Gesetzestexte und Taschenrechner: Der Weg nach Europa
Zur Saison 2009/10 wird mit der Reform der europäischen Vereinswettbewerbe das zentrale Wahlversprechen von UEFA-Präsident Michel Platini umgesetzt: Aus der UEFA Champions League soll wieder ein Turnier der Meister werden. Und auch eine Trophäe, die Borussia Dortmund nie gewonnen hat, geht nach dieser Saison in den Ruhestand: Aus dem UEFA-Cup wird zur neuen Spielzeit die UEFA Europa League. Grund genug, um pünktlich zu den Halbfinalspielen im DFB-Pokal die neuen Wettbewerbe vorzustellen und etwas Licht ins Dunkel zu bringen, wer sich in welchem Fall für welchen Wettbewerb qualifiziert.
Die Champions League ab der Saison 2009/10:
Vordergründig ändert sich in diesem Wettbewerb nicht viel. Wie bisher spielen 32 Mannschaften in acht Gruppen à vier Mannschaften in Hin- und Rückspiel 16 Achtelfinalisten aus, danach geht es im K.-o.-System weiter. Außerdem qualifizieren sich die Tabellendritten aus den Vorrundengruppen wie gehabt für die Runde der letzten 32 in der neuen Europa League. Einzige Änderung im Spielsystem: Das Endspiel in Madrid findet erstmals an einem Samstag statt.
Wirklich neu ist jedoch, welche Mannschaften bereits im Vorfeld gesetzt sind und wie viele Meister sicher am Wettbewerb teilnehmen werden. Wesentlich dabei: Es sind nicht mehr 16 Teams für die Vorrunde gesetzt, sondern 22.
Neben dem Titelverteidiger sind dies
- die ersten drei Vereine aus England, Spanien und Italien
- Meister und Vizemeister aus Frankreich, Deutschland und Russland sowie
- die Meister aus Rumänien, Portugal, den Niederlanden, Schottland, der Türkei und der Ukraine.
Die übrigen zehn Teilnehmer an der Vorrunde werden separat zwischen den übrigen Meistern (fünf Plätze) und den bestplatzierten bisher nicht qualifizierten Mannschaften von England bis Tschechien, dem 15. der UEFA-Fünfjahreswertung, ausgespielt (ebenfalls fünf Plätze). Aus der Bundesliga wird wie gehabt also der Tabellendritte an den Ausscheidungsspielen teilnehmen.
Zwei Änderungen springen ins Auge. Statt neun Meistern sind bereits zwölf Titelträger gesetzt, zudem nehmen fünf weitere Meister sicher am Wettbewerb teil. Insgesamt sind also mehr als die Hälfte der Teilnehmer tatsächlich nationale Champions. Andererseits werden die führenden europäischen Ligen gestärkt: Aus England, Spanien und Italien sind drei Teams sicher in der Gruppenphase vertreten, bisher waren es zwei.
Die Europa League ab der Saison 2009/10:
Ausgespielt wird dieser neue Wettbewerb zwischen 48 Teams, die zwölf Gruppen mit je vier Mannschaften bilden. In der Gruppenphase spielt man dann gegen jeden Gegner in Hin- und Rückspiel, die gewöhnungsbedürftige Heim- und Auswärtsspielregelung aus dem jetzigen UEFA-Pokal hat also ein Ende. Die beiden Gruppensieger (insgesamt 24 Teams) und die acht Teams, die in der UEFA Champions League den dritten Gruppenplatz belegt haben, spielen dann ab dem Sechzehntelfinale wie gewohnt in einer K.-o.-Runde bis zum Finale in Hamburg.
Teilnehmer an der Gruppenphase sind neben dem Titelverteidiger (also dem Sieger des UEFA-Pokals 2008/09) die zehn Verlierer der letzten Qualifikationsrunde zur Champions League 2009/10 (fünf Meister und fünf Nicht-Meister) sowie die 37 Sieger der Play-Offs zur Europa League. Gespielt werden diese in nunmehr vier Qualifikationsrunden, zuvor waren es nur zwei. Dafür wird der Lückenfüller UI-Cup abgeschafft, die drei Teilnehmer aus der Fair-Play-Wertung starten in der ersten Qualifikationsrunde. Würde ein solcher Verein das Endspiel erreichen, hätte die Mannschaft dann bis zum Ende 23 Spiele absolviert!
