Netter Abend mit älteren Herren – Der 2. BVB-Traditionsabend
Um 20 Uhr trafen sich rund 150 Fans zum zweiten Traditionsabend des BVB im Borusseum, um anschließend durch die Katakomben des Westfalenstadion bis hin zur dritten Ebene im Borussia-Park zu gelangen. Dort angekommen, nahmen die rund 150 Gäste Platz und lauschten der Moderation von Pressesprecher Josef „Fritz“ Schneck und Nobby „EintorimDFB-PokalfinalemehralsAki“ Dickel (nur für Traditionsabendbesucher gedacht), die zunächst die Strategen der Erfolge von 1956 bis 1966 einzeln in den Saal einmarschieren ließen:
Lothar Geisler – 63 Oberligaspiele, 54 Bundesligaspiele, 8 Europacupspiele in der Zeit von 1961 bis 1967. Mit dem BVB war er Deutscher Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1965 und Europapokalsieger 1966.
Wolfgang Paul – 50 Oberligaspiele, 148 Bundesligaspiele, 16 Europacupspiele in der Zeit von 1961 bis 1970. Mit dem BVB war er Deutscher Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1965 und Europapokalsieger 1966.
Dieter „Hoppy“ Kurrat – 43 Oberligaspiele, 247 Bundesligaspiele, 23 Zweitligaspiele und 21 Europacupspiele in der Zeit von 1963 bis 1972. Mit dem BVB war er Deutscher Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1965 und Europapokalsieger 1966.
Reinhold Wosab – 36 Oberligaspiele, 198 Bundesligaspiele und 16 Europacupspiele in der Zeit von 1962 bis 1971. Mit dem BVB war er Deutscher Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1965 und Europapokalsieger 1966.
Theo Redder – 2 Oberligaspiele, 115 Bundesligaspiele, 16 Europacupspiele, 1 A-Länderspiel in der Zeit von 1962 bis 1969. Mit dem BVB war er Deutscher Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1965 und Europapokalsieger 1966.
Willi Burgsmüller – 222 Oberligaspiele, 19 Bundesligaspiele, 16 Europacupspiele in der Zeit von 1951 bis 1964. Mit dem BVB war er dreimal Deutscher Meister (1956, 1957 und 1963).
Alfred „Aki“ Schmidt – 195 Oberligaspiele, 81 Bundesligaspiele, 25 Europapokalspiele, 25 A-Länderspiele in der Zeit von 1956 bis 1967. Mit dem BVB war er zweimal Deutscher Meister (1957 und 1963), DFB-Pokalsieger 1965 und Europapokalsieger 1966.
Siegfried „Siggi“ Held – 230 Bundesligaspiele, 11 Europapokalsspiele, 41 A-Länderspiele in der Zeit von 1965 bis 1971 und dann 1977 bis 1979. Mit Borussia Dortmund wurde er 1966 Europapokalsieger.
Leider musste Rudi Assauer, der ebenfalls eingeladen war, ca. 1 ½ Stunden vor der Veranstaltung absagen. Weiterhin waren der Schatzmeister des BVB, Dr. Reinhold Lunow, der 2. Vorsitzende Gerd „Zuschauerzahl“ Pieper und die amtierende Miss Borussia, Carina Zender, anwesend. Zu Ihrer Aufgabe kommen wir später. Das Publikum war altersmäßig gut gemischt, mit leichtem Übergewicht für die Ü-50-Fraktion.
Als erstes durfte der Herr des Borusseums, Dr. Lunow, die Mannschaft von 1966 für die Aufnahme auf der „Wall of Fame“ beglückwünschen. Sicherlich hätte man auch gleich die Mannschaften aus den Jahren 1956, 1957, 1963 und 1965 hinzu nehmen können, aber jede Aufnahme in die Wall of Fame wird einzeln durch geführt.
