Interview mit Jens Volke - Teil 1: "Das zeigt die Zeit"
Als Fanbeauftragter hast Du zu viel zu tun, um in Ruhe das Spiel zu sehen. Ist dies das größte Opfer?
Ja.
Das ist definitiv negativ an meinem Job. Das Spiel kann ich selten
sehen. Immerhin spürt man manchmal, dass nicht so viel los ist und dann
kann ich auch mal das Spiel anschauen. Ich habe bei uns das Glück, dass
ich nicht den Gästeblock betreue, so dass ich bei Heimspielen noch
einiges vom Spiel mitbekomme. Zuletzt hatte ich sogar mal einen Tag
frei. Da war ich ganz normal auf der Südtribüne bei meinen alten
Kollegen und wir haben zusammen ein Bierchen getrunken. Das kannte ich
ja gar nicht mehr, das war natürlich klasse.
Ihr teilt euch bei einem Heimspiel auf?
Ja.
Ich bin zuständig für die Heimkurve. Das ist in aller Regel relativ
unproblematisch. Da gibt es Kleinigkeiten, aber massive Probleme treten
eigentlich nie auf.
Und der Kollege?
Sebastian
kümmert sich um den Auswärtsblock und den gegnerischen Fanbeauftragten.
Da ist normalerweise mehr los. Da kommt es am Einlass vielleicht zu
stressigen Situationen oder es gibt Dinge, wo man schlichten, klären
oder vermitteln muss.
Wie sieht ein typischer Spieltag aus bei Auswärtsspielen?
Das
beginnt schon ein paar Tage vorher mit Gesprächen mit dem
Fanbeauftragten des Gegners. Wir sprechen auch mit der Polizei und wenn
wir Glück haben, informiert uns die Bahn über Entlastungszüge. Oft tut
sie das leider nicht, dann erfährt man das häufig eher zufällig oder
durch die Polizei. Am besten wäre es, wenn auch die Bahn auf unsere
Wünsche einginge. Das Gegenteil ist meist der Fall. Als wir letzte
Saison in Gladbach waren, wurde ein Entlastungszug angeboten, mit dem
die Fans viel zu spät am Stadion gewesen wären. Da konnte ich nur noch
"Herzlichen Glückwunsch" sagen, aber da wird keiner von uns mitfahren.
Ideal wären Absprachen mit Bahn und Bundespolizei, wovon alle
profitieren würden. Das gibt es aber leider zu selten.
Fährst Du mit den Fans im Zug zum Spielort?
Das
ist unterschiedlich. Wir fahren immer wieder auch mit dem Zug. Häufiger
aber mit dem Fanmobil der Fanabteilung, um vor Ort als Ansprechpartner
wahrnehmbar zu sein. Das hat sich bewährt, weil die Leute dann wissen,
wo sie hinkommen können. Auf den Zugfahrten ist ansonsten in aller Regel
das Fanprojekt mit dabei.
Wovon macht Ihr das abhängig, wie Ihr anreist?
Das
hängt vom Spiel ab. Nach Gelsenkirchen beispielsweise fahre ich immer
mit dem Zug mit. Sebastian muss schon früh in Gelsenkirchen sein, um
dort an der Sicherheitsbesprechung teilzunehmen. Insofern können wir
sowieso nur einen Zug begleiten. Da suche ich mir einen aus, der für
mich und meine Arbeit Sinn machen könnte. So machen es ja auch die
Kollegen vom Fanprojekt. Dann hast Du eben das Glück oder Pech, je
nachdem wie man das sieht, dass in genau dem Zug gar nichts passiert
oder ganz viel Action ist.
Was ist ganz viel Action?
Beim
Derby passiert schon mal mehr, da kochen die Emotionen hoch. Ich will
nichts beschönigen, aber Emotionen müssen nicht zwingend negativ sein.
Das Derby ist eben ein Tanz auf der Rasierklinge. Da können die starken
Emotionen unserer Fans positiv sein, es kann aber auch ins Negative
kippen. Wobei die letzten Derbys wieder deutlich ruhiger gewesen sind.
Problematisch für uns sind Krawalltouristen, die wir gar nicht kennen
und die gezielt zu so einem Spiel kommen, um Theater zu machen. Die kann
man schwer ansprechen. Insgesamt aber bieten die Derbys nicht diese
bürgerkriegsähnlichen Szenarien, von denen oft gesprochen wird.
