Schwarz gegen Weiß oder:Liebesgrüße nach Sinsheim – Die Hauptversammlung 2009
Wie jedes Jahr findet zwei Tage nach der Mitgliederversammlung am Sonntag die Aktionärsversammlung statt. Ging es dort noch um Trikots aus Sinsheim und angebliche Abseitstore in Hamburg, so sind heute die knallharten Zahlen des Geschäftsjahrs 2008/09 das Thema. Neben den üblichen Tagesordnungspunkten gibt es mal wieder die Jux-Anträge des Herrn Wilm Müller aus Neuenburg. Weitere Punkte sind die geänderten Jahresabschlüsse aus den Geschäftsjahren 2005/06, 2006/07 und 2007/08 sowie eine Satzungsänderung, damit die Gesellschaft auch Bild- und Tonübertragung zulassen kann. Es hört sich ziemlich trocken an, und genauso wurde es auch.
Pünktlich um 11 Uhr ertönte der Gong, der die Aktionäre in die Halle locken sollte. Es folgte dann die obligatorische Begrüßung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden und Versammlungsleiter Gerd Pieper. Anwesend neben der Geschäftsführung und des Aufsichtsrates waren auch der restliche Vorstand des eingetragenen Vereins sowie der Sportmanager und Nachwuchskoordinator. Im Anschluss folgten die üblichen Regularien, vorgelesen vom Versammlungsleiter, und der Bericht des Aufsichtsrates.
Danach ging Aki Watzke zum Rednerpult und begrüßte ebenfalls die anwesenden Aktionäre. Der nächste Gruß in Form eines Dankes ging an die Mitarbeiter von Borussia Dortmund, die im vergangenen Jahr trotz schlechter Vorgaben immer extrem motiviert waren. Einen weiteren Dank bekamen die Aktionäre, die trotz schlechten Kurzverlaufs weiterhin an die Aktien festhalten und dafür sorgten, dass der Streubesitz immer größer wird. Aber bevor er weiter reden konnte, kam der Trainer und der Mannschaftsrat (wer es noch nicht wusste, es handelt sich um die Spieler Kehl, Owomoyela, Weidenfeller und Sahin). Ein spezieller Gruß ging dann auch an Patrick und Nuri, die in dieser Funktion zum ersten Mal an der Aktionärsversammlung teilnahmen.
Das abgelaufene Geschäftsjahr hatte laut BVB-Geschäftsführer Watzke Licht und Schatten. Die Ausgangslage war ein desaströser dreizehnter Platz in der Bundesliga mit dem unrühmlichen Titel der Schießbude der Liga, dagegen stand nur der Einzug ins DFB-Pokal-Finale und die damit verbundene Qualifikation zum Uefa-Cup. Um dem Trend entgegenzuwirken wurden alle Finanzmittel, ohne neue Schulden zu machen, mobilisiert. Am Ende kam dann ein neuer Trainer mit einer neuen Philosophie. Der BVB baut eine Mannschaft mit jungen (nicht nur welche aus der A-Jugend) Spieler auf. Am Ende wurden Subotic aus Mainz, Owomoyela aus Bremen, Santana aus Brasilien, Zidan aus Hamburg und der vorher nur ausgeliehene Hummels von den Bayern geholt. Außerdem holte man aus den Niederlanden Nuri Sahin zurück. Nun kam Herr Watzke zu der aktuellen Saison und stellte fest, dass wenn man das Spiel am Samstag gewonnen hätte einen Punkt vor den Bayern und Wolfsburg gewesen wäre. Man wäre jetzt dafür gefeiert worden, nun ist man einfach nur Mittelmaß. Es darf einfach nicht sein, dass über Wohl und Wehe der Saison bereits am 13. Spieltag entschieden werden kann. Vor allem hat die letzte Saison gezeigt, dass man wieder mit Freude Fußball spielt und am Ende trotz dem Negativerlebnis Gladbach eine hervorragende Saison gespielt hat.
