Die Saison 2009/2010 - Spielerbewertungen - Die Abwehr (I)
Mit dem Spiel in Freiburg beendete der BVB eine erfolgreiche Saison 2009/2010. Man ließ Mannschaften wie Stuttgart, den HSV oder Wolfsburg hinter sich und belegte in der Endabrechnung Platz 5 - Europapokal. Klar, das ist das Ergebnis der ganzen Mannschaft und ein toller Erfolg. Trotzdem haben einige Spieler mehr, andere weniger zu diesem Erfolg beigetragen. Es gab Auf- und Absteiger. Spieler, denen vor der Saison niemand so wirklich den Durchbruch zugetraut hätte und andere, auf deren Durchbruch man leider vergeblich wartete. Wie unterschiedlich dabei die Eindrücke sein können, zeigen unsere Bewertungen. Jeweils 3 Redakteure haben sich die einzelnen Spieler vorgenommen und ihre Saisonleistung bewertet.
Dede
Arne: Eine Katastrophensaison war das, da gibt es wenig zu deuteln. Erst nicht in Tritt gekommen, dann folgten Verletzungen, am Ende dann die fortwährende Nichtberücksichtigung. Wo Dede früher noch alle Spiele absolvierte, reichte es in der Rückrunde lediglich noch für sechs Partien, lediglich zwei von Beginn an. Eine ungewohnte Situation für den einstigen Dauerläufer, mit der dieser aber auf herausragende Weise umgegangen ist: Kein Wort der Kritik, keine lautstark formulierten Ansprüche. Auch auf der Ersatzbank gibt Dede den Musterprofi. Persönlich ist dem Deutsch-Brasilianer trotzdem zu wünschen, dass er in der neuen Spielzeit wieder in die Spur findet. Ohnehin dürfte es bei hoffentlich zahlreichen Europapokalspielen auch auf Routiniers wie Dede ankommen. Es bleibt also zu hoffen, dass Dede noch eine Weile das schwarzgelbe Leibchen tragen und beim BVB seine Karriere beenden kann. Note 4,5 (Arne)
MalteS: Es ist einerseits verdammt schade, dass wir in der letzten Saison
einen Spieler größtenteils auf der Bank sitzen sahen, bei dem man sich
das eigentlich gar nicht vorstellen
konnte. Doch andererseits ist es
logisch, dass der junge und fehlerlose Marcel Schmelzer den 32-jährigen
verdrängt hat und zeugt vom Jugendstil unseres Trainers, der junge
Spieler an die Mannschaft heranführen will. Auf der Bank aber bewies
Dede Charakterstärke. Er fügte sich, meckerte nicht und trotzdem hatte
man nie das Gefühl, er habe mit Dortmund und dem BVB gedanklich
abgeschlossen. In der nächsten Saison wird sowohl der Spieler als auch
die Führungspersönlichkeit Dede zum tragen kommen, wenn wir, hoffentlich
lange, international spielen werden. Für diese Spielzeit allerdings
leider nur eine Note 4,5.
Sascha: Wenn es in Dortmund sowas wie einen Härtefall gibt, dann ist es mit Sicherheit Dede. Von einer langwierigen Verletzung außer Gefecht gesetzt, nie richtig in Schwung gekommen und von einem „Jungspund“ namens Schmelzer, den man bisher nie mehr als die Platzhalterrolle zugetraut hatte, aus der Startelf verdrängt. Kaum vorstellbar, Verletzung auskuriert und trotzdem nur ein Platz auf der Bank. Sportlich die richtige Entscheidung und hätte man Schmelzer jetzt zum zweiten Mal wieder ins zweite Glied gerückt, hätte man bei der Nachfolgersuche wahrscheinlich wieder bei Null gestartet. Es gibt wohl trotzdem niemanden unter den BVB-Fans, der nicht zumindest ein bisschen mit der symphatischen Identifikationsfigur mitleidet und ihm eine strahlende nächste Saison wünscht. Seine Erfahrung, seine Technik und seinen Einsatz werden wir, angesichts hoffentlich zahlreich anstehender Europacupspiele, in der nächsten Saison noch brauchen. Für die abgelaufene Saison bekommt Dede von mir eine 3-. Einfach weil ein „ausreichend“ keine Beurteilung ist, die einem Spieler seiner Klasse gerecht werden kann.