Andererseits
kommt es auf den Zugfahrten zu Schmierereien, Vandalismus, Begegnungen
mit Leuten, die sich nicht zu benehmen wissen. Wie viel Einfluss hast Du
auf diese Dinge?
Das kommt drauf an. Wir sprechen
solche Leute dann an. Entweder sie reagieren oder sie reagieren nicht.
Wenn sie uns nicht ernst nehmen, haben wir leider keine Möglichkeit
mehr, die Dinge positiv zu steuern. Dann ist das Polizeiarbeit. Wir
weisen dann daraufhin, dass da hinten die Polizei steht und die gleich
einschreiten wird und damit hört unser Einfluss auf.
Wie
schwer fällt Dir der Spagat zwischen loyalem Vereinsmitarbeiter und dem
Ex-Ultra, der Tifo-Aktionen (wie etwa Pyrotechnik) vielleicht weniger
problematisch interpretiert?
Das ist nicht immer
leicht, aber letztlich auch möglich. Man muss halt seine Grenzen kennen,
wissen wozu man da ist. Das bedeutet, dass ich dem Verein gegenüber
loyal bin. Das ist mein Arbeitgeber, der mich bezahlt. Andererseits habe
ich auch in dieser Position viele Freiheiten. Hier erwartet ja niemand
von mir, dass ich Stadionverbote ausspreche oder alles immer
kommentarlos mittrage, was der Verein macht. Ich habe natürlich von
Hause aus viel Verständnis für Faninteressen, damit beziehe ich mich gar
nicht einmal auf die Diskussion um Pyro in der Kurve. Es ist aber ganz
allgemein so, dass ich die Fanseite genau betrachte und analysiere und
dann zwischen verschiedenen Parteien versuche, zu vermitteln. Den Fans
erkläre ich die Sicht des Vereins und umgekehrt dem Verein die Sicht der
Fans. Das ist mein Job.
Bist Du aus der organisierten Szene dafür kritisiert worden, dass Du die Seiten gewechselt hast?
Nein,
hier in Dortmund noch gar nicht und es ist ja auch kein Wechsel. Ich
stehe ja durchaus dazwischen. Von Fans beziehungsweise Ultras anderer
Vereine habe ich das allerdings schon mal als Kritik gehört.
Sind Ultras Fluch oder Segen?
Auf
keinen Fall Fluch. Für mich ist es größtenteils eine faszinierende
Kultur, eine Jugendkultur, die eben auch Schattenseiten hat, was für
eine Jugendkultur eben auch ‚normal‘ ist. Andererseits ist Ultra-sein
gar nicht unbedingt eine eigene Jugendkultur, weil sie sich vielfältig
zusammensetzt, anders als vielleicht Skater oder Graffiti-Leute, und
weil auch Ältere dabei sind und sie sich inmitten anderer ‚Kulturen‘
bewegt und sich bspw. mit älteren Fans auch arrangieren muss. Ich sehe
vordergründig erst einmal klar die positiven Seiten, ohne die negativen
auszublenden.
In Dortmund gibt es jetzt 10 Jahre die
Ultras von „The Unity“. Du bist im Grunde von Anfang an dabei gewesen.
Was hat Dich zum Ultra gemacht?
Davor hatte es bei mir
ja auch schon eine persönliche Entwicklung in diese Richtung gegeben. Es
gab Anfang Januar 2001 ein Treffen, zu dem ich eingeladen wurde. Dann
bin ich dahin gegangen und habe schnell gemerkt, dass da Leute sind,
die genauso wie ich ticken. Es ging darum, die Stimmung zu verbessern.
Im Westfalenstadion war spätestens Ende der 90er nichts mehr los. Da kam
nur was von den Fans, wenn schlechte Partymusik eingespielt wurde. Das
war erschreckend und verlief fast parallel zum Stadionausbau. Die
Südtribüne veränderte sich und wurde sehr ruhig. Dann haben sich
engagierte Leute zusammengetan. Das lief zunächst gar nicht unbedingt
mit dem Ziel, „Ultras“ zu sein, eigentlich hatten die meisten der
Gründer damit gar nichts am Hut. Es ging erst einmal nur um eine bessere
Stimmung. Andere Ultragruppen, wie etwa in Frankfurt, durch ihre guten
Kontakte zu Atalanta Bergamo, hatten da schon eine eindeutigere
Ausrichtung. Andererseits haben wir vieles übernommen. Fahnen,
Megaphone, Vorsänger, erste Choreographien. Aber das entwickelte sich
dann erst später zu einer Ultra-Gruppe im heutigen Verständnis. Vor
allem durch die jüngeren Mitglieder, die eigene Vorstellungen
einbrachten und nicht mehr in derselben Fankultur groß geworden waren
wie wir Älteren.
