Das Talent vom Klassenprimus

Mats Hummels zeigte auch gegen Rotterdam eine ordentliche LeistungAls eines der größten Talente des deutschen Fußballs war er in der letzten Winterpause von Klassenprimus Bayern zum BVB gekommen, um die Flut an Gegentoren zu unterbinden. Das gelang ihm nicht vollständig – doch das war nur zu einem kleinen Teil seine eigene Schuld. Hat Mats Hummels eine Zukunft im Ruhrpott?

Der Innenverteidiger, der das defensive Mittelfeld als seine Lieblingsposition bezeichnet, ist nur ausgeliehen und soll in der übernächsten Spielzeit wieder zu seinem alten Klub zurückkehren. Bei den Bayern, wo der heute 19-Jährige bereits seit seinem siebten Lebensjahr aktiv war, gibt es einen gewaltigen Konkurrenzdruck und Gerangel um nur zwei freie Verteidiger-Plätze. Genau darin sehen viele Experten die Chance für die Borussia. Wieso sollte sich ein talentierter junger Mann wie er so früh in seiner Karriere die Chance auf möglichst viele Bundesliga-Einsätze verbauen? Hinter der Südamerika-Fraktion, bestehend aus Lucio, Demichelis, Breno, und van Buyten wäre der in Bergisch-Gladbach geborene Hummels nur das fünfte Rad am Wagen. In Dortmund wiederum winkt eine realistische Chance auf einen Stammplatz.
 
HummelsSchon in seinen Anfängen als Profi erfuhr der U21-Nationalspieler, dass die Einsatzmöglichkeiten bei einem Team wie den Bayern alles andere als hoch sind. Zwar avancierte Hummels schon während der Saison 2005/2006 unter Trainer Hermann Gerland zum Stammspieler in der Regionalligamannschaft und bot reihenweise gute Leistungen, doch in höheren Gefilden – sprich der Bundesliga-Mannschaft - vermochte er sich nicht durchzusetzen. Felix Magath baute aufgrund der schon vorhandenen Klassespieler nie auf ihn. Der 1, 91 Meter große Schlaks absolvierte immerhin die gesamte Vorbereitung für 2006/2007 mit der ersten Mannschaft und wurde im Testspiel gegen den großen FC Barcelona sowie im Ligapokal eingesetzt. Ohne Einsatz unterschrieb er ein knappes halbes Jahr später seinen ersten Profivertrag – auch den Bayern war nicht entgangen, dass es sich bei dem Abiturienten um ein großes Talent handelte. „Er ist ballsicher, ruhig, spielt ohne Risiko und hat ein gutes Auge. Ich denke, man wird noch viel Freude an ihm haben,” befand sein Trainer Gerland einst. Es folgten erste U21-Länderspiele unter Dieter Eilts und viele ansprechende Leistungen in der Regionalliga Süd. Ende der Saison 2006/2007 gelang Mats Hummels das Debüt im Profifussball, als er im letzten und Hummels gegen die Großen: Nigel de Jongentscheidenden Spiel gegen Mainz 05 in der 52. Minute eingewechselt wurde. Übrigens die erste Begegnung mit dem heutigen BVB-Coach Jürgen Klopp. Bundesliga-Luft schnupperte er danach aber vorerst keine mehr. Der am 16. Dezember 1988 geborene Hummels zog aus null Einsätzen in der Hinrunde 2007/2008 Konsequenzen und ließ sich für anderthalb Jahre zu Borussia Dortmund ausleihen - nicht ohne vorher seinen Vertrag an der Isar bis 2011 zu verlängern. Nach dem gelungenen Geschäft mit den Bayern ließ ein euphorischer Sportdirektor Michael Zorc verlauten, dass man „eines der größten deutschen Abwehtalente“ verpflichtet habe.

Im Ruhrpott lief es tatsächlich auf Anhieb gut. Vor allem, weil Hummels mehr Einsatzzeiten als bei den Bayern erhielt. Schon im ersten Pflichtspiel des Jahres, beim DFB-Pokalspiel gegen Werder Bremen, wurde er kurz vor Ende des Spiels eingewechselt und half mit, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Danach bekam er immer mal wieder Teileinsätze, bei denen er meist als defensiver Mittelfeldspieler oder Rechtsverteidiger agierte. Bald darauf hatte sich Hummels einen Stammplatz in der wackeligen Abwehr der Borussia erkämpft. Als Innenverteidiger bewies er schnell, dass nicht nur Zweikampf und Stellungsspiel, sondern auch der Spielaufbau zu seinen Stärken zählt. Hummels absolvierte schließlich 13 von 17 möglichen Rückrundenspielen.Jürgen Klopp scheint ebenfalls große Stücken auf seinen Verteidiger zu halten. Viele Hummels vs. Hajnal im TrainingsspielExperten sehen ihn und Subotic – beide zusammen von den Medien bereits als „Kinderriegel“ betitelt - in der Stammformation für die neue Saison.
 

Die Zeit beim BVB sieht der Juniorennationalspieler Hummels als „große Chance“. Sein Ziel sei es, sich weiterzuentwickeln und ein guter Bundesligaspieler zu werden. Vielleicht ja doch für viele Jahre im schwarz-gelben Trikot? Erste Gespräche zwischen Dortmund und Bayern bezüglich einer festen Verpflichtung soll es schon gegeben haben. Und auch Mats Hummels betonte kürzlich in einem Interview mit der Reviersport, er fühle sich wohl im Ruhrpott. Die Chance, ein großes deutsches Talent zu verpflichten, scheint gegeben.  Mit Neven Subotic und Felipe Santana besitzt der BVB zwei weitere hoffnungsvolle Innenverteidiger-Talente. Der Wunsch, dass Dortmund mit allen drei noch lange viel Spaß haben wird, ist allgegenwärtig.

DanielR, 01.08.2008