Schneiders Spitzen stechen - BVB II 2:0
Einen der wohl wichtigsten Siege der letzten Monate fuhren die BVB-Amateure am Wochenende gegen Cottbus' Zweitvertretung ein. Mit 2:0 schickte man die Lausitzer nicht nur zurück Richtung Polen, sondern gleich auch Richtung neue, dreigeteilte 4. Liga. Der BVB hingegen konnte sich in der extrem engen Regionalliga Nord für die unangenehmen Aufgaben der nächsten Wochen wieder etwas Luft verschaffen. Man hat jetzt 40 Punkte, was in "normalen" Ligen für den Klassenerhalt reichen würde. Problem: Diese Saison muss man Platz 10 erreichen, um nächstes Jahr weiter drittklassig spielen zu dürfen.
Nach der Niederlage in Bremen und aufgrund der engen Tabellensituation musste gegen Cottbus ein Sieg unbedingt her, doch im Vorfeld waren die Vorzeichen schlecht: Denn sowohl Senesie als auch Hillenbrand und Nöthe mussten mit nach Hamburg zu den Profis. Ein Umstand, der Trainer Schneider gar nicht schmeckt, da sie dort doch nur kleine Chancen hätten, zum Einsatz zu kommen. Es bleibt für die Amas zu hoffen, dass der Verein, da bei den Profis in der Liga sich ja wohl mit Mittelmaß abgefunden worden ist, in Zukunft das Ziel 3. Liga verstärkter auf den Schirm nimmt. Ebenfalls verzichten musste man auf den wegen eines Innenbandrisses vier Wochen pausierenden Marcel
"Sterni" Großkreutz, während die angeschlagenen Ricken (Pferdekuss) und Öztekin (Grippe) mitmachen konnten.
Bei den Lausitzer Gästen war Schuppan gelb-gesperrt, während Routinier Thielemann noch eine Woche pausieren muss. Interessant die Männer auf der Bank und im Tor: Nach der Entlassung Petrik Sanders bei den Profis war für Heiko Weber die Riesenchance gekommen, sich mal bei den Profis zu präsentieren. Wer träumt nicht mal davon? Problem: Es ging zu den Bayern nach München und man verlor kläglich 0:5. Weber musste wieder mit dem oft tristen Regionalliga-Alltag leben. Der Torhüter hieß Martin Männel und bewies nicht nur heute, sondern auch bei der U19-EM letzten Sommer, dass aus Cottbus nicht nur bosnische Comedians kommen.
Durch die unsägliche Tatsache, dass von beiden Teams die Profis gleichzeitig spielten (und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison, obwohl man es von Seiten des DFB auch anders lösen könnte), kamen aus Cottbus nur 15 der "Amateure Supporter" mit. Auf Dortmunder Seite sah es nicht viel praller aus, sodass insgesamt heute nur 431 Unentwegte den Gang in die Rote Erde antraten. Positiv daran war
jedoch der Umstand, dass man sich schön anhören konnte, was sich Spieler so alles an den Kopf werfen während eines Spiels.
Diejenigen, die kamen, konnten dafür einem sehr munterem Spielchen beiwohnen, was schon nach fünf Minuten einen (noch) besseren Verlauf hätte haben können. Der sehr starke Ricken mit Pass in die Gasse auf Omerbegovic, dessen Versuch aber im 1-gegen-1 vom eben angesprochenem Männel entschärft werden konnte. Während Ricken schöne Eigenwerbung von sich machen konnte, wirkte der andere Mittelfeld-Hoffnungsträger Daniel Gordon ungewohnt fahrig, nicht bei der Sache und schwach im Zweikampf. Auch körperlich wirkte er nicht topfit, obwohl er doch nach seiner Verletzung die gesamte Vorbereitung hat mitmachen können. Merkwürdig! Zum Glück konnten Ramaj und Lerchl sein schwaches Zweikampfverhalten nicht gewinnbringend ausnutzen (11.).