Nun kam er zu den Schatten, die vor allem im ökonomischen Bereich lagen. Außerdem nannte er drei Gründe für den negativen Geschäftsbericht. Ein Grund war, weil der BVB zweimal versagt hatte (Udine und Gladbach). Aber wenn man die Chance hat, dann muss man auch ein Risiko eingehen. So wurde der Kader für das internationale Geschäft vorbereitet, wo man eben auch mehrfach das Pech hatte (zum einen der 41. Platz der Setzliste, zum anderen das Ausscheiden im Elfmeterschießen). Der nächste Punkt war die Wirtschaftskrise. Dort gab es für den BVB Beulen und Schrammen. Aber da hatte der BVB auch Glück, da sämtliche Sponsoren-Vertragsverlängerungen vor der Krise durchgeführt wurden (und dem entsprechend noch finanziell besser aufgestellt sind als wenn man die Verträge nach Bekanntgabe der Krise abgeschlossen hätte). Und auch die Nutzung der 50 Mio. Euro aus dem Vermarkter-Vertrag für die Entschuldung des Vereins erwies sich im Nachhinein als der richtige Weg. In der vergangenen Saison hat man gegenüber den Planungen ca. 2 Mio. Euro weniger beim Sponsoring eingenommen. Ein weiterer Knackpunkt war das Kartellamt, dass den 3 Milliarden-TV-Vertrag gekippt hat. So hätte man ungefähr ca. 5 Mio. Euro mehr zur Verfügung gehabt. Ein weiterer Grund für das Minus waren die Spielerverträge. Hatte man vor Jahren noch eine Einsatzprämie, so wurde die umgewandelt in einer Punkteprämie. So wird nicht der Einsatz belohnt, sondern eben die Leistung. Was eigentlich eine gute Idee ist, war diesmal halt kontraproduktiv. Denn die Kosten, die diese 59 erzielten Punkte bedeuten, konnten eben nicht durch Sponsor-Prämien und Zusatzgelder aus Europa finanziert werden. Erneut wies er auf den 34. Spieltag hin (allerdings muss man Aki zu Gute halten, dass er es diesmal nicht so offensiv wie bei der Mitgliederversammlung am Sonntag machte), wo man sicherlich auch auf ein zweites Tor hätte hin spielen können, aber hätte man dann das zweite Tor kassiert und in Frankfurt wäre es so geblieben, dann wäre man ebenfalls der Dumme gewesen.
Als nächstes ging er auf den Kursverlauf hin, der ja weiter Richtung 0 geht. Leider hatten die positiven Entwicklungen beim BVB keine Auswirkungen auf den Kursverlauf. Er wies auf den Aktienbesitz hin, der sich in den letzten Monaten erheblich verändert hatte. Anfangs war man von den Großaktionäre abhängig, mittlerweile liegen fast zwei Drittel der Aktien im Streubesitz. Von 2007 an wurden 28% der Aktien von Großaktionären zu Klein- und Mittelaktionären transferiert. Aktuell (Stand November 2009) heißen die vier Großaktionäre Morgan Stanley (14,44%), Bernd Geske (7,7%, seit Juli 2009 hatte er seinen Aktienpaket übrigens um 0,3% erhöht), Borussia Dortmund (7,24%) und Blue Bay Asset Management (nur noch 4,99%, seit Juli 2009 haben sie 5% ihres Aktienpaketes verkauft). Seit Juli 2009 hat sich der Streubesitz von 60,93% auf ca. 65,63% erhöht. Um zu beweisen, wie hoch die stillen Reserven sind, stellte er folgende Rechnung auf: Aktuell liegt der Buchwert der Mannschaft bei 27 Mio. Euro, aber laut einer Internetseite, die sich mit Transferwerten beschäftigt, liegt der Wert des Kaders bei fast 90 Mio. Euro.
