesenden Cops an der Strobelallee auch nicht vollverpackt, sondern in Streifenhemd und Schirmmütze offenherzig ihren Dienst taten. In Bezug auf die „neuen“ Pläne des NRW-Innenministers, rund um Fußballspiele weniger Polizisten einzusetzen, war der Supercup also ein voller Erfolg.

Statistik:

BVB: Langerak - Schmelzer (46. Durm), Ginter, Sokratis, Piszczek - Kehl - Mkhitaryan, Kirch (85. Bender) - Hofmann - Aubameyang (63. Ramos), Immobile.
FCB: Neuer - Alaba, Javi Martinez (31. Dante), Boateng - Juan Bernat, Rode, Gaudino, Höjberg (59. Götze) - Müller (46. Lahm), Lewandowski, Shaqiri.
Tore: 1:0 Mkhitaryan (23.), 2:0 Aubameyang (62.). Schiedsrichter: Peter Gagelmann. Zuschauer: 80.667 (ausverkauft). Gelbe Karten: Höjberg (45.), Boateng (73.), Lahm (81.).

Stimmen zum Spiel:

Aubameyang und Großkreutz feiern den Sieg mit MaskePep Guardiola (FCB): „Wir brauchen noch Zeit. Boateng und Dante hatten zum Beispiel erst vier Trainingseinheiten. Die große Verletzung von Javi ist eine schlechte Nachricht, er war im letzten Jahr überragend. Ich bin mir sicher, dass wir bis zur Winterpause einige Probleme haben werden.“

Jürgen Klopp (BVB): „Wir brauchen auch noch Zeit. Es war aber ein ganz, ganz tolles Spiel. Wir wollten reagieren auf das, was in Liverpool war. Das sah heute schon besser aus, wie wir gegen den Ball standen und hoch und mutig verteidigt haben. Wir sind aber konzentriert und konsequent geblieben. Das 1:0 haben wir erzwungen, das zweite Tor war toll herausgespielt. Es ist uns gelungen, die Bayern nicht zu Chancen kommen zu lassen. Lewa kannte so etwas wie gegen Papa [Sokratis, d. Aut.] bisher auch nur aus dem Training - und da ist Papa nicht so gallig. Der Wettbewerb ist toll, nach so einer WM ist es aber superheftig gegen so einen Gegner zu spielen.“

Daniel Mertens, 14.08.2014


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