Ein schlechter Koch verdirbt den Brei - BVB II verliert unnötig 1:2 gegen Unterhaching
Die Statistiken nach dem Spiel sprachen eindeutig für die Zweitvertretung des BVB. Mehr Ballbesitz, mehr Spielanteile und mehr Torchancen – nur das Spielgerät aus Kunststoff wollte nicht so recht in die Maschen des ehemaligen Bundesligisten aus Bayern fliegen. „Wir müssen uns jeden Punkt in dieser Liga hart erarbeiten“, meinte vor der Begegnung BVB-Coach Theo Schneider, der in der Innverteidigung, dank der Verfahrenseinstellung des DFB-Kontrollausschusses gegen Neven Subotic, wieder auf Uwe Hünemeier zurückgreifen konnte und zusammen mit Lasse Sobiech die Innenverteidigung bildete. Durch die Verletzung von Tinga in der Profimannschaft, rückte zudem Sven Bender wieder in den Lizenzspielerkader für das Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt und Hasanbegovic auf die Sechser-Position. Ferner stellte Chef-Trainer Jürgen Klopp Yasin Ötzekin und Julian Koch zur Verfügung.
Vor 1524 Zuschauern in der Roten Erde, darunter Präsident Rauball, der vor der Partie allen BVB-Spielern auf der Reservebank die Hand schüttelte, Sportmanger Michael Zorc und
Jugendkoordinator Lars Ricken, entwickelte sich eine Partie, bei der lieber Julian Koch im Bett geblieben wäre. Zwei dicke Abwehrpatzer des Youngsters verursachte die 2:0 Halbzeitführung der Hachinger. In der 17. Spielminute netzte Sebastian Mitterhuber, nach schöner Vorarbeit von Leandro Grech über die linke Angriffsseite, fast unbedrängt zum 0:1 ein. In der Nachspielzeit der ersten Spielhälfte, war es wieder Koch, der mit einer Unkonzentriertheit die Hachinger 2:0 Führung begünstigte. Tobias Schweinsteiger, älterer Bruder des Nationalspielers vom FC Bayern, bereitete mit einem Solo über die rechte Abwehrseite der Dortmunder quasi das Tor vor. Seinen Schuss konnte BVB-Keeper Höttecke zwar noch abwehren, aber dem Nachschuss von Robert Tillner, stand er machtlos gegenüber.
Dabei ackerten, kämpften und spielten die Dortmunder in der ersten Hälfte sehr passabel und nur in eine Richtung – in die vom ehemaligen Bundesliga-Torwart Darius Kampa, der am Freitag Abend eine überragende Partie im Kasten von Unterhaching ablieferte. So klärte der erfahrene Keeper gegen Sobiech (34.), Ginczek (35.) und Vrzogic (44.) eindrucksvoll. Dabei wurde die Schneider-Truppe fast ununterbrochen von den eigenen Fans angefeuert. Tolle Atmosphäre herrschte auf der Haupttribüne und in der gesamten Roten Erde. Dagegen fielen die „Schlachtgesänge“ der knapp 30 Anhänger aus dem Bobfahrer-Verein eher kläglich aus. Und ausgerechnet diese Mannschaften beschweren sich darüber, dass Zweitvertretungen der Profimannschaften in der 3. Liga spielen dürfen. Schauen wir eine Woche zurück. Gleiche Welle, gleiche Stelle, der BVB zu Gast auf einem Freitag Abend in Ingolstadt. Über 250 feuerten die Amas beim 1:0 Auswärtserfolg an. Der BVB-Anhang ist hinsichtlich der Unterstützung seines (Zweit)Teams einmalig in der 3. Liga und vom Support eine absolute Bereicherung in der dritthöchsten Spielklasse.
