Fanabteilung steigt bis auf weiteres aus den Sicherheitsbesprechungen zum Derby aus
Wie Götz Vollmann in einem Interview mit der „Reviersport“ am 06.10.2009 erklärte, wird sich die FA vorerst aus den Sicherheitsbesprechungen im Vorfeld des Derbys zurück ziehen. Als Grund dafür nannte er nicht eingehaltene Absprachen von Seiten der Gelsenkirchener, mangelnde Verlässlichkeit und scheinbares Desinteresse an einer wirklich sinnvollen Zusammenarbeit.
Was auf den ersten Blick wie ein, staatsmännisch gesprochen, Abbruch der diplomatischen Beziehungen aussieht, ist in der Konsequenz nichts weiter als ein folgerichtiger und absolut unterstützenswerter Schritt in die richtige Richtung. Auch die Art und Weise der Veröffentlichung über das regionale Sportmagazin ist begrüßenswert. Es wurde Zeit, den Finger in die Wunde zu legen und nicht haltbare Zustände öffentlich zu machen. Absprachen und gemeinsame Vorgehensweisen sind, wenn sie in der Folge nicht eingehalten werden, im besten Falle pure Zeitverschwendung für alle Beteiligten, im schlimmsten Fall haben sie für die Besucher rund ums Derby herum schmerzhafte Konsequenzen.
Besonders das Verhalten des blau-weißen Vereins beim Thema Derbymarsch scheint sauer aufgestoßen zu sein. Im Vorfeld gab es klare Absprachen mit der Polizei, die anreisenden Gästefans direkt mit einem Sonderzug zur Haltestelle am Stadion zu befördern. Als im Umfeld des Spiels in Bochum Aufrufe zu einem Marsch vom Bahnhof zur Spielstätte auftauchten, tat man dort von offizieller Seite – Nichts. Man fühlte sich nicht einmal genötigt, das Sicherheitskonzept der Polizei mit einem simplen Aufruf auf der Vereinshomepage zu unterstützen. Statt dessen wurde eine halbgare Erklärung abgegeben, man habe sich nur um die Sicherheit der Gästefans beim Fußweg entlang der Eingänge zur Südtribüne Sorgen gemacht.
Desweiteren machte Götz deutlich, dass die Lage viel Ernster ist, als in der öffentlichen Wahrnehmung vielleicht angekommen. Er ging nicht nur auf die Überfälle auf Dortmunder Fans in den Zügen auf der Hinfahrt (die nach Abpfiff präsentierten Shirts) ein, er erwähnte ebenfalls „Dossiers über die Fans der Gegenseite“ und Hausbesuche der unfreundlichen Art. Spätestens bei solchen Ereignissen sollte jedem klar werden, dass da gerade etwas gewaltig aus dem Ruder läuft und gemeinsames Gegensteuern wichtig ist. Dass aber zum Beispiel zum Thema der präsentierten Shirts im Nachgang auch keine wie auch immer geartete Positionierung der Blauen erfolgte, spricht mit Sicherheit auch für sich.
Warum man auf der anderen Seite das Thema Sicherheit nicht nur schleifen lässt, sondern gar ad absurdum führt, wird ihr Geheimnis bleiben. Aufschluss gibt vielleicht ein öffentlicher Brief, der von UGE, Fanprojekt, Supporters Club, Fan-Club-Verband und Fan-Initiative gemeinsam unterzeichnet und ebenfalls am 06.10. veröffentlicht wurde. Wer mag, darf gerne danach googlen. Der Eindruck könnte entstehen, dass man in der augenscheinlichen Finanzkrise die Reihen fest geschlossen halten will und zur Vermeidung kritischer Stimmen von Fanseite im Gegenzug kritiklos jede Aktion des Anhangs durchwinkt. Auch wenn man dafür die Sicherheitskonzepte und -absprachen opfern muss.
Dabei ist eine aufrichtige Beteiligung von allen Seiten nicht nur notwendig, sondern auch zielführend. Beispielsweise sei hier der zusätzliche Einsatz von Ordnern der FA während des Derbies in den der Südtribüne angrenzenden Ecken genannt. Zum ersten Mal konnte das Verbot von gegnerischer Fankleidung in diesen Bereichen nahezu komplett umgesetzt werden, was eine deutlich entspanntere (wenn man das Geschehen auf dem Rasen mal ausklammert) Atmosphäre zur Folge hatte.
Insofern bleibt zu hoffen, dass die Fanabteilung mit diesem Schritt den notwendigen Druck auf alle Verantwortlichen aufgebaut hat, um aus den Sicherheitsbesprechungen zukünftig wieder mehr als nur eine Farceveranstaltung zu machen. Öffentliche Aufrufe zu einem fairen und friedlichen Umgang miteinander mögen vielleicht im Kern löblich sein, in der Folge verpuffen sie aber wirkungslos. Man muss sich nicht mögen, aber zum Wohle aller Zuschauer muss das Ziel eine tatkräftige und geschlossene Zusammenarbeit in puncto Sicherheit sein. Andernfalls kann man sich derartige Zusammenkünfte schenken. Die Fanabteilung hat dies richtigerweise erkannt und publik gemacht. Großes Lob.
Sascha, 07.10.2009
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