Nach 5 Jahren OdysseeDer Trainer hat ein Zuhause

Vor genau fünf Jahren schrieb schwatzgelb.de einen Artikel über das geplante neue Trainingsgelände. Damals sollten noch acht bis zehn Trainingsplätze sowie ein Stadion für ca. 3.000 Zuschauer auf der Anlage Platz finden (Der Artikel vom 07.05.2001). Aber dieser Plan platzte wie so viele andere Dinge. Es passierte einfach nichts. Mal lag es an der Munition auf dem Gelände, mal an der Stadt, die noch keine Baugenehmigung erteilt hatte... letztlich lag es aber dann doch wohl eher an der klammen Kasse des BVB. Im Endeffekt musste der BVB das Gelände zurückgeben und die Stadt Dortmund (in Person der DSW21) sprang ein.


Der Stolz auf dem Trainingsgelände 

Während am Mittwochvormittag im Westfalenstadion der neue Rasen für die WM vorgestellt wurde (Siehe Kästchen „WM-Umbau im Westfalenstadion“), konnte man drei Stunden später auch gleich die neuen Trainingsbereiche kennen lernen. Das Gelände liegt leider nicht so verkehrsgünstig wie das alte, ist aber auch nicht allzu schwer zu finden. Über die Flughafenstraße bzw die Brackeler Straße ist es relativ schnell zu erreichen. Durch ein verwildertes Gelände hindurch kommt man dann zu dem umzäunten Gelände, wo nun die BVB-Profis trainieren werden.
 
Wer schon einmal beim Training am Rabenloh war, der wird sich erst einmal freuen: Endlich gibt es reichlich Parkplätze. Das zweigeschossige Funktionsgebäude bietet auf  insgesamt 1.700 m² alles, was das Herz begehrt: einen großen Umkleidebereich mit Entmüdungsbecken und Sauna, einen Presseraum und zahlreiche Räume für die Spieler.

WM-Umbau im Westfalenstadion

Vor der Eröffnung des Trainingsgeländes bat der BVB die Presse ins WM-Stadion, wo zurzeit der WM-Rasen verlegt wird – als erstes der zwölf WM-Stadien bekommt der Tempel einen neuen Teppich. Per Kühlwagen waren in der Nacht die schweren Rasen-Rollen, die eine Breite von rund 1,5 Meter und eine Länge von etwa 15 Metern haben, angeliefert worden. Überwacht wird das Verlegen durch das DFB-Rasenkompetenzteam. Der ersten Begutachtung von BVB-Greenkeeper Willi Droste hielt das Geläuf immerhin stand:: „Der Rasen ist der Beste, den wir je hatten.“ Trotzdem sei es ärgerlich, dass man den Rasen nun erneuern musste. Denn der aktuelle Rasen war eigentlich noch in Ordnung und musste nur auf Grund der Fifa-Anweisung ausgetauscht werden. Kostenpunkt für diese Aktion sind rund 100.000 Euro, die natürlich der Stadionbetreiber tragen muss. Aber nicht nur unten auf dem „Rasen“ wird gewerkelt, sondern auch auf dem Unterrang der Osttribüne. Dort werden die alten, grünen Sitzschalen abgebaut (und vor dem Stadion für 5 bzw. 10 Euro verkauft), um dem neuen Pressebereich Platz zu machen. Laut WM-OK-Geschäftsführer Dr. Christian Hockenjos sind die Arbeiten im Zeitplan. Der Umbau erfolgt in zwei Schritten. Für die Vor- und Zwischenrundenspiele müssen exakt 1.378 Plätze für die Journalisten auf der Tribüne geschaffen werden. Diese Zahl erhöht sich für das Halbfinale auf 2.796 Plätzen., so dass vor dem Spiel Sitzplätze abgebaut und Pressepulte eingebaut werden. Die Presseplätze werden während der WM übrigens kein Augenschmaus sein, da sie blaue Verkleidungen erhalten werden – eben nach FIFA-Wunsch. Doch Hockenjos hatte Trost parat: „Die werden wir nach der WM umlackieren.“

Alles ist angenehm schlicht gehalten, strahlt aber dennoch natürlich mehr aus als die Anlage am Rabenloh. Außen ist das Gebäude mit Holzpanelen verkleidet. Die Trainingsplätze sind zwar teils von Metallzäunen umgeben, doch diese dienen lediglich als „Ballfänger“. Tore in den Zäunen führen direkt an den Spielfeldrand, wo es sogar dreistufige Stehränge gibt. Insgesamt gibt es zurzeit vier Trainingsplätze, davon sind zwei beheizt und einer hat einen Kunstrasen. Außerdem sind alle Plätze durch die Flutlichtanlage beleuchtet.
 
