Oh wie ist das schön!
Bundesliga auf dem Dorf, so präsentieren sich die knapp 2.500 mitgereisten schwatzgelben Anhänger im frisch renovierten Stadion an der Hammer Straße. Der Gästeblock ist prall gefüllt und der schwatzgelbe Anhang geht mit keinen geringeren Erwartungen, als hier und heute den Aufstieg in die 3. Liga unter Dach und Fach zu bringen, in die Partie. Zahlreiche Fahnen geben dem Fantreiben ein gelungenes Aussehen. Auf der Gegenseite das krasse Gegenteil. Schwach besetzte Ränge, wenige Fahnen und kaum Banner.
Bereits 90 Minuten vor Anpfiff trudeln die ersten BVB-Fans am Gästeparkplatz ein. Viele nehmen an einer von THE UNITY initiierten Aktion Teil, und treten den Weg vom Bahnhof zum Stadion gemeinsam zu Fuß an.
Vor Anpfiff werden noch zahlreiche Spieler auf Seiten der Münsteraner verabschiedet. Gefühlt ist es die ganze Mannschaft, offiziell fünf Spieler. Beim Einlaufen beider Mannschaften ein schönes Intro im Gästeblock bestehend aus gelbem Konfetti und schwatzgelben Luftballons - ein schönes Bild und ein passender Rahmen für den zukünftigen Meister der Regionalliga West.
Auf geht’s Dortmund, kämpfen und siegen! Schwungvoll beginnen die ersten Spielminuten. Mit viel Engagement werden auf beiden Seiten die Zweikämpfe geführt. Auffälligste Spieler sind in den ersten Minuten Daniel Ginczek und Julian Koch, die durch ihr klasse Zweikampfverhalten hervorstechen. Dortmund zunächst darum bemüht, den Spielaufbau der Preußen früh zu stören. Doch immer wieder gelingen den in grün spielenden Münsteranern gefährliche Gegenstöße. Doch richtig heiß wird es auf beiden Seiten zunächst nur nach Standardsituationen. Münster macht durch einen von halbrechts getretenen Freistoß auf sich aufmerksam, den der Dortmunder Torwart Focher noch so gerade mit der Faust entschärfen kann. Bei Dortmund ist es ein Eckball, der für Gefahr sorgt. Nach 20 zähen Minuten findet Münster immer besser ins Spiel. Der offensive Mittelfeldspieler Kara ist es, der in der 25. Minute für Münster die erste nennenswerte Möglichkeit zur Führung vergibt. Aus fünf Metern Torentfernung scheitert sein Schuß an einem Dortmunder Abwehrbein und holt nur eine Ecke für seine Mannschaft heraus. Ein erstes Mal müssen die mitgereisten Borussen tief durchatmen.
Bis dato sorgte man für eine Heimspielatmosphäre. Die im Stadion verteilten Münsteraner konnten lediglich durch einen Wechselgesang zwischen Gegentribüne und Kurve auf sich
aufmerksam machen. Die Stimmung der Heimmannschaft glich insgesamt kleinen Buschfeuern, was nicht ausschließlich auf das Umfeld des Stadions zurückzuführen ist. Zum einen sorgten die irgendwann nur noch nervenden Trommeln für eine Jungle-Atmosphäre, zum anderen waren immer wieder an unterschiedlichen Stellen vereinzelte Schlachtrufe zu vernehmen. Die klare Überlegenheit auf den Rängen spiegelte in keinster Weise die Verhältnisse auf dem Platz wider. Preußen agierte wie eine Heimmannschaft, kontrollierte das Spiel und sorgte immer wieder für Gefahr, ohne dabei zu klaren Torchancen zu kommen. Die größte Torchance der ersten 45 Minuten dann kurz vor dem Halbzeitpfiff. Einen flach geschossenen Freistoß aus 17 Metern Torentfernung kann der Dortmunder Keeper so gerade noch abwehren und der Ball landet direkt auf dem Fuß eines Münsteraners. Doch erneutes Glück für Dortmund, dass der er den Ball kläglich über das Tor semmelt. Ein eher langweiliger Sommerkick geht in die Halbzeit.
Die zweite Halbzeit beginnt mit einem tollen Solo von Ötzekin, der sich durch das gesamte Mittelfeld und die Abwehr Preußens durchtankt, jedoch nur mit einem Schüsschen aus 16 Metern abschließt. Kein Problem für den Torwart. Die Temperaturen und ein eher müdes Gekicke ließen dann einige Fans zu einer kleinen Bierschlacht hinreißen. Der zur Gegentribüne angrenzende Gästeblock lieferte sich einzelne Scharmützel mit einer kleinen Gruppe Münsteranern, bis die Polizei eingriff und eine weitere Eskalation verhinderte.
Das Spiel nimmt mit zunehmender Spieldauer endlich Fahrt auf. Torschüsse der Münsteraner häufen sich und die Führung ist eine Frage der Zeit. In der 52. Minute ein schneller Vorstoß der Preußen über die rechte Seite, eine scharfe Hereingabe und es klingelt im Dortmunder Gehäuse. Erzen darf sich über sein achtes Saisontor freuen.