Anschließend gab es den Wochenschaubericht zum ersten BVB-Erfolg, der Deutschen Meisterschaft von 1956. Von dieser Mannschaft war lediglich Willy Burgsmüller anwesend. Gleich danach ging es dann zur Titelverteidigung ein Jahr später. Neben Willy war da natürlich Aki Schmidt der Gesprächspartner, der damals bekanntlich der traurigste Meister war, da er nicht auf dem Platz stehen durfte. Die dritte Deutsche Meisterschaft konnte gleich von mehreren Spielern geschildert werden. Neben Willi und Aki waren Lothar Geisler, Wolfgang Paul, Hoppy Kurrat, Reinhold Wosab und Theo Redder anwesend.
Nun kam man zu dem Spiel, bei dem eigentlich 150.000 Leute gewesen sein müssen, wenn man den Schilderungen der Fans Glauben schenken würde... Offiziell waren am 4.12.1963 „nur“ 41.200 Fans (Lt. Hoppy wohl eher 60.000) in der Roten Erde, die den legendären 5-0-Sieg über die Mannschaft des großen Eusebio, Benfica Lissabon, feierten. Auch von diesem Spiel gab es einen kurzen Wochenschaubericht, kommntiert von Ernst Huberty. Von diesem Spiel hatte Wolfgang Paul das legendäre Flutlicht-Trikot des BVB mitgebracht, um das der BVB in ganz Europa beneidet wurde. Vor dem Spiel hatte die Mannschaft übrigens eine Siegprämie von 500 Mark ausgehandelt. Laut Hoppy einen Hunderter pro Tor… Nebenbei wurde dieses Spiel aus berufendem Munde als das beste Spiel ausgezeichnet, das die Lichtgestalt des Deutschen Fußballs, Franz Beckenbauer, je gesehen hat. Glauben wir ihn das einfach mal.
Danach gab es eine Pause und Miss Borussia musste sich entblättern. Keine Angst, sie musste sich nur die Trainingsjacke ausziehen und das neue Jubiläumstrikot präsentieren. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Es bleibt festzustellen, dass es ein sehr schlichtes Trikot ist, das dem Flutlichttrikot der 60er Jahre nachempfunden wurde. Leider nicht ganz so leuchtend und auch mit der völlig überflüssigen Evonik-Werbung versehen. Aber man kann schließlich nicht alles haben.
Nach dieser „Werbepause“ durfte dann natürlich nicht das „spannungsgeladene“ DFB-Pokal-Finale von 1965 (zumindest lt. Bundespräsident Heinrich Lübke) fehlen. Nach der Vorführung des Films entstand eine kleine Kontroverse zwischen Aki Schmidt (immerhin ein Tor im DFB-Pokal-Finale) und dem erfolgreicheren Nobby Dickel (zwei DFB-Pokal-Finaltore). Nach einem witzigen Wortgefecht durfte Aki, der fast 74jährige ehemalige Fanbeauftragte des BVB, sich als Punktesieger fühlen.
Abschließend wurde das wichtigste Spiel der 60er Jahre, der Europapokalsieg von 1966 gegen den FC Liverpool in Glasgow, besprochen. Dabei meldete sich auch der jetzige Fanbetreuer Siggi Held zu Wort. Natürlich wurde in diesem Rahmen auch dem mittlerweile verstorbene Lothar „Emma“ Emmerich gedacht. Sehr nostalgisch wurde es übrigens auch immer dann, wenn das Publikum gefragt wurde, wer bei den diversen Spielen live im Stadion gewesen war, sich anschließend einige der älteren Fans meldeten und mit glasigen Augen den Beifall der übrigen Besucher entgegennahmen. Zum Abschluss dieser sehr kurzweiligen zwei Stunden gab es für die anwesenden Helden von damals die verdienten Standing Ovations.
Alles in allem ein launiger Abend mit vielen bekannten und unbekannten Anekdoten, die die Helden der Roten Erde zum besten gaben.
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