Aber die Baumaßnahmen sind noch nicht beendet. Im Herbst 2006 sollen dann, wenn der DSW21-Aufsichtsrat zustimmt, weitere drei große und zwei kleine Trainingsplätze entstehen. Am Rande gab es natürlich auch kritische Stimmen von einigen Fans, weil es keine Fahrradständer gibt und die Nahverkehrsanbindung eher schlecht ist.
 
Pünktlich um 14:15 Uhr übergab der bisherige Eigentümer DSW21 in Person vons Harald Heinze das Gelände an den BVB. Der BVB war nahezu komplett angetreten mit dem Vereinsvorstand und der Geschäftsführung. Auch Trainer Bert van Marwijk, Sportmanager Zorc sowie beinahe die gesamte Mannschaft waren vor Ort, dazu diverse Altborussen und auch der Vorsitzende der Fanabteilung.
 
Harald Heinze begrüßte die Anwesenden mit der Feststellung „Schönes Wetter – Schönes Gebäude“ und zeigte sich als Bauherr und Vermieter zufrieden. In den vergangenen neun Monaten habe sich zwischen der DSW21 und dem BVB aus einer reinen Geschäftsbeziehung ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Im Anschluss stellte BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball fest, dass heute „Ein großer Tag für Borussia Dortmund“ ist. Er stellte auch fest, dass es nun ein Zuhause für die Profis, die Amateure, die Jugend- und Schülermannschaften gebe. Endlich könnten alle an einem Ort trainieren und auch von einander profitieren. Aber er zeigte nicht nur Stolz über das Gelände, sondern auch Dank, etwa an die Stadt Dortmund, die mit zwei Bürgermeistern vor Ort war. Sie habe den Verein unterstützt, als es sonst niemand wollte. Ein weiterer Dank ging an die Vereine, die dem BVB ihre Plätze zur Verfügung gestellt haben, wenn die Anlage am Rabenloh wieder einmal nicht bespielbar war.
 

 

Schlüsselübergabe  - DSW21-Chef Heinze und BVB-Geschäftsführer Watzke

Im Anschluss freute sich natürlich auch der Geschäftsführer der KGaA über das neue Gelände. Er blickte auf die Zeit vor einem Jahr zurück, als man eigentlich keine Möglichkeit hatte, dieses Vorhaben umzusetzen und somit die Lizenzerteilung gefährdete. Und als keiner beim BVB investieren wollte, da kamen die Stadtwerke. „Nicht als Sponsor, sondern als Partner.“ Und innerhalb dieser kurzen Zeit stellte man dann ein wettbewerbsfähiges Trainingsgelände auf die Beine. Er bedankte sich bei den Bauarbeitern und den Planern sowie bei Silke Seidel und Michael Zorc, die für die DSW21 und für den BVB federführend an der Planung des Geländes gearbeitet haben.
 
Nach der Schlüsselübergabe durfte dann die versammelte Presse die Räumlichkeiten im Funktionshaus begutachten und natürlich die anwesenden Spieler interviewen. So ging ein Tag zuende, der bereits vor fünf Jahren geplant wurde. Was bleibt, ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und dass sich das Gelände nicht so sehr verändert. Außer einer dicken Biene war dort nämlich keine Werbung zu entdecken. Aber vermutlich wird sich das in Zukunft ändern. Auf jeden Fall dürfen wir nun gespannt sein, nach welchen Alt-Borussen die einzelnen Plätze benannt werden. Ein entsprechender Beschluss wurde von der Mitgliederversammlung des BVB immerhin einstimmig gefasst.
 
 
 
Ein Streifzug durch das Trainingsgelände

 

Der Weg zum Trainingsgelände

 

 

 

Ein Blick auf zwei der vier Trainingsplätze (Der hintere ist der Kunstrasenplatz)

 

 

Der "Stehplatz"-Bereich

 

 

 

Spielplatz für die Schülermannschaften?

 

 

 

Mmh, was macht man mit leeren Tüten oder Flaschen?

 

Weitere Bilder findet ihr hier.



Geschrieben von CHS