Uwe Hünemeier
Web: Seine Leistung in der Bundesliga ist eigentlich nicht zu bewerten. Er hat ja nur eine Minute mitwirken dürfen. Trotzdem war der Kapitän unserer Amateure als vierter Innenverteidiger ein wichtiger Bestandteil des Profi Kaders. Denn Jürgen Klopp wusste, dass er sich im Fall der Fälle hundertprozentig auf ihn verlassen konnte. In der nächsten Saison kann er das leider nicht mehr, denn Uwes solide Leistungen in der Dritten Liga haben das Interesse anderer Vereine geweckt. Letztlich hat Uwe wohl auch den Argumenten der alten Kollegen Brzenska und Kruska nachgegeben und sich Energie Cottbus angeschlossen. Mit 24 Jahren ist vielleicht auch die Zeit gekommen, sich zu verändern, wenn man noch mal höherklassig Stamm spielen möchte. In der Abstiegsmannschaft war Hünemeier unumstrittener Führungsspieler und hat mit seiner ruhigen sachlichen Spielweise den Laden, so weit es eben ging, zusammen gehalten. Daher tut es weh, dass der Käpt´n von Bord geht, aber für die vierte Liga ist Hünemeier auch schlicht zu stark. Für die Bundesliga bleibt er daher ohne Bewertung, bei den Amas hat er sich eine gute 3+ verdient. Alles gute in der Lausitz Uwe, hoffentlich sieht man sich im Westfalenstadion noch mal wieder.
Sven: Bei den Profis hat er eine ganze Minute gespielt, dafür aber umso mehr die Bank gewärmt. Somit fehlte er des Öfteren bei der zweiten Mannschaft. Dort war er gar nicht mehr wegzudenken. Er behielt immer die Ruhe und seinen Kopf hat er nicht nur zum denken. Denn in der Hinrunde köpfte der Kapitän einige Male in das gegnerische Tor ein. Aber für die vierte Liga ist er einfach zu gut. Mit Hummels, Subotic und Santana ist auch bei Jürgen Klopp wohl kein Platz mehr für ihn. Somit wird er den Verein verlassen. Zweite Liga, das hätte er sich verdient. Note 2
Tommy: Auch in dieser Saison gehörte Uwe Hünemeier wieder zu den Besten in schwarzgelb. Leider jedoch nur in unserer Zwoten. Dort zeigte der Kapitän allerdings stets Toppleistungen, sofern er nicht gerade bei den Profis auf der Bank schmoren musste. An der Innenverteidigung um Uwe Hünemeier dürfte es jedenfalls nicht gelegen haben, dass der BVB II den bitteren Gang in die RL West antreten muss. Hünemeier zeichnete sich in der Innenverteidigung vor allem durch sein kluges Stellungsspiel und vorne durch seine Torgefährlichkeit aus. Auch wenn der BVB II mal wieder zurück lag war es stets Kapitän Hünemeier der das Team immer wieder neu motivierte und nach vorne trieb. Doch an Hummels, Subotic und Santana war für Hünemeier einfach kein vorbeikommen, so dass es letztlich bei einer Hand voll Spielminuten in der Bundesliga blieb. Da sich Hünemeiers Situation auch in der nächsten Saison wohl kaum ändern würde und die RL West für ihn definitiv keine Herausforderung ist, so ist es keine große Überraschung, dass sich Uwe Hünmeier nun dem FC Energie anschließt. Nach zehn schwarzgelben Jahren bei uns in Dortmund sicherlich sehr schade, aber aus sportlicher Sicht leider absolut nachvollziehbar.
Mats Hummels:
Sven: Ganz Still, ohne große Worte, ist Hummels zu einem wahren Publikumsliebling geworden. Ein echter Volltreffer. Er hat in der vergangenen Spielzeit wieder einmal bewiesen, was für eine Bereicherung er für den BVB ist. Souverän und routiniert hechtet der 21-Jährige nahezu jedem Ball hinterher. Unvergessen eine Szene zu Rückrundenbeginn, als er ein eigentlich sicheres Gegentor noch auf der Linie verhinderte. Auffällig ist auch sein sicheres Spiel. So spielt er den Ball lieber ins Seitenaus, als einen misslungenen Spielaufbau zu riskieren. Und nebenbei taucht sein Name auch ab und an auf der Torschützenliste auf. Gruß an Joachim Löw, danke an den FCB. Eine 2+ mit Sternchen.
