Souveräner Aufgalopp ins Jubiläumsjahr

Torjubel zum 2:0Auch bei den Amateuren des BVB wurde es dieses Wochenende wieder Ernst. Im ersten Spiel der Restrückrunde siegte man jedoch locker und leicht mit 5:2 gegen den hoffnungslos unterlegenen Tabellenletzten aus Kleve. Doch sorgte nicht nur das eigene Ergebnis für Freude, denn keiner der drei wohl größten Konkurrenten auf den Aufstieg (Kaiserslautern II, Münster, RWE) konnte dreifach punkten. So kann's weitergehen!

Heute gehts mal direkt inne Personalien rein: Da Höttecke noch im Aufbautraining ist, spielte der A-Jugendliche Johannes Focher (er sollte seine Sache gut machen!), auch Kullmann, der am Vortag noch eine Viertelstunde beim Pack mitspielen durfte, lief von Anfang an auf. Da die Profis also zum Glück mal nicht parallel spielten (das wird leider die nächsten drei Wochenende der Fall sein), liefen unsere Amas mit der momentan nominell besten Mannschaft auf. Bei Kleve, trainert vom Ex-Bundesligastürmer van Lent, richteten wir unser Augenmerk besonders auf Adrian Mahr, einen Ex-Amateurspieler, Marcel Podszus, Kleves bester Goalgetter, sowie Kurtulus Öztürk, ebenfalls Ex-Amateurezocker, der in der Winterpause von Münster zum Tabellenletzten wechselte. Kleve hat bereits sechs Punkte Rückstand aufs rettende Ufer und der BVB hatte nach dem 3:3-Hinspielergebnis (nach 3:0-Führung) noch eine Rechnung offen. Hier sollte deshalb doch eigentlich nichts schiefgehen, oder?

Symptomatischer Spielbeginn

Überschattet von PolizeiwillkürAus Kleve waren 25 Anhänger da, die Nordkurve war bei uns sehr ansehnlich gefüllt und die Derby-Nachwehen konnten die BVB-Fans nicht am Erscheinen in der Roten Erde hindern. Endlich also mal wieder ein richtiges "Heimspiel" mit mehr Fans als der Gegner und so. Der Support wurde jedoch in der zweiten Hälfte eingestellt, weil es Auseinandersetzungen zwischen Stadionverbotlern und der Polizei gab. Und auch der Herr Aberglaube war wieder da, setzten sich die BVB-Spieler und -Betreuer doch auf die frühere Gästebank. Diese Taktik hat schon in der Hinrunde zu Erfolgen geführt. Von dort aus sahen sie nach knapp zwei Minuten eine Szene, die symptomatisch für das gesamte Spiel werden sollte. Öztekin war schneller als Kempe, der sich nur noch per Foul behelfen konnte. Taktisches Foul und Gelb oder Notbremse und Rot? Schiri Eibach votierte für Ersteres. Wenn das Spiel kurz vor dem Ende gestanden hätte, wäre diese Entscheidung sicher anders ausgefallen. Der anschließende Freistoß brachte nichts ein. Überhaupt merkwürdig, dass der Tabellenletzte aus dem niederländischen Grenzgebiet beim spielerisch starken Tabellenzweiten so sehr auf Abseits spielte, wie zum Beispiel auch in dieser gerade geschilderten Szene.

Die erste Viertelstunde sah man bereits, dass der BVB klar besser war, sowohl am Ball als Hillenbrands Torjubel nach dem 1-0auch in den Zweikämpfen. So scheiterte Öztekin zwar noch nach zehn Minuten nach erneut missglückter Abseitsfalle mehr oder weniger kläglich, doch sechs Minuten später begann der erwartete Torreigen: Super Pass von Hille auf Piossek über die Abseitsfalle hinweg, der Zivi scheitert noch an Müller, aber Hillenbrand steht richtig und hält den Fuß hin, 1:0. Weitere sechs Minuten später dann eine Version der "Pinball Adventures" im Klever Strafraum: Öztekin, Klever Bein, Öztekin, zunächst geklärt, Schuss Koch, abgefälscht, Nachschuss Kullmann, in Müllers Arme. Fast die volle Punktzahl, aber eben nur fast! Die erste Chance für die Gäste vereitelte dann Focher ohne Probleme, nachdem Klimczok Koeps Kopf fand, dieser aber zu unpräzise abschloss (27.).

Dämliches Foulspiel führt zum 1:2

Zwar spielten die Amateure jetzt etwas schnöselig und verursachten teils das Gefühl, den Ball ins Tor tragen zu wollen (Kullmann), doch sollte sich diese Arroganz diesmal nicht rächen. Denn der gerade gescholtene Kullmann, der vom Laufstil Alexander Frei ähnelt (vielleicht, weil sie in Marbella gemeinsam gekuschelt haben?), sorgte mit dem 2:0 zumindest für einen etwas beruhigenderen Vorsprung. Mal wieder eine Freistoßflanke Vrancics (Herrlich!) und der ehemalige Magdeburger köpfte zum 2:0 ein. Doch die BVB-Amas wären nicht die BVB-Amas, wenn sie nicht wenigstens etwas Werbung für "Doppelherz" machen würden. Ein doofes Foul von Hille an den Ex-Borussen Omerbegovic kann es nicht fassen - 3:1Mahr, der zum Foulelfmeter antreten durfte. Focher noch dran, aber plötzlich steht es nur noch 1:2 und keiner weiß warum (41.).

