Wohin soll der Weg gehen?
Die Meldung über den Verkauf der Namensrechte unseres Westfalenstadions für weitere fünf Jahre am vergangenen Montag kam wohl für fast jeden ziemlich unerwartet. Im Stillen hatte die Geschäftsführung diesen Schritt vorbereitet, der in anderem Kontext und zu einem späteren Zeitpunkt sicher eine höhere Brisanz gehabt und durchaus hitzigere Diskussionen hervorgerufen hätte.
Da wir bei der Bewertung dieses millionenschweren Deals nie alle auf einen Nenner kommen werden, möchte ich an dieser Stelle keine langen Reden über die Identität und die Tradition unseres Vereins und unseres Stadions schwingen, sondern viel mehr auf eine für mich sehr beängstigende Entwicklung aufmerksam machen. Der erste Deal mit der bekannten Dortmunder Versicherung wurde in der Zeit der höchsten finanziellen Schieflage getroffen und genau mit dieser Situation der Öffentlichkeit erklärt. So bitter dieser Verkauf damals für viele war, angesichts der Situation war die Mehrheit bereit, sich damit abzufinden.
Im Verlauf der letzten Jahre hat sich die Argumentation nun gezwungenermaßen geändert. Die wirtschaftliche Situation ist zwar noch nicht perfekt aber um Längen besser als noch vor drei Jahren. Trotzdem galt man fast als weltfremder Romantiker wenn man bekannte, dass man ein kleines Fünkchen Hoffnung darauf gehabt hat, dass der Kelch ab 2011 an uns vorüber gehen würde. Den Gesetzen des modernen Fußballs folgend, sehen viele die Millionen aus diesen Verträgen als zwingend und unausweichlich für eine positive sportliche Entwicklung unsere geliebten Borussia. Eine Einstellung, die in einer Zeit, in der Gehälter und Ablösesummen den vermeintlichen Zusammenbruch des Transfermarktes endgültig überwunden haben und nun wieder unaufhaltsam und konstant steigen, schwer von der Hand zu weisen ist .
Es bleibt dennoch die ganz klare Feststellung, dass sich die Notwendigkeiten für einen solchen Kontrakt in wenigen Jahren um fast 180° gedreht haben. Aus der unausweichlichen Notlösung ist ein Vertrag geworden, der zur Basisfinanzplanung gehört. Wie schlimm das nun für den Einzelnen ist, muss jeder selber wissen, wir sollten dabei allerdings nicht die Augen vor unser aller Zukunft verschließen. Einer Zukunft, für die folgenden zwei Dinge zumindest für mich unausweichlich fest stehen:
1. Das Westfalenstadion werden wohl auf absehbare Zeit immer wieder verschiedene Sponsoren schmücken, die sich für den jeweils aktuellen Marktwert für ein paar Jahre ihren Platz auf dem Dach der Heimat unser Borussia sichern. Dabei wird es an uns liegen, dass sie den Platz im Herzen und im Kopf der Borussen nicht gleich mit kaufen, sondern dass der wahre Name unseres Stadions an dieser Stelle auf ewig erhalten bleiben wird. Es ist unsere zwingende Aufgabe für die kommenden Jahre, die leeren Worthülsen wie „Für mich wird es immer das Westfalenstadion bleiben“ mit Leben und Taten zu füllen.
2. Es ist an der Zeit, für uns Fans zu definieren, an welchem Punkt das Ende der Kommerzialisierung erreicht ist. Immer wieder tauchen in den Diskussionen über Themen wie die Werbefahne vor der Südtribüne oder den Namen unseres Westfalenstadions auch von den jeweiligen Befürworten Grenzen auf, die in ihren Augen nicht überschritten werden dürfen. Gerne werden in diesem Zusammenhang Vereinsfarben, Logo und Name genannt, da diese drei Dinge die grundsätzliche Identität eines jeden Vereines darstellten. Unsere Vereinsführung und die Verantwortlichen vieler anderer (leider nicht aller) Vereine beteuern gerne und oft, dass dies Grenzen seien, die sie niemals überschreiten wollen.
Aber was sind diese Bekenntnisse im Angesicht der aktuellen Entwicklungen im Fußball wert? Ein Strudel, der uns bereits einmal fast in den Abgrund gerissen hätte, beginnt, sich wieder immer schneller zu drehen und verschlingt dabei unfassbare Millionenbeträge. Vor allem in England schießen Gehälter und Ablösesummen auch für mittelmäßige Spieler in astronomische Höhen, so dass es Deutschen Vereinen wohl auf absehbare Zeit unmöglich sein wird, mit seriösem Wirtschaften in diese Größenordnungen vorzudringen.
Bei der DFL und den Vereinen scheint man sich dennoch in den Kopf gesetzt zu haben dem Vorbild aus England oder Spanien zu folgen. Dass man dabei wie ein kleiner Dackel wirkt, der nicht versteht, dass er mit seinen kurzen Beinen gegen den großen Windhund keine Chance hat, scheint man nicht einsehen zu wollen. Man lässt sich scheinbar blind auf einen Wettlauf ein, obwohