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Eua Senf - 01.08.2014

Kommentar zu den Behauptungen aus Leipzig über den BVB und seine Gründung

Choreo für die GründerväterDer Beginn der 2. Bundesliga steht bald an und damit auch die erste Saison für das Werbekonstrukt aus Leipzig, bei dem sich ein Brausehersteller über allerlei Ideale - unter schweigsamer Zustimmung von DFB & DFL - hinwegsetzt. Zuletzt sorgte der Transfer eines Talents aus Belgien für eine Rekordsumme nach Leipzig und die direkte Weiterverleihung nach Salzburg für reichlich Gesprächsstoff bei den Fußballfans. Der Brausekonzern und seine Angestellten sind offenbar gewillt, die Spielregeln im deutschen und internationalen Fußball nach ihren Ideen bis zur Unkenntlichkeit zu verbiegen.

Dass all diese Vorgänge nicht überraschend sind und für aktive Fans ein Gräuel, haben wir bereits auf unterschiedliche Weise dokumentiert (Rasenball stinkt, 2009; Leipzig und sein Fuß..Marketing Projekt, 2013; Dran bleiben DFL!, 2014). Ähnlich gibt es viele andere Fanszenen, die bereits deutlich gemacht haben, dass man mit dem Marketingprojekt aus Österreich nichts zu tun haben möchte. Nun ist es aber so weit: man ist im Profifußball angekommen und ähnlich wie seinerzeit Hoffenheim geht nun das mediale Interesse erst so richtig los. Dabei beschäftigt man sich leider - mal wieder - häufig nur sehr oberflächlich mit den Pro- und Contra-Argumenten. Flankiert wird der Auftritt von den Söldnern aus Leipzig nun mit einer Vielzahl an Interviews von Alexander Zorniger, seines Zeichens Trainer des Retortenklubs und von außen betrachtet der akzeptierteste Vertreter der Werbemannschaft. Im frischen Transfermarkt.de Interview verstieg sich Herr Zorniger zu der Aussage:

"Wie wurde denn Borussia Dortmund gegründet? Damals stand auch eine Brauerei dahinter. Ich habe das Gefühl, dass man heutzutage keine neuen Wege mehr beschreiten darf. Dagegen wehre ich mich."

100 Jahre BVBOhne Herrn Zorniger noch einmal zu erklären, dass sein Brötchengeber mit Farmteams, Spielergeschacher und einer eigenwilligen Interpretation der Mitgliederpartizipation neue Wege beschreitet, soll hier noch einmal eine kleine geschichtliche Lektion folgen. Bei rund 105 Jahren Vereinsgeschichte von Borussia Dortmund kann man da als Trainer (und mutmaßlich beratende Marketingabteilung) schon einmal durcheinander kommen. Für die historischen Ausführungen und einen Kommentar konnte mit Jan-Henrik Gruszecki einer der Projektleiter des „Jacobi-Filmprojekts“ zur Vereinsgründung des BVB gewonnen werden:

18 Junge Männer versammelten sich am 19.12.1909 im „Spiegelsaal“ der Dortmunder Restauration „Zum Wildschütz“, um den BVB zu gründen. Die Jungs wollten einfach nur kicken, das wollte ihnen der Kaplan der katholischen Kirche nämlich verbieten. Das verkündete er in seiner Predigt an jenem vierten Advent. Die Jungs gründeten den Verein, um Fußball zu spielen! Sie wollten kein Marketinginstrument sein. Auch nicht für eine Brauerei namens Borussia. Die Brauerei gibt es im Übrigen seit 1901 auch nicht mehr. Acht Jahre vor der Gründung unseres Vereins. Es hing lediglich ein altes Emailleschild an der Wand. Franz Jacobis Vater arbeitete einst bei der Borussia Brauerei und der Name „Borussia Dortmund“ klang für die Gründer wunderschön. So ist es bis heute - eine weise Entscheidung.

Leidenschaft & Hingabe: Werte, die nichts mit Zahlen und Umsatzerlösen in Salzburg zu tun haben. Herr Mateschitz erlaubt Ihnen, lieber Herr Zorniger, die Teilhabe an seinem Projekt, weil er sich erhofft, dadurch mehr Dosen zu verkaufen, um seine Firma noch profitabler zu machen. Das sind die Werte, die für Ihr Unternehmen zählen, nichts anderes.

Man versucht aus Leipzig scheinbar bei der Diskussion abzulenken und dabei zu diskreditieren, damit das eigene Modell harmlos wirkt. Doch das ist gefährlich, dagegen müssen wir uns wehren. Sie irren, Sie betreiben Geschichtsfälschung und das ist nun einmal unsere Geschichte. Auch wenn sie wunderbar Hütchen aufstellen und ihre Spieler sicherlich gut auf ein Spiel einstellen können: Sie haben nicht verstanden, was Fußball für viele bedeutet, Herr Zorniger!

Jan-Henrik Gruszecki, mrg, 01.08.2014


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