Vanni: Vielleicht der beste Abwehrspieler der vergangenen Spielzeit. Dass wir diesen Mann für knapp fünf Millionen aus München bekommen haben, stellte sich als richtiges Schäppchen raus und wenn schon Fussballzuschauer aus Herne und Umgebung behaupten, dass man Hummels eigentlich auch in die Nationalmannschaft bringen müsste, kann der Junge nicht so viel falsch gemacht haben. In unseren Reihen definitiv am sichersten und konstantesten, hinten für sein Alter bemerkenswert abgeklärt, vorne immer gefährlich, sowohl mit dem Fuß, als auch mit dem Kopf und generell immer bereit, 100% zu geben. Dazu wirkt er ziemlich sympathisch und bodenständig. Auf jeden Fall nicht umsonst so beliebt. Starke Saison, Mats, mach so weiter und irgendwann wird dich Jogi oder wer auch immer nicht mehr so ignorieren können. Note 2
Christoph: Mats Hummels ist in dieser Saison, trotz Leistungsschwankungen, sicherlich zu einem der Leistungsträger in der Dortmunder Defensive geworden. Obwohl er zu Saisonbeginn in den Spielen als defensiver Mittelfeldspieler wenig glänzen konnte, fand er spätestens nach dem 8. Spieltag den Platz in der Innenverteidigung und konnte auf dieser Position überzeugen. Mit immerhin 5 Toren zählt er zu den Torgefährlichsten Spielern von Borussia. Seine temporeichen und klugen Vorstöße aus der Abwehr heraus haben so manch einen guten Angriff eingeleitet. Sein Stellungsspiel überzeugt für sein junges Alter voll und wirkt äußerst routiniert und abgebrüht. Nicht um sonst wurde er als einer der zukünftigen Hoffnungsträger in der Abwehr der Nationalmannschaft gesehen. Zumindest würde er als Persönlichkeit, die durch sein vorbildhaftes, teils diskretes und stets freundliches Verhalten ausgezeichnet ist, in den Kreis der Nationalmannschaft passen. Mats Hummels ist sicherlich ein Gewinner dieser Saison und Borussia kann sich freuen, einen solchen Spieler unter Vertrag zu haben, der seinen Anteil zum Erreichen des Internationalen Geschäftes beigetragen hat. Die Leistung, über die gesamte Saison gesehen, kann durchaus als gut bewertet werden.
Santana
Arne: Es ist nicht so ganz die Saison der BVB-Brasilianer gewesen. Dede häufig auf der Bank, Tinga so gut wie gar nicht berücksichtigt und auch Felipe Santana dürfte sich ursprünglich mehr Einsatzzeiten versprochen haben. 25 Einsätze lesen sich auf den ersten Blick zwar gar nicht schlecht, doch lediglich gut die Hälfte davon durfte Santana von Beginn an bestreiten, bei den übrigen folgte die Einwechslung meist erst kurz vor Schluss. „Teles“ Ansprüchen dürfte das kaum genügen und so wird die kommende Saison wahrscheinlich zum finalen Wegweiser. Um sich mittelfristig wieder in die Mannschaft zu spielen, muss Santana leistungsmäßig aber auch zulegen, denn wirklich umwerfend waren die gezeigten Leistungen in dieser Spielzeit keineswegs, wenngleich allzu große oder regelmäßige Patzer ebenfalls ausblieben. Doch Santana kann mehr. Das sollte er uns und sich selbst in der nächsten Saison mal wieder zeigen. Note 4
Vanni: Hatte es in dieser Saison schwer, an Subotic und Hummels vorbei zu kommen. Auf Dauer sehe ich ihn eigentlich auch nicht als Abwehr-Stammspieler, wenn aber einer der beiden Stammkräfte ausfällt, ist es definitiv gut zu wissen, dass wir noch einen "Tele" in der Hinterhand haben, der in dieser Saison zwar auch oftmals unsicher wirkte und sich den einen oder anderen Stellungsfehler leistete, aber insgesamt im Zweikampf- und Kopfballspiel eigentlich nicht zurückstecken muss. Von der Idee, Santana in den Schlussminuten noch als eine Art Stürmer nach vorne zu schicken, wie Kloppo es in dieser Saison des Öfteren mal getan hat, halte ich allerdings nicht so viel. Er soll sich mal auf die Abwehrleistung konzentrieren und bei Ecken mit nach vorne kommen, denn das sind seine wirklichen Stärken. Note 3,5
MalteS: Santana: „Tele“ kam in dieser Saison nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinweg. Obwohl er sich, wenn er auf dem Platz stand, grundsolide präsentierte, prägten doch auch immer wieder Fehler wie in Berlin das Spiel des Brasilianers. Dabei ist er eigentlich ein starker Kopfballspieler mit übersichtlichen Stellungsspiel und wird 2010/2011 genug Chancen bekommen, dies unter Beweis zu stellen. Hoffentlich kann er sie nutzen. Diesmal die Note 4,0.
Redaktion, 13.06.2010

