BVB verliert das Spiel und Gordon die Nerven
Beim Spiel des Zweiten gegen den Dritten kann man getrost von einem echten Spitzenspiel sprechen. Großer Mist also, dass man dies an einem kalten Dienstagabend vor wenigen Zuschauern austragen musste und richtig doof ist es dann, wenn man solch ein wichtiges Spiel mit 1:2 vergeigt. Negativer Höhepunkt des Abends war dabei die Rote Karte für den erneut indisponierten Daniel Gordon.
Vor einer verbesserten Flutlichtanlage fand das Spiel heute statt und auch die malerischen Klänge der Lautsprecheranlage, die eher an ein Kaufhaus ("Frau Müller bitte zur Käsetheke") erinnerten, waren gewöhnungsbedürftig. Die frostigen Temperaturen und der Dienstagabendtermin verwandelten die Rote Erde so in einen eher tristen Ort, zumal auch aus Lautern keine aktive Unterstützung dabei war. Doch auf einige BVB-Fans war mal wieder Verlass und diese nutzten die gesamte Spieldauer diese Möglichkeit, um sich für das Profispiel in Köln warmzusingen.
Unsere Amateure sollten nach dem 2:0 über Gelsenkirchen eigentlich vor Selbstvertrauen strotzen und konnten ihre beste Elf aufbieten. Delron Buckley wurde wegen der Schmelzer-Verletzung jedoch mit in den Profikader genommen. Einige Lauterer Spieler waren sehr interessant. Da wäre zum einen Kevin Trapp, Juniorennationaltorwart und ambitioniertester Lehrling der Gerry-Ehrmann-Schule. Weiter geht es mit Christopher Lamprecht, der mal den VfL Wolfsburg vor dem Abstieg in die Zweite Liga bewahrt hat. Tja, so können sich Wege trennen. Weitere Spieler mit leidlich Profi-Erfahrung sind in Stachnik, Reinert sowie dem Kanadier Simpson zu nennen.
Schlafmützen und Fliegenfänger
Lautern hat in neun Spielen erst fünf Gegentore kassiert und deshalb sollte man möglichst keinem Gegentor hinterherlaufen. So die Devise vor dem Spiel. Und die BVB-Akteure setzten diese Anweisung auch sehr gut um - bis zur 50. Sekunde. Dann nämlich dribbelte sich Simpson durch die Abwehrreihe, Stachnik umspielte den behäbigen Großkreutz und schob zum 1:0 ein. Na doll! Der BVB wollte heute die Handicap-Wette ausprobieren und ging mit einem 0:1 ins Spiel. Aber Gästetorwart Kevin Trapp hatte einen Ruf zu verlieren. Den Ruf der "Genie und Wahnsinn"-Torleute der Lautern-Schule. Sebastian Hille machte sich nach einer Viertelstunde auf und davon, zog jedoch nur harmlos von der rechten Strafraumecke ab. Doch Trapp machte es seinen Idolen Weidenfeller, Wiese und Fromlowitz nach und begrub den Ball nicht unter sich, sondern ließ ihn slapstick-artig über sich hinter die Linie kullern. 1:1! Hille hatte seine Hausaufgaben gemacht: Schieße aus allen Lagen, wenn du einen Lauterer Torwart siehst.
Der BVB war jetzt besser und erspielte sich ein optisches Übergewicht, doch sprang keine wirkliche Chance heraus. Julian Koch hingegen hatte seine Problemchen mit der Standfestigkeit, was fast der bärenstarke Reinert ausnutzte. Sein Schuss von der Strafraumgrenze ging jedoch knapp über das Tor. Auch Gordon vorher und Öztekin danach schickten den Ball lieber auf Peterchens Mondfahrt, anstatt für das 2:1 zu sorgen. Und wenn wir schon beim Thema sind, läuten wir doch gleich die Weihnachtszeit ein. Zur Melodie vom ewigen "Last Christmas" kredenzten uns die BVB-Fans ein schönes "Ohoh, wir lieben Borussia Dortmund". Der FCK verwechselte derweil die Sportart und spielte innerhalb von fünf Minuten dreimal Hand. Vielleicht verwechselten sie ja die Melodie mit der von "Careless Whisper"...