Aus deutscher Sicht gibt es eine weitere wesentliche Änderung: War es bisher egal, auf welchem Tabellenplatz man sich für den UEFA-Pokal qualifiziert hatte, muss der Tabellenfünfte ab der neuen Saison bereits in der dritten Qualifikationsrunde antreten, während der Pokalsieger und der Vorjahresvierte erst in der vierten und letzten Play-Off-Runde zum Einsatz kommen.
Und wer qualifiziert sich nun?
Tja, das ist tatsächlich nicht ganz so einfach. Passiert nichts Unvorhergesehenes, so bleibt natürlich alles (fast) beim Alten:
- Meister und Vizemeister: Champions League
- Dritter: Qualifikation zur Champions League
- Pokalsieger und Vierter: vierte Play-Off-Runde zur Europa League
- Fünfter: dritte Play-Off-Runde zur Europa League
Wann geht diese Aufteilung schief? Typischerweise dann, wenn der Pokalsieger sowieso schon für Europa qualifiziert ist und also ein Verein nachrücken muss. Dabei können im wesentlichen drei Fälle auftreten:
- Der Pokalsieger wurde mindestens Dritter: Der Pokalfinalist rückt nach, so wie wir im vergangenen Jahr.
- Der Pokalsieger wurde Vierter: Der Tabellenfünfte nimmt an der vierten Qualifikationsrunde teil, der Tabellensechste rückt in die dritte Qualifikationsrunde nach.
- Der Pokalsieger wurde Fünfter: Der Tabellensechste rückt in die dritte Qualifikationsrunde nach.
Der HSV und Werder Bremen
Und sonst? Naja, der HSV oder Werder Bremen könnten in dieser Saison ja noch den UEFA-Pokal gewinnen und wären direkt für die Europa League qualifiziert... In diesem Fall ist natürlich nicht sofort klar, was passiert, denn wenn sich der Titelverteidiger auch über die Liga oder den DFB-Pokal für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert, würde diese Mannschaft zwei Startplätze einnehmen. Das geht natürlich nicht, und somit stellt sich die Frage, wer denn auf den überzähligen Platz nachrückt. Seitens der UEFA wurden Verfahrensweisen für den Umgang mit den Titelverteidigern in Champions League und UEFA-Pokal bereits bei der letzten Sitzung des Exekutivkommitee Ende März beschlossen, aus unerfindlichen Gründen erfolgte eine Veröffentlichung der Regularien jedoch nicht direkt im Anschluss. Bis gestern hieß es daher: Raten.
Was passiert zum Beispiel im folgenden Fall?
Der HSV qualifiziert sich über die Liga für die Champions League, gewinnt den UEFA-Pokal, scheitert jedoch im DFB-Pokal. Logisch natürlich, dass der HSV nicht automatisch den Platz des Titelverteidigers in der Europa League einnimmt, denn er wird in der Champions League antreten. Stellt sich trotzdem die Frage: Wer rückt für den Titelverteidiger in die Europa League nach? Ein Team aus Deutschland als Verband des Gewinners? Der Finalgegner? Wer wäre es, wenn der Finalgegner bereits ebenfalls für die Champions League oder die Europa League qualifiziert ist? Oder wird einfach die letzte Qualifikationsrunde um zwei zusätzliche Teilnehmer aufgestockt? Wie werden diese dann bestimmt? Man sieht: Der Teufel steckt im Detail.
Mittlerweile ist klar, dass die kleinen Verbände in diesem Fall profitieren und es zwei zusätzliche Nachrücker für die letzte Qualifikationsrunde gibt. Der Verband des Gewinners geht in der Regel also leer aus, es sei denn, dass der Titelverteidiger gar nicht für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert ist. Könnte bei Werder Bremen durchaus passieren. Für den BVB bleibt festzuhalten, dass wie gehabt nur der fünfte Platz Sicherheit verspricht, als Sechster wird es in den seltensten Fällen reichen. Nämlich nur dann, wenn der HSV Vierter oder Fünfter wird und den DFB-Pokal gewinnt. Von daher: Daumen drücken heute abend. Und am Samstag die Rothosen aus dem Stadion schreien.
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