Aber auch dem leidigen Thema Dividende ging er nicht aus dem Weg, wobei zurzeit die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Borussia Dortmund die höchste Priorität besitzt. Leider ist dieser Wettbewerb mittlerweile durch Mannschaften wie Hoffenheim und Wolfsburg viel schwieriger geworden. Das hat nichts mit Neid zu, es geht um die Verteilung. Es kann nicht sein, dass z.B. Wolfsburg mit 136 Fans durchs Land streift und vielleicht beim Pay-TV-Sender 100 Abonnenten hat, dafür aber reichlich aus dem TV-Pott abzieht, während andere Mannschaften, die halt mit Tausenden Fans durch die Lande reisen und auch Tausende von Pay-TV-Verträgen bezahlen, nur ein Bruchteil erhalten, weil man eben dadurch, dass man keinen Konzern im Rücken hat, der Geld in einen Fußballverein reinsteckt, nicht so auf dem Transfermarkt zuschlagen kann und dementsprechend halt auch nicht so erfolgreich spielen kann. Der BVB ist nicht nur für die Folkore zuständig, damit andere Vereine den Rahm abschöpfen. Es sollte halt bei der Verteilung der TV-Gelder nach den Verursacherprinzip gehen, dass der Verein, der viel für den Bereich Pay-TV unternimmt, auch mehr bekommt. Ebenfalls sollte man die Einflüsse der Investoren beobachten. Wenn man sieht, dass einige Vereine von eben solchen Investoren oder halt von der Stadt ein Stadion hingestellt bekommen und dafür ein paar Mio. Euro zahlen müssen. Dortmund hingegen muss pro Jahr 13 Mio. Euro für die Finanzierung des Stadions zahlen.
Nun ging Watzke auf die aktuelle Saison ein. Auch in diesem Jahr hat man bei den Transfers den Weg des Vorjahres genommen. Drei größere Wechsel gab es. Zum einen wurde Barrios für 4 Mio. Euro geholt, dazu Hummels endgültig verpflichtet und für die Zukunft Bender geholt. Die Entscheidung, Alex Frei abzugeben, ist dem Verein extrem schwer gefallen. Aber wenn man die Pistole auf der Brust gesetzt bekommt, entweder man hält den Spieler noch ein Jahr und danach geht er ablösefrei oder man verkauft ihn sofort, da muss halt auch mal den vernünftigen Weg einschlagen. Im Endeffekt hat man sich nicht verschlechtert. Ein weiterer Punkt ist das Fehlen von Kehl, der nicht nur als Spieler, sondern auch als Führungsperson fehlt. Aber man hat sich wieder stabilisiert. Auch ein Blick auf die letzten sechs Spiele zeigt, dass man keines der Spiele verloren hat (drei Siege, drei Unentschieden). Immerhin hat man da auch gegen die ersten beiden Mannschaften der Liga gespielt. Aktuell hat man drei Punkte weniger als im Vorjahr, also muss man nicht in Sack und Asche laufen. Bis Weihnachten hat man noch alle Chancen. Gewinnt man alle Heimspiele und ein Auswärtsspiel, ist man auch wieder im Rennen. Sicherlich gibt es viele Mannschaften, die stärker besetzt sind, aber laut Aki Watzke hat keine andere Mannschaft so einen guten Charakter wie der BVB. Zum Ausscheiden im Pokal sagte er, man hätte in Osnabrück gewinnen müssen. Aber man ist dort nicht wegen Schlamperei ausgeschieden, sondern weil die Mannschaft eben spielerisch versagt hat.