Fazit nach 45 Minuten
Der FCK war nur nach Standards und Kontern mal gefährlich, während der BVB es trotz einer optischen Überlegenheit versäumte, zwingend zu agieren. Es ist nun an der Zeit, geduldig und abwartend zu agieren, um dann in der zweiten Spielhälfte die vielleicht einzige Chance konsequent auszunutzen.
Nach der Halbzeit trat dann der schwache und kleinliche Schiri Glasmacher auf den Plan, der dem BVB einen klaren Elfer nach Foul an Hünemeier verweigerte. Dafür soll er nach dem Spiel im Übrigen vom Schiribeobachter richtig zusammengefaltet worden sein. Doch was bringt das, wenn es auf dem Feld kein zählbares Ergebnis gibt? In der Folgezeit verlor der BVB urplötzlich die Kontrolle über das Spiel und der FCK stand jetzt wesentlich kompakter und konzentrierter. Auch Chancen spielte man sich heraus, die allerdings souverän von Kruse gegen Akcam (54.) und Neubauer (57.) zunichte gemacht wurden. Schließlich kam es wie es kommen musste: Der FCK belohnte sich für seine temporäre Überlegenheit, indem Reinert aus 22 Metern unbedrängt einen Ball Richtung Tor abfeuern konnte (63.). Kruse streckte sich, doch konnte er den immer länger werdenden Ball nicht mehr aufhalten. Tor, 1:2!
Der BVB jetzt richtig schwach und zerfahren, sodass der FCK aushelfen musste. Einen langen Ball wollte Lamprecht aus Trapp zurückköpfen, doch stand der ganz woanders als geplant. Jedoch war er noch schnell genug, um gegen zwei BVB-Angreifer den Ball gerade so noch von der Linie zu kratzen. Weitere fünf Minuten später dachte man, dass der Zwiebelkuchen gegessen sein. Ein Allerweltszweikampf mit harmlosem Foul an Gordon beantwortete dieser mit einem brutalen Nachtreten gegen den am Boden liegenden Gast. Völlig zurecht Rot und (hoffentlich) eine lange Sperre. Wobei dieser Umstand momentan wohl eher eine Verstärkung für das BVB-Team ist.
Erst in Unterzahl engagiert
Aber wie ist es doch so oft beim Fußball? Gerade in Unterzahl dreht eine Mannschaft plötzlich richtig auf und setzt wirklich alle Energien frei. So auch diesmal. In der 80. Minute haben kurz hintereinander Tyrala, der an Trapp scheitert, sowie Hille nach erneutem Trapp-Fehler Riesenchancen. Nur eine Minute später erneut eine Doppelchance durch Kullmann und Koch, als jeweils ein Abwehrspieler noch rechtzeitig stören konnte. Man kann dem BVB heute viel vorwerfen, aber nicht, dass er nicht gekämpft hätte. Zumindest in dieser Hinsicht war man gegenüber dem Lotte-Spiel nicht wiederzuerkennen. Nach einem Vrancic-Freistoß von der Mittellinie flogen drei Schwatzgelbe am Ball vorbei (83.). Die Chancen waren also da.
Dieses Alles-oder-Nichts-Spiel brachte es natürlich mit sich, dass sich auch Raum für Konterchancen ergab. Aber Kruse hielt sowohl gegen Akcam als auch gegen Saiti seine Mannschaft im Spiel. Und diese hatte tatsächlich noch einmal eine Möglichkeit. Wieder war es ein Vrancic-Freistoß, der abgefälscht genau bei Kullmann landete. Doch dieser bewies einmal mehr, dass er nicht unbedingt ein Knipser vor dem Tor ist. Seine Idee, den Ball gegen die Laufrichtung Trapps zu setzen, war falsch. Der Gästetorwart parierte und sicherte so den Lauterern letztlich nicht mal unverdient drei Zähler.
