Die Saison 2009/2010 - Spielerbewertungen - der Angriff

Ein Dank an die geilsten Fans!Mit dem Spiel in Freiburg beendete der BVB eine erfolgreiche Saison 2009/2010. Man ließ Mannschaften wie Stuttgart, den HSV oder Wolfsburg hinter sich und belegte in der Endabrechnung Platz 5 - Europapokal. Klar, das ist das Ergebnis der ganzen Mannschaft und ein toller Erfolg. Trotzdem haben einige Spieler mehr, andere weniger zu diesem Erfolg beigetragen. Es gab Auf- und Absteiger. Spieler, denen vor der Saison niemand so wirklich den Durchbruch zugetraut hätte und andere, auf deren Durchbruch man leider vergeblich wartete. Wie unterschiedlich dabei die Eindrücke sein können, zeigen unsere Bewertungen. Jeweils 3 Redakteure haben sich die einzelnen Spieler vorgenommen und ihre Saisonleistung bewertet.

Nelson Valdez

Arne: Zwischendurch hatte ich mich an Nelson Valdez nicht nur gewöhnt, ich hatte ihn sogar ins Herz geschlossen. Das unermüdliche Laufen und Rackern lässt einem zweifelsohne das Herz aufgehen, doch inzwischen ertappe ich mich wieder häufiger dabei, wie ich mich ärgere über vergebene Torchancen und eine derart harmlose Offensiv-Spielweise, wie sie einem Bundesligastürmer eigentlich nicht würdig ist. Meine Herzfrequenz jedenfalls steigert sich schon lange nicht mehr, wenn Nelson allein vor dem Tor auftaucht. Und auch meine Hoffnung, dass er unter Jürgen Klopp endlich aufblühen würde, ist nach zwei Jahren jedenfalls ebenso dahin wie der Stammplatz des Paraguayers. Es riecht nach einem Wechsel. Dass ich ihm unterm Strich doch noch die Note 3,5 gebe, hat vor allem Sympathiegründe.

DvB: Ich mag Nelson Valdez. Der Mann aus Paraguay kann eigentlich machen, was er will, bei mir steht er immer hoch im Kurs. Weil er einfach will, er will kämpfen und gewinnen. Auch wenn seine Mittel oft beschränkt sind, sein Kämpferherz scheint immer durch und reißt die Mannschaft oft mit. Und wenn er dann auch noch ab und zu mal das Tor trifft, was ja durchaus vorkommt, ist doch alles wunderbar. In Paraguay ist Valdez ein Volksheld bei uns Publikumsliebling, das aber trotzdem aufgrund seiner Torungefährlichkeit polarisiert. Es wäre schade, wenn er den Verein wechseln würde. Auch wenn jetzt viele meckern werden: Für seine kämpferische Leistung in dieser Saison gibt es eine 2,5.

Nelson Valdez schoss das Siegtor gegen HamburgSascha: Der Stürmer von der traurigen Gestalt. Kennt ihr dieses mitleidige Gefühl auch, wenn Nelson mit dem Ball aufs Tor zuläuft? Diesen Gedanken: „Ach Nelson, willst du dir das wirklich wieder antun? Wir wissen doch beide was passieren wird.“ Ohne Frage, Valdez arbeitet auf dem Platz. Ergeht weite Wege und ist sich für keinen Zweikampf zu schade. Ein Spieler, der sichtlich bemüht ist, für seinen Gehaltsscheck auch einen Gegenwert zu liefern. Es ist auch nicht so, dass bei ihm gar nichts gelingt. Immerhin stehen am Saisonende für ihn 5 Tore und 5 Torvorlagen zu Buche.  Trotzdem bleibt die Frage, wo man mit ihm hin soll? Als Spieler im linken, offensiven Mittelfeld wurde er von Kevin Großkreutz verdrängt, als eher hängende Spitze hat Zidan ihm den Rang deutlich abgelaufen. Und als Stürmer in vorderster Front ist seine stärkste Waffe, dass der gegnerische Torwart irgendwann mit einem Lachanfall zu Boden sinkt und so den Weg frei macht. Nelson ist ein symphatischer Spieler, der auf dem Platz alles gibt. Leider reicht das aber nicht für eine Mannschaft, die zu den ersten 7 Teams der Liga gehören will und als Füllmaterial ist er eindeutig zu teuer. Die Zeichen stehen auf Trennung und das ist auch folgerichtig bei einem Spieler, der in drei Jahren nie über den Status „stets bemüht“ hinaus gekommen ist. Zum Abschluss eine 4+.

 

Dimitar Rangelov

MalteD: Die Vorbereitung im letzten Sommer verlief erfreulich für den von Energie Cottbus verpflichteten Bulgaren, dessen Stärken im Konterspiel und Abschluss liegen. Viele Tore in den Testspielen und engagierte Auftritte im Training ließen ihn zumindest an der ersten Elf schnuppern. Doch mit den folgenden kleineren bis mittleren Verletzungen ging ein Formeinbruch einher, der im Grunde bis zum Saisonende anhielt, sodass ein Vorbeikommen an Barrios, Zidan, Valdez, Großkreutz immer unrealistischer wurde. Gegen Leverkusen zeigte er bei 3:0 nicht nur aufgrund seines Tores ansatzweise seine sicher vorhandenen Qualitäten. Es steht zu befürchten, dass auch in der kommenden Saison allerhöchstens die Joker-Rolle für den ehrgeizigen Rangelov zu erwarten ist, in der er aber durch seine Schnelligkeit gerade bei knappen Führungen durchaus noch wertvoll sein könnte. Für die letzte Saison gibt es jedoch nur eine 4,5.

Rangelov hatte keinen einfachen Einstandmrg: Dimitar Rangelov wechselte überraschend vor der Saison nach Dortmund. Mit Rangelov hat die Borussia einen idealen Joker, insgesamt wurde er in den Pflichtspielen 11-mal eingewechselt und zweimal ausgewechselt. Dabei erzielte er ein Tor und war sich auch nicht zu schade Leistung für die zweite Mannschaft des BVB zu zeigen. Sehr angenehm auch, dass er seine Aufgabe nicht stinkstieflig macht, sondern immer bereit ist, wenn es Not tut. Für einen echten Joker fehlen nun noch ein paar entscheidende Tore - 3,5.

MalteS: Der klassische Straufraumstürmer hatte, auch wegen der ein oder anderen Verletzung, kaum realistische Chancen auf die Startelf in Jürgen Klopps 4-2-3-1. Hinter der einzigen Spitze Barrios, der sich entgegen vieler Kritiker dann doch relativ schnell in der Bundesliga eingelebt hatte, kamen Großkreutz, Valdez, Hajnal, Zidan und/oder Kuba zum Zuge, für den Bulgaren war allerdings kaum Platz. Lediglich beim 3:0-Sieg gegen Leverkusen konnte er andeuten, was er eigentlich drauf hat, als er eine Viertelstunde nach seiner Einwechslung das Tor zum Endstand erzielte. In der nächsten Saison bitte mehr davon. Gibt 'ne 4,5.

 

Mohamed Zidan

DanielR: Eine gute Saison vom Ägypter, der damit zahlreiche Kritiker verstummen ließ. Tempodribblings, Spielfreude und Kreativität zeichneten Zidan in der vergangenen Saison aus. Mit zahlreichen Torvorlagen und entscheidenden Pässen avancierte er als Ideengeber zu einer wichtigen Korsettstange auf der Position als hängende Spitze. Wie wichtig der Nationalspieler in dem neuformierten System von Jürgen Klopp war, zeigte sich spätestens nach seinem unglücklichem Kreuzbandriss gegen Hoffenheim. Weder Nelson Valdez noch Tamas Hajnal konnten die schwarzgelbe Nr. 10 gleichwertig ersetzen, gerade in Sachen Kreativität wurde Zidan mehr als vermisst. Was ihm manchmal abging, waren Torgefahr und Spielübersicht. So groß der Sprung war, manchmal fehlte ihm der Blick für den besser postierten Nebenmann und das Gespür für die Situation. Nichtsdestotrotz eine verdiente 2,5.

