Uf Widerluege, Alex!
Es ist amtlich. Alex Frei verlässt den BVB und wechselt zurück in seine Heimat zum FC Basel. Nach Ebi Smolarek im vorletzten und Mladen Petric im letzten Jahr lässt die Borussia damit im dritten Jahr in Folge kurzfristig einen ihrer Stürmer von Dannen ziehen. In Alex Frei verliert der Verein dabei einen der besten und erfolgreichsten Borussenstürmer der letzten Jahre. Es wird schwer werden, ihn auch nur annähernd gleichwertig zu ersetzen.
Erinnert sich noch jemand an den 12. Mai 2007? Blöde Frage, natürlich erinnert sich so ziemlich jeder noch an diesen Tag und den wunderbaren Derbysieg. Die Erinnerung an die damaligen Protagonisten hingegen droht nun zunehmend zu verblassen. Vorlagengeber Metzelder - längst weg in wärmeren Gefilden. Torschütze Smolarek - nur wenig später ebenfalls gen Süden aufgebrochen. Und jetzt Alex Frei, die eingebaute Torgarantie. 34 Tore hat der Schweizer in 74 Bundesligaspielen für den BVB erzielt. Sie haben ihn zur Lebensversicherung werden lassen. Damals, in der Saison 2006/2007, als 16 Frei-Tore die Borussia vorm ansonsten wohl sicheren Abstieg bewahrten. Sie haben ihm zum Derbyheld werden lassen - unvergessen allein der Doppelschlag vor knapper Jahresfrist, der die Blauen fast ebenso ins Mark traf wie der Treffer zum 1:0 an eben jenem 12. Mai 2007.
Dieses Kapitel ist beendet. Alex Frei wird auf eigenen Wunsch nicht mehr für den BVB auf Torejagd gehen.
Der Verein selbst hat mit seinem OK zum Abgang des besten Stürmers eine schwere Entscheidung gefällt. Wie richtig diese war, wird sich erst noch zeigen. Klar ist: Mehr als vier Millionen Euro sind eine stolze Summe für einen 30jährigen, dessen Kontrakt im nächsten Jahr auslief, dessen Vertragsverlängerung keine Selbstverständlichkeit darstellte und der in den vergangenen zwei Jahren leider auch viel zu oft mit seinem eigenen Körper und Verletzungen zu kämpfen hatte. Der Entschluss der Offiziellen, Alex Frei jetzt abzugeben, wenn noch eine ordentliche Entschädigung zu kassieren ist, ist daher durchaus nachvollziehbar. Immerhin kassiert die Borussia nun nahezu dieselbe Summe, die sie einst für Frei an Rennes überwiesen haben soll.
Andersherum - und damit ein paar Euro ins Phrasenschwein: Geld schießt keine Tore. Einen Ersatz für Alex Frei zu finden wird auch mit vier oder fünf Millionen in der Tasche nicht eben einfach. Spieler, die im Schnitt nahezu in jeder zweiten Partie das Leder im Gehäuse versenken, sind für diesen Betrag nur schwer zu finden, zumal solche mit Bundesligaerfahrung. Risikofrei ist die Entscheidung der Offiziellen daher nicht. Sollte ein neuer Stürmer floppen, könnte das am Ende weitaus teurer für die Borussia werden als die nun eingenommene Ablösesumme.
Zumal nicht allein Freis Tore der Borussia fehlen dürften. Der Schweizer war ein besonderer Charakter, gehörte zu den Führungsspielern in der Mannschaft, verhielt sich so auch auf und neben dem Platz - und eckte mit seinen Aussagen durchaus auch mal an. Eben einer dieser vielbeschworenen Typen, von denen es im deutschen Fußball immer weniger gibt.
Schade ist, dass dem nun vollzogenen Wechsel am Ende das Etikett der Unzufriedenheit anhaftet. Diese war bezüglich Alex Frei mediales Dauerthema, hauptsächlich allerdings bezogen auf das Verhältnis zu Jürgen Klopp, in dessen System Frei angeblich nicht hinein passe. Beide haben atmosphärische Probleme stets verneint und es ist in der Tat schwer vorstellbar, dass ein solch intelligenter Übungsleiter wie Jürgen Klopp freiwillig auf seinen besten Stürmer verzichten würde. In der Rückrunde wurde dann auch sehr schnell deutlich: Klopp stellt allein nach Leistung auf. Der vermeintlich nicht ins System integrierbare Frei integrierte sich ins System und wurde Stammspieler. Der vermeintliche Klopp-Liebling Mohamed Zidan verfolgte die Spiele stattdessen von der Bank aus.