Ricken mit Kunstschuss
Dies war jedoch das letzte Intermezzo von einer starken Phase unserer Schwatzgelben: Nachdem Öztekin nach schönem Pass von Hille erneut im 1-gegen-1 an Männel scheiterte (22.) und der überraschend solide und verlässlich verteidigende Oscislawski knapp drüber schoss (24.), hatte Ricken keinen Bock mehr auf Zittern und nahm sich von halblinks mit rechts ein Herz und zirkelte den Ball über Männel hinweg traumhaft in die lange Ecke. Was für ein geiles Tor! Dachte man, doch der Pfosten ist kein Fußballromantiker, sondern Pragmatiker. Zum Glück stand Hille goldrichtig und köpfte den Abpraller in die Maschen. Cottbus reklamierte zwar noch, doch das Schiri-Gespann um die gute Nicole Schumacher entschied auf Tor. 1:0!
Und es waren nur weitere 180 Sekunden, als Trainer Schneider so richtig aus sich heraus gehen konnte,
nachdem Omerbegovic einen herrlichen Konter über Öztekin und Hille maßgerecht abschließen konnte. Herrlich herausgespielt! Das freut doch des Trainers Herz. Wie schnell es jedoch in die andere Richtung gehen kann, bewies der sonst souveräne Höttecke im Kasten, als er einen Ball nicht richtig wegschießen konnte und sich gegen Ramaj nur mit einem Foul zu helfen wusste. Nur sehr knapp begang er die "Tat" außerhalb des Strafraums und da der folgende Freistoß nichts einbrachte, kann man im Nachhinein diesen Fauxpas schmunzelnd unter den Tisch fallen lassen (36.).
Fazit nach 45 Minuten
Durch die letzte halbe Stunde muss man von einer verdienten Führung des BVB sprechen, da Cottbus sowohl vorne als auch hinten nicht das entsprechende Niveau aufbieten konnte. Manche Spieler wirkten sogar lustlos, fast schon apathisch, während beim BVB nur Gordon sich nicht so recht in die homogene Mannschaftsleistung einfügen wollte oder konnte.
Fans, nehmt euch was zu lesen mit!
Die zweite Hälfte war sowohl für die BVB-Spieler als auch für den Autor dieser Zeilen wesentlich angenehmer, da nicht mehr viel passierte und man sich den milden Herbstwind um die Nase wehen lassen konnte. Zwar ging es mit einem Cottbusser Abseitstor und einer vergebenen Chance von Omerbegovic hektisch los und auch bis zur 55. Minute gab es durchaus noch einige Möglichkeiten zu Treffern, doch trafen weder Birk noch Hensel für die Gäste zum Anschlusstreffer. Dann jedoch hätten die Zuschauer entweder die Konferenz im TV schauen können oder einmal die Strobelallee rauf und runter wandern können. Es dauerte sage und schreibe 26 Minuten (diese
Zeit kann auch als "Das Schlächten von Dortmund" in die Historie eingehen, weil alles getreten wurde, nur nicht mehr der Ball), ehe der agile Omerbegovic Männel erneut auf die Probe stellen konnte (81.).
Kommen wir nun zu einem echten Problemfall, wo langsam aber sicher auch die Qualitätsfrage diskutiert werden muss: Sebastian Tyrala. Nach 86 Minuten in einem eigentlich schon gewonnenen Spiel eingewechselt und mit der Möglichkeit, ohne Druck und Angst vor Fehlern mal etwas zu zeigen, verursachte der Ziehsohn von Ex-Profitrainer Bert van Marwijk einen völlig unnötigen Freistoß, den Toni Wachsmuth von der Strafraumgrenze an den Pfosten knallte. Marcel Höttecke war mit den Fingerspitzen wohl noch dran. Man möchte nicht wissen, was in Tyralas Kopf geschossen wäre, wenn es zu einem 1:2 gekommen wäre und die letzten drei Minuten noch einmal Cottbusser Powerplay aufgekommen wäre. So bleib es also beim letztlich souveränen 2:0.
Fazit nach 90 Minuten
Auch wenn Cottbus in der zweiten Hälfte durch ihr zugegebenermaßen klägliches Bemühen zwar optisch überlegen war und der BVB schlechte Konter in der Schlussphase führte, war der Sieg klar verdient und hier passt denn auch eine der tollsten Fußballfloskeln überhaupt: "Mund abputzen, weitermachen!"