Zum Abschluss seiner Rede ging er auf den Zustand von Borussia Dortmund ein. Nach vier Jahren Aki Watzke kann der BVB seine Forderungen und Verpflichtungen erfüllen. In Dortmund herrschen wieder vernünftige Planungen. Auch die Außendarstellung hat sich gewandelt. Borussia tritt geschlossen auf, was für Vertrauen sorgt. Aber auch die Marke Borussia Dortmund wurde weiterentwickelt, und diese strahlt jetzt endlich. In Dortmund wird nun der ökonomische Weg genutzt, denn Kamikaze-Aktion zu machen, nur um nachher eine Gläubigerversammlung einzuberufen, wird es hier nicht mehr geben. Dortmund setzt auf Geduld und auf sein Jugendkonzept. Wenn man bedenkt, dass vor fünf Jahren alle BVB-Mannschaften auf einem Platz trainierten, muss man lobend erwähnen, dass der BVB das Trainingsgelände in einer harten Zeit aus dem Boden gestampft hat. Und dieses wird in nächster Zeit noch erweitert um die Jugend-Akademie. Sicherlich könnte man den Vertrag mit dem Stadion-Sponsor jetzt schon zu Geld machen, aber wer damals in die Gesichter der Fans in Düsseldorf gesehen hat, weiß, dass dies der falsche Weg ist. Das hat unsere Vergangenheit gezeigt. Wir wollen keine neuen Schulden machen, sondern weiter unsere Philosophie folgen. Wir kommen aus eigener Kraft wieder nach oben, auch wenn es ein steiniger Weg ist.
Im Anschluss ging Thomas Treß ans Podium und bedankte sich bei Präsident Rauball, Schatzmeister Lunow und Mit-Geschäftsführer Watzke sowie beim Aufsichtsrat und dem Beirat für die Zusammenarbeit. Da viele den Raum bereits verlassen hatten, kapitulierte er vor der Erbsensuppe und sagte, sein Vortrag werde ca. 20 Minuten dauern. Ob die Zeit für die Suppe reicht? Als erstes erklärte er, warum man für die Jahre 2006 bis 2008 geänderte Jahresberichte beschließen muss. Hintergrund war ein Einwand der Deutschen Prüfstelle für Rechungslegung (DPR). "Was das Stadion und die Spielerwerte betrifft, gab es keinerlei Beanstandungen", erläuterte Treß. Vielmehr ging es um den im Jahr 2003 geschlossenen Ausrüstervertrag (Laufzeit 2004 bis 2009), wo Abschluss- und Abfindungsgebühren in Höhe von insgesamt rund 28 Millionen Euro durch die frühere Geschäftsführung bereits für das Geschäftsjahr 2002/2003 vollumfänglich vereinnahmt worden seien. "In enger Abstimmung mit Beirat und Aufsichtsrat haben wir uns dazu entschlossen", so Treß, "die Jahresabschlüsse entsprechend zu ändern." Sicherlich hätte man es auch auf einen jahrelangen Rechtsstreit ankommen lassen können, aber das hätte auch eine jahrelange Unsicherheit bedeutet.
Als nächstes stellte er die Bilanz für das Geschäftsjahr 2008/09 vor. Bei den Bilanzaktiva fällt der Anstieg der Immateriellen Vermögenswerte und Sachanlagen um 3,8 Mio. Euro auf 50,2 Mio Euro auf. Dieser Anstieg resultiert aus Gesamtinvestitionen von 19,4 Mio. Euro, Abschreibungen in Höhe von 10,5 Mio. Euro und Buchwertabgänge in Höhe von 5,1 Mio. Euro. Die Investitionen betreffen mit 17,8 Mio. Euro den Spielerkader (Hajnal, Santana, Subotic, Owomoyela, Bender, Lee, Zidan und Rangelov). Die Investitionen in Sachanlagen (Infrastruktur im Stadion) umfasst 1,6 Mio. Euro. Der Rückgang von Forderungen und sonstiger Vermögensgegenstände um rund 9 Mio. Euro betrifft im Wesentlichen eine Umsatzsteuerforderung aus dem im Juni 2008 abgeschlossenen neuen Vermarktungsvertrag, die im August des abgelaufenen Geschäftsjahres beglichen wurde. Der Rückgang der aktiven Rechnungsabgrenzungsposten betrifft die langsame Auflösung der transitorischen Aufwendungen im Zusammenhang von Transfer und Vertragsverlängerungen. Auf der Passivseite sieht man die Verringerung des Eigenkapitals um 2,9 Mio. Euro. Diese Summe ist der Jahresfehlbetrag. Bei den Verbindlichkeiten gibt es einen Anstieg gegenüber Kreditinstituten von insgesamt 4,13 Mio. Euro. Dies resultiert aus einem Saldo von planmäßigen Tilgungen von 2 Mio. Euro und einen stichttagsbezogenen Anspruchnahme laufender Kreditlinien von 6,1 Mio. Der Rückgang der sonstigen Verbindlichkeiten resultiert aus einer Umsatzsteuerverpflichtung von 9,5 Mio. und betrifft eben auch den Vermarkungsvertrag.