Euer Motiv war es also, die Stimmung zu verbessern…
Genau.
Wir haben damals davon geträumt, mal eine größere Gruppe zu werden. Mit
mehreren Hundert Leuten. Es ging grundsätzlich darum, wieder eine
richtige Fankultur zu entwickeln. Zwar gab es viele engagierte Fanclubs,
die auch regelmäßig auswärts fuhren, aber nach vorne brachte das die
Stimmung nur wenig, weil jeder sein eigenes Süppchen kochte.
Bist Du heute noch Mitglied bei „The Unity“?
Nein.
Es verbietet sich nicht, aber es wäre für meine Position auch anderen
Fans gegenüber nicht gut. Insbesondere auch anderen Ultragruppen
gegenüber. Ich bin in dieser Hinsicht ja neutral und möchte auch nichts
anderes signalisieren.
Mir sind aktuell drei Ultragruppen in Dortmund bekannt. Vertragen die sich untereinander?
Ja,
im Großen und Ganzen schon. Es gibt immer wieder mal Dissonanzen, aber
das ist doch völlig normal, weil die Gruppen eben unterschiedliche
Ausrichtungen und Schwerpunkte haben.
Ist es Deine Aufgabe, in solchen Fällen zu moderieren?
Das
mache ich schon mal und versuche zu helfen, aber das ist für mich sehr
schwierig. Da spielt dann doch manchmal eine Rolle, dass ich sehr lange
bei The Unity war.
Was unterscheidet einen Ultra-Fan von anderen Stadionbesuchern?
Er
oder sie, denn es sind ja auch junge Frauen dabei, versucht, mehr zu
machen als andere. Das drückt sich optisch natürlich in Choreographien
aus, was ein Riesenarbeitsaufwand ist, die man zusammen vorbereitet. Man
sieht sich jedes Wochenende und auch unter der Woche, die Gruppe
versucht, weitere Dinge anzugehen, diskutiert untereinander und mit
anderen. Daraus entwickelt sich ein großer Freundeskreis, der wie eine
Familie eine soziale Struktur hat, in der man sich orientieren und wohl
fühlen kann. Der Zusammenhalt ist enorm wichtig, hat einen sehr hohen
Stellenwert. Gleichzeitig ist das aber auch ein Problem, weil man häufig
unter sich bleibt und immer seltener über den Tellerrand der eigenen
Ultra-Kultur hinausblickt.
Du hast bei einem DFB-Kongress auf die soziale Funktion einer Ultragruppe hingewiesen. Was ist das Wesentliche daran?
Eine
Ultragruppe schult, wie das sonst auch Sportvereine und Fanclubs tun,
für das echte Leben. Es geht um Ideale, um den Einsatz dafür und um
Zusammenhalt. Man kann sich in der Gruppe ausleben, positionieren,
unterordnen, an Regeln halten. Dabei muss man auch feststellen, dass
sich einiges mit der Realität beißt. Wichtig ist es auch zu lernen, dass
man mit den unterschiedlichsten Menschen klar kommen muss. In der
Gruppe befinden sich Leute aus allen möglichen Schichten, auch
unterschiedliche Ethnien. Ultragruppen sind oft bunt gemischt und
ermöglichen ein Gemeinschaftsgefühl. Sie geben Halt und Orientierung.
Fehlt es vor diesem Hintergrund in der öffentlichen Wahrnehmung an Respekt Ultras gegenüber?
Ich
denke schon, aber das ist ja auch typisch für das Verhalten eines Teils
der Gesellschaft jungen Menschen und Jugendkulturen gegenüber. Da gibt
es meist immer häufig eine Grundskepsis. Dabei sind Probleme, die
entstehen normal und fast jeder hat es in seiner Jugend selbst erlebt.
