Kein T(h)or Staijner
Die Blamage in München unverdaut im Magen, wirkte die Niederlage im A2-Derby gegen den Hassgegner von Hassgegner Wolfsburg für den Verdauungstrakt vieler Borussen wie ein fettes Steak aus dem Hause Tönnies. Wenigstens die Stadionordnung wurde eingehalten und es gab kein T(h)or Staijner zu bewundern. Zitate lassen Geschehenes lebendiger erscheinen. Daher lassen wir sie sprechen um die unglaubliche Reise durch 90 Minuten Borussia in der Vorpokalfinalzeit zu beschreiben. Es war ein Graus.
Es ist für Mitte April bitterkalt und in Lutten findet gerade ein großes Reitturnier statt, weswegen auch nur eine große Hand voll Hannoveraner den Weg ins Westfalenstadion findet. Im abendlichen Schummerlicht kribbelt's bei vielen Borussen. Allerdings nicht ob des vollkommen unwichtigen Spiels gegen Hannover 96, sondern ob des Spiels der Spiele am Samstag in Berlin. Die Mannschaft stellte sich wieder einmal durch das Dollsche Konstanzprinzip von selbst auf. Gewechselt wurde auf einigen Positionen. Sie alle aufzuzählen, würde hier den Rahmen sprengen. Jedenfalls war Valdez nicht von Anfang im Sturm zugange. Für ihn spielte Klimowicz. Im Tor stand nicht etwa, wie erwartet, Bade. Nein, Thomas Doll schenkte dem 20-jährigen Amas-Keeper Höttecke seinen ersten Bundesligaeinsatz. Kommen wir zum Spiel und erzählen, was zwei Herrschaften auf der Tribüne über 90 Minuten so von sich gaben.
Halbzeit 1 - "Ich glaub, es geht schon wieder los!"
„Tut dat Not?“ (Kommentar zu Norbert Dickel vor dem Spiel zur Süd: „Wir sehn uns in Berlin“)
„Der Kovac is schon so alt, dass er zwei Kinners an die Hand bekommt“ (beim Einlaufen der Mannschaften)
„Viele Hamburger und Rostocker im Gästeblock“ (Kommentar zu undefinierbarem Gebrabbel im Gästeblock)
„Kovac setzt die Stadionordnung ein erstes Mal knallhart um!“ (6. Minute Staijner umgemäht)
„Die Nummer eins im Tor haben wir“ (Hannover Gästeblock zu unserer Bestbesetzung im Tor)
„Sauber Höttecke“ (Erste Parade gegen Huszti und direkt danach sicher nen Eckball runtergepflückt)
„Der Rasen is heut wieder wunderschön gemäht. Im Mittelkreis is dat so nen 3D-Bild. Da steht, dass der Valdez in Berlin drei Hütten macht“
„Federico hat die Stadionordnung taktisch umgesetzt“ (16. Minute Staijner taktisch umgemäht)
„Wat fummelt der Idiot da rum“ (Degen versucht sich am Ball)
„Wo sind denn die Kinder hin?“ (Kovac läuft ohne Gehhilfe und klärt gegen Hanke 21.Minute)
„Warum jubeln die Leute da? Die Bayern sind die einzigen, die eine Meisterschaft der Blauen verhindern können. Der zweite der das könnte is ja nicht mehr da.“ (Kommentar zur Einblendung des Bayern-Rückstandes auf der Anzeigetafel)
„Wichtig für nen zwanzigjährigen Debütanten, die ersten Bälle alle sicher runterzupflücken“ (Binsenweisheit nachdem Höttecke zum wiederholten Male sicher pflückt)
„Is dat der Zwillingsbruder vom Röckenhaus da vor uns?“
„Is dat zum Kotzen, ich geh ersma pissen“ (kurz nach dem fiesen Freistoßgegentor durch Bruggink)
„Die Bayern fallen tot um vor lachen“ (Unbekannter ZDF-Mensch, der mit B anfängt und Y aufhört, zur Halbzeit)
„Mit Drahtlosnetzwerk ‚Kosakenzipfel’ TO GO verbinden?“ (Laptop kurz vor Beginn der zweiten Hälfte)
Halbzeit 2 - "Das Elend nimmt seinen Lauf"