Kurtulus Öztürk, früher Führungsspieler bei den Amas, wollte seinen alten Kollegen was Gutes tun und fällte seinen Fast-Namensvetter Öztekin erst einmal in selten dämlicher Situation. Strafstoß, eine Aufgabe für Damir Vrancic. Der sonst so sichere Standardspezialist scheiterte jedoch am gut reagierenden Müller und man wurde jetzt unfreiwillig ans Hinspiel erinnert. Doch nur eine Minute später sah die Welt ganz anders aus. Kullmann legte sich den Ball mit der Hacke selbst auf richtig geile Weise vor, vor ihm nur noch ein Abwehrspieler und der Keeper. Beide tanzte er geschickt aus, sodass er nur noch quer legen musste. Problem: Omerbegovic guckte zuviel "Tatort" in letzter Zeit und machte es unnötig spannend. Er wartete noch zwei, drei Sekunden, ehe er den Ball endlich reinschoss. 3:1, kurz vor der Halbzeit. Läuft!

Fazit nach 45 Minuten

Alles, nur kein 3:3. Danke!

Comedy in der Roten Erde, auch das sollte heute drin sein. Langer Ball von der linken BVB-Seite, doch kein Abnehmer im Strafraum. Aber was passiert dann in so einer Situation? Genau, Abwehrspieler Mirko Urban und Keeper Müller haben wohl lange nicht mehr miteinander gesoffen Omerbegovic braucht nicht mehr einzugreifen, 4:1und verstehen sich einfach nicht. Denn während Müller rauskommt, denkt Urban, dass er im Tor bleiben würde. Folge: Urban köpft den Ball Richtung Tor, wo Müller aber nicht mehr steht. Selten so gelacht. 4:1 und der Käse war gegessen. Und wir haben noch herzhaft gelacht dabei... Danach passierte eigentlich relativ wenig in Hälfte Zwei. Dem BVB wurde ein Foulelfmeter verweigert (s. SR-Bewertung) und die BVB-Fans hörten auf zu singen (s. oben). Koep köpfte noch zweimal, traf aber entweder Fochers Arme (57.) oder wurde noch rechtzeitig gestört (89.).

Kullmann wie ein echter Knipser

Ach ja, die Tore wären hier ja fast noch unterschlagen worden. Zunächst machte der bis dato solide agierende Müller seinen guten Eindruck zunichte, als er einen Flatterball Tyralas nur nach vorne klatschte und der hellwache Kullmann zum zweiten Mal zuschlagen durfte (69.). Eine Viertelstunde vor dem Ende dann der obligatorische Treffer des Klever Stürmertanks Podszus, als er eine Flanke des eingewechselten und belebenden Schniers unbedrängt über die Linie drücken konnte. Die letzte Möglichkeit in einer insgesamt unansehnlichen zweiten Hälfte gehörte dann dem eingewechselten "Osci" Oscislawski, der sich gegen drei Mann durchsetzte und erst aus 20 Metern aus halbrechter Position an Müller scheiterte. Es blieb beim 5:2 und da Lautern II und Münster sich 1:1 trennten sowie Scheisse gegen Essen mit 2:1 gewann, sieht es in der Tabelle jetzt richtig geil aus.

Und noch einer...5-1Denn dort führt Lautern II zwar noch mit sechs Punkten vor unserem BVB, der wiederum jedoch seinerseits schon sechs Zähler Vorsprung auf Essen, Verl und Münster aufweisen kann. Und diese Konstellation sollte verbessert werden bei dem Auswärtsspiel in Gladbach II nächste Woche sowie zu Hause gegen Leverkusen II in genau zwei Wochen. Lautern muss nächste Woche nach Essen, sodass sich da erneut zwei Konkurrenten gegenseitig ihre Punkte wegnehmen. Im Moment spricht also alles erst einmal für den BVB!

Stimmen zum Spiel

Arie van Lent (Trainer 1. FC Kleve): So ein erstes Spiel bei einem Team wie dem BVB kann auch positiv sein, denn ich wäre glücklich über ein oder gar drei Punkte gewesen. Wir haben aber nichts geholt und das geht auch absolut in Ordnung. Mich stört nur einfach die Art und Weise, denn nur der BVB hat das Spiel gemacht und wir hatten nur nach dem 1:2 etwas Hoffnung, haben diese aber sofort wieder verschenkt. Dann hat der BVB zwei Gänge zurückgeschaltet und wir haben etwas besser gespielt. Die Niederlage ist absolut verdient und mein Glückwunsch an den Gegner.

