Der Bremsklotz aus dem Ländle

Müller in der KritikPfiffe im Verbund mit der Gelsenkirchener Fußballmannschaft sind ja schon länger keine Seltenheit mehr. Die Blauen wurden ja auch schon bei Siegen ausgeflötet. Oft sinnfrei. Doch nun haben die Unmutsäußerungen bei dem Mittelfeldverein aus GE eine neue Dimenison erreicht. Lange hat es gedauert, bis die Fans das begriffen, was der Rest der Liga schon länger wusste. Die blauen Stadiongänger haben nun Andreas Müller als Schuldigen für die Misere ausgemacht. Es geht dem Manager an den Kragen. Platz 09 an Spieltag 15. Dieses Gefühl hatten die Blauen das letzte Mal in der Saison 2003/2004. Danach ging es für sie stetig bergauf. Mit teilweise grauseligem Fußball ermogelten sie sich Europapokalplätze und die ein oder andere Vizemeisterschaft. Für unseren BVB zeigte seit damals die Leistungskurve nach unten. Wir mussten uns ans Mittelmaß gewöhnen. Doch nun scheinen wir die Talsohle durchschritten zu haben. Auf Schalke droht dagegen der Kollaps.

Haben sich die GE-Fans lange von den Phantastereien eines Andreas Müller anstecken lassen und die angeblich übermäßig talentierten Kicker, die mit viel Geld in die größte Bierkiste des Ruhrgebiets gelockt wurden, ausgepfiffen, so scheinen nun die Meisten so ganz langsam begriffen zu haben, wer wirklich schuld ist an dem eigentlich ständigen Misserfolg (am Ende waren sie halt ewig auf der Verliererseite) der Gelsenkirchener. Es ist genau jener Andreas Müller, der als Manager nun das an den Tag legt, was er jahrelang auch als Profikicker tat: biederes Mittelmaß. Doch nun jongliert der Schwabe nicht mehr ungeschickt mit dem Ball, sondern mit Millionen. Und regelmäßig lässt er dabei ganz unschwäbisch eine große Summe in den Gully fallen.

Trainer in GE zu sein ist nicht einfachAls Andreas Müller ins Ruhrgebiet wechselte, konnte noch niemand ahnen, dass er irgendwann mal die Nachfolge von Rudi Assauer antreten würde. Und Stumpen-Rudi wurde dann nicht ganz astrein aus dem Amtssessel gehoben. Stunk gab es damals. Dem Bauer der Arena wurden alle Misserfolge vorgeworfen. Unter Müller sollte nun alles besser werden. Besser wurden aber nur die Bezüge der Spieler, die „Erfolge“ blieben die selben. Vize. Und das im letzten Augenblick. Das sollte sich ändern. Also ging Müller mit Gazprom-Millionen auf große Einkaufstour.

Mit mäßigem Erfolg. Ein Name steht als Synonym für jahrelange verfehlte Einkaufspolitik auf Schalke: Carlos Großmüller. Der arme Kerl muss als Platzhalter für hohe Erwartungen und wenig Ertrag herhalten. Dabei kann der Uru gar nichts dafür. Er hat ja selber nie behauptet, dass er was kann. Müller war es. Genau so gut sollte Ze Roberto 2 sein. Doch der Brasilianer fiel nur durch einen spektakulären Namen auf, an den der Ordnung halber eine Ziffer gehängt wurde. Doch der Bayern-Profi mit selbem Namen lief nie Gefahr, mit dem Blauen verwechselt zu werden.

Die Liste der Fehleinschätzungen lässt sich noch weiter fortsetzen: Lövenkrands, Larssen, Abel, Streit. Obwohl man dem Ex-Frankfurter eigentlich unrecht tut. Er scheiterte nicht an fehlenden Fähigkeiten, sondern am Schalker Fußball, der Kreativtät im Keim erstickt und Kicker mit Ideen konsequent aus der Mannschaft ekelt. Auch Ivan Rakitic bekommt ja trotz unbestrittener Fähigkeiten keinen Bein auf den Grund im blauen Lande.

Ein Abwehrbollwerk können sie zwar immer noch bilden. Aber Bordon und Krstajic sind so langsam nicht mehr die Jüngsten. Pander ist sehr gut, aber verletzungsanfällig. Und Rafinha eine Charakterbratze. Andreas Müller fällt nichts ein, um die Defenvie langfristig umzubauen. Heiko Westermann, eigentlich seine einzige gute Verpflichtung, muss ja als Innenverteidiger ständig woanders aushelfen. Und dass Dauer-Ärgernis Fabian Ernst (der Mittelfeldbeamte, wie ich ihn gerne nenne) immer noch gesetzt ist in der Mannschaft des Tabellen-Neunten, zeigt die ganze Misere des Ruhrgebietsvereins.

Jones stolpert nur rumMan muss nicht gerade den IQ eines Bill Gates vorweisen, um im Vorfeld zu wissen, dass man mit zwei Verpflichtungen aus der holländischen Liga in der Bundesliga nicht zu den Besten gehören kann. Doch Müller sah das anders. Orlando Engelaar darf seit dieser Saison im defensiven Mittelfeld dilletieren.. Die zweite Neuverpflichtung Jefferson Farfan hat sicherlich einiges drauf. Aber offensichtlich nur, wenn ihm die Abwehrspieler holländische Freiheiten lassen. In der Bundesliga trifft er vorwiegend vom Elfmeterpunkt. Gegen Stuttgart verfehlte er selbst das leere Tor. Das sei für die Bundesliga unwürdig, sagte daraufhin Matthias Sammer.

Doch trotz aller Großmüllers:  Die schlechteste Verpflichtung der letzten Jahre auf Seiten des in der CL-Quali gescheiterten Vereins ist nun mal Andreas Müller als Manager. Die Fans haben das nun erkannt und die Schnauze offensichtlich voll. Und Müller grinst sich unverschämterweise eins. Man bräuchte ja immer einen Sündenbock, nun sei er es halt. Richtig. Aber diesmal haben die Fans halt recht. Doch der Schwabe will das in seiner Slebstverliebtheit nicht wahrhaben. Er könne das aushalten. Genau davor haben die Fans ja Angst.

Müller hat auch gleich ein Patentrezept parat, wie man die angeschlagene Mannschaft wieder auf Trab bringen kann:  „Man muss jetzt weniger auf dem Platz, sondern mehr im Kopf arbeiten.“ Aha. Fragt sich nur, in welchem Wasserkopp die gesamte Mannschaft Platz findet. Und ob man eher durch die Nase oder durchs Ohr Einlass in den Kopf findet.

Die Führungsetage des Möchtegern-Meisterschaftsaspiranten hat es aber wohl immer noch nicht begriffen. Präsident Josef Schnusenberg ist der Überzeugung, dass von den Blauen in dieser Saison noch Großartiges und Großes zu erwarten sei. Wir dürfen gespannt sein, wie groß und großartig der Mist ist, den sich die Blauen in dieser Saison noch zusammenspielen. Bleibt nur die Frage, was der russische Hauptsponsor von dem Ganzen hält.

DvB, 03.12.2008