Die Reaktion der Dortmunder ließ nicht lange auf sich warten. Von den BVB-Fans angetrieben, vergibt Ginzek eine gute Möglichkeit zum Ausgleich. Doch der Ball springt dem Nachwuchstalent aus 14 Metern Torentfernung über den Fuß. Ein offener Schlagabtausch beginnt, bei dem Dortmund teilweise wie eine Kreisklassenmannschaft agiert. Blind rennen sie in ihr Verderben und laden Münster zum Kontern ein. Die Folge: Das 2:0 für Münster in der 63. Minute, als Kara frei vor Fochner auftaucht und den Ball eiskalt einnetzt. Eine verdiente 2:0-Führung. Dortmund geschlagen? Zumindest macht Dortmund weiter Druck - auf den Rängen. Auf dem Platz wirken die „Angriffsbemühungen“ der Dortmunder harmlos. Es muss halt eine Standardsituation herhalten, bis Daniel Gordon den Ball per Kopf im Tor von Münster unterbringt (74. Minute). Ein Gefühl von „Da geht noch was“ macht sich im Gästeblock und auf dem Platz breit. Endlich zeigt der Tabellenführer sein wahres Gesicht und geht selbstbewusst zu Werke. Die Folge: Eine Vielzahl an Freistößen im Mittelfeld, die stets für Gefahr im Münsteraner Strafraum sorgen. 89. Minute, der Gästeblock jubelt. Auf dem Nebenschauplatz in Trier kassiert der Tabellenzweite aus Kaiserslautern den Ausgleich. Damit wären die Amateure zu diesem Zeitpunkt
aufgestiegen. Zittern? Nein! - Uuuuuuuuuuwe Hünemeier erlöst den BVB nur wenige Sekunden nach dem Bekanntwerden des Zwischenstandes aus Trier. Nach einer Eckballstafette wuchtet er den Ball mit dem Kopf zum 2:2-Ausgleich ins Netz. Wahnsinn! Der mitgereiste Anhang tobt! Das ist der Aufstieg und die Meisterschaft - Lautern schafft nur ein 3:3 in Trier. Die Spieler jubeln, rennen zum Block, klettern auf den Zaun. Dort wartet schon ein riesiges Banner: AUFSTEIGER! Es folgt, was diese Saison immer nach Erfolgen ausgelassen zelebriert wird....Ballspielverein Borussia aus Dortmund.... noch 30 Minuten nach Abpfiff tummeln sich Spieler auf dem Rasen liegen sich in den Armen, zelebrieren eine abgeschwächte HUMBA und auch der Großteil des schwatzgelben Anhangs feiert im Block weiter. Noch lange dröhnen diverse BVB-Fanlieder aus der Spielerkabine.... Oh wie ist das schön!
Fazit:
Ein Spiel, welches irgendwie den ganzen Saisonverlauf widerspiegelt. Schwach begonnen und am Ende alles gewonnen. Spielerisch war über die 90 Minuten Preußen Münster überlegen. Dortmund wurde lediglich bei Standards gefährlich. Über eine Niederlage hätte sich niemand beschweren dürfen. Doch gerade diese Kaltschnäuzigkeit und der Siegeswille zeichnete die junge Borussen-Mannschaft diese Saison aus. Ein 2:2 regelrecht erzwungen!
Stimmen zum Spiel:
Meistertrainer:
Der Kreislauf hat sich geschlossen. Vor vier Jahren sind wir hier in Münster abgestiegen. Umso schöner ist es heute an dieser Stelle wieder auszusteigen. Wir hatten es heute mit einer hochmotivierte Münsteraner Mannschaft zu tun, die uns heute alles abverlangt hat. Daher auch mein Kompliment an meine Mannschaft, dass sie nach einem 0:2 wieder zurückgekommen ist. Auch ein dickes Kompliment für die gesamte Rückrunde, für die wir uns heute mit dem Aufstieg belohnt haben. Ich bin sehr glücklich, dass wir heute in Münster gewonnen haben und uns eine Zitterpartie gegen RW Essen im heimischen Westfalenstadion erspart bleibt.
Für den ganzen Verein ist dieser Aufstieg sehr wichtig. Der Trend im Verein geht dahin, gezielt auf den Nachwuchs zu setzen. Umso wichtiger ist es, dass sich die jungen Spieler mit großen Mannschaften in der 3. Liga in der nächsten Saison messen können. Hinzukommt, dass sie vor wesentlich größeren Kulissen spielen wie zum Beispiel in Dresden und somit langsam an die Kulissen in der Bundesliga herangeführt werden.
Zuschauer: 6.065 (darunter gut 2.500 aus Dortmund)
Aufstellung:
SC Preußen Münster: Buchholz, Capretti, Matlik, Erzen, Loose, Lauretta, Sowislo, Ivicevic, Kara, Orntalli, Wissing
Borussia Dortmund: Focher, Hillenband, Ötzekin, Piossek, Gordon, Hünemeier, Vrancic, Koch, Ginczek
Schiedsrichter: Bastian Dankert, Steffen Hösel, Enrico Barsch
Ein- und Auswechslungen:
Münster:
82. Seggewiß für Loose
89. Weller für Erzen
Dortmund:
58. Hille für Hillenbrand
65. Oscislawski für Piossek
72. Boztepe für Kullmann
Gelbe-Karten: Münster: Matlik, Kara, Wissing / Dortmund: Gordon, Vrancic
Christoph, 31.05.2009
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