Als nächstes ging er auf die Umsatzerlöse ein. Das Ticketing ging um 300.000 Euro zurück und auch das Sponsoring hat einen leichten Rückgang von 1,3 Mio. Euro. Bei der TV-Vermarktung war trotz des sportlichen Erfolges rückläufig (-3,6 Mio. Euro). Ein Plus von 5,8 Mio. Euro gab es bei den Transfererlösen (Petric, Amedick, Kruska, Klimowicz und Rukavina). Insgesamt sind die Umsatzerlös der KGaA um 2,6 Mio. Euro auf 108 Mio. Euro gestiegen. Einen Anstieg von 42,49 Mio. Euro auf 46,85 Mio. Euro gab es bei den Personalaufwendungen. Sie betreffen im Wesentlichen die höheren Personalaufwendungen im Lizenzbereich. Auch die Abschreibungen stiegen von 8,64 Mio. Euro auf 10,57 Mio. Euro. Auch hier sind die Investitionen in Spielerwerte verantwortlich. Im Ergebnis steht dann zwar nicht schönes, aber noch akzeptables Minus von 2,9 Mio. Euro. Nun ging er auf den Cashflow ein. Der Cashflow aus laufenden Geschäftstätigkeiten ging von 54,254 Mio. Euro auf minus 0,436 Mio. Euro zurück. Diese Zahl hört sich zwar dramatisch an, aber es umfasst im Vorjahr die 50 Mio. Euro vom Vermarktungsvertrag. Auch der Cashflow aus Investitionstätigkeiten ist mit 10,622 Mio. Euro negativ und umfasst die Verstärkungen im Lizenzkader. Der Cashflow Gesamt ist ebenfalls negativ (- 13,468 Mio. Euro). Während die KGaA einen Fehlbetrag von 2,9 Mio. Euro hat, hat der Konzern einen Fehlbetrag von 5,9 Mio. Euro.
Anscheinend war Thomas Treß so schnell mit seinem Bericht fertig, dass Versammlungsleiter Gerd Pieper auf die Bühne rennen musste. Er teilte dann mit, dass der Mannschaftsrat und sein Trainer nun zur Arbeit müssten. Weil nicht alle in der Halle die Personen gesehen haben, dürfen sie auf die Bühne kommen, wo sie mit tosendem Applaus verabschiedet werden. Gerd Pieper verkündete um 12:45 Uhr, dass 29,81% des Grundkapitals anwesend sind und eröffnete die Generaldebatte zu allen Themen.
Wie jedes Jahr durften die beiden Schutzverbände die Aussprache beginnen. Für die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger betritt Rechtsanwalt Stefan ten Doornkaat das Rednerpult. Als erstes bemerkte er einen Druckfehler in der Bilanz (kleiner Tipp, auf Seite 111 ist dieser zu finden) und begrüßte zum einen den Wechsel des Abschlussprüfers und die geänderten Geschäftsberichte. So habe man endlich die alten Sachen weggeräumt. Als nächstes widersprach er Aki Watzke. Der BVB hat höchstens ein paar Dellen und keine Beulen und Schrammen. Anderen Bundesligavereine geht es da wohl nicht ganz so gut. Neben ein paar Fragen zur Bilanz mokiert er sich über die Vergleichswerte von der Transfermarkt-Seite, denn die wird bestimmt nicht die 90 Mio. Euro für den Kader bezahlen. Abgesehen davon will er die Politik im Aufsichtsrat überprüfen und fragt, ob man keine Ausschüsse hat und ob es eine Effizienzprüfung gab.
