Die Saison 2009/2010 - Spielerbewertungen - Update I
Mit dem Spiel in Freiburg beendete der BVB eine erfolgreiche Saison 2009/2010. Man ließ Mannschaften wie Stuttgart, den HSV oder Wolfsburg hinter sich und belegte in der Endabrechnung Platz 5 - Europapokal. Klar, das ist das Ergebnis der ganzen Mannschaft und ein toller Erfolg. Trotzdem haben einige Spieler mehr, andere weniger zu diesem Erfolg beigetragen. Es gab Auf- und Absteiger. Spieler, denen vor der Saison niemand so wirklich den Durchbruch zugetraut hätte und andere, auf deren Durchbruch man leider vergeblich wartete. Wie unterschiedlich dabei die Eindrücke sein können, zeigen unsere Bewertungen. Jeweils 3 Redakteure haben sich die einzelnen Spieler vorgenommen und ihre Saisonleistung bewertet.
Roman Weidenfeller:
Vom Kandidaten für die Faustball-Nationalmannschaft fast noch als dritter Torwart in den WM-Kader gerutscht. Auf der Linie war „Weide“ schon immer ein Guter, offenbarte aber zu Saisonbeginn wieder altbekannte Schwächen beim Rauslaufen. Hat aber anscheinend während der Saison hart an sich gearbeitet und in der Rückrunde sind seine eher unorthodoxen Klärungsversuche mit der Faust einem routinierten und sicheren Torwartspiel gewichen. Auch als Führungsspieler gereift. Hatte man früher bei Abwehrfehlern das Gefühl, als könnte er sich nur mühsam zusammenreißen, seinem Kollegen nicht direkt vor Ort in den Allerwertesten zu treten, wurde er deutlich ruhiger und legte eher Wert darauf, seine Mitspieler wieder aufzubauen und anzutreiben. Anscheinend stimmt es wirklich, dass Torwarte erst um die 30 herum im besten Alter sind. Unterm Strich eine glatte 2. (Sascha)
Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass er mit seinen 29 Jahren noch einmal solch markanten Sprung in seiner Entwicklung macht. Doch unter Jürgen Klopp ist genau das passiert. Der gewohnt ruhige und sichere Rückhalt und der Atem stockt auch dann nicht mehr, wenn
er souverän die Flanken aus der Luft pflückt. Keine großen Fehler in der vergangenen Saison, dafür neben einigen auffällig starken Spielen aber eine überragende Partie im Heimspiel gegen Leverkusen, sodass eine WM-Nominierung vollkommen legitim gewesen wäre. Mit seiner Erfahrung ist er außerdem ein sicherer Rückhalt hinter der überwiegend jungen Verteidigung. Weiter so, Note 2. (MalteS)
Zugegeben, Roman Weidenfeller hat mir in den vergangenen Spielzeiten mit seinen Aktionen so manchen Schrecken eingejagt. Und auch diese Saison war er nicht immer ganz sicher. Ein mulmiges Gefühl blieb immer, wenn der Ball auf unser Tor gedroschen wurde. Man durfte entweder eine Weltklasseparade erwarten, oder eben eine Aktion, die man gemeinhin als Patzer bezeichnen darf. Aber wie Weidenfeller in dieser Saison seine Leistungen nach und nach stabilisiert hat, das ist schon bemerkenswert. Nach seiner Verletzung schien er gestärkt ins BVB-Tor zurückzukehren. Er entwickelte sich im letzten Saisondrittel zur absoluten Stütze, die so manchen Punkt festhielt. Teils war Roman unüberwindbar. Und wenn dann doch der Ball im BVB-Netz zappelte, war er schuldlos. Als BVB-Fan hat man mit unserer Nummer 1 nun endlich das Gefühl der Sicherheit, dass zwischenzeitlich unwiederbringbar verloren schien. Für eine WM-Berufung kam diese Leistungssteigerung und vor allem diese Konstanz aber zu spät. Trotzdem: Roman Weidenfeller spielte alles in allem eine sehr gute Saison und war zum Saisonende hin der beste Torwart der Liga. Punkt Note 2,5. (DvB)