Da schlägt man mal über die Stränge, da gehört irgendwie auch Rebellion
dazu und es ist auch niemals die Welt der eigenen Eltern oder die der
Erwachsenen. Das muss auch nicht immer jeder begreifen, was da alles
passiert. Die Ultrakultur beim Fußball ist in diesem Sinne aber
besonders spannend, weil sie auftritt, wo auch andere Gruppen ihren
Platz finden. Auch Gruppen, die schon vorher da waren, ältere Fans, mit
denen man sich arrangieren muss.
Diese anderen Fans
sehen Ultras durchaus kritisch. Ständiges sichtbehinderndes
Fahnenschwenken, einschläfernder Dauergesang, Platzhirschgehabe in den
Kurven. Ist es den Ultras egal, was der Rest über Sie denkt?
Nein,
überhaupt nicht. Das kann ihnen auch nicht egal sein, weil sie ohne den
Rest der Kurve nichts sind. Wenn die Ultras mit ihren 300, 400 oder 500
Personen da irgendwann alleine stehen und keiner macht mit, wenn keiner
bei den Choreos die Papptafeln mit nach oben hält oder Tausende Fahnen
geschwenkt werden, wenn keiner ihre Lieder mitsingt, und das sind ja
auch nicht nur ihre Lieder, dann wäre das Ziel verfehlt. Dann wäre die
Ultrakurve nichts wert. Das ist in der Szene allen sehr wohl bewusst.
Aber man sollte ja auch nicht so tun, als wären ‚die‘ anderen Fans gegen
die Ultras. Wenn das der Fall wäre, würde ja vieles nicht
funktionieren, von zerstrittenen Kurven sind wir glücklicherweise noch
weit entfernt. Aber an diesem ‚Innenverhältnis‘ müssen beide Seiten
ständig arbeiten, gegenseitiger Respekt ist sehr wichtig.
Der
Ultra, der gegen den modernen Fußball ist, steht in einem
Dauerkonflikt. Eigentlich soll alles bleiben wie es ist oder wieder so
sein wie früher, andererseits gibt es gegenläufige Ziele der
Vereinsführung. Neue Sponsoren kommen auch, weil etwa in Dortmund die
Stimmung so gut ist, dies auch Dank der Ultras. Klingt widersprüchlich…
Das
ist es und das wissen die Ultras auch. Aber Ultras sind natürlich auch
Fußballfans, lieben den ihren Verein und wollen natürlich das Beste mit
ihrem Verein erreichen. Es gibt aber oft Stimmen, die sagen: `Erfolg ist
uns egal. Hauptsache wir bleiben echt.` Deshalb reiben sich Ultras etwa
am geldbringenden Verkauf des Stadionnamens oder an anderen Dingen, die
etwas mit Fußball moderner Prägung zu tun haben.
Sind Ultras schizophrene Wesen zwischen eigenem Anspruch und Realität?
Ja,
sind sie und das, wie gesagt, wissen die Ultras ja auch. Am
konsequentesten wäre es, nicht mehr hinzugehen, zu sagen dass das alles
ist nicht das ist, mit dem man sich zu 100 Prozent identifizieren kann.
Und es gibt ja auch Fans, die das tun, die gab es aber auch schon
früher, weit vor den Ultras. Aber wenn mir ein 15-jähriger erzählt, er
könne mit dem Fußball von heute nichts mehr anfangen, dann muss ich doch
lachen, welchen ‚anderen‘ Fußball kennt er denn? Ich kann mich gut
erinnern, wie es hier in Dortmund vor einigen Jahren noch war. Da war es
deutlich anstrengender schwieriger, sich mit dem BVB zu
identifizieren.
Was denkst du, wenn (vermutlich) Ultras
in Köln den Trainingsplatz besprühen mit Morddrohungen Richtung Spieler
im Abstiegsfall, wenn in Frankfurt der Platz gestürmt wird, sich diese
Ultras als Randalemeister 2011 selbst feiern?
Das ist
zunächst einmal unwürdig und noch dazu dumm, weil man ja wissen sollte,
wie so etwas medial rüber kommt. Gut, jetzt kann man sagen, dass ist
diesen frustrierten Ultras egal, was die anderen denken – wenn es denn
wirklich Ultras waren. Man darf ja auch nicht vergessen, dass es immer
mehr Jugendliche gibt, die gerne dabei wären, es aber nicht sind und
dann durch solche Aktionen auf sich aufmerksam machen wollen. Die
Ultra-Kultur hat eine gewisse Attraktivität für Jugendliche und die wird
durch Berichterstattung eher noch angeheizt. Ich glaube, das war schon
bei den sogenannten Halbstarken in den 50er Jahren so. Bei dem
Randalemeister musste ich aber schmunzeln. Mit dem Spruchband
„Randalemeister“ haben sich die Frankfurter Ultras aber doch einen Spaß
gemacht, indem sie sich selbst so bezeichnen, um die negative
Berichterstattung über sie zuzuspitzen. Das war reine Provokation. Das,
was geschrieben worden war über die Frankfurter, war teilweise
berechtigt, teilweise überzogen. Der Platzsturm im eigenen Stadion nach
der Niederlage gegen Köln war natürlich kompletter Blödsinn. Ein
Tabubruch, der so nie passieren darf, egal wie verständlich die Wut und
der Frust über die Saison war. Aber auch dabei ist niemand zu Schaden
gekommen. Es gab lediglich Sachschäden, das passt dann ja auch nicht so
recht ins Bild der randalierenden Horden, oder? Da fehlte es mir
insgesamt an einer differenzierteren Betrachtung.
Durch so eine Aktion gelten alle Ultras als gewalttätig…
Ja,
aber sicher fordern auch die Ultras zu Recht differenzierte Betrachtung
und Berichterstattung ein. Deswegen war es umso ärgerlicher, dass das
in Frankfurt passiert ist. Es gibt heute sicher auch viel mehr
Nebensächlichkeiten innerhalb der Ultrakultur, die sich verselbständigt
haben, die früher keine oder fast keine Rolle spielten, weil man damals
häufig andere Probleme hatte. Graffiti oder generell ‚Streetart‘ spielt
heute in fast jeder Ultragruppe eine große Rolle. Das sind dann oft die
Jüngeren einer Gruppe, die das machen. Man sollte nicht den Fehler
machen, die Arbeit einer Gruppe auf diese Dinge zu reduzieren,
andererseits ist aus manch früherem Graffiti-Maler später ein großer
Künstler geworden.
Die Desperados haben zuletzt das Kreuzviertel großflächig mit Flugblättern beklebt. Nicht gerade sympathiefördernd...
Natürlich
nicht, aber das ist den Ultras, und das machen ja nicht nur die
Desperados in Dortmund, in so einem Fall auch völlig wurscht. Die sagen
sich, das ist ein Teil der Kultur, so wie Graffiti eine Kultur ist, die
nicht jedem gefällt und fertig. Damit markiert man sein Revier und das
gehört aus Sicht vieler Ultras eben dazu.
Haben sich die Ultraszenen radikalisiert?
Ein
Teil der Szenen radikalisiert sich. Definitiv. Ganz bestimmt. Andere
Ultragruppen, das muss man auch sehen, distanzieren sich heute aber ganz
deutlich von Gewalt, deutlicher als früher. Ich glaube, dass jemand,
der sich damit beschäftigt, das so erkennen kann. Es bilden sich neue
Gruppen, um sich noch klarer von Gewalt abzugrenzen. Andererseits gibt
es leider aber auch Gruppen, die sich in die andere Richtung
entwickeln.
Manch Experte sagt, die Ultras stünden jetzt an einem Wendepunkt, was ihre Beziehung zur Gewalt angeht…
Das höre ich jetzt aber auch schon wieder seit fünf Jahren. Ich weiß das nicht. Das zeigt die Zeit.
Im zweiten Teil des Interviews spricht Jens Volke über die Zusammenarbeit mit den Behörden, die Stadionverbotsproblematik und seine Wünsche für die neue Saison.
Redaktion, 23.08.2011
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Videos Pokalfinale BVB - Bayern München
Im Interview mit dem WDR vom 16.08. sprach Jens Volke, Fanbeauftragter beim BVB, über seinen Werdegang vom engagierten Fan bis hin zum Vereinsoffiziellen, über die Ultrakultur, Gewalt und das Verhältnis der Ultragruppierungen zur Polizei. Ein absolut lesenswertes Interview, das wir Euch deshalb auch noch einmal an dieser Stelle in aller Ausführlichkeit und in zwei aufeinanderfolgenden Teilen vorstellen möchten. Wir bedanken uns bei Gregor Schnittker und dem WDR für die Erlaubnis zum Abdruck.


