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Spielbericht Profis - 24.11.2013

Du, Borussia

An der Südtribüne lag es immerhin nichtLeere. Es ist vorbei. Nur mühsam lassen sich die Gedanken wieder ordnen. Man will es nicht wahrhaben, doch jetzt steht es fest: Es hat nicht gereicht. Ja, und es tut weh; und das noch viel mehr als in den vergangenen Tagen, als ich mit ansehen musste, wie sich viele, viel zu viele, von Dir abgewendet haben; sie Dir, Borussia, nicht mehr vertraut haben, nach all den Rückschlägen, die Du in den letzten Tagen hinnehmen musstest.
Doch ich stand zu Dir, Molsiris 2005 und Bielefeld 2007 - das schweißt zusammen. Ich weiß, was Du kannst. Babysturm in den Neunzigern, Pokalfinale 2008, Malaga 2013 - in Situationen, in denen Du bereits völlig abgeschrieben warst, kehrtest Du zurück und straftest all die Zweifler da draußen Lügen. Ich habe auf Dich vertraut, dass Du Dich nicht ergeben würdest, dass Du tapfer kämpfen und alles raushauen würdest - und damit eben auch eine Chance hast. Wie ein Liebender stand ich Dir bei und habe Dich nach außen stets verteidigt gegen all diejenigen, die Dich im Gegenwind alleine ließen. Und Du hast es zurückgezahlt, Du hast das Ziel leider verfehlt, aber Du hast mir auf Deine Art gedankt. Du hast alles rausgehauen, was Du noch hattest - umso schmerzlicher, dass ausgerechnet derjenige Dir den Stoß verpasste, der Dein, der unser Vertrauen zuletzt am allermeisten verspielt hatte. Aber so ist wohl das Leben. Und doch stehst Du, stehen wir nicht mit leeren Händen da.

Erste Hälfte

Ja, wir suchen immer noch...Ich habe mit Dir gelitten, als unsere rot-weißen Gegner in alten Wunden kratzten: „Immer noch auf der Suche?“, fragten sie in ihrer Choreografie mit integriertem Henkelpott. Bizarr spielten sie mit unseren alten Hoffnungen aus dem Frühjahr, als wir uns im Spiel gegen Malaga auf die Suche nach dem verlorenen Henkelpott begaben.
Doch danach lief es doch gestern eigentlich so gut. Zwar musstest Du einiges ändern, im Vergleich zum Duell vor zwei Wochen am Mittellandkanal musstest und wolltest Du gleich vier neue Leute in den Kampf gegen einen übermächtig anmutenden Gegner schicken: Erik, Manuel, „Papa“ und „Kuba“ ersetzten „Auba“ und die verletzten Marcel, Neven und Mats. An Deiner bewährten 4-2-3-1-Taktik hieltest Du fest. Und Du fandest auch gut in Deine Aufgabe hinein, hattest Dein Ziel ganz fest im Blick. Du, Borussia, kämpftest dafür. Eine Chance durch Robert blank vor dem Tor (3.), zu mehr reichte es zwar nicht, doch der Wille war klar erkennbar. Plötzlich rutschte Boateng weg und Marco startete frei durch, doch Neuer machte diese Möglichkeit zunichte (29.). Aber plötzlich wehte Dir der raue Wind wieder ins Gesicht. Roman musste für Dich gegen Mandzukics Seitfallzieher die Null festhalten (34.). Nur kurze Zeit später hätte abermals der Kroate Dir beinahe einen schweren Schlag verpasst, doch er rutschte an einer Robben-Flanke von der linken Seite vorbei (37.).