Der nächste Redner heißt Carsten Heise und kommt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V.. Er findet es zwar schön, dass sich die Dinge beim BVB beruhigt haben, aber leider ist die sportliche Entwicklung noch nicht zufriedenstellend. Dort gibt es Defizite, da man mal wieder die Big Points nicht gemacht hat. Bezüglich der geänderten Jahresabschlüsse schloss er sich seinen Vorredner an. Neben den üblichen Fragen zur Bilanz fragte er, wann der BVB eine Siegesserie startet.
Dritter Redner war Prof. Dr. Burghard Götz aus Nürnberg. Erst einmal freute er sich über die Anwesenheit von Christian Kullmann, der in den Vorjahren meist gefehlt hatte. Er nahm Bezug auf die geänderten Geschäftsberichte und fragte da nach dem Schaden. Weiterhin gab es dann Fragen zur Bilanz und wie der BVB nachhaltige, finanzielle Erfolge erreichen kann, z.B. auch ohne den Europapokal.
Aus Münster kam dann der vierte Redner. Reinhold Schmelter stellte fest, dass er sich die teure Kravatte mit Sicherheit nicht von seinen Aktien leisten konnte. Außerdem stellte er den Antrag, als Vertreter der Aktionäre in den Aufsichtsrat aufgenommen zu werden. Von der Gesellschaft wurde er darüber informiert, dass es erst im nächsten Jahr Wahlen zum Aufsichtsrat gibt. Nun wurde es leicht absurd, denn er las ein selbst entworfenes Gedicht vor und sang sein Lied zum BVB.
Ernster ging es dann beim fünften Redner weiter. Herr Teller aus Verl hatte Fragen zu den Kennzahlen. Außerdem wollte er wissen, ob Sponsoren zurückgetreten sind. Aus Gifhorn kam dann der sechste Vertreter, Dr. Kaiser. Da Gifhorn in der Nähe von Wolfsburg liegt, bedankte er sich für die Entwicklungshilfe in seiner Gegend, damit die Deutsche Meisterschaft mal in die Provinz kommt. Er regte an, dass man die beiden Reden der Geschäftsführer auch in schriftlicher Form veröffentlichen sollte. Auch sollte man sich dafür einsetzen, dass die neuen Bundesländer in der Bundesliga Fuß fassen können. Desweiteren schlug er regelmäßige Testspiele mit unserem Städtepartner aus Zwickau vor. Auch sollte der Geschäftsbericht mehr Informationen zur Amateur- und Jugendarbeit beinhalten. Er kritisierte dann die Äußerungen des BVB zu Schiedsrichterleistungen und schlug vor, weitere Infos für Aktionäre zu veröffentlichen.
Pragmatisch wurde Redner Nummer sieben aus Lünen (nein, ich war es nicht). Herr Hänsel gab zu verstehen, dass man als Kapitalgesellschaft immer noch die Aufgabe hat, Kapital zu erwirtschaften. Außerdem sollte der Eintrittskarte auch ein Kombiticket beiliegen, so dass man kostenlos mit der Bahn an- und abreisen kann. Außerdem vermisst er, auch im Hinblick der 100-Jahr-Feier, kleine Geschenke der KGaA (sogenannte Giveaways). Redner acht kam aus Bochum und hieß Gottfried Küstner. Er wies darauf hin, dass die BVB-Aktie ein Pennystock ist und hatte dann noch Fragen zur Bilanz und dem Abstimmungsbogen. Redner 09 ging wieder in die lustige Abteilung. Herr Hackfried Pomplun fand einen Spendenaufruf sinnvoller als Aktien, da man Spendenbescheinigungen wenigstens absetzen kann. Auch kritisierte er, dass es erneut keine Dividende gibt und dass die Schulden höher sind als das Eigenkapital der KGaA. Außerdem hatte er Fragen zu den Kosten der Spieler.
