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schwatzgelber Saisonrückblick - 29.10.2010

Saison 1985/86: Kobras Rettung in letzter Sekunde - Das Desaster Teil 3

BVB Die berühmt-berüchtigte Saison 1985/86! Kein BVB-Fan, aber auch kein Fortuna Köln Fan, wird diese Saison jemals vergessen. Der BVB war eigentlich schon abgestiegen, als dann „Kobra" Wegmann den Ball im Rückspiel der Relegation in der letzten Sekunde über die Linie bugsierte und so ein drittes Spiel herausholte. Vergessen waren Trainerirrtum Csernai, vergessen das Millionenloch im Etat, vergessen die schlechte Saisonleistung. Es zählte nur die Rettung, die in Dortmund teilweise besser gefeiert wurde, als sämtliche Meisterschaften zusammen. Der BVB war gerettet und es begann danach die goldene Zeit von Borussia Dortmund.

Zu Beginn der neuen Saison stand der BVB vor dem finanziellen Aus. Nur unter strengen Auflagen erteilte der DFB den Dortmunder die Lizenz: Somit waren keine großen Sprünge bei den Transfers möglich. Das erste Training unter Pal Csernai fand am 30.06.1985 vor 6.000 Fans in der Roten Erde statt. Der BVB präsentierte drei Neuzugänge. Neben Dirk Hupe und Tadeusz Krafft (von Eintracht Hamm) konnten die Dortmunder auch einen Nationalspieler präsentieren: der 34-jährige Horst Hrubesch kam als der vermisste Knipser von Standard Lüttich in die Bundesliga zurück. Für die 150.000 DM Ablösesumme kam ein Sponsor auf. Am 07.07.85 ging es für die Borussen ins Vorbereitungstrainingslager nach Herzlake (Emsland). Im Vordergrund dort standen die Ballarbeit und das Einstudieren der Raumdeckung. Im ersten Testspiel musste man dann gegen VfL Herzlake antreten und man gewann das Spiel mit 4-1. Zwei Tage später hieß der Gegner SpVgg. Aurich. Neuer Kapitän wurde Horst Hrubesch, allerdings fand er trotz des 2-1-Sieges keine Bindung zu seinen Mitspielern.

In Rheine spielte drei Tage später der BVB gegen die Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate. Der BVB gewann das Spiel in der Schlussphase mit 4-1, da der arabischen Mannschaft die Kräfte ausgingen. Am 19.07.1985 spielte Borussia bei der VfV Hildesheim und gewann durch die Tore von Hupe, Wegmann und Hrubesch mit 3-0. Ein Tag später wurden die Friesen Hänigsen mit 8-0 abgefertigt. Vier Tage nach dem Sieg gab es ein 0-0 gegen Sparta Prag. In Reselare drei Tage nach dem letzten Spiel trat der BVB gegen den belgischen Meister RSC Anderlecht an und spielte beim 2-1-Sieg vor allem nach der Pause stark. In der Schlussminute erzielte Michael Lusch den entscheidenden Treffer. Am 30.07. zeigte der BVB ein ganz anderes Gesicht. Beim Oberligisten Rot-Weiss Essen verlor man mit 0-2 und Csernai meinte: „Hoffentlich war das nicht unser wahres Gesicht." Im vorletzten Freundschaftsspiel am 03.08. gab es wieder das strahlende BVB-Gesicht zu sehen. Die Borussia gewann gegen Schalke mit 3-1. Vor allem überzeugten Wolfgang Schüler als Raducanu-Ersatz und Horst Hrubesch (erzielte das 2-1 durch einen Kopfball). Das letzte Vorbereitungsspiel gewann der BVB bei Rot-Weiß Lüdenscheid mit 3-1.

Das erste Bundesligaspiel am 10.08. beim 1. FC Saarbrücken endete mit 1-1. Überraschend saß Raducanu nur auf der Bank und er erklärte: „Wenn ich gegen Hamburg nicht spiele, dann verlasse ich Dortmund." Die neuen Spieler Hupe und Hrubesch enttäuschten, nur Kutowski traf für die Westfalen. Sechs Tage später empfingen die Dortmunder im Westfalenstadion den Hamburger SV. Vor 40.000 Zuschauer wurde Rolf Rüßmann verabschiedet und danach gab es eine tolle Partie, in dem der BVB durch Schüler in Führung ging. Stürmer Hrubesch sagte nach dem Spiel euphorisch: „So viel ist schon heute klar geworden: Mit dem Abstieg haben wir in diesem Jahr überhaupt nichts zu tun." Beim Auswärtsspiel in Köln am 21.08. erzielte Horst Hrubesch sein erstes Liga-Tor im BVB-Trikot, leider in der verkehrten Richtung. Am Ende gewann der 1. FC klar mit 0-2.