Eine absolute Bereicherung für das Team von Trainer Theo Schneider war auch BVB-Kapitän Uwe Hünemeier. Sowohl in der Defensive, als auch bei seinen offensiven Vorstößen oder bei Standardsituationen, erwischte er einen Sahnetag. Dies allein betrachtet, reichte für den BVB nicht, den die beiden Rautenspieler Öztekin und Piossek spielten in der ersten Hälfte einfach zu offensiv. Vor allem die Abstimmung zwischen Koch und Piossek auf der rechten Seite stimmte überhaupt nicht. Auf der anderen Seite verzettelte sich Yasin Öztekin immer wieder in Einzelaktionen und wenig erfolgsversprechenden Dribblings. Als Theo Schneider sich schon die Worte für die Halbzeitansprache zurecht legte, kam es in der 44. Minute zu einem unglücklichen Zusammenprall im Strafraum der Gäste, bei dem sich Thorsten Schulz in einem Luftduell eine sehr schwere Kopfverletzung zuzog. Eine fast zehn Zentimeter lange, bis auf den Knochen durchgehende, offene Wunde auf der rechten Stirnseite, die mit mehreren Stichen noch im Stadion Roten Erde genäht werden musste. Hachings Trainer Ralph Hasenhüttl meinte in der anschließenden Pressekonferenz süffisant, „Thorsten Schulz wäre ein harter Bursche und hätte mit der Narbe wohl keine Probleme, da er in festen Händen sei“. Nun gut…
In der zweiten Spielhälfte zeigten die Amas die richtige Reaktion und setzten die Gäste zunehmend
unter Druck. Mit einem Doppelwechsel in der 55. Minute sollte dieser Druck noch weiter erhöht werden. Die französische Stürmer-Neuerwerbung Damien Le Tallec und der Mann für alle Fälle, Sebastian Hille, kamen für den schwachen Piossek und Ginczek in die Partie. Drei Minuten später war es auch Le Tallec, der den Anschlusstreffer für den BVB einleitete. Der Franzose schoss freistehend vor dem Gästegehäuse Darius Kampa an und den Abpraller netzte Hille trocken zum 1:2 in der 58. Minute aus fünf Metern ein. Angetrieben vom Dortmunder Anhang und einem überragenden Hünemeier, verpassten es die Schwarzgelben, den Ausgleich zu erzielen. Entweder war es überhastetes Abschließen der Spielsituation, wie z. B. Öztekin in der 70. Minute nach feinem Zuspiel von Hünemeier, als er freistehend aus 20 Metren den Ball mit Rückenlage über das Gästetor schnörkelte oder es war der 32-jährige Gästekeeper Kampa, der mit seinen tollen Paraden die Kopfbälle von Hünemeier (81.) und Kullmann (86.) entschärfte und die drei Punkte für Unterhaching festhielt.
Schneider musste betrüblich feststellen, dass Aufwand und Ertrag nicht zueinander im Einklang standen. „Trotz 70 bis 80 Prozent Spielanteile, waren die Hachinger einfach abgezockter“ und ergänzte, dass „man eben die Unerfahrenheit bei den jungen Spielern merke“. Der BVB hätte mit einem Sieg die Möglichkeit gehabt, genügend Polster nach unten in der Tabelle aufzubauen. So verweilt man, wie von vorn herein erwartet, erst einmal nur in der unteren Tabellenhälfte und muss jetzt beim schweren Auswärtsspiel am Mittwoch in Jena gegen den FC Carl Zeiss antreten.
Die Stimmen zum Spiel:
Statistik:
BVB II: Höttecke – Koch (73.Oscislawski), Hünemeier, Sobiech, Vrzogic – Hasanbegovic – Piossek (55. Hille), Öztekin – Tyrala – Ginczek (55. Le Tallec), Kullmann
Unterhaching: Darius Kampa - Christian Hain , Raphael Schaschko , Thorsten Schulz (44. Timo Heinze) , Andreas Brysch - Orkan Balkan , Leandro Grech , Manuel Konrad , Sebastian Mitterhuber , Robert Zillner (Patrick Ziegler) - Tobias Schweinsteiger (86. Marcus Steegmann)
Tore: 0:1 Mitterhuber (17.), 0:2 Zillner (45+2), 1:2 Hille (58.)
Zuschauer: 1524 im Stadion Rote Erde
Schiedsrichter: Dr. Manuel Kunzmann
Gelbe Karten: Vrzogic, Sobiech, Öztekin – Zillner, Heinze
Markus B., 29.8.2009
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