Für den BVB geht es am nächsten Sonntag um 15 Uhr nach Bochum zur zweiten Mannschaft, während um 17 Uhr die Profis gegen den gleichen Gegner zu Hause spielen. Warum kann man nicht das Heimrecht tauschen und mal einen richtig schönen Doppelspieltag machen? Welche Sicherheitsbedenken sollen denn vorhanden sein, wenn man anstatt um 17 Uhr eben schon um 14 Uhr mit einem Fußballtag beginnt? Vielleicht lassen sich einige Verantwortliche diesen Vorschlag mal durch den Kopf gehen. Schön wäre es in jedem Fall!
Fazit nach 90 Minuten
Nur in Unterzahl engagiert und aggressiv auftreten, reicht eben nicht aus. Normal geht so ein Spiel eher Unentschieden aus, aber das nötige Glück hatte heute eben der FCK auf seiner Seite. Zwar wunderten sich selbst manche FCK-Verantwortliche, warum man im Moment so stark ist, aber wenn man oben steht, hat man einfach das nötige Glück als Bonus. Dann klappt eben alles und man holt nicht eingeplante Punkte.
Stimmen zum Spiel
Alois Schwartz (Trainer FCK II): Der BVB war bisher unser stärkster Gegner, da sie ein sehr hohes Tempo gingen. Für uns war das erste Tor natürlich gut, leider kassierten wir dann durch einen Torwartfehler das 1:1. In der Halbzeit haben wir dann auf unsere jungen Spieler eingewirkt und besonders Kevin Trapp hat sich dann wieder gefangen. Letztlich ist der Sieg nicht unverdient. Dennoch hat es uns der BVB sehr schwer gemacht.
Theo Schneider (Trainer BVB II): In der ersten Hälfte war es sicher ein hochklassiges Regionalligaspiel und man sah, dass Lautern nicht umsonst oben steht. Phasenweise haben wir aber auch richtig gut kombiniert und das gegen unseren mit Abstand stärksten Gegner bisher. Wir haben das 0:1 gut weggesteckt und erzielten dann mit etwas Glück den Ausgleich, der nicht ganz unverdient war. Die Art und Weise heute lässt mich hoffen, dass wir uns die heute verlorenen Punkte schon nächste Woche im nächsten Revier-Derby bei einem unbequemen Bochumer Gegner zurückholen werden.
Daten zum Spiel
BVB II (4-4-2 mit "flacher Vier"): Kruse (3) - Hillenbrand (4), Großkreutz (5), Hünemeier (3,5), Koch (3,5) - Gordon (5,5), Vrancic (3) - Hille (3) (86. Schneider, - ), Öztekin (4,5) (63. Omerbegovic, - ) - Kullmann (4), Tyrala (3,5)
FCK II (4-2-3-1): Trapp - Lamprecht, Broniszewski, Correia, Kaldirim - Klinger, Neubauer - Akcam (88. Jemmely, - ), Reinert, Simpson (89. Saiti, - ) - Stachnik
Tore: 0:1 Stachnik (1., Rechtsschuss, Vorarbeit Simpson), 1:1 Hille (13., RS, o.V.), 1:2 Reinert (63., RS, o.V.)
Zuschauer: 596
SR: Glasmacher (Aachen - Assistenten: Steffens, Lex), Note 5. Verweigerte dem BVB einen klaren Foulelfmeter und pfiff in einem an sich fairen Spiel viel zu kleinlich.
Chancen: 6:7
Ecken: 5:5
Gelbe Karten: Hillenbrand (48., taktisches Foul), Großkreutz (56., taktisches Foul), Öztekin (61., Armeinsatz im Luftzweikampf)
Rote Karte: Gordon (73., Nachtreten)
Malte, 29.10.2008
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