Man muss jung sein, um große Dinge zu tun

Denkbar schlecht sind die Vorzeichen für den BVB-Tross, der sich am Wochenende in die bayrische Landeshauptstadt begeben wird. Wie klassischerweise fast schon, gegen die Bayern. Das jüngste Mittelfeld der Liga sowie eine junge und uneingespielte Innenverteidigung werden versuchen den Meisterschaftsexpress zu stoppen.

Zum Saisonfinale kommt eine Menge zusammen.
 
Rein theoretisch haben wir noch eine Chance auf den UI-Cup. Drei Punkte und zwei Tore sind es auf die Alte Dame aus Berlin, die in Nürnberg antreten muss. Ein BVB-Sieg bei gleichzeitigem Triumph der Clubberer könnte Dortmund internationalen Fußball bescheren. Die Chancen stehen prinzipiell gar nicht so schlecht. Der FCN spielt unter Hans Meyer eine starke Rückrunde und hat schon für die eine oder andere Überraschung gesorgt. Wir auf der anderen Seite treffen auf den frisch aufgewärmten Meister, dem das Spielergebnis weitestgehend egal sein kann. Doch mit diesen Gedanken befinden wir uns, nach den Erfahrungen der letzten Jahre, auf dem Holzweg. Die Mannschaft hat in der Vergangenheit nie die Nervenstärke und den letzten Willen an den Tag gelegt, solche „Entscheidungsspiele“ zu ihren Gunsten zu entscheiden.
 

Der Älteste im Bunde des jüngsten Mittelfelds

Aufgrund seiner dummen Aktion gegen Kießling muss Wörns das Spielgeschehen von der Tribüne aus verfolgen. Ja gut, möchte man meinen, der Brenner spielt doch ne recht ordentliche Saison und Metze ist fit und will sich für die WM noch mal beweisen. Das passt schon. Wäre da nicht ein neuerlicher Muskelfaserriss in der Wade – der wievielte jetzt eigentlich schon? Der Mann ist ein Phänomen was die Verletzungsanfälligkeit betrifft. Aber gut, mit Hünemeier haben wir einen guten Mann aus der Zweiten in der Hinterhand, der im Hinspiel zu überzeugen wusste, als die Bayern gänzlich unverdient alle drei Punkte mit in die Weihnachtszeit entführten. Knochenstauchung im Knie heißt hier die Diagnose. Unglaubliches Verletzungspech. Gut, dass mit Marc Heitmeier eine weitere zuverlässige Alternative aus der zweiten Mannschaft bereit steht. Man war sich schnell einig, dass er die größten Chancen auf einen Einsatz hatte. Donnerstagmorgen jedoch meldete auch er sich bei Bert ab, eine Kapselprellung im Sprunggelenkt hindert ihn am Mitwirken. Gestern ließ van Marwijk dann die Varianten mit Degen und Großkreutz, eine weitere Hoffnung von BVB II, in der Innenverteidigung trainieren. Großkreutz ist hinter Hünemeier und Heitmeier oft nur Ersatz, Bert schätzt ihn aber als „ruhigen Jungen“ ein, der „keine verrückten Sachen macht.“ Vieles deutet auf eine Viererkette mit Brenner und Degen in der Mitte hin. Degens Stammposition auf der rechten Seite soll dann Kringe übernehmen. Van Marwijk spricht von einer „extremen Situation“ und da pflichten wir ihm wohl alle bei.
 
Florian wird also aus dem Mittelfeld zurück beordert, dafür könnte Kruska nachrücken. Falsch, Kruska wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auflaufen, da auch die beiden anderen etatmäßigen Mittelfeldspieler nicht zur Verfügung stehen. Kehl kämpft noch mit dem von Lexa malträtieren Sprunggelenk während sich Rosicky in seinem letzten Heimspiel die fünfte Gelbe einhandelte. Neben Kruska (Baujahr 1987) wird also definitiv Sahin (1988) auflaufen. Weniger definitiv, dafür hochwahrscheinlich ist, dass Bert Caliskan (1987)von Anfang an bringen wird. Der konnte in der Oberliga diese Saison weitestgehend überzeugen und durfte gegen den Club schon einmal 10 Minuten Bundesligaluft schnuppern. Im Schnitt wäre dieses Mittelfeld lediglich 18 Jahre alt, doch wie sagte Goethe: „Man muss jung sein, um große Dinge zu tun.“
 
Im Sturm feiert Koller seinen Abschied vom BVB zurück in alter Mittelstürmer-Rolle. Er wird aller Voraussicht nach von Odonkor und Smolarek auf den Flügel begleitet. Offensiv hat van Marwijk unglaubliche Ressourcen verglichen mit den restlichen Mannschaftsteilen. Mit Buckley, Gambino, Amoah und auch Van der Gun sitzen vier Angreifer auf der Bank.
 
