Mit leerem Beudel zurück

Enttäuschung nach der Niederlage in DresdenDem strengen Winter sei Dank, konnte man wieder ein Amateurspiel mehr sehen. Am Mittwoch ging es in die sächsische Landeshauptstadt nach Dresden. Die Stadt, die es sich leisten will, eine Brücke durch das Unesco-Weltkulturerbe zu bauen, hat daneben eine sehr sehenswerten Innenstadt und ein äußerst schmuckes Stadion zu bieten. Zwar nicht mehr so miefig wie das alte, aber doch ein echtes Schmuckkästchen mit guter Akustik.

In diesem spielt nun die dauerklamme SGD und empfing die Amateure von der Borussia. So machten sich etliche Autobesatzungen und ein Bus auf den weiten Weg in den Osten. Nach einer ereignislosen Fahrt trafen die Schlachtenbummler gegen 18 Uhr rund ums Stadion ein. Für einige arg knapp, da die Verkehrslenkung rund um das Rudolf-Harbig-Stadion offensichtlich immer noch nicht so recht funktionieren mag. Immerhin können die Dresdner verbuchen, dass das Stadion mitten in der Stadt liegt. In Mönchengladbach und Sinsheim bekommt man die Verkehrslenkung ja nicht einmal auf der grünen Wiese auf die Reihe. Glücklicherweise wurde der Anpfiff um eine Viertelstunde nach hinten verschoben und so kamen alle noch rechtzeitig zu ihren Plätzen.

Rund 150 BVB-Fans im Gästeblock des RHSNachdem nun alle Widrigkeiten überwunden waren, fanden sich rund 150 Borussen im Gästeblock des Rudolf-Harbig-Stadions ein, um die Amateure zu unterstützen. Die kleine Gruppe Unverwegener gruppierte sich unter das Dach, um so etwas mehr Lautstärke zu erzeugen, was auch das ganze Spiel über recht beachtlich klappte. So war man immer wieder im Stadion gut zu vernehmen.

Nach einer Schweigeminute für die drei gefallenen Soldaten in Afghanistan (einer war Anhänger der SGD) wurde um 19:15 das Spiel angepfiffen. Die jungen Borussen mussten auf Nottbeck verzichten, zwischen den Pfosten stand erneut Johannes Focher. Davor spielte die Viererkette Vrzogic, Hünemeier, Sobiech, Koch, die heute einen ganz schwachen Tag erwischte. Auf der Sechs pöhlte Marcel Großkreutz, davor noch Kandziora, Tyrala, Piossek, die zusammen mit dem Sturmpaar Ginczek und Hille Druck entwickeln sollten. Auf der Bank nahmen neben Höttecke, Kaptan, Stiepermann, Neumeister, Kullmann, Evers und Öztekin Platz. Für Dresden stand Axel Keller im Tor, mit Strifler, Jungwirth, Palionis und Mikolajczak hat er grundsätzlich ebenso wie die Dortmunder eine sehr starke Viererkette vor dem Tor. Im Mittelfeld setzte Matthias Maucksch auf Koch, Jungnickel, Hübener und den heute starken Röttger, die den Dresdner Torjäger Halil Savran und Maik Kegel, der etwas aus der Tiefe kam, bedienen sollten.

Nettes DH-Intro von UDNach einem kurzen Abtasten der Mannschaften begann Dresden das Spiel in die Hand zu nehmen und Druck zu erhöhen. Dabei zeigte sich insbesondere Vrzogic als äußerst anfällig und wurde ein ums andere Mal von den Dresdner überlaufen. In der ersten Hälfte der ersten Halbzeit konnten die Dresdner ihre Chance aber glücklicherweise nicht nutzen, so versprang Mikolajczak der Ball im Strafraum bei der Annahme oder Röttger köpfet ziemlich unbedrängt aber nur schwach auf den Kasten von Focher. Die Amateure kombinierten bis dahin gefällig, allerdings nur bis zur Mitte der gegnerischen Hälfte, dort wurde dann spätestens der Ball vertändelt. Ausnahme bis dato: ein halbhoher Ball aus dem Mittelfeld von Kandziora geschlagen, den Piossek nicht ganz erreicht. Vor allem Sebastian Tyrala aber zeigte sich, wie schon im Wuppertal, als schwacher Ballverteiler im Mittelfeld. Da ist einfach viel zu viel Schatten in seinem Spiel.

Zur Halbzeit stand es schon 2:0 für DresdenVier Minuten später war es dann aber soweit, Savran brachte den Ball vorbei am überforderten Vrzogic in den Strafraum und Maik Kegel konnte ziemlich ungestört versenken. Das saß und war garnicht unverdient. Danach taten sich die Amateure schwer zu antworten und spielten einen eher kläglichen Fußball, der hauptsächlich auf hohe Bälle setzte. Da brauchte es schon zwei Ecken, um mal Gefahr auszustrahlen. Zuerst musste Axel Keller den Ball über das Tor lenken, im zweiten Versuch konnte Sebastian Hille den Ball aus spitzen Winkel im Strafraum nicht ordentlich verwerten. Danach durfte Dresden dann mal wieder und die machten es besser. Ein langer Ball auf Dresdens Koch konnte von Focher nicht weggeschlagen werden, da dieser beim Rauslaufen wegrutschte. Der Dresdner blieb hingegen ganz cool und legte ab in die Mitte, wo Halil Savran völlig frei trocken verwandelte. Zwei zu Null zum Pausentee war dann doch eine ordentliche Hypothek.

Yasin Öztekin gab sein ComebackZur zweiten Halbzeit brachte Theo Schneider Öztekin für Ginczek, der sehr unauffällig agierte. Doch bis auf eine gelbe Karte von Tyrala und ein bisschen mehr Engagement der Borussen änderte sich zunächst nicht viel. Schlimmer noch, in der 52. Minute durfte Halil Savran ein zweites Mal einnetzen, nachdem die Dortmunder Abwehrspieler sich durch Passivität und Ungeschicklichkeit gegenseitig überboten hatten. Ganz übles Tor und langsam half nur noch der Galgenhumor. Dem Freund der Situationskomik wurde in der Folge dann auch so einiges geboten. Über die Dresdner VIPs kann man definitiv sagen, dass sie keinerlei Regelkenntnis besitzen. Immerhin sind sie allerdings emotional voll dabei. So wurde konstant bei Abseitsentscheidung immer gemault, dass das doch kein Foul gewesen wäre, um dann noch ein empörtes „Fußballmafia DFB“ hinterher zu schieben. Langsam sollte man schauen, ob sich dort nicht ein neues Gefahrenpotential im VIP-Bereich aufbaut.

Die Dynamospieler ließen es nun ruhiger angehen und die heute rotweißen Borussen gewannen mehr Spielanteile, sicherlich auch bedingt durch eine Wechselorgie (Dobry für Röttger, Kaptan für Kandziora und Neumeister für Hille). Aus dem Nichts dann das Kopfballtor von Uwe Hünemeier, bei dem der Torwächter von Dresden Axel Keller, ganz ganz gaaaanz alt aussah: Beim Hinauslaufen nur Hünemeier erwischt, dieser hatte nur schon vorher geköpft und der Ball segelte über Keller hinweg ins Tor. Der Anschlusstreffer bedeutete nun sogar den Beginn echter Dortmunder Bemühungen, wenn auch deutlich zu spät. In der 74. Minute konnte Piossek eine flache Flanke auf das Tor lenken, doch dieses Mal reagierte Axel Keller bärenstark und konnte den Ball abwehren. Nun brachte auch Maucksch mit Wagenfeld und Petrovic zwei frische Kräfte. Das Spiel änderte sich nicht, die Borussen bestimmten nun das Geschehen, Dresden ließ sie aber auch artig gewähren. Leider strahlten sie dabei nicht allzu viel Gefahr aus und es war eher ein Daherdümpeln, denn Dresden ging mit seinen Konterchancen viel zu fahrlässig um. Neumeister holte sich kurz vor Schluss noch eine gelbe Karte ab und während die ersten Zuschauer schon gingen, traf der BVB plötzlich doch noch. Öztekin kam im Strafraum an den Ball, wurschtelte sich gegen zwei Dresdner durch und konnte auf 2 zu 3 verkürzen. Dieses Tor kam dann aber doch zu spät und Dresden ging als verdienter Sieger vom Feld.

Fazit

 

Schneider und Wolf können es nicht fassenSicherlich war es ein verdienter Sieg für die SGD. Bis zum Drei zu Null, hatten die Amateure nicht viel zu bestellen, das Spiel des BVB ist derzeit einfach zu statisch und vorhersehbar. Chancen entstehen, wenn überhaupt, allein durch Standardsituation oder krasse Fehler des Gegners. Dazu kaum kreative Ideen und kaum Spieler, die wirklich Anlass gaben zu Hoffnung. Einzige Ausnahme war Julian Koch, der sich ein ums andere Mal vorne mit einschaltete und sichtlich bemüht war. Am Ende passte er sich allerdings mit einigen Stockfehlern leistungsmäßig dem Rest der Mannschaft an. Hätte Dresden nach dem dritten Tor routinierter gespielt, wäre die Niederlage wohl eher noch deutlicher ausgefallen, so überdeckt das knappe Ergebnis ein wenig die schwache Leistung der zweiten Mannschaft. Nach der Niederlage im 6-Punkte-Spiel wird es langsam richtig eng im Abstiegskampf. Hoffnung macht allein, dass die Amateure aus Bremen und Stuttgart ebenfalls nicht punkten konnten.

mrg, 08.04.2010