Drei Tage nach dieser Niederlage stand die erste Runde im DFB-Pokal beim nordhessischen Landesligisten SC Neukirchen auf dem Programm und der BVB gewann standesgemäß mit 9-2. Als Torschützen zeichneten sich Wolfgang Schüler mit vier und Horst Hrubesch mit zwei Treffern aus. Aber die Herrlichkeit war schon beim nächsten Heimspiel dahin. Der Aufsteiger 1. FC Nürnberg konnte im Westfalenstadion klar mit 4-1 gewinnen. Dabei waren die Borussen durch Bittcher in Führung gegangen, verloren danach aber den Faden und konnten sich bei Torhüter Immel bedanken, dass die Niederlage nicht höher ausfiel. Der Fehlstart wie im Vorjahr war komplett nach der 2-4-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf am 04.09.85. Auch drei Tage später kam der BVB nicht über ein 0-0 gegen SV Waldhof Mannheim hinaus. Wiederum musste Marcel Raducanu 90 Minuten auf der Bank sitzen und den Dortmundern fiel auf dem Platz nichts ein, um das Waldhof-Bollwerk zu knacken.

Zu einem Debakel kam es am 14.09. in Bochum. Zwar gab Marcel Raducanu das langersehnte Comeback, aber der BVB verlor beim VfL klar mit 1-6. Bis zur Halbzeit sah es noch nicht einmal so schlecht aus. Die Dortmunder zeigten bis dahin ihr bestes Auswärtsspiel und lagen nur mit 1-2 zurück (zwischenzeitig hatte Schüler den Ausgleich geschossen). Aber nach der Halbzeitpause brachen die Dämme. Eine völlig verunsicherte Mannschaft brach zwischen der 73. und 77. Minute vollkommen ein und lud die Bochumer zum Tore schießen ein. Am Ende forderten die BVB-Fans den Kopf von Csernai und verließen fluchtartig das Stadion. Die Bochumer bekamen von ihren Fans Ovationen und der BVB landete auf dem letzten Platz. Rauball erklärte nach dem Spiel: "Vor Csernai gehe ich, da kann mein Nachfolger ja gleich von der Südtribüne kommen."

Auch aus Frankfurt kamen schlechte Nachrichten. Der BVB wurde vor den Kontrollausschuss gerufen, weil man gegen die Lizenzauflagen verstoßen hatte. Die Entschuldung ging nicht so voran, wie es der DFB gefordert hatte. Die Dortmunder waren vom Punktabzug bedroht, da die Borussen nicht, wie gefordert, die Verbindlichkeiten eingefroren, sondern noch einige Millionen draufgepackt hatten. Am Ende blieb es aber bei einer Geldbuße vom DFB. Hoffnung brachte das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Den Rückstand zur Halbzeit (0-1) konnten die Borussen dank der Einwechselung von Hrubesch zur Halbzeit noch in einen 4-2-Sieg umwandeln. Das 2-1 erzielte der ehemalige Hamburger selber, mit einem Doppelschlag in der Schlussphase konnte Jürgen Wegmann alles klar machen. Pech hatte der BVB bei seiner Reise zum Betzenberg. Der 1. FC Kaiserslautern gewann durch zwei Fehlentscheidungen (unberechtigter Elfer und Abseitstor) des Schiris Schlup mit 0-2. Wieder brauchte der BVB eine Halbzeitpredigt, um erfolgreich zu sein. Beim 5-2-Erfolg gegen Bayer 05 Uerdingen am 05.10.85 stand es zur Halbzeit 1-1. Erst danach präsentierte der BVB sich wie verwandelt und zeigt seine beste Saisonleistung. Im Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen sieben Tage später kamen die Dortmunder nicht über ein 1-1 hinaus.

Am 19.10.85 trat der BVB in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei TuS Paderborn-Neuhaus an. Zur Halbzeit lag der Bundesligist mit 0-2 im Rückstand. Wieder einmal musste Pal Csernai in der Pause laut gewesen sein, denn danach drehten Simmes, Hupe, Wegmann und Loose den Spieß um und gewannen mit 4-2. Der Sieg konnte Csernai nicht beruhigen, denn er erklärte im Kicker: „Ich bin noch auf 180, es war unerträglich, was wir da gespielt haben."

Auch der nächste Spieltag trug nicht zur Beruhigung der Lage bei. Trotz eines starken Jürgen Wegmanns, der seinen fünften Saisontreffer erzielte, verloren die Dortmunder durch grobe Abwehrschnitzer beim Spitzenreiter Werder Bremen mit 2-4. Und auch beim Heimspiel gegen Mönchengladbach am 01.11. zeigte sich, dass der BVB Probleme mit der Raumdeckung hatte. So verloren die Dortmunder mit 2-3 und waren wieder Tabellenschlusslicht. Ausgerechnet im Münchener Olympiastadion stand dann plötzlich die Null. Dank des Einbaus des Libero Frank Pagelsdorf und den Paraden von Eike Immel gewannen die Dortmunder beim FC Bayern durch ein Tor von Uli Bittcher mit 1-0.


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