Zidan spielte ein gute SaisonMalteD: "Sandwich-Mo" wäre wohl ein passender Spitzname, um die letzte BVB-Saison Mohameds Zidan angemessen zu beschreiben. Dadurch, dass am Anfang der Saison alles auf den neuen Stürmerstar Barrios achtete und der Ägypter sich leider am Ende der Saison sein Kreuzband riss, waren die besten Leistungen Zidans zur Mitte der Saison zu beobachten. So sei hier exemplarisch an sein sensationelles Spiel in Wolfsburg erinnert, als er Barrios zweimal nach großem Einsatz mundgerecht vorlegen konnte. Sein persönliches Higlight war diese Saison sicherlich das Tor in Wembley gegen die englische Nationalmannschaft, nachdem er sich mit seinem Heimatland nicht für die WM qualifizieren konnte. Besonders positiv ist zu bewerten, dass "Mo" in dieser Saison eine bessere Balance zwischen seiner unzweifelhaften Dribbelstärke und dem Blick für den besser postierten Nebenmann herstellen konnte. Auch aus diesem Grund gibt es für den weiterhin in der Reha verweilenden Offensivmann eine 2,5.

 

Lucas Barrios

Sven: Noch einer, bei dem das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt. War er nach sechs Spielen in der Bundesliga noch ohne Tor auf dem Konto, platzte in Karlsruhe endlich der Knoten. Nach dem Tor in Gladbach folgten 18 weitere Treffer in der Liga. Er macht schöne Tore mit dem Kopf, trifft gekonnt mit dem Fuß. Dazu gibt es Spiele wie in Bochum, in denen er scheinbar Däumchen dreht - aber zwei Mal einnetzt. So kann es weiter gehen. Note 2.

Barrios in seiner Lieblingsrollemrg: Vom Weltnixtorjäger zur Dortmunder Tormaschine, so oder so ähnlich jetzt gefühlte drölftausendmal gehört. Vermutlich deshalb, weil es nun mal die Saison von Barrios entsprechend beschreibt. Barrios war die Torgarantie für Borussia Dortmund. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, aklimatisierte er sich recht schnell und tat das, wofür er bezahlt wird: Tore schießen. Auch dank Barrios ist einem nicht mehr allzu mulmig wenn es gegen vermeintliche "kleine" Gegner geht, gegen die großen der Liga holte der BVB hingegen eher wenig Punkte und auch Barrios traf nicht so sicher wie gewohnt. Trotz allem eine tolle erste Saison in der er Amorosos Trefferzahl erreicht und das ganz ohne Elfmeter. Eine glatte 2.

DanielR: War die große Unbekannte vor der Saison. Musste keinen geringeren als den Schweizer Nationalspieler und Derbyhelden Alex Frei ersetzen, was vielen die Sorgenfalten auf die Stirn trieb. Doch der Argentinier mit der Mutter aus Paraguay schlug nach kurzer Anlaufzeit ein wie eine Bombe. 19 Saisontreffer und vier Vorlagen standen am Ende zu Buche, womit er als sofort in den erlauchten Kreis der treffsichersten Europa, wir kommen!BVB-Stürmer der jüngeren Vergangenheit stieß. Mit seiner Technik, seiner Kopfallstärke und seinem Torriecher ist er ein nahezu kompletter Angreifer. Zusätzlich arbeitete er - entgegen vieler anderslautender Meinungen - für einen Stürmer überdurchschnittlich viel, rieb sich im Sturmzentrum auf ohne die nötige Konzentration beim Abschluss vermissen zu lassen. Gerade verglichen mit Frei darf der Nationalspieler beinahe als Laufwunder zählen. Manchmal agierte der 25-Jährige vor dem Tor zu lässig und ließ trotz seiner Torquote zahlreiche gute Möglichkeiten liegen. Wenn er noch etwas mehr Konstanz in seinen Leistungen zeigt, ein Stürmer von Weltformat. Bis dahin kann er sich noch in allen Bereichen weiterentwickeln. Note 1,5.

Hiermit endet die Serie.

Redaktion, 01.07.2010

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