Zweite Hälfte

Die Entscheidung - aber Götze jubelt nicht„Stark sein Neven!!!“ So war es am Ende der Halbzeit auf einem Spruchband zu lesen. Borussia, sei Dir unseres Beistandes in diesen stürmischen Wochen voller Gegenwind sicher. Und fast hättest Du einen großen Schritt in Richtung Deines Zieles getan. Doch Svens hoher Ball rutschte an Neuer und Robert knapp am linken Pfosten vorbei (51.).
Und plötzlich ist er da, er, der Dein Vertrauen so missbraucht hat. Er, der Dich im Stich gelassen hat. Der, der die Liebe, die Du, die wir ihm schenkten, so verspielt hat. Der, der sich vom Geld locken ließ und auf seinen Charakter pfiff. „BVB o. FCB, Echte Liebe o. Mia san mia, Für Dich war’s längst klar - Fick Dich, Götz€!“ So stand es schon vor dem Spiel geschrieben auf Deiner Gelben Wand. Und jetzt stand er da, in dieser 56. Minute, er wollte gegen Dich, gegen uns antreten. Nach all den gemeinsamen Jahren, nach diesem unwürdigen Ende im Sommer 2013. Nur gerecht, dieses gellende, ohrenbetäubende und nur selten bis nie in dieser Intensität vernommene Pfeifkonzert in Deinem Wohnzimmer. Umso lähmender das Entsetzen knappe zehn Minuten später. Eine Hereingabe von Müller stößt Dir dieser Mensch mitten hinein ins schwarzgelbe Herz (66.). Fassungslosigkeit breitet sich aus, niemand scheint auch nur ansatzweise zu begreifen, keine Pfiffe, Totenstille. Doch Du kämpfst, Du gibst nicht auf. Du zeigst, dass sich die Treue zu Dir lohnt. Kevin flankt auf Henrikh, doch zu umständlich versucht er, den Ball für Dich über die Linie zu schieben (71.). Roberts Ablage wiederum kann auch Marco nicht verwerten (73.). Das Glück - es scheint so nahe. Doch Du erreichst es nicht.
Währenddessen halten Dir Deine Gegner abermals ein Plakat entgegen: „Desperados - Nazishit, Flavored Ultras IB‘01“, heißt es im Norden. Und kurze Zeit später - in Anspielung auf den Gegner am Dienstag: „Noi non siamo Napoletani!“ Wir sind keine Napolitaner, sagen sie, die Münchener. Wir auch nicht, wir sind Borussen.
Sokratis gegen MüllerDoch dann verliert Marco den Ball, die Ordnung geht verloren, Robben sprintet über die linke Seite durch und hebt den Ball ins lange Eck (85.). 0:2, die Schlacht ist verloren. Es bleibt zu vernachlässigen, dass Müller eine Kombination über Robben und Lahm gar zum 0:3 vollendet (87.). „Und wir werden immer Borussen sein, es gibt nie, nie, nie einen anderen Verein.“ Ich stehe Dir bei, die Gelbe Wand steht Dir bei. Wir verlassen Dich nicht. Wir haben an Dich geglaubt, und Du hast diese Kraft auf dem Feld umgewandelt. Und Du hast es Deinen Kritikern gezeigt. Für mich hast Du am Ende doch Dein Ziel erreicht - irgendwie jedenfalls. Und am Dienstag bin ich wieder bei Dir, dann geht es weiter, denn wenn Du das Spiel verlierst, ganz unten stehst, dann steh’n wir hier und sing‘ Borussia!

Statistik:

Borussia: Weidenfeller - Durm, Sokratis, Friedrich, Großkreutz - Sahin, Bender (79. Piszczek) - Reus, Mkhitaryan (71. Hofmann), Blaszczykowski (71. Aubameyang) - Lewandowski.
FC Bayern: Neuer - Alaba, Dante, Boateng (64. Thiago), Rafinha (79. van Buyten) - Lahm - Robben, Kroos, Martinez, Müller - Mandzukic (56. Götze).
Tore: 0:1 Götze (66.), 0:2 Robben (85.), 0:3 Müller (87.).

Enttäuschte Gesichter nach Abpfiff vor der SüdSchiedsrichter: Manuel Gräfe.

Zuschauer: 80.645 (ausverkauft).

Gelbe Karten: Großkreutz, Mkhitaryan - Boateng, Rafinha, Mandzukic.

Einzelbewertungen:

Als Augenzeuge dieses Auftritts der Borussia weigere ich mich, den Trägern des schwarzgelben Trikots Noten zu geben und sie damit individuell zu gewichten. Es stand eine geschlossene Mannschaft auf dem Platz, die kämpfte, ackerte und malochte, wie man es sich nur wünschen kann. Leider am Ende ohne Punkte - und dennoch nicht mit leeren Händen.

Stimmen zum Spiel:

Klopp war das Ergebnis eher egalJürgen Klopp (BVB): „Die Bayern haben mit vielen langen Bällen gearbeitet, damit haben sie auf unser Spiel gegen den Ball reagiert. Wir haben wenig Torchancen zugelassen. In unserem Umschaltspiel hatten wir dafür Momente, in denen wir aussichtsreich waren. Götze für Mandzukic war ein cooler Move. Das 1:0 hat dem Spiel dann eine Richtung gegeben, aber noch keine entscheidende. Wir hatten die Riesenmöglichkeit zum Ausgleich. Beim 2:0 haben wir die Nerven verloren, weil nach dem vermeintlichen Foul an Reus der Ablauf stockte und sich hinten riesengroße Räume ergaben. Das 3:0 kann man dann aus der Wertung nehmen. Wir nehmen aber mit, dass wir nicht so weit weg sind von Bayern. Das ist so ein bisschen der Fluch der guten Tat, wir haben sie zu oft geärgert, daher sind bei ihnen gegen uns alle Sinne geschärft. Wenn wir die Ruhe bewahren und in den entscheidenden Situationen noch einen Tick draufpacken, dann bin ich optimistisch für Dienstag.“

Pep war natürlich zufriedenPep Guardiola (Bayern): „Was das Konterspiel und Umschaltspiel angeht, haben wir heute bei einer der weltbesten Mannschaften gespielt. In der ersten Hälfte haben wir in den ersten 10, 15 Minuten gut gespielt, danach war der BVB besser. In der zweiten Hälfte haben wir nach den Wechseln von Thiago und Götze  besser kontrolliert. Wir wissen, wie schwierig es ist, hier zu gewinnen.“

Daniel M., 24.11.2013


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