Trotzdem wurden Beobachter der Szenerie in den vergangenen Wochen das Gefühl nicht los, dass vor allem die Führungsriege der Borussia einem Frei-Wechsel nicht gänzlich abgeneigt gegenüber stünde. Ohnehin längerfristige Verträge wie der von Subotic wurden verlängert, bei Alex Frei hielt man sich bedeckt.
Mag sein, dass es dieser Ausdruck nicht gerade allerhöchster Wertschätzung war, der bei Frei letztendlich den Ausschlag zum Wechsel gegeben hat. Doch während die Beweggründe der Borussia noch einigermaßen klar erscheinen, mag man die des Stürmers aktuell kaum nachvollziehen. Klar: Frei dürfte sich seine Zeit beim BVB etwas anders vorgestellt haben. Die folgende Saison wäre die vierte in Folge ohne nennenswerte Aufritte auf europäischer Ebene gewesen, das Intermezzo gegen Udine mal außen vor gelassen. Ausgerechnet der große Star der Schweizer Nationalmannschaft hat damit auf internationale Ebene gerade einmal zehn UEFA-Cup-Auftritte zu verzeichnen, während eine Vielzahl seiner „Nati"-Kollegen in der Champions League zum Einsatz kommt. Namen wie Djourou (Arsenal), Senderos (Arsenal/Milan), Müller (Lyon/Monaco), Magnin (Stuttgart), Behrami (Lazio Rom/West Ham) und neuerdings auch Benaglio (Wolfsburg) lassen grüßen. Frei hätte ohne Zweifel auch auf einem höheren Niveau spielen können als das beim BVB in den drei Jahren möglich war.
Doch genau darum ist es schwer ergründlich, warum Frei nun ausgerechnet nach Basel wechselt. Selbst Landsleute rätseln über die Gründe der Entscheidung. Sportlich gesehen ist der Transfer jedenfalls ein Rückschritt, aus der Riege der Topligen verabschiedet sich Alex Frei damit ohne große Not.
Wechsel nach England, Spanien, Italien, Frankreich oder innerhalb Deutschlands hätte man verstehen können, dort hätte Frei weiterhin auch vor großer Kulisse gespielt. Aber Basel - mit einem Zuschauerschnitt von etwa 21.000 in einem fast doppelt so großen Stadion? In der Schweizer Nationalliga, die - bei allem Respekt - bestenfalls als zweitklassig einzustufen ist? Lokalpatriotismus hin oder her: Frei hätte das Zeug dazu, noch locker zwei bis drei Jahre auf gutem Niveau in einer Topliga zu spielen und könnte dann immer noch für weitere zwei bis drei Jahre in der Schweizer Liga kicken und die Karriere ausklingen lassen.
Sofern es keine dringenden familiären Gründe gibt, ist der Wechsel darum aus rein sportlicher Sicht für Alex Frei kaum zu verstehen. Doch am Ende ist es vielleicht genau das, was so typisch für den Schweizer ist, der sich selbst so oft unverstanden fühlte und mit seiner ganzen Art in der Tat vielen Rätsel aufgab.
Unabhängig davon, wer letztendlich beim BVB die Nachfolge für Alex Frei antritt: Sowohl den Spieler wie auch den Typen Alex Frei werde ich vermissen. Schade, dass unser gemeinsamer Weg nicht erfolgreicher gewesen ist.
Für das neue Kapitel beim FC Basel sei Alex Frei von Herzen alles Gute und viel Erfolg gewünscht - verbunden mit der großen Hoffnung, dass beide - Frei wie auch der BVB - diesen Transfer nie bereuen müssen.
Uf Widerluege, Alex!
Vielleicht ja schon im nächsten Jahr...
...in der Champions League! ;-)
Arne, 18.07.2009
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