Ein Traditionsverein am Abgrund
Bei strahlendem Sonnenschein hatten sich 2.500 Fans im Westfalenstadion eingefunden. Wenn man bedenkt, dass es bei diesem Spiel auf Augenhöhe um die Qualifikation für die 3. Liga geht, ist da sicherlich noch Luft nach oben.
Aus so einer Geschichte, so einer sportlichen Konstellation, in Verbindung mit traumhaftem Frühlingswetter, kann und muss man eigentlich mehr machen.
Zieht man die den mitgereisten Dresdner Anhang - um die 700 werden es gewesen sein - ab, bleiben gerade 1.800 BVB Fans. Das ist, berücksichtigt man den Termin und die Ausgangslage in der Regionalliga, einfach viel zu wenig. Da hat die zweite Mannschaft ganz bestimmt mehr Unterstützung verdient. Schade. Das wird der jungen Mannschaft und der hervorragenden Arbeit des Trainers nicht gerecht.
Die erste Halbzeit wurde von beiden Teams sehr, sehr verhalten geführt.
Offenbar wollte man sich nicht vorzeitig in die Karten schauen lassen.
Gerade auf Dortmunder Seite ein nervöses Aufbauspiel und immer wieder Konzentrationsschwächen in der Vorwärtsbewegung. Auch von Dresden kam nicht sonderlich viel, aber die etwas reifere, bessere Spielanlage konnte man bei den Sachsen beobachten.
Die Stimmung auf den Rängen war zu diesem Zeitpunkt auch relativ ausgeglichen. Auf beiden Seiten eher sommerlich. Die Dynamos auf dem Unterrang der Nordtribüne nur zu Spielbeginn einmal richtig laut, die Dresdner Hüpfburg kam zu Beginn ein paar Mal ganz gut rüber. Das war
es dann aber auch schon in Halbzeit Eins. Eine interessante Randnotiz. Große Teile des Dynamo Anhangs konnte man auf den Parkplätzen mit NRW - Kennzeichen ausfindig machen. Die Fans waren angereist aus Düsseldorf, Neuss, Duisburg, Essen, Köln und dem Kreis Kleve. Offenbar sucht man die berufliche Heimat im Westen der Republik, während das Fußballherz in Sachsen bleibt. Eine ganz ähnliche Geschichte konnte man im Raum Stuttgart / Mannheim / Heidelberg in der 80er Jahren beobachten. Spielte Borussia in Stuttgart oder Karlsruhe, waren die Tribünen immer überdurchschnittlich stark mit BVB-Anhängern aus der Region besetzt. Die Stahl- und Kohlekrise im Ruhrgebiet hatte viele junge Familien in den Süden der Republik ziehen lassen.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit - in der 53. Spielminute - die Führung für Borussia Dortmund. Nach einer Standardsituation steht Brzenska eine Ewigkeit in der Luft und macht per Kopfball das 1:0 für die Hausherren. Etwas überraschend kam das schon, aus dem Spiel heraus hatten die Dresdner eigentlich alles unter Kontrolle.
Danach wurde das Spiel endlich etwas offener und verbissener geführt. Die großen Torchancen blieben auf beiden Seiten allerdings Mangelware. Die Entscheidung dann in der 83. Minute. Der zur Pause eingewechselte Denis Omerbegovic trifft mit einem wohl haltbaren Distanzschuss zum 2:0.
In der Dynamo Kurve gab es danach kein Halten mehr. Die Mannschaft wurde bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Wütende Proteste auf den Rängen, eilig hochgezogene Transparente und laute Sprechchöre ließen erahnen, welchen Stellenwert die aktuelle Mannschaft in Fankreisen genießt. Da ist der letzte Kredit endgültig verspielt. Da der letzte Euro schon vor einiger Zeit ausgegeben wurde, steht der Verein nicht nur in
der Kritik der Fans, sondern offenbar auch vor den Trümmern der jahrelangen Aufbauarbeit.
Nach dem 2:0 feierte Block Drölf die Mannschaft ausgiebig, wobei man erwähnen sollte, dass der Block nicht sonderlich prall gefüllt war. Da kann die Dortmunder Szene mehr, vielleicht wirkt es in der Roten Erde auch einfach nur besser. Im riesigen Westfalenstadion verpufft natürlich viel an den meist leeren Rängen.
Für Freunde der Statistik
Borussia Dortmund: Höttecke, Brzenska, Hillenbrand (78. Njambe), Nöthe (46. Omerbegovic), Öztekin (46. Gordon), Oscislawski, Kruska, Schmelzer, Eggert, Hünemeier und Senesie
Tore: 1:0 Markus Brzenska, 2:0 Denis Omerbegovic
Schiedsrichter: Michael Kempter
Zuschauer: 2.500 im Westfalenstadion
Trainerstimmen
Eduard Geyer (mit 20 Minuten Verspätung):Das war, gerade in der ersten Halbzeit, ein typisches zu Null Spiel. Beide Mannschaften haben sehr viel Respekt an den Tag gelegt. Im Grunde genommen hat eine Standardsituation das Spiel entschieden. Der Ball war vor dem 1:0 sehr, sehr lange unterwegs. Da müssen wir besser stehen. Wir hatten danach aber auch keine Chancen zum Ausgleich. Das ist im Moment unser Problem. Wir schaffen nicht die Null zu halten und spielen als Mannschaft selbst keine Torgefahr heraus. Wir sind natürlich deprimiert. Wir - und damit meine ich auch das Umfeld - müssen jetzt schauen wie es weitergeht.
Theo Schneider: Wir spielen im Moment eigentlich nur gegen Mannschaften, die enorm unter Druck stehen. Es war ein sehr kampfbetontes Spiel. Man sieht, dass im breiten Mittelfeld der Regionalliga nur Nuancen den Unterschied machen. Das sind ganz geringe Unterschiede zwischen den Mannschaften. Wir gehen durch eine Standardsituation direkt nach der Pause in Führung. Bei uns haben die Wechsel nach dem Pausentee gefruchtet. Wir freuen uns natürlich riesig über die drei Punkte und müssen jetzt in der nächsten Woche nach Verl. Dort müssen wir jetzt die Chance nutzen und Punkte mit nach Hause nehmen. Dann sieht es sehr gut aus.
Rolf, 30.03.2008
BVB-News
02.02.12
Spiele der Amateure gegen Lotte und Wuppertal abgesagt
30.01.12
Klopp und Zorc verlängern bis 2016
28.01.12
Video Borussia Dortmund - Hoffenheim 3-1


