Auf Eis schlägt Groß leider Klein
Heute sollte der Auftakt zu den Europapokal Trainingswochen für BVB Fans steigen. Um sich auf den hoffentlich nächste Saison anstehenden Spielrhythmus einstimmen zu können, hat uns der Winter einige englische Wochen in den Terminplan geschrieben, jeweils Mittwochs mit reizvollen Flutlichtspielen in der altehrwürdigen Roten Erde. Zum Einstieg stand zwar kein exotischer Gegner der Marke Liberec oder Olmütz auf dem Programm sondern bloß die ollen Fischköppe von der Weser, aber man muss ja mitnehmen, was man kriegen kann.
Da das Spiel dann letztlich in die Hose ging, konnte man sich am Ende fast freuen, dass man noch nicht in Europa hinter einem Rückstand her rennen muss, sondern nächsten Mittwoch gegen Jena erneut bei 0:0 beginnen kann.
Ausgangslage
Die Amas hatten sich durch den Zwischenspurt mit fünf ungeschlagenen Spielen etwas freigeschwommen und ein kleines Polster zu den Abstiegsrängen erarbeitet. Jedoch hat sich der kalte Winter in Form zahlreicher Spielausfälle derart in der Tabelle niedergeschlagen, dass diese nahezu jede Aussagekraft verloren hat. Werders U23 war so extrem betroffen, dass sie vier Spiele weniger absolviert hatten, als die weniger gebeutelten Teams aus Osnabrück, Heidenheim und Offenbach und eines weniger als Borussias Zwote. Daher bot sich ein bereits aus der Bundesliga bekanntes Bild: Werder als unmittelbarer Verfolger des BVB.
Auch dieses Nachholspiel stand wohl ziemlich auf der Kippe und wurde letztlich kaum unter optimalen Bedingungen
ausgetragen. Doch irgendwann muss man ja mal anfangen das Versäumte nachzuholen, wenn man nicht den ganzen Sommer durchspielen will.
Wie üblich musste Coach Schneider seine Elf gegenüber dem letzten Spiel in Haching völlig neu zusammen würfeln. Die Rekonvaleszenten Kehl und Hajnal haben sich inzwischen wieder im Profikader etabliert, zudem fielen die angeschlagenen Sobiech und Le Tallec aus und Kaptan rückte auf die Bank. Weiter fehlten der längerfristig verletzte Hasanbegovic und entgegen anderslautenden Meldungen in der Lokalpresse auch Daniel Ginczek nach seiner Sperre aus dem A-Jugend Spiel gegen Bochum. Neu im Team dafür Evers als Rechtsverteidiger, Vrzogic als sein Pendant auf der linken Seite, Neumeister in der Innenverteidigung, Marcel Großkreutz im defensiven Mittelfeld und Hille als einzige Spitze.
Die vom Kicker prognostizierten Abstellungen aus dem Profikader gab es nicht, wenn man den Debütanten vom Wochenende Julian Koch nicht dazu zählen möchte, der diesmal vor Evers im rechten Mittelfeld agierte.
In der Roten Erde hatten sich bei eisigen Temperaturen ordentliche 1139 Zuschauer eingefunden, darunter circa 30 Bremer in Zivil, die sich so hanseatisch kühl gaben, dass bis zum Schluss nicht ganz klar wurde, ob sich nicht doch ein paar Dortmunder im Block geirrt hatten. Demgegenüber präsentierte sich der Dortmunder Stimmungsblock wie gewohnt farbenfroh und stimmgewaltig.
Erste Halbzeit
Von Beginn an merkte man beiden Teams die Schwierigkeiten an, die ihnen das gefrorene Geläuf bereitete. In den ersten Minuten erarbeitete der BVB sich ein leichtes Übergewicht, wobei meist versucht wurde über die rechte Seite mit Evers und Koch Druck aufzubauen. Kurze Schrecksekunde als Jörn Neumeister angeschlagen zu Boden geht, bei dem man ja immer mit dem Schlimmsten rechnet, doch kurze Zeit später konnte er weiter machen. In der 8. Minute lief Piossek nach einem Steilpass auf Werder Torwart Wiedwald zu, der jedoch klären konnte. Kurze Zeit später schlug Marcus einen Freistoß aus halblinker Position in den Strafraum doch Hille und Großkreutz verpassten freistehend knapp. In der 13. Minute spielte Koch über rechts Hille an, der den Ball jedoch nicht unter Kontrolle bekam. Eine Minute später spielte Tyrala mit einem Steilpass Großkreutz frei, doch der verlor allein vor dem Torwart die Nerven und vergab mit einem angedeuteten Heber.
Im Gegenzug meldete sich Werder das erste mal gefährlich vor Hötteckes Tor mit einem Schuss vom linken Strafraumeck, der knapp vorbei strich.
Kurz darauf ein Freistoß der Bremer aus 18 Metern Entfernung, der für einige Konfusion im Dortmunder Strafraum sorgte, doch Höttecke war dazwischen und konnte klären. Dann ein Fehler von Nottbeck im Spielaufbau, der dazu führte, dass ein Bremer frei vor Höttecke auftauchte, doch zum Glück war sein Abschluss mehr als harmlos.
Eine Anmerkung an dieser Stelle: Die gruselige Farbkombination der Bremer Trikots (orangene Nummern auf grünem Trikot) in Verbindung mit dem leider etwas funzeligen Flutlicht in der Roten Erde machte eine Unterscheid
ung der Bremer Spieler nahezu unmöglich, so dass auf die Feinheiten der Bremer Taktik hier nur ungenügend eingegangen werden kann.
Das Spiel entwickelte sich nun zu einem offenen Schlagabtausch beider Mannschaften, wobei jedoch die meisten Aktionen vom Zufall geprägt waren, was sicher auch auf die schlechten Platzverhältnisse zurück zu führen ist. Bremen erkämpfte sich nun ein leichtes Übergewicht, da sie aufgrund ihrer größeren körperlichen Robustheit mit den schwierigen Bedingungen besser zurecht kamen. Wirklich Zwingendes sprang aber auch nicht heraus.
In der 39. Minute noch eine Großchance für Hille nach Steilpass Tyrala, doch er vergab völlig frei vor dem Torwart. Da muss er einfach mehr draus machen.
Dann war Halbzeit und alles stürmte in die Katakomben, um sich wenigstens ein bisschen aufzuwärmen. Insgesamt ein ausgeglichenes aber eher durchwachsenes Spiel trotz einiger Tormöglichkeiten auf beiden Seiten.
Zweite Halbzeit
Während Dortmund noch der warmen Kabine hinterher zu trauern schien, machten die Bremer in den ersten Minuten den wesentlich wacheren Eindruck und schnürten den BVB in der eigenen Hälfte ein. In der 48. Minute musste Höttecke in höchster Not vor einem frei durchlaufenden Bremer klären.
Die BVB Fans waren derweil in einer Dauerschleife von „Heal the world“ gefangen, die erst abriss, als Vrzogic nach 57 Minuten völlig unnötig kurz vo
r der Auslinie den Bremer Ronneburg von den Beinen holte. Den fälligen Elfmeter verwandelte Kempe, obwohl Höttecke noch mit den Fingerspitzen am Ball war. Nun besann sich auch der Dortmunder Anhang eines Besseren und versuchte die Mannschaft zum Torerfolg zu pushen.
Die Jungs schienen sich das zu Herzen zu nehmen und erhöhten den Druck. Bereits fünf Minuten nach dem Rückstand sollte sich das auszahlen, als Stallbaum Nottbeck im Strafraum legte und der Schiri ein weiteres Mal auf den Punkt zeigte diesmal allerdings auf der richtigen Seite. Käptn Hünemeier ließ sich nicht zweimal bitten und verlud den Bremer Keeper mit einem Flachschuss ins linke Eck – Ausgleich.
Schneider brachte nun Kullmann für den glücklosen Hille doch der stellte sogleich unter Beweis, dass ihm in dieser Saison das Pech am Stiefel klebt, als er frei vor dem Tor scheitert. Kurz darauf spielte Tyrala sich glänzend im Strafraum frei, doch anstatt einfach abzuziehen spielte er einen Fehlpass. Da hat ihn wohl der Mut verlassen. Auch die Bremer nun mit einigen Chancen nach Standardsituationen, wie einem 30 Meter Freistoß der knapp die Latte streichelt und ein
em Kopfball nach Ecke, der gerade noch von einem Verteidiger auf der Linie geklärt werden konnte.
Ein vielversprechender Konter der Borussen wurde von einem Bremer unterbrochen, der sich so lange auf dem Boden wälzt, bis die Dortmunder den Ball fair ins Aus befördern, um sodann quietschfidel wieder auf die Beine zu springen.
Als man sich langsam mit dem Unentschieden anzufreunden begann, folgte doch noch die Entscheidung zugunsten des Bremer Nachwuchses. Ein eigentlich harmlos erscheinender Freistoß in der 85. Minute vom linken Strafraumeck ließ Höttecke ganz alt aussehen, als er im kurzen Torwarteck einschlug.
Leider stehen unsere Amateure nach diesem ausgeglichenen Kampfspiel mit leeren Händen da und müssen Werder II in der Tabelle passieren lassen.
Bereits am Samstag bietet sich ihnen in der Roten Erde die Chance zur Wiedergutmachung, allerdings wird das gegen den Aufstiegskandidaten aus Heidenheim alles andere als leicht.
Anstoß ist um 14.00 Uhr. Wegen des zeitgleich stattfindenden Heimspiels der Profis an der Castroper Straße werden viele Fans verhindert sein. Daher bleibt nur der Appell an die Daheimgebliebenen sich in die Rote Erde aufzumachen, um unsere Jungs zu unterstützen.
Fakten Fakten Fakten
Amateure vom BVB 09: Höttecke – Evers, Hünemeier, Neumeister, Vrzogic (82. Oscislawski) – Koch, Nottbeck, Großkreutz, Piossek (88. Boztepe) – Tyrala – Hille (62. Kullmann)
Werder II: Wiedwald – Ronneburg, Schmidt, Stallbaum, Perthel (76. Gerdes) – Maek, Feldhahn – Kempe, Ayik – Thy, Futacs
Schiedsrichter: Jan Seidel (Brieselang)
Tore: 0:1 Kempe (58., Foulelfmeter), 1:1 Hünemeier (63., Foulelfmeter), 1:2 Kempe (85.)
Zuschauer: 1.139
Gelbe Karten: Nottbeck, Koch - Ayik
Trainerstimmen
Werder Trainer Wolter: Ich kann mich ganz kurz fassen. Wir haben ein Spiel zweier ausgeglichener Mannschaften gesehen mit ausgeglichenen Chancen auf beiden Seiten, wo wir letztlich das glücklichere Ende für uns hatten.
Theo Schneider: Wir haben ja eher Spieler die ihre Stärken im fußballerischen Bereich haben, das kam heute auf dem gefrorenen Platz nicht so zum tragen. Demgegenüber hatte Werder fünf Spieler mit 1,90 m, also Gardemaß auf dem Platz stehen. In diesem kampfbetonten Spiel wäre ich letztlich mit einem Punkt zufrieden gewesen, leider hat es dafür am Ende nicht gereicht.
Eindrücke von der Stimmung in der Roten Erde: Hier klicken
web, 11.03.2010
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