Marc Ziegler:
Es ist zwar eine inzwischen arg strapazierte Feststellung, aber trotzdem: Marc Ziegler is
t in seinen drei Jahren beim BVB die ideale Besetzung als Nummer Zwei hinter Roman Weidenfeller gewesen. Das gilt uneingeschränkt auch für die zurückliegende Spielzeit, wenngleich seine Einsatzzeiten diesmal weitaus geringer waren. Leistungsmäßig dürfte Ziegler zwar nicht zur Bundesligaspitze gehören, ordentliche Leistungen, eine ungeheure Routine und vor allem die Fähigkeit, auf den Punkt genau da zu sein, wenn Not am Mann war, machen die leichten Schwächen in der Strafraumbeherrschung locker wett. Außerhalb des Rasens ist der bald 34jährige ohnehin über jeden Zweifel erhaben: Angenehm im Umgang mit den Fans und – weitaus wichtiger – ein ständiger und wichtiger Ansprechpartner für die jungen Spieler im Kader. Das wird zweifellos fehlen. Note 2,5 (Arne)
Wie Arne schon richtig deutlich gemacht hat, wird Ziegler ja nicht umsonst häufig als "bester zweiter Keeper der Liga" betitelt. Das ist er für mich einfach auch. Wenn man ihn braucht, ist er da und wenn es keinen Platz für ihn in der Startelf gibt, bleibt er ruhig und setzt sich eben auch auf die Bank. Da gibt es ja ganz andere Torhüter, die damit nicht leben und nicht umgehen können. Von daher ist es schon schade, dass uns Marc in Richtung Stuttgart verlässt und auch, dass er dort wohl auch wieder nur auf der Bank Platz nehmen wird, finde ich schade. Klar, Ziegler ist nicht mehr der Jüngste, aber wenn man mit Lehmann so lange durchgezogen hat, hätte man auch ruhig Ziegler ins Tor stellen können, von dem ich mehr halte, als Ulreich. Aber das ist eigentlich ein anderes, zukünftiges Thema. In den Spielen, die Ziegler gemacht hat, ist er nie wirklich negativ aufgefallen und das reicht eigentlich schon aus, um einen Torhüter mindestens das Prädikat "befriedigend" aufzudrücken. Note 2,5 (Vanni)
Ideale Nummer zwei. Ein Spieler, den man bedenkenlos in der zweiten Reihe haben kann. Natürlich wird sich auch der Neu-Stuttgarter ab und an Hoffnungen auf einen Stammplatz zwischen den Pfosten gemacht haben, war aber immer loyal und kollegial. Wenn er gebraucht wurde, war er da und hielt ordentlich. Offenbarte dabei aber auch, dass es zu mehr als zum Vertreter der Nummer 1 nicht reicht. So hielt er zwar gegen Köln, als Weidenfeller wegen einer Fleischwunde den Platz verlassen musste, ganz passabel, ließt aber ein paar Bälle nach vorne wegspringen und ging beim Ausgleich nicht konsequent genug auf den Gegner. Ein symptomatisches Spiel. Ok, aber eben auch nicht mehr. Deshalb gibt’s für Ziegler von mir eine 3 und die besten Wünsche für seine Zeit in Stuttgart. (Sascha)
Dede
Eine Katastrophensaison war das, da gibt es wenig zu deuteln. Erst nicht in Tritt gekommen, dann folgten Verletzungen, am Ende dann die fortwährende Nichtberücksichtigung. Wo Dede früher noch alle Spiele absolvierte, reichte es in der Rückrunde lediglich noch für sechs Partien, lediglich zwei von Beginn an. Eine ungewohnte Situation für den einstigen Dauerläufer, mit der dieser aber auf herausragende Weise umgegangen ist: Kein Wort der Kritik, keine lautstark formulierten Ansprüche. Auch auf der Ersatzbank gibt Dede den Musterprofi. Persönlich ist dem Deutsch-Brasilianer trotzdem zu wünschen, dass er in der neuen Spielzeit wieder in die Spur findet. Ohnehin dürfte es bei hoffentlich zahlreichen Europapokalspielen auch auf Routiniers wie Dede ankommen. Es bleibt also zu hoffen, dass Dede noch eine Weile das schwarzgelbe Leibchen tragen und beim BVB seine Karriere beenden kann. Note 4,5 (Arne)
Es ist einerseits verdammt schade, dass wir in der letzten Saison einen Spieler größtenteils auf der Bank sitzen sahen, bei dem man sich das eigentlich gar nicht vorstellen konnte. Doch andererseits ist es logisch, dass der junge und fehlerlose Marcel Schmelzer den 32-jährigen verdrängt hat und zeugt vom Jugendstil unseres Trainers, der junge Spieler an die Mannschaft heranführen will. Auf der Bank aber bewies Dede Charakterstärke. Er fügte sich, meckerte nicht und trotzdem hatte man nie das Gefühl, er habe mit Dortmund und dem BVB gedanklich abgeschlossen. In der nächsten Saison wird sowohl der Spieler als auch die Führungspersönlichkeit Dede zum tragen kommen, wenn wir, hoffentlich lange, international spielen werden. Für diese Spielzeit allerdings leider nur eine Note 4,5. (MalteS)
Wenn es in Dortmund sowas wie einen Härtefall gibt, dann ist es mit Sicherheit Dede. Von einer langwierigen Verletzung außer Gefecht gesetzt, nie richtig in Schwung gekommen und von einem „Jungspund“ namens Schmelzer, den man bisher nie mehr als die Platzhalterrolle zugetraut hatte, aus der Startelf verdrängt. Kaum vorstellbar, Verletzung auskuriert und trotzdem nur ein Platz auf der Bank. Sportlich die richtige Entscheidung und hätte man Schmelzer jetzt zum zweiten Mal wieder ins zweite Glied gerückt, hätte man bei der Nachfolgersuche wahrscheinlich wieder bei Null gestartet. Es gibt wohl trotzdem niemanden unter den BVB-Fans, der nicht zumindest ein bisschen mit der symphatischen Identifikationsfigur mitleidet und ihm eine strahlende nächste Saison wünscht. Seine Erfahrung, seine Technik und seinen Einsatz werden wir, angesichts hoffentlich zahlreich anstehender Europacupspiele, in der nächsten Saison noch brauchen. Für die abgelaufene Saison bekommt Dede von mir eine 3-. Einfach weil ein „ausreichend“ keine Beurteilung ist, die einem Spieler seiner Klasse gerecht werden kann. (Sascha)
Zugegeben, Roman Weidenfeller hat mir in den vergangenen Spielzeiten mit seinen Aktionen so manchen Schrecken eingejagt. Und auch diese Saison war er nicht immer ganz sicher. Ein mulmiges Gefühl blieb immer, wenn der Ball auf unser Tor gedroschen wurde. Man durfte entweder eine Weltklasseparade erwarten, oder eben eine Aktion, die man gemeinhin als Patzer bezeichnen darf. Aber wie Weidenfeller in dieser Saison seine Leistungen nach und nach stabilisiert hat, das ist schon bemerkenswert. Nach seiner Verletzung schien er gestärkt ins BVB-Tor zurückzukehren. Er entwickelte sich im letzten Saisondrittel zur absoluten Stütze, die so manchen Punkt festhielt. Teils war Roman unüberwindbar. Und wenn dann doch der Ball im BVB-Netz zappelte, war er schuldlos. Als BVB-Fan hat man mit unserer Nummer 1 nun endlich das Gefühl der Sicherheit, dass zwischenzeitlich unwiederbringbar verloren schien. Für eine WM-Berufung kam diese Leistungssteigerung und vor allem diese Konstanz aber zu spät. Trotzdem: Roman Weidenfeller spielte alles in allem eine sehr gute Saison und war zum Saisonende hin der beste Torwart der Liga. Punkt.
Redaktion, 24.05.2010
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