Nun wurde es wieder sehr spassig, denn Wilm Müller aus Neuenburg trat ans Rednerpult. Aber der zehnte Redner lass nur seine Gegenanträge durch. Richtig ruhrgebietisch wurde dann der elfte Redner. Mit einem herzlichen Glückauf begrüßte Wilfried Lache aus Dortmund die anwesenden Aktionäre und lobte die Arbeit von Dr. Rauball für die Stadt Dortmund. Denn Dortmund wird nicht mehr durch die Montanindustrie oder der Brauerei bekannt gemacht, sondern alleine von der Borussia. Dann kritisierte er Sportmanager Zorc für seine Äußerungen im Stadtanzeiger („Fans haben das Recht zu pfeifen, aber man sollte nicht einzelne Spieler raussuchen“). Er erwähnte die Auszeichnung des Dortmunder Stadions in der Times und bezeichnete die Dortmunder Fans als die Fairsten. Als Beispiel nannte er das Spiel gegen La Valetta, wo die Dortmunder Spieler überheblich spielten und die Dortmunder Fans die Amateure aus Malta dann angefeuert und gefeiert haben. Nur einmal lagen die Fans daneben, als man Heiko Herrlich ausgepfiffen hat. Wie sich herausstellte, hatte er zu diesem Zeitpunkt eine lebensbedrohende Erkrankung. Als letzter Redner kam dann Heinz Zukunft aus Viersen. Er hatte noch Fragen zur Jugend-Akademie, zu den Kosten dieser Einrichtung. Dann hatte er Fragen bezüglich Regressansprüche gegenüber den Wirtschaftsprüfer und schlug vor, einfach Aktien zu kaufen, dann steigt auch der Kurs.
Nun waren alle Wortmeldungen abgearbeitet und Herr Pieper antwortete für den Aufsichtsrat. Sicherlich sei ein Ausschuss möglich, aber die Arbeit kann immer noch vom gesamten Aufsichtsrat erledigt werden. Auch gab es eine Effizienzprüfung, bei der es keine Beanstandung gab. Auch die Vergütung, die immerhin vom Präsidialrat beschlossen wurde, ist angemessen für die Tätigkeit. Außerdem nahm er die aktuelle Geschäftsführung in Schutz. Bezüglich des Ausrüstervertrags wurde im Jahr 2005 ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, und man meinte, dass dieses Verfahren angemessen ist. Dass die Deutsche Rechnungsprüfstellung das anders sieht, muss man hinnehmen.
Nun beantwortete Geschäftsführer Aki Watzke die gestellten Fragen. Die Reden wurden ja im Internet ausgestrahlt, so dass es sicherlich eine DVD davon gemacht werden könnte. Die Unterstützung des Ostfußball finde er richtig, allerdings gibt es da halt auch Sicherheitsbedenken, die man beachten muss. Bezüglich des Jugendfußballs und der Akademie werde man ca. 3 Mio. Euro investieren. Dazu erklärte er noch einmal das Konzept: Wenn ein A-Jugendlicher in die Amateurmannschaft kommt, dann hat er am Nachmittag Training und hast ansonsten keine Beschäftigung. Dies will man mit der Akademie ändern, so dass diese Jungprofis den ganzen Tag beschäftigt sind. Neben vermehrtem Training gibt es dann noch andere Dinge wie Medien- und Personalschulung. Dieses von Klopp und Zorc entwickeltes Konzept ist zurzeit einmalig in der ersten Bundesliga. Zu der Schiedsrichterkritik stimmte er grundsätzlich zu, allerdings muss es auch erlaubt sein, Kritik im vernünftigen Ton zu äußern. Die Wirtschaftskrise äußert sich beim BVB bislang so, dass man Rückgänge im Sponsoring hinnehmen musste (von 100% auf 96% Auslastung). Allerdings ist zurzeit die Zuschauerauslastung so hoch wie noch nie. Mit dem Zuschauerschnitt von 76.000 müsste man vor Manchester United auf Platz eins liegen. Dividenden sind im Fußball schwieriger zu planen als in der freien Wirtschaft, da man Transfers nicht planen kann. Durch Verletzung oder Formkrise kann ein sicherer Transfer ganz schnell hinfällig werden.
Nun folgte ein flammendes Rede über die Vorteile des Pay-TV-Senders, und er wiederholte, das man weiter an der Zentralvermarktung (sowohl im In- als auch im Ausland) festhalten werde, auch wenn die Einzelvermarktung dem BVB mehr geben würde. Der aktuelle Liquiditätsstatus ist relativ eng, aber weiterhin planbar. Für einen Bundesligisten ist dieser sogar komfortabel. Außerdem erklärte er, selbst wenn der Erfolg fehlte, bestehe dann immer noch keine Insolvenzgefahr. Vor einer Auszahlung einer Dividende stehen weiterhin der Erhalt und die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Kritik an der Kapitalerhöhung wies er zurück, da dies nicht zum Stopfen von Löchern im Etat oder zu Spielerverpflichtungen genutzt wurde, sondern komplett in die Schuldentilgung ging. Bei den Sponsorenverträgen konnte Watzke nur von einem insolventen Sponsor reden, die Ausfälle sind aber im niedrigen Bereich. Dortmunds Glück war, dass die Verträge alle vor der Wirtschaftskrise abgeschlossen wurden. Die Einführung eines Liga-Spielballs hat für den BVB keine Auswirkungen. Leider fehle Borussia Dortmund die kommunale Unterstützung, die andere Bundesligisten haben. Er nannte da als Beispiel die großen Städte, die entweder direkt den Verein unterstützen oder eben durch die Ballung von Sponsoren Vorteile haben. Auf die Frage bezüglich eines Länderspiels bzw. ein europäisches Finale sagte Watzke, dass man wahrscheinlich im nächsten Jahr wieder ein Länderspiel bekommt. Auch um ein Finale habe man sich beworben, allerdings habe man auch hier strukturelle Nachteile, da internationale Metropolen dort bessere Karten haben.
Nun gab er ab an Thomas Treß, der weitere Zahlen verkündete. Die Karstadt-Insolvenz kostete dem BVB die Summe von 20.000 Euro, Bezüglich des Schadens, die durch die Änderung der Geschäftsberichte geschehen ist, nannte er die Kosten von 128.000 Euro. Die in den Medien genannte Summe beinhaltet halt die Steuerforderung in Höhe von rund einer Million Euro. Der neue Prüfer ist tatsächlich günstiger als sein Vorgänger (199.000 Euro). Sicherlich kann man durch leichte Verschuldungen ein gewissen Risiko eingehen, aber man würde kein Harakiri machen. Die Erhöhung der Personalkosten ist durch die Aufstockung des Personals und halt durch eine Gehaltserhöhung von rund 2% entstanden. Abschließend teilte er mit, dass sämtliche Tochterfirmen der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA im Geschäftsbericht abgebildet wurden.
Da es keine weiteren Wortmeldungen gab, ging Versammlungsleiter Gerd Pieper direkt in die Abstimmung. Auch hier erklärte er den noch anwesenden Aktionären, wie diese funktioniere. Da es sich um das Subtraktionsverfahren handelte, ging die Abstimmung zügig voran, so dass ca. 15 Minuten später das Ergebnis verkündet werden konnte. Vom Stammkapital waren noch 28,68% anwesend. Alle Punkte der Tagesordnung konnten jeweils über 99% Zustimmung für sich verbuchen. Da es auch nach der Abstimmung keine Wortmeldungen gab (Es war nun eigentlich nur noch eine Handvoll Aktionäre anwesend, der Rest war gegangen oder bei der Erbsensuppe), beendete der Versammlungsleiter um 16:30 Uhr diese langwierige und teilweise langweilige Versammlung.
CHS, 27.11.09
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