Die nächste Gelegenheit dazu ist am nächsten Sonntag um 14 Uhr bei den Amateuren vom Hamburger SV. Das nächste Heimspiel ist am 30.3. um 14 Uhr im Westfalenstadion gegen Dynamo Dresden. Beide Spiele somit am Sonntag und sowohl Fans als auch am Samstag nicht eingesetzte Profis sollten sich diese Partien nicht entgehen lassen, um dem großen Ziel, der Qualifikation für die 3.Liga, weitere Schritte näher zu kommen.
Stimmen zum Spiel
Theo Schneider (Trainer BVB): Es war personell schwierig heute, auch für die Psyche. In einem schwierigen Spiel konnten wir trotzdem den Befreiungsschlag landen. Cottbus spielt eigentlich immer gut mit in dieser Liga und wir können froh sein, dass sie ihre Chancen nicht haben nutzen können. Unsere beiden Spitzen vorne haben kämpferisch alles gegeben und sich dann auch belohnt. Ich muss meinem Team ein Kompliment machen. Jetzt können wir etwas beruhigter an die Aufgabe herangehen, auch in Hamburg zu punkten.
Heiko Weber (Trainer Cottbus): Zwischen der 16. und 45. Minute hat uns der BVB klassisch ausgekontert, wo wir dann einfach nicht mehr folgen konnten. Die ersten 15 Minuten von uns waren ganz passabel, dann war der BVB dreimal allein vor unserem klasse Keeper. In der zweiten Halbzeit waren die Dortmunder dann etwas langsamer, aber auch das konnten wir nicht nutzen. Man sah heute heute deutlich, dass der BVB bedingungslos in die 3. Liga will, während meine Jungs freiwillig in die 4.Liga gehen wollen. Das war heute der entscheidene Unterschied!
Christian Eggert: Der Dreier war natürlich enorm wichtig und auch so ein kleiner Befreiungsschlag. Nach den drei Unentschieden und der Niederlage letzte Woche in Bremen war das heute auch für das Selbstvertrauen wieder wichtig, auch dass unsere Stürmer heute getroffen haben war gut. Verbessern in unserem Spiel können wir natürlich immer was. Wir hätten vorne vielleicht die Bälle auch etwas länger halten sollen, so wie Lars das ganz am Schluss sehr gut gemacht hat. Wer nächste Woche bei Hamburg spielt, muss uns letztendlich egal sein, denn für uns ist jedes Spiel jetzt ein Endspiel und wir müssen die Gegner so nehmen wie sie kommen. Wir müssen jedes Spiel 100% geben, weil wir die Quali schaffen wollen!
Daten zum Spiel
BVB II (4-2-2-2): Höttecke (2,5) - Oscislawski (3), Njambe (3,5) (52. Rummenigge, 4,5), Hünemeier (2,5), Schmelzer (3) - Gordon (4,5), Eggert (3) - Ricken (2), Öztekin (3,5) - Hille (2) (86. Tyrala, - ), Omerbegovic (3) (83. Boztepe, - )
Cottbus II (4-4-2): Männel - Bittroff, Hackenberg, Franke, Bankert (65. Hochscheidt) - Häntschke (46. Trytko), Wachsmuth, Birk, Lerchl (73. Marrack) - Hensel, Ramaj
Tore: 1:0 Hille (30., Kopfball, Vorarbeit Ricken), 2:0 Omerbegovic (33., Linksschuss, Hille)
Zuschauer: 431
SchiedsrichterIN: Nicole Schumacher (Oberhausen - Schüller, Peters), 2,5. In einem nicht einfach zu leitenden Spiel fällte sie das Gros der Entscheidungen richtig, konsequent und gut. Sie hat auf jeden Fall nicht Negativ-Werbung für mehr Frauen im Männerbereich gemacht.
Chancen: 6:5
Ecken: 7:2
Gelbe Karten: Höttecke (36., Foul), Omerbegovic (41., Meckern), Hünemeier (69., Foul), Gordon (70., Foul) - Häntschke (28., Foul), Bankert (62., Foul), Wachsmuth (68., Foul), Männel (89., Meckern)
Malte, 17.03.2008
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