Theo Schneider: Vorm ersten Spiel ist man sich nie ganz sicher, deshalb bin ich froh, dass wir so schnell unseren Rhythmus gefunden haben. Insbesondere in der ersten Halbzeit war das ein sehr gutes Omerbegovic im LuftkampfSpiel. Wir spielten über außen, durch die Mitte und zeigten hohes Tempo. Trotz des Bodens haben wir geradlinig und einfach kombiniert. Bei den vielen Torchancen wäre bei etwas mehr Konzentration sogar noch mehr an Toren drin gewesen. Das zweite Gegentor hat mich dann etwas geärgert, weil es unnötig war. Unterm Strich muss ich dem Team jedoch ein Kompliment machen. Wir wollen das Unmögliche möglich machen und trotz unserer angespannten Personalsituation, welche wir in den nächsten drei Spielen haben werden, noch Lautern abfangen.

Sebastian Hille: Es war wichtig, dass wir mit einem auch klaren Sieg starten, weil wir einfach auch ein Zeichen setzen wollten. Wir wollen zu Lautern aufschließen und deshalb war das heute ein ganz wichtiger Sieg für uns. Meinen Gegenspieler habe ich in der Elfmeter-Situation nicht gesehen und in dem Augenblick, wo ich ihn sehe, habe ich ihn schon getroffen. Man kann Elfmeter pfeifen, aber man muss es nicht unbedingt. Er hat ja auch keine Gelbe Karte gegeben, deshalb glaube ich, dass das so eine 50:50-Entscheidung war.

Uwe Hünemeier: Ich habe eine Verletzung am Kahnbein, die man nur konservativ mit einem Verband behandeln kann, doch behindert mich diese jetzt nicht so sehr. Wir haben engagiert begonnen und es war wichtig, dass wir frühzeitig ein Tor machen konnten. Klar war das heute nicht der Maßstab und wir haben sicherlich auch noch einige Dinge zu verbessern. Gerade in der zweiten Halbzeit wurden wir besonders nach hinten nachlässig. Insgesamt ist das heute aber zufriedenstellend gewesen. Nach unserem verschossenen Elfmeter war ich über unser 3:1 glücklich, weil wir sonst eventuell in der zweiten Hälfte etwas Bammel gehabt hätten. Das Eigentor hat dann natürlich noch einmal den Sieg geebnet.

Yasin Öztekin im ZweikampfYasin Öztekin: Wir haben uns vorgenommen zu siegen, da wir ja aufsteigen wollen. Wir haben Gas gegeben und waren alle heiß auf den Sieg. Deshalb haben wir auch verdient gewonnen. Sicherlich kann man hier noch ein paar Tore mehr machen, aber wir haben uns immerhin eine Menge an Chancen herausgespielt, die wir leider nicht genutzt haben. Aber egal, trotzdem verdient gewonnen! Klar waren gestern beim Derby mehr Zuschauer als heute da, aber wenn ich hier hinkomme, dann gebe ich Gas und will meine Leistung bringen und dann ist das auch kein Problem, ob ich vor 80.000 oder 200 Zuschauern spiele.

Daten zum Spiel

BVB II (4-2-2-2): Focher (2,5) - Hillenbrand (2,5), Koch (2), Hünemeier (1,5), Hille (2,5) - Omerbegovic (3) (73. Sadrijaj, - ), Vrancic (2,5), Piossek (2,5) (78. Großkreutz, - ), Öztekin (2,5) (84. Oscislawski, - ) - Kullmann (1), Tyrala (2,5)

Kleve (4-1-3-2): Müller - Öztürk (46. Schnier), Voigt, Kempe, Urban (60. Behrendt) - Akpinar - Mahr, Zeh, Klimczok (78. Lmcademali) - Koep, Podszus

Tore: 1:0 Hillenbrand (16., Linksschuss, Vorarbeit Piossek), 2:0 Kullmann (38., KB, Vrancic), 2:1 Mahr (40., RS, Foulelfmeter, Hille an Mahr), 3:1 Omerbegovic (45.+1, RS, Kullmann), 4:1 Urban (50., KB, Eigentor), 5:1 Kullmann (69., RS, Tyrala), 5:2 Podszus (78., RS, Schnier)

Zuschauer: 857

SR: Matthias Eibach, Note 4. Die beiden gegebenen Elfmeter waren vertretbar, übersah jedoch auch einen ganz klaren Strafstoß nach Foul an Hünemeier kurz nach Wiederbeginn.

Chancen: 9:5

Ecken: 3:4

Gelbe Karten: Vrancic (48., Foulspiel), Großkreutz (78., Foulspiel) - Kempe (2., taktisches Foul), Koep (30., Foulspiel), Müller (69., Meckern)

Besonderes Vorkommnis: Müller hält Foulelfmeter von Vrancic (45., Öztürk an Öztekin)

Die Fotostrecke zum Spiel gibt es auf unserer Fotoseite foto.schwatzgelb.de unter diesem Link.

Malte, 22.02.2009