Sechspunktespiel im Bergischen Land
Nach all den ausgefallenen Spielen und der klaren Niederlage gegen Jena stand für die Amateure nun ein Sechspunktespiel auf dem Programm. Diesmal ging es zum Tabellenschlusslicht nach Wuppertal, und dank der fanunfreundlichen Anstoßzeit der Profis um 18:30 Uhr war es mal wieder möglich, wenn auch mit ein bisschen Hektik verbunden, den Amateuren zumindest für rund 75 Minuten beizuwohnen. So machten sich etwa 500 Borussen auf den Weg ins Bergische Land zum Stadion am Zoo. Das Stadion gehört mit fast 25000 Plätzen zu den größeren Spielstätten in der 3. Liga, ist aber leider wohl auch auf Grund der aktuellen Lage immer nur mit gut 3000 Zuschauern gefüllt.
Die letzten Wochen hatten sichtbar ihre Spuren hinterlassen: obwohl in Wuppertal anscheinend niemand mit einem solchen Andrang von Seiten der Gäste gerechnet hatte (es mussten noch eilig hunderte Eintrittskarten nachgedruckt werden), war die Exekutive vorbereitet und fuhr einen mächtigen Apparat auf. Ein bisschen verwunderlich ist es schon, sich einerseits über die hohe Arbeitsbelastung zu beschweren und andererseits solch eine Show zu liefern. Gerade die Dortmunder Fans verhielten sich bis jetzt immer vorbildlich bei den Amateuren und für die Wuppertalfans hätten wohl zehn Beamte völlig ausgereicht. Nichtsdestotrotz machte man sich frohgemut auf den Weg, und durch den besagten Polizeiaufwand bestand auch nicht die Gefahr, dass man den Gästeblock verfehlt.
Das Stadion selber ist noch ein wirklich altes gewachsenes Stadion. Wenn das Geld für eine komplette Überdachung da wäre, könnte man direkt von einem Schmuckkästchen sprechen. Wie der Name schon sagt, liegt es in direkter Nachbarschaft zum Zoo und die Hügel dort bieten auch dem sparsamen Fußballfreund einen guten Blick auf das Geschehen auf dem Rasen.
Kurz vor Spielbeginn kam dann auch Leben auf den Rängen auf. Die „Ultras von die Amateure“ legten mit dem gewohnten Liedgut los, und auch das Wuppertaler Pendant probierte sich. Diese hatten quasi einen eigenen Jugendblock am Ende der Haupttribüne, durch das Dach erreichte dieser Haufen auch eine ausreichende Lautstärke, ist aber halt auch nichts Besonderes.
Für den WSV liefen Maly, Weikl, Rodrigues, Fischer, Schäfer, Celikovic, Braun, Neppe, Müller, Formento und Keita-Ruel auf. Uwe Fuchs beließ Karagiannis, Damm, Altin, Dressler, Stickel, Aseada und Icilli auf der Bank. Theo Schneider (durch Klopps Geist geleitet) vertraute auf Höttecke im Tor, davor Evers, Neumeister, Sobiech und Vrzogic. Im Mittelfeld sollten M. Großkreutz, Nottbeck, Kandziora und Tyrala das Spiel gestalten, um Hille und Ginczek in Szene zu setzen. Da Hünemeier und Koch für die Profis abgestellt waren, gesellten sich auch unbekanntere Gesichter auf der Bank. Theo Schneider konnte auf Focher, Boztepe, Aleksandrov, Kullmann, Oscislawski und Treude zurückgreifen.
Das Spiel begann, wie der Tabellenstand der Teams es erwarten ließ. Es war eine enorm zähe Partie mit reichlich Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten. Während Wuppertal optisch sich eine Vorherrschaft auf dem Platz erarbeitete, traf man auf der Haupttribüne zahlreiche weitere Fans des BVB. Da hat wohl irgendwer seine Tribüne nicht sauber gehalten... Die ersten Angriffsbemühungen auf beiden Seiten waren zumeist Ergebnisse aus Einzelleistungen oder vorangegangenen Fehlpässen. Wuppertal stellte sich unglaublich ungeschickt im Strafraum an und die Borussen kamen kaum mal in den Strafraum. In der 10. Minute bekam Marcel Kandziora in verheißungsvoller Position im Strafraum den Ball, doch anstatt abzuziehen, legte er den Ball lieber zurück und die Wuppertaler konnten klären. Auf Wuppertaler Seite überzeugte vorvallem der bemühte Daniel Keita-Ruel, ohne wirklich zu brillieren. In der 23. Minute musste Uwe Fuchs für den verletzten Rodrigues Stickel bringen. Kurz danach die erste gute Konterchance für den WSV, doch die Überzahl wurde durch einen Fehlpass ins Nirgendwo verspielt. Kurz darauf zwei Chancen für die Amateure, doch Ginczek und Nottbeck konnten den Ball nicht versenken. Die Wuppertaler probierten es in der Folge auch noch zweimal durch Braun, doch im Abschluss haperte es gewaltig. Auffällig beim BVB, dass Tyrala, der eine dominante Rolle spielt, leider bei Schnellangriffen viel zu langsam agiert und somit die Chancen geradezu verschleppt.
Als Schiedsrichter Benjamin Cortus die Zuschauer in die Halbzeit entließ, stand ein maues Null zu Null zu Buche, mit leichten Feldvorteilen für den WSV.
Die zweite Halbzeit begann mit einer riesen Chance für das Schlusslicht. Celikovic zog an der Grundlinie in den Strafraum, doch Braun trat am Ball vorbei - daraus muss man ein Tor machen. In der 54. Minute probierte sich Kandziora, doch sein Schuss ging ganz knapp vorbei, und auch der hineinrutschende Hille verpasste knapp den Ball. Drei Minuten später packte der sehr bemühte Weikl einen satten Distanzschuss aus, den Höttecke nach schöner Flugeinlage über das Tor klärte.
Dann war es soweit. In der 61. Minute flankte Hille butterweich von rechts in den Strafraum, und Nottbeck stand in der Luft und köpfte den Ball in die Maschen. Pure Erleichterung bei den Borussen, während die Wuppertaler sich wohl fragten, wie er da so frei sein konnte. Das Tor führte zu regen Veränderungen. Die WSV-Fans stellten kurzzeitig den Support ein, Theo Schneider brachte Kullmann für den glücklos agierenden Ginczek und Uwe Fuchs setzte auf Damm für Keita-Ruel. Kurze Zeit später ging dann auch der Torschütze raus und Oscislawski kam ins Spiel. Wuppertal wirkte deutlich geschockt und hilflos, der BVB begann abwartend, das Ergebnis zu verwalten. In der 74. Minute verließ Andres Miguel für Romas Dressler den Platz. Langsam kam Wuppertal wieder zu Chancen, doch auf der Tribüne wurde der Unfrieden immer lauter. Die Abstiegsknaller "Wir haben die Schnauze voll" und "Wir wollen euch kämpfen sehen" schallten nun durch das weite Rund. Der Großteil der BVB-Fans begann dagegen einzupacken und abzureisen, um rechtzeitig zum Spiel der Profis in Dortmund zu sein. Die Wuppertaler Fans quittierten dies mit "Ihr habt bezahlt, ihr könnt jetzt gehen"-Gesängen. Schon ein wenig peinlich, wenn eine Amateurmannschaft einen größeren aktiven Anhang mitbringt und auch noch 1:0 führt. Aber wenn man sonst nichts zu lachen hat...
Zehn Minuten vor Ende begann Wuppertal nochmal zu drücken. Tobias Damm kam völlig frei am Fünfer zum Kopfball, doch Höttecke konnte klasse parieren und die Abwehr den Abpraller klären, da Damm noch seiner Chance hinterhertrauerte. Wuppertal machte nun auf und die Borussen konterten eiskalt. Der in der 84. Minute eingewechselte Aleksandrov spielte nach einem Konter quer auf Großkreutz, der sicher einnetzte. Die Entscheidung und das Signal für die massenweise Flucht der Zuschauer. Die verbliebenen BVB-Fans pöbelten nochmal unsinnigerweise gegen den „Absteiger“, an sich nicht nötig, die waren bedient genug. Danach passierte nicht mehr viel und in der dritten Minute der Nachspielzeit pfiff Benjamin Cortus ab.
Fazit: Wuppertal steckt im Abstiegskampf und wenn man erstmal unten drinsteht, dann hat man auch noch Pech (oder halt Unvermögen). Schon bemerkenswert, wie größte Chancen liegen gelassen wurden. Die Amateure dafür nicht unbedingt schön, aber eben umso effizienter in ihrer Spielweise. Insofern ist der Sieg verdient, da der WSV es einfach verpasste, das Entscheidene im Fußball zu tun: Tore schießen.
Da es nach dem Spiel schnell gen Dortmund ging, gibt es leider keine Stimmen zum Spiel.
Es spielten:
Wuppertaler SV:
Maly, Weikl, Rodrigues (23. Min. Stickel), Fischer, Schäfer, Celikovic, Braun, Neppe, Müller, Formento (73. Min. Dressler) und Keita-Ruel (63. Min. Damm)
Borussia Dortmund Amateure:
Höttecke, Evers, Neumeister, Sobiech, Vrzogic, M. Großkreutz, Nottbeck (67. Min. Oscislawski), Kandziora, Tyrala, Hille (84. Min. Aleksandrov) und Ginczek (62. Min. Kullmann)
Schiedsrichter:
Benjamin Cortus, Christian Dietz und Benjamin Brand
Tore:
Nottbeck (61. Min.), Großkreutz (89. Min.)
Gelbe Karten:
Großkreutz, Ginczek, Formento, Stickel
mrg, 21.03.2010
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