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Unsa Senf - 10.09.2013

Auf dem Platz ganz ohne Mats?

Mats Hummels im ZweikampfPer Mertesacker und Jerome Boateng spielen Stammelf, Mats Hummels sitzt auf der Bank. Was wie ein Treppenwitz klingt, ist bei der Nationalmannschaft derzeit Realität. Und das sogar zurecht.

Ja, natürlich: Ein Mats Hummels in Bestform steckt beide Konkurrenten locker in die Tasche. Das ist eigentlich gar keine Frage. Das Problem ist nur: Mats Hummels ist momentan nicht in Bestform, ist von dieser sogar vergleichsweise weit entfernt. Zu viele Fehler schleichen sich momentan ein in das Spiel der Dortmunder Nummer 15, das doch eigentlich über lange Zeit so souverän und sicher wirkte. Sowohl im Verein wie auch in Jogi Löws Nationalmannschaft tut sich Hummels aber momentan einfach schwer, sein ungeheures Potential voll auszuschöpfen.

Das alles ist kein Drama: Mats Hummels ist geboren am 16. Dezember 1988, er ist mithin also gerade mal 24 Jahre alt. Formschwankungen sind in diesem Alter bei Fußballern eher Regel als Ausnahme, und gerade Mats Hummels hat diese Regel lange Zeit scheinbar mühelos ausgehebelt. Über Jahre offenbarte Borussias gesetzter Innenverteidiger eine fast schon beängstigende Konstanz und Selbstsicherheit in seinem Spiel. Die verhalf ihm zum Stammplatz in Verein und Nationalelf und dem BVB zu immerhin drei Titeln.

Irgendwann in der vergangenen Saison aber hat sich ein bisschen was eingeschlichen im Spiel des Mats Hummels. Die Balance zwischen Defensive und Offensive ist ein wenig aus dem Gleichgewicht geraten, gleichzeitig bekam die Selbstsicherheit auf dem Platz einen kleinen Knacks und gemeinsam mit der gesamten Hintermannschaft des BVB offenbarte auch Hummels ungewohnte wie unnötige Unsicherheiten.Und auch das ist kein Drama. Denn selbst ein Mats Hummels mit nur 90% Leistung steckt immer noch die meisten anderen Innenverteidiger und glücklicherweise auch die meisten Angreifer in die Tasche. Wenn man also etwas zu bekritteln hat an den Leistungen des schwatzgelben Abwehrchefs, dann ist das Jammern auf allerhöchstem Niveau. Oder sollte man „allerhögschtem" sagen?

Mats Hummels im KopfballDenn dass Jogi Löw einstweilen den anderen den Vorzug gibt, ist in der Tat nur folgerichtig. Zu Hummels Pech und des Trainers Glück fällt die Schwächephase von Mats nämlich zusammen in eine der wirklich seltenen Phasen, in denen sowohl Konkurrent Per Mertesacker wie auch Konkurrent Jerome Boateng mal über einen längeren Zeitraum stabil und ohne größeren Bock geblieben sind.Dass Löw freilich nach dem Paraguay-Spiel einmal mehr den eigenen Spieler öffentlichkeitswirksam kritisierte, um vom schwachen Ergebnis abzulenken, passt ins Bild dieses Bundestrainers, der die Verantwortung für schwächere Leistungen bei der Nationalelf im Vergleich zum Heimatverein bemerkenswerterweise oft bei den Spielern findet - und vergleichsweise selten in den vom Trainerstab geschaffenen Rahmenbedingungen.

Zurück zu Mats Hummels. Dessen große Stärke scheint im Moment ein wenig zur Schwäche geworden zu sein: Stumpfes Verteidigen alter Schule und die Fokussierung auf Sicherheitspässe, wie es Boateng und Mertesacker nicht nur im Notfall praktizieren, ist seine Sache nicht. Das macht es schwierig, sich über solch ein Spiel wieder Sicherheit zurückzuholen, wie es Verteidiger normalerweise tun. Also braucht es Geduld. Und (Selbst-)Vertrauen. Das Vertrauen seines Vereinstrainers genießt er, das der Fans ebenfalls, das der Mitspieler vermutlich auch. Allein auf das Vertrauen vom Bundes-Jogi indes muss Mats einstweilen wohl verzichten. Er sollte das nicht überbewerten.

Mats Hummels beim KopfballDenn klar ist auch: Findet Mats Hummels seine Form zurück, führt in der Innenverteidigung  überhaupt gar kein Weg an ihm vorbei. Nicht einmal für den Weidenfeller- und Kießling-Verweigerer aus dem Breisgau. Weder Per Mertesacker, noch Jerome Boateng stellen grundsätzlich einen Maßstab dar, an dem sich Mats tatsächlich messen lassen müsste. Noch in der Doublesaison 2011/2012 war Mats insbesondere seinem Münchner Konkurrenten Lichtjahre voraus. Das altehrwürdige Kicker Sportmagazin spuckt für diese Spielzeit einen Notenschnitt in der Bundesliga von 2,65 bei Mats Hummels gegenüber 3,56 bei Jerome Boateng aus. In der Benotungswelt des Kickers sind das Welten.

Mit seiner modernen, athletischen und spielorientierten Interpretation der Innenverteidiger-Position ist Mats Hummels unter den deutschen Defensivspielern eine Ausnahmeentscheidung. Darum sollte auch außer Frage stehen, dass sich Mats über kurz oder lang zwangsläufig den nun vermeintlich verlorenen Stammplatz in der Nationalelf zurückholt. Auf lange Sicht setzt sich Qualität letztlich immer durch – und Qualität kommt Mats, frei nach Jürgen Klopp, zu den Ohren raus.

So gerechtfertigt der Platz auf der Bank momentan ist: Langfristig führt an Mats Hummels in der Nationalelf überhaupt kein Weg vorbei.

Arne, 10.09.2013


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