Mit einem 0-2 in die Halbzeit geschickt zu werden, ist eine klare Leistungssteigerung gegenüber dem Auftritt in München. Trotzdem begleitet das erfolgsverwöhnte Dortmunder Publikum sein Team mit Pfiffen in die Kabine. Mal sehn, was Thomas Doll seinen Mannen für Halbzeit zwei mit auf den Weg gibt. Vielleicht die Leverkusen-Taktik? 80 Minuten so tun, als habe man das Fußballspielen verlernt und dann eiskalt zuschlagen. Doch Alex Frei hielt sich nichtmal an diese Vorgabe…
„Ohohohoho“ (Hannover-Block 50. Minute)
„Ohohohoho“ (Südtribüne 50. Minute)
„vöhrico ……….FREI“ (Süd beim Wechsel)
Klimowicz kämpft, Kringe zieht durch – Frei trifft. 1-2
„Hoffentlich redet ihr das Spiel nicht wieder so schlecht“ (SMS kurz vor Schluss)
„Berlin, Berlin, was wollt ihr in Berlin?“ (Gästeblock in Minute 84)
Die zweite Hälfte ist kurz zusammengefasst. Kurzes Aufbäumen der elf schwarzgelben Hampelmänner. Ein Tor vom Sekunden zuvor eingewechselten Frei. In der Folge zwei oder drei weitere Versuche, ein Tor zu erzielen. Mit der Einwechslung von Nelson Valdez dann endgültige Aufgabe des Ziels, vielleicht doch noch Unentschieden zu spielen. Die Bayern werden wohl wirklich herzlichst gelacht haben. Bleibt zu hoffen, dass sie am Samstach mit einer fetten Portion Arroganz auf den Platz stolzieren und Tinga sie ihnen mit fiesen Grätschen austreiben kann. Gute Nacht!
Nochmehr Stimmen zum Spiel
Hecking: „Wir haben ein fast perfektes Auswärtsspiel abgeliefert, haben kompakt gestanden und sehr gut umgeschaltet. Unsere Tore fielen zum richtigen Zeitpunkt. Kompliment an meine Mannschaft. Borussia gute Wünsche für das Pokalfinale. Ich denke da ist für Borussia was möglich…trotzdem.“
Doll: „Wir haben gesehen, dass wir die Niederlage in München noch nicht verarbeitet haben. Wir haben in keiner Phase der ersten Halbzeit Ruhe ins Spiel bekommen, waren nicht wach und nicht aufmerksam. Die Fans haben zurecht gepfiffen. Nach der Pause habe ich festgestellt, dass meine Mannschaft lebt, dass sie das Spiel drehen wollte. Wir waren gut im Spiel, doch genau in diese Phase fiel das Gegentor. “
Doll zum Finale:
„Wir haben jetzt zweimal richtig auf die Mütze bekommen und liegen noch am Boden. Auf das Finale müssen wir uns mental und physisch so vorbereiten, dass wir auch ein würdiger Gegner sind.“
Doll zu Höttecke:
„Ich habe mit Alex Bade gesprochen. Ich bin der Meinung ein Torhüter mit Spielpraxis ist…birgt natürlich ein Risiko. Aber Marcel hat in der Regionalliga einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Er steht voll im Saft...er ist ein Torwarttalent…und deshalb habe ich ihm die Chance gegeben.“
Zu Hötteckes Chance in Berlin aufzulaufen:
„Er hat gute Möglichkeiten in Berlin aufzulaufen.“
Statistik
Tore
0:1 Bruggink (38.), 0:2 Fahrenhorst (41.), 1:2 Frei (65.), 1:3 Huszti (78.)
Karten
Gelb: Kehl, Valdez - Vinicius, Lala
Zuschauer: 61.400
Ecken: 8:2
Mannschaften
BVB: Höttecke (3,5) - Hummels (4), Dede (4), Kovac (5), Degen (6) - Kehl (4,5), Kringe (4,5), Federico (6), Blaszczykowski (4) - Petric (3), Klimowicz (5)
Hannover: Enke - Vinicius, Ismael, Cherundolo, Schulz - Lala, Bruggink, Huszti, Balitsch - Hanke, Stajner
Auswechslungen
BVB: Kruska (5,5) für Degen (37.), Frei (3) für Federico (64.), Valdez (*seufz*) für Klimowicz
Hannover: Fahrenhorst für Vinicius (37.), Hashemian für Balitsch (63.), Zuraw für Stajner (81.)
Schiedrichter: Günter Perl (3), hatte einen ruhigen Abend, pfiff in der zweiten Halbzeit phasenweise jeden Zweikampf zu Gunsten des BVB.
Felix / Jakob, 07.04.2008
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