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Spielbericht Amateure - 03.08.2014

Volle Kampfbahn aber nur ein Punkt für die Amateure

Wurfrollen-Choreografie im Block HDer Heimspielauftakt für Borussia Dortmunds Amateure fand unter besten Voraussetzungen statt. Die altehrwürdige Kampfbahn war bei feinstem Sommerwetter bestens mit Dortmunder Fußballhungrigen gefüllt und der Auswärtssieg in Erfurt sorgte für zusätzlichen Rückenwind. So konnte man trotz des Fehlens der potentiellen Stammkräfte, die mit den Profis unterwegs sind, optimistisch in die Partie gegen die Störche von der Förde gehen. Dementsprechend ließ Dave Wagner seine Startelf gegenüber dem Saisonauftakt auch unverändert. Auch Bundesliga-Neuling Duckschi Ducksch ließ es sich nicht nehmen, seine ehemaligen Kollegen zu unterstützen.

In der Kampfbahn gibt es vor der Gegengeraden eine neue, fernsehtaugliche Werbebande, auf der der BVB auch einen Leitspruch verewigt hat: „Es ist der Wille, der euch verbindet.“ Naja. Wenigstens die Kurve gehört weiterhin den Fans und wurde von der großen „Borussia Dortmunds Amateure – Gegen Spieltagsüberschneidungen!“ Zaunfahne der UvdA geschmückt. Die UvdA waren natürlich auch anwesend und sorgten für den gewohnten Amateure-Sound. Schade nur, dass die volle Nordkurve sich nicht einmal bei Wechselgesängen zum Mitmachen animieren ließ. Wenn man schon mal über 4.700 Borussen in der Roten Erde hat, sollte stimmungstechnisch eigentlich deutlich mehr drin sein. Natürlich kann nicht jeder Gelegenheitsbesucher gleich jeden dreistrophigen Amateuregesang mitschmettern, aber „Booorussia Dortmunds Amateure!“ sollte eigentlich jeder unfallfrei brüllen können. Die UvdA hatten auch ein paar Transparente im Gepäck: Zunächst forderten sie mal Klare Ansage zum Thema Rote Erdewieder „Freie Sicht für Stadionverbotler“ und protestierten damit gegen die Sichtblenden in der Nordostecke der Roten Erde. Ein weiteres Spruchband in Form von "Auch in der neuen Saison wird der Sturm weiter wehen!" sollte zeigen, dass man diese Sichtblenden auch zukünftig nicht akzeptieren wird. In der zweiten Halbzeit wurde dann der Erhalt der Roten Erde in ihrer ursprünglichen und altehrwürdigen Art gefordert, die man durch einen möglichen Kauf des Stadions durch den BVB sicher nicht ganz unberechtigterweise gefährdet sieht - "Sportanlage, Stadionkneipe & Biergarten - den Charme der Roten Erde erhalten!"

Die Reise von der Waterkant hatten allerdings nicht allzu viele Kieler Fans angetreten, so präsentierte sich der Gästeblock zwar reich mit Zaunfahnen geschmückt, aber nur bestenfalls zu einem Viertel gefüllt. Auf jeden Hundertschaftspolizisten kamen allenfalls drei Kieler Fans, die sich wahrscheinlich sehr, sehr sicher gefühlt haben. Auf der Haupttribüne war der Kieler Support in der Folge nur als unablässiges und nerviges Sambagetrommel zu vernehmen. Vermutlich sang man auch, denn ein Pulk von circa 20 Mann war zu sehen, der ab und zu hüpfte und klatschte, aber die Anfeuerungsrufe oder Gesänge wurden von den Trommeln völlig übertönt. Bei den Störchen stand Ex-Borusse Patrick Kohlmann in der Anfangself, der einen schlimmen Fehlstart hinlegen sollte.

