Amateure unterliegen Sandhausen nach verkorkster Halbzeit mit 3:2

Fassungslosigkeit nach AbpfiffTrainer Theo Schneider, fasste das Spiel gegen Sandhausen zu Beginn der Pressekonferenz mit etwas Galgenhumor zusammen: „Wir haben unsere Serie gehalten. Wenn wir verlieren, dann verlieren wir mit nur einem Tor Unterschied“. Aber im Gegensatz zu den bisherigen knapp verlorenen Spielen, war es trotz der Differenz von wieder nur einem Tor, eines der klareren Sorte.  Denn nach einer halben Stunde sah es schon fast nach einem Debakel aus. Die Amateure lagen bereits mit 3:0 gegen den SV Sandhausen zurück und schienen keine Mittel zu finden, um die Abwehr der Sandhausener zu knacken.

Die knapp 250 mitgereisten Fans aus Dortmund nutzten die Gelegenheit, dass die Profis erst am nächsten Tag gegen den VfL Bochum ran mussten, zu einer WET-Tour um unsere Amateure stimmgewaltig anzufeuern. Insgesamt verfolgten ca. 2100 Besucher im Hardtwaldstadion des SV Sandhausen das Spiel. Das Wetter in Sandhausen hatte zu Beginn wenig zu bieten, immer wieder setzte der Regen bei frischen 10 Grad und leichtem Wind ein. Die Anhänger von Borussia Dortmund störte dies wenig. Sie verwandelten die überdachten Gästesitzplätze von Beginn an in einen stehenden Hexenkessel, ohne stimmliche Gegenwehr von Seiten der Fans des SV Sandhausen.

Erste Halbzeit

Kessel 1 von 3 ist zurück im StadionTheo Schneider änderte die Startaufstellung nach dem Unentschieden gegen Wehen-Wiesbaden auf drei Positionen. Christian Eggert musste auf der Bank Platz nehmen, während Öztekin und Le Tallec nicht im Aufgebot in Sandhausen dabei waren. Ötzekin musste seine Sperre wegen der gelb-roten Karte in Wiesbaden absitzen und Le Tallec wurde in die Mannschaft der Profis gegen Bochum berufen. So durften der frisch von der U20 WM zurückgekehrte David Vrzogic mit Christopher Kullmann und Daniel Ginczek von Beginn an auflaufen, während die restlichen Positionen unverändert blieben.

Es waren noch keine 10 Sekunden in der ersten Halbzeit gespielt, da gab es auch schon das erste Foul an Sebastian Tyrala. Drei Minuten später sah Denis Bindnagel vom SV Sandhausen bereits die erste gelbe Karte, nach einem zu harten einsteigen an Vrzogic. Die Partie entwickelte sich mühselig, ehe das erste Ausrufezeichen von Dortmund kam. In der 7. Spielminute rutscht Christopher Kullmann im 5-Meterraum in den Ball hinein und setzt diesen direkt an den linken Pfosten von Torhüter Michael Gurski. Das hätte das 1:0 für die Dortmunder sein können und es sollte die vorerst beste Chance der Amateure für lange Zeit gewesen sein.

Daniel Ginczek bleibt weiter torlosSandhausen übte nach dem Weckruf der Dortmunder wesentlich mehr Druck aus. Es entwickelten sich einige Unachtsamkeiten in der Abwehr des BVB, insbesondere auf den Außenflügeln. So dauerte es auch nicht lange bis diese bestraft wurden.  Regis Dorn erzielte in der 10. Spielminute völlig unbedrängt nach einer Flanke per Kopf bereits seinen 9. Saisontreffer zum 1:0. Beflügelt vom Tor spielte Sandhausen danach völlig befreit auf und keine 5 Minuten später, zappelte der Ball erneut im Tor von Dortmund. Nach ausgeführtem Freistoß durch den Kapitän Roberto Pinto landet der lange Ball passgenau wieder auf einem Kopf eines Sandhauseners. Diesmal ist es der von Sreto Ristic, welcher ohne viel Mühe das 2:0 einnicken darf. Erneut also ein Kopfballtreffer und die gesamte Abwehr wird durch einen einzigen Stürmer im Strafraum übertrumpft. Dortmund danach von dem schnellen Doppelschlag unter Schockstarre. Diese nutzte Sandhausen aus und erhöhte das Tempo ein weiteres Mal. In der 30 Minute ist es dann erneut Regis Dorn, welcher nach einer kurzen Kombination über vier Stationen im Mittelfeld, das 3:0 erzielt.

