Are we 11? - FIFA im Test
Sehnsüchtig erwartete die treue FIFA–Community die diesjährige Ausgabe des Videospiels FIFA 11. Am 30. September ging das Spiel schließlich über tausende Ladentheken, noch nie hat ein Entertainment-Produkt in Deutschland am ersten Wochenende seiner Veröffentlichung mehr Umsatz gemacht. Ein neuer Rekord also, aber ob sich der Kauf auch wirklich lohnt? Das erfahrt ihr hier: schwatzgelb.de hat die Versionen für PS3 und PC getestet.
FIFA 11 für die PlayStation3
Da hält man also mal wieder das neue FIFA in der Hand und ist gespannt wie ein kleiner Junge. Während der Installation und Konfiguration die immer gleichen Fragen: Hat sich die PS3-Version im Vergleich zum Vorgänger wohl grundlegend verändert? Sind die im Vorfeld angepriesenen Ankündigungen wirklich so gut umgesetzt wie versprochen? Und das wichtigste: Wie groß ist der Spielspaß?
Nach der Installation geht's sofort los. Ab ins Menü. Schon auf den ersten Blick wirkt die PS3-Version ansprechend. Die Menüstruktur ist altbekannt und gut aufbereitet, man findet sich schnell zurecht. Die Hintergrundmusik bietet wieder einmal eine gute Auswahl an netten Songs, teilweise mit Hitpotential. Direkt ins Auge fallen, und besonders das soll im Mittelpunkt der Rezension stehen, einige Neuigkeiten. Zuallererst: Mit einer Weltpremiere wartet FIFA 11 für die PS3 auf. Und die soll es laut Ankündigung in sich haben, beinahe revolutionär sein. Im neuen „Be a Goalkeeper" – Modus agiert man als Nummer eins seines Vereins, versucht Gegentore zu verhindern, die Abwehr zu dirigieren und seiner Mannschaft den Sieg zu retten. Frei nach dem Motto: „Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften". Zu einer funktionierenden Abwehr gehört – und das weiß jeder leidenschaftliche FIFA-Spieler längst - natürlich auch der Torwart. Auch online kann dieses Feature im 11 gegen 11 deshalb ausprobiert werden. So kann man mit Freunden als echtes Team mit 11 Mann antreten, seine Lieblingsposition besetzen oder eine ganz andere ausprobieren. Von Weidenfeller bis Barrios ist also alles im Bereich des Denkbaren. Nach einiger Zeit als Goalie aber ist die Luft schnell raus. Als nette Abwechslung ist das Torwartspiel auf jeden Fall zu gebrauchen, auf Dauer aber wohl Geschmackssache. Dennoch ein netter Zusatz.
Welche Neuigkeiten gibt es noch? Zurück im Menü, stößt man schnell auf das Replay Theatre, in dem man seine im Spiel gespeicherten Tore wieder finden und hochladen kann, das Creation Centre, in der das selbst erstellte Game Face heruntergeladen werden und bearbeitet werden kann sowie die Musik&Gesänge-Option. Hier lassen sich für verschiedene Situationen eigene MP3-Files auswählen. Na, dann mal los: Man wähle als Einlaufmusik „Heja BVB" und beim Tor das altbewährte „Olé hier kommt der BVB". Das bringt Spaß. Nach einem Sieg darf es dann auch noch ein bisschen mehr sein. Bei „Wer wird Deutscher Meister? BVB Borussia!" ist ein bisschen träumen natürlich erlaubt. Selbst eigens mitgeschnittenen Fangesänge können während des Spiels abgespielt werden. Es genügt, die Einstellungen innerhalb weniger Sekunden im Menü vorzunehmen. Voraussetzung: Man hat die Musik bereits auf der Festplatte abgespeichert.
Die Tormusik soll natürlich noch am ersten Tag ertönen und so führt der Weg schnell zur Partie des BVB gegen seinen Erzrivalen. Eine wichtige Frage davor: Hat sich die Spielerauthentizität und das Spielgefühl entscheidend verbessert? Die Antwort: FIFA 11 ist anders, aber nicht grundsätzlich. Leichte Verbesserungen gibt es durchaus. Am ehesten setzt sich das Spielgefühl wohl aus FIFA Weltmeisterschaft und FIFA 10 zusammen. Die Mischung macht's. Versprochen hat EA vorher folgendes: „Das neue Feature Personality+, das neben den Standardattributen auch individuelle Fähigkeiten berücksichtigt, ermöglicht es, jeden Spieler mittels seiner Physis und Spielanlagen klar unterscheiden zu können." Ob das der Fall ist, lässt sich schwer beurteilen. Eindeutig lässt sich aber sagen, dass ein Lucas Barrios sich in seinen Fähigkeiten von einem Shinji Kagawa unterscheidet – und das spürt man auch bei der Steuerung. Gute Arbeit also von den rund 1.700 Scouts und Redakteuren, die aus einem Fähigkeiten-Set mit 36 Attributen und 57 Eigenschaften jeden einzelnen Fußballer entwickeln. Und da die Borussen in rund 35 Attributen und 56 Eigenschaften besser sind als der blau-weiße Gegner, ist der Sieg vorprogrammiert. Nette Randgeschichte: Beim 2:0-Sieg treffen Kagawa und Barrios, womit der Japaner das erste Tor der FIFA 11 – Karriere des Verfassers erzielt.
Was gibt's sonst noch? FIFA 11 bietet eine leicht verbesserte Grafik, wobei hier verständlicherweise keine großen Sprünge mehr gemacht werden konnten. Schon die Vorgängertitel waren in diesem Bereich mehr als ordentlich. Neu sind kleine Statistiken zu Torschüssen oder zurückgelegter Laufstrecke, die sich auf einzelne Spieler beziehen. Nach dem Spiel können außerdem Spielhöhepunkte leicht angewählt und noch einmal angeschaut werden. Frank Buschmann und Manni Breuckmann als Kommentatoren sind einmal eine nette Abwechslung und etwas neues, auch wenn einige Sprüche alten Hasen sicher schon aus FIFA 09 oder FIFA 10 bekannt sind.
Fazit: Der Kauf von FIFA 11 lohnt sich. Der Spielspaß ist absolut gegeben und dabei ist 11 keineswegs ein billiger Abklatsch von 10. We are 11!
FIFA 11 für den PC
Voller froher Erwartungen installieren sich seit über einer Woche tausende FIFA-Fans die PC-Version auf ihrem Rechner. Die angekündigte Verbesserung der Grafik, die neuen Kommentatoren und wie immer die Bundesliga-Lizenz mit den ganzen Deutschen Stadien sollten nach Meinung von EA Sports das Spiel wieder einmal besser als alles bisher Dagewesene machen. So jedenfalls kommt es in der Werbung rüber. Die Realität sieht anders aus. Ein durchschnittlicher Computer erfüllt theoretisch die Anforderungen ohne Weiteres. Daran
lässt sich erahnen, dass die Grafik nun doch nicht soviel verbessert wurde. Und das zeigt sich auch im Spiel. Die Zuschauer bewegen sich wie immer unrealistisch und sehen auch nicht gerade hochwertig bearbeitet aus. Wenn dann noch blaue Fans auf der Südtribüne sind, verliert dieser Aspekt endgültig seinen Reiz. Auch die Spielergesichter sind nicht gerade real. Nur grobe Ähnlichkeiten zu den realen Gesichtern sind zu erkennen.
Wie immer reizt das große Lizenz-Paket von FIFA. Leider besteht auch hier Verbesserungsbedarf: Einige Bundesliga Stadien sind gar nicht vorhanden. Und von der Darstellung machen die Sportstätten auch nicht viel her. Einzig das Westfalenstadion kann sich – eben mit Ausnahme der Zuschauer – sehen lassen. Leider muss man bei der Grafik wieder feststellen: Die PC-Version hinkt den Konsolen weiter hinterher. Schon FIFA 10 sah auf der Xbox besser aus. Die Grafik ist aber auch nur ein Unterschied von dreien.
Im Vorfeld wurde groß mit einem tollen Feature geworben: Das Audio-Tool, mit dem man eigene Fangesänge einbauen kann. Das ließ die Vorfreude natürlich weiter steigen. Und umso mehr enttäuscht die PC-Version, wenn man vergeblich nach diesem Tool sucht. Bleiben wir beim Thema „Audio“, lässt die diese Version noch etwas vermissen: Die Kommentatoren. EA Sports hatte mit Manfred Breuckmann und Frank Buschmann geworben, auf dem PC bleiben weiterhin Tom Bayer und Sebastian Hellmann die Reporter. Das ist mehr als ärgerlich, weil die Kommentare sowieso zu 99, wenn nicht 100 % aus dem letzten Jahr übernommen wurden. Zudem reden Bayer und Hellmann des Öfteren von einem Einwurf, wenn der Ball im Toraus ist. Immerhin überzeugt das Gameplay, auch wenn hier kaum Unterschiede zu FIFA 10 zu erkennen sind. EA Sports hatte FIFA 11 für den PC so beschrieben, als wäre endlich eine Revolution darüber gezogen. Dem ist jedoch nicht so. Im Vergleich zur Konsole hinkt das Spiel nach wie vor weit hinterher.
Spaß macht das Spiel trotzdem. Ob dieses Spielvergnügen 40€ wert ist, muss jeder für sich entscheiden.
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