Bayern freuen sich auf ein Fußballfest
 

Der letzte Auftritt in München unter ganz anderen Voraussetzungen

Die Ödnis hat einen Namen: Bayern München. Mittlerweile begegnet man einer Meisterschaft der Truppe vom Wurst-Uli doch recht gleichgültig. Wie wohltuend und spannend, wenn Teams wie Werder oder der HSV im Titelkampf eingreifen. Wie unendlich langweilig wenn die Buyern mal wieder das Baby nach Hause schaukeln. Der Haken an der Sache: Es freut sich gar niemand mehr so richtig. Die Bayrischen Fans sind es wohl langsam gewöhnt, das dritte Double in vier Jahren sorgt für eine gewisse Sättigung. Auch bei den Spielern und Offiziellen ist dies zu spüren. Ach ja, mal wieder das Double mitgenommen. Naja, passt schon. Weißbierdusche und gut ist.
 
Mit Michael Ballack gibt am Samstag das Herz des Münchner Teams seinen Abschied, trotz aller kürzlicher Kritik hat er großen Anteil an den konstant erfolgreichen und langweiligen Darbietungen in den letzten vier Jahren gehabt. Der einzige Spieler, der sich derzeit ansatzweise eignet um zum Superstar des deutschen Fußballs gehypt zu werden, kehrt der Heimat den Rücken zu und wechselt zu Chel$ki FC. Es kratzt ihm zwar der Hals, doch es ist davon auszugehen, dass er von Anfang an auflaufen wird. Sein, und auch Lizarazus, letztes Spiel soll laut Wurst-Uli ein schönes Fußballfest werden. Magath ergänzt: „Wir wollen den Zuschauern noch einmal etwas bieten.“ Möglichst so wie in den letzten beiden Jahren, in denen die Buyern die Saison jeweils mit einem 6:3 Sieg beendeten. Wenn man dazu noch liest, dass für Magath und Hoeness das Spannendste des Spieltags ist, wer seine Wette gewinnt – da kann man sich nur wünschen: Bitte Jungs, reißt euch den Arsch auf und haut der deutschen Nummer Zwei die Bude voll!
 
Faninfos
Ein herzlicher Dank geht an die Fanabteilung, die einen Sonderzug organisiert hat, der 1000 Schwarzgelbe nach München bringen wird. Eine klasse Aktion! Zur Stadionanfahrt empfiehlt die Münchner Polizei folgendes: Nutzen Sie die öffentlichen Verkehrsmittel des MVV. Kommen Sie mit dem Zug am Münchner Hauptbahnhof oder am Bahnhof München-Ost an, fahren Sie in wenigen Minuten mit der S-Bahn zum zentralen Umsteigepunkt Marienplatz und steigen dort in die U-Bahnlinie U 6 (Richtung Garching-Hochbrück) ein. Fahren Sie mit der U-Bahn bis zur Haltestelle Fröttmaning. Die Fahrzeit vom Marienplatz bis nach Fröttmaning beträgt ca. 16 Minuten. Von dort erreichen Sie das Stadion bequem über die Esplanade.
 
Laut Fanabteilung sind in München erlaubt:
- Trommeln - Fahnen bis 1 Mtr. Stocklänge - Zaunfahnen (nur an der hinteren Wand des Blocks) - 25 Doppelhalter (1 Mtr. Stocklänge)
 
Mit rund 69.000 Karten ist die Arroganz Arena erneut ausverkauft. Laut BVB wurden 6.409 Karten für den Gästebereich abgesetzt.
 
Aufstellungen
BV Borussia Dortmund 09:  Gentenaar - Kringe, Degen, Brzenska, Dede - Kruska - Sahin, Caliskan - Odonkor, Koller, Smolarek.
 
FC Bayern München: Aufstellung:  Kahn - Sagnol, Lucio, Demichelis/Ismael, Lahm - Hargreaves - Schweinsteiger, Zé Roberto - Ballack - Pizarro, Santa Cruz.
 
Statistik: Darüber legen wir dezent den Mantel des Schweigens. Wer es trotzdem sehen will, hier findet ihr die Daten.
 
Schiri: Babak Rafati aus Hannover. Seine Assistenten sind Thomas Frank und Carsten Kadach, und der Trainerbändiger wird Markus Schmidt sein.
Für den BVB ist er ein gutes Omen. Die erste Mannschaft hat er beim 1-1 gegen Mainz gepfiffen. Die zweite Mannschaft hat er beim Derbysieg 2003/04 und beim traurigen bzw. legendären 5-5 in Münster gepfiffen.



Geschrieben von Augi