Das Thema Auswärtssieg oder zumindest ein Unentschieden schien für Dortmund gegessen zu sein und Sandhausen legte den Schongang ein. Der BVB hingegen ohne Zug zum Tor und ohne den notwendigen Biss. Das Spiel dümpelte in der Folge vor sich hin, ehe Sandhausen in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch eine kleine Slapstickeinlage zum Besten gab. Abwehrspieler Schuon war sich mit Torwart Gurski nicht ganz einig, wer denn nun den Ball am Rande des Strafraums klären soll, so dass beide Spieler zum Ball gingen. In der Folge knallt der Ball nach einem Pressschlag zwischen beiden Spielern in Richtung des eigenen Tores, bevor Schuon selbst noch knapp vor der Torlinie klären kann. Somit blieb es bei der verdienten 3:0 Führung der Hausherren zur Halbzeitpause.

Zweite Halbzeit

Ex-Borusse Nico Hillenbrand gegen HasanbegovicTheo Schneider war zur Halbzeit sichtlich enttäuscht von seiner Mannschaft.  Michael Oscislawski kam für David Vrzogic und Fabian Götze für Julian Koch. Beide Akteure konnten nach längerer Abwesenheit in der ersten Hälfte nicht wirklich überzeugen. Eine längere Abwesenheit in der Mannschaft darf aber keine Entschuldigung für eine schlechte Leistung sein, begründete Trainer Theo Schneider den Wechsel später in der Pressekonferenz. Die zweite Halbzeit begann trotz der Wechsel so wie die Erste aufgehört hatte. Sandhausen war sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis und Dortmund weiterhin ohne kreative Ideen. In der 54. Minute wechselte dann auch Sandhausen. Für den mit Gelb vorbelastetem Bindnagel, wurde Sebastian Fischer eingewechselt. Die Zeichen auf Seiten des SV Sandhausen, standen also ganz auf Ergebnisverwaltung.

Es dauerte bis zur 68. Spielminute, bis es die nächste sehenswerte Szene gab. Und diesmal kam sie von der Dortmunder Seite, welche seit dem Pfostentreffer von Kullmann in der 7. Spielminute darauf warten musste. Sebastian Hille zieht das Leder am Rand des Strafraums ab, aber der Ball streicht knapp über das Tor. Der letzte Wechsel von Dortmund folgte direkt im Anschluss. Mehmet Boztepe kam für Marcus Piossek. In der 72. Spielminute dann eine Schrecksekunde für alle schwarz-gelben Anhänger. Höttecke steht plötzlich ganz alleine vor den zwei Sandhausenern Stürmen Minzel und Dorn. Minzel versucht Höttecke zum umkurven, aber Höttecke macht im richtigen Augenblick den Winkel zu und klärt zur Ecke. Dies hätte das 4:0 für Sandhausen sein können, aber zum Glück agierte Minzel zu eigensinnig, sodass es beim 3:0 blieb. Es folgte die Auswechslung des Torschützen zum 2:0 Sreto Ristic, er wurde für Julian Lüttmann ausgewechselt.

Boztepe traf zum 3:2Dortmund danach mit wesentlich mehr Zug und Entschlossenheit zum Tor. Auf einmal spielte der BVB viel aggressiver und übte mehr Druck aus. In der 77. Spielminute war es dann soweit. Sebastian Hille erzielt nach einem Chaos in der Sandhausener Hintermannschaft das 1:3. Der Torschütze versucht sich direkt den Ball aus dem Tor zu schnappen um Zeit zu sparen, wird aber von Abwehrspieler Patrick Kirsch daran gehindert. In der Folge gab es eine kleine Rangelei zwischen den beiden Kontrahenten und Hille sieht zusammen mit Kirsch die gelbe Karte. Eine Ermahnung für beide Spieler hätte es wahrscheinlich aber auch getan. Der BVB hatte nach dem Tor Blut geleckt und verstärkte den Druck nach Vorne um den Anschlusstreffer zu erzielen. Dies gelang dem BVB kurz vor Schluss in der 87. Minute durch den eingewechselten Boztepe.  Er donnerte den Ball von der Strafraumgrenze im hohen Bogen in die rechte Torwartecke zum 3:2. Torwart Michael Gurski war dabei ohne jede Chance. In den verbleibenden Schlussminuten warf Dortmund alles nach Vorne. Trainer Theo Schneider hätte sicherlich nichts dagegen gehabt, noch einen Punkt aus Sandhausen nach Dortmund zu entführen. Doch die letzten formverbesserten 20 Minuten konnten die verkorkste erste Halbzeit nicht mehr wett machen.  Es blieb beim spielerisch verdienten 3:2 für Sandhausen.

Polizei muss Fans vor Ordnern schützen

Nach dem Schlusspfiff gab es noch sehr hässliche Szenen beim Verlassen des Dortmunder Fanblocks. Der eingesetzte Ordnungsdienst Securitas in Sandhausen spielte dabei den Hauptakteur. Scheinbar aus Direkt nach Abpfiff zeigte Theo Schneider Fehler aufErmangelung an Einsatzgelegenheit durch die spärlichen vorhandenen Heimfans, bemühten sich einige Ordner nach Kräften, die Gästefans zu provozieren. So kam es wie es schließlich kommen musste und die Ordner fanden einen Anlass Rabiat zu werden. Dabei wurde einigen Fans mit übergezogenen Quarzsandhandschuhen ins Gesicht geschlagen. Schließlich griffen die szenekundigen Beamten aus Dortmund ein, um die Fans vor weiteren Übergriffen zu schützen. Quarzsandhandschuhe sind am Handrücken und im Bereich der Knöchel mit Protektoren aus feinem Quarzsand ausgestattet. Der Einsatz dieser Handschuhe ist höchst umstritten und bei den Bereitschaftspolizeien längst verboten. Es sind bereits erste Gerichtsurteile bekannt, in denen der Einsatz dieser Handschuhe als schwere Körperverletzung geahndet wurde. Ein Fan, der die unangenehme Bekanntschaft mit einem dieser Quarzsandhandschuhe gemacht hatte, musste bis spät in die Nacht in einem Heidelberger Krankenhaus behandelt werden. In Anbetracht des Ärgers um den Einsatz von Quarzhandschuhen bei den Bereitschaftspolizeien und der Information, dass der dafür verantwortliche Ordner schon ein bekannter Straftäter ist, fragt man sich, wer hier für Ordnung und Sicherheit sorgen soll. Zumal die BVB Fans weder auf der Hin- oder Rückfahrt negativ aufgefallen sind.

Fakten zum Spiel

BVB II: Höttecke, Vrzogic (46. Oscilawski), Hasanbegovic, Ginczek, Piossek (69. Boztepe), Tyrala, Hünemeier, Kullmann, Sobiech, Hille, Koch (46. Götze)

Amassupport at its bestErsatzbank: Focher, Großkreutz, Eggert, Alecsandrow

Sandhausen: Gurski, Schuon, Pinto (88. Eberlein), Schauerte, Fiesser, Kirsch, Dorn, Ristic (75. Lüttmann), Mintzel, Bindnagel (54. Fischer), Hillenbrand

Ersatzbank: Hoffmeister, Tausendpfund, Hosiner, Pokar

Tore: 1:0 Dorn (10.), 2:0 Ristic (15.), 3:0 Dorn (31.), 3:1 Hille (77.), 3:2 Boztepe (87.)

Karten: Hille, Ginczek, Bindnagel, Kirsch,

Zuschauer: 2100

Schiedsrichter: Peter Sippel