Dortmunder Torjubel zum 1:0Die erste Chance hatten aber die Gäste. Kegel zog aus der Distanz ab und schoss nur äußerst knapp drüber. Direkt im Gegenzug gab es dann Elfmeter für den BVB. Narey drang in den Strafraum ein und wurde völlig unnötigerweise durch Kohlmann gelegt. Diese Chance ließ sich Routinier David Solga nicht entgehen. Er verlud Kronholm und schob lässig ein. Ein Auftakt nach Maß! Kiel bemühte sich nun natürlich, Druck zu machen. Aber bereits der nächste Dortmunder Konter führte zum Erfolg. Solga löffelte einen weiten Pass in den Lauf von Harder, der den Ball gegen Kronholm und einen Kieler Verteidiger behauptete und an den Innenpfosten schoss. Den Abpraller schnappte sich Kefkir und schob ihn ins leere Tor.

Dann durfte auch Zlatan Alomerovic mal demonstrieren, was er drauf hat. Zuerst klärte er, wie es sich für einen modernen Torwart gehört, per Kopfball einen Ball außerhalb des Strafraums und dann wehrte er einen Schuss von Heider aus kurzer Distanz im Stile eines Handballtorwarts mit dem Fuß ab. Aber als Gorenc-Stankovic einen kompletten Blackout hatte, war auch er machtlos. Der Neuzugang produzierte eine völlig verunglückte Kopfballrückgabe, die zur perfekten Vorlage für Breitkreuz geriet. Damit war die Partie wieder völlig offen. Kegel versuchte es kurz nach dem Anschlusstreffer erneut aus der Distanz und verfehlte nur um Zentimeter.

Oguzhan Kefkir bejubelt das 2-0Dann wurde Alomerovic erneut von seinen Vorderleuten im Stich gelassen. Er versuchte zwae wieder, den Libero zu geben, kam aber etwas zu spät und der Kieler Angreifer nutzte die Gelegenheit zum Abheben, obwohl Alomerovic noch versuchte zurückzuziehen. Der Schiri pfiff aber das Foul und alle dachten, dass damit der Platzverweis zwingend wäre, denn natürlich war Alomerovic letzter Mann vor dem Tor. Aber der Schiri Treiber hatte eine ordentliche Portion Fingerspitzengefühl im Gepäck und beließ es bei Gelb, was beim Kieler Anhang kurzfristig für Empörung und Bewegung sorgte. So richtig wollte man aber dann wohl doch nicht ausrasten und so sammelte man sich schnell wieder und schmetterte den ausgelutschtesten BVB-Schmähgesang aller Zeiten, was nur zu vernehmen war, weil die UvdA kurz mal eine Atempause eingelegt hatten. Ähnlich armselig war dann die Ausführung des Freistoßes und auch der anschließende Eckball geriet eher zur Einladung zum Kontern. Im Gästeblock hatte man sich dann auch schnell wieder beruhigt und übte sich weiter im sinnlosen Getrommel. So einen Sambakarneval kennt man sonst eigentlich nur vom SV Werder. Anscheinend ist die Sehnsucht nach Brasilien im Norden der Republik besonders groß. Der Schiri pfiff nun zur Trinkpause. Es machte den Eindruck, als müsse er sich auch erstmal wieder sammeln.

Evans Nyarko im KopfballduellKiel setzte auf dem Rasen weiter nach und Alomerovic hatte große Probleme, die nächste Ecke im Nachfassen zu klären. Dem BVB merkte man nun an, dass insbesondere in der Abwehr einige eigentlich gesetzte Spieler mit den Profis unterwegs waren. Nach vorne ging beim BVB auch nicht mehr viel. Jordanov zeigte eine ziemlich peinliche Schwalbe. Käptn Solga sprach dann auch einige deutliche Worte in Richtung der Hintermannschaft, die sich wirklich noch nicht auf Drittliganiveau präsentierte. Kurz vor der Pause hatte dann Gyau doch noch zwei Chancen für den BVB, aber sein Schuss aus der Drehung strich knapp über die Latte und als er nach einem Konter frei auf Kronholm zulief, setzte er den Ball nur an den Innenpfosten. Dann wurde Jordanov an der Strafraumgrenze gelegt, den Freistoß zog Solga zwar schön über die Mauer, aber der Ball war eine leichte Beute für Kronholm. Letztlich mussten die Schwatzgelben trotz dieses Endspurts froh sein, wenigstens die knappe Führung in die Pause zu retten.

Zur zweiten Halbzeit zeigte sich der Himmel bedeckt und beide Teams liefen unverändert auf. Auch wenn es am zweiten Spieltag wenig aussagt: Der BVB war zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer.

Nach fünf Minuten setzte Gyau zum ganz großen Auftritt an und umdribbelte die gesamte Kieler Abwehr. Sein Schuss war dann aber leider an Harmlosigkeit nicht zu überbieten. Abgesehen von seinen Abschlussversuchen machte Gyau aber ein starkes Spiel und zeigte, dass er im weiteren Saisonverlauf noch zu einer wertvollen Waffe in der Offensive werden kann. Quasi im Gegenzug kam Kiel dann zum Ausgleich. Nach einer Ecke herrschte mal wieder Konfusion in der Dortmunder Defensive und so landete der Ball beim völlig freistehenden Heider, der ihn problemlos in die Bitter für den BVB: Marc Heider traf zum 2-2lange Ecke knallte und Alomerovic nicht den Hauch einer Abwehrchance ließ. Dann wurde erneut Jordanov in Strafraumnähe gelegt. Herrmann sag Gelb, aber Solga schoss den Freistoß vom linken Strafraumeck deutlich über den Kasten. Als Alomerovic sich erneut als Libero versuchte und ans rechte Strafraumeck eilte, kam er aber nicht vor dem Kieler Stürmer an den Ball. Der flankte sofort und so konnte Sané aufs leere Tor köpfen. Zum Glück setzte er den Ball knapp über die Latte.

Auch in der zweiten Halbzeit gab es wieder eine Trinkpause für Spieler und Schiedsrichtergespann. Das ist bei dieser Hitze sicher sinnvoll, sollte aber vielleicht im Vorfeld angekündigt werden, damit auch die Fans sich zielgerichtet mit Getränken versorgen können, ohne eine Minute des Spiels zu verpassen. Dave Wagner brachte nun DEN FINNEN Väyrynen für Harder, der nach seiner Torvorbereitung in der ersten Halbzeit weitgehend abgetaucht war. Doch die Kieler blieben feldüberlegen. Insgesamt ließ das Niveau aber in der zweiten Halbzeit deutlich nach. Das Tempo des wilden Schlagabtausches in der Anfangsphase wäre bei dieser Hitze allerdings auch nicht durchzuhalten gewesen. Nur vereinzelt gab es noch so etwas wie Ansätze zu Torchancen. So als DER FINNE die gesamte Kieler Abwehr auf sich zog und dann klug quer zu Gyau legte. Doch dessen Stärken liegen anscheinend eher weniger im Abschluss, denn auch diesmal brachte er nur einen Kullerball zustande. Wenn er an seiner Abschlussschwäche noch arbeitet, werden wir im weiteren Saisonverlauf aber noch viel Freude an diesem Spieler haben.

Die Punkteteilung war letztlich in OrdnungDas Spiel trudelte nun langsam aus und beide Seiten schienen am Ende auch nicht ganz unzufrieden mit der Punkteteilung zu sein. Schon am Dienstag treten die Amateure in Wiesbaden beim SV Wehen an und am Samstag gibt es pünktlich zur großen Saisoneröffnung der Profis auch das nächste Heimspiel gegen den Jahn aus Regensburg. Hoffentlich kann die tolle Kulisse dann noch getoppt werden, zumal es die erste Gelegenheit sein dürfte die Amas in Bestbesetzung spielen zu sehen.

Pressekonferenz

Statistik

BVB II: Alomerovic - Narey, Hornschuh, Gorenc-Stankovic, Bandowski - Solga, Nyarko - Gyau (88. Derstroff), Jordanov (92. Stenzel), Kefkir - Harder (69. Väyrynen)   

Holstein Kiel: Kronholm - Herrmann, Hartmann, Gebers, Kohlmann - Siedschlag, Kegel (59. Danneberg), Vendelbo, Breitkreuz (65. Schäffler) - Sané (82. Kazior), Heider   

Tore: 1:0 Solga (3. Foulelfmeter), 2:0 Kefkir (7. Harder), 2:1 Breitkreuz (22.), 2:2 Heider (52.)

Gelbe Karten: Alomerovic - Kohlmann, Herrmann

4.965 Zuschauer in der Kampfbahn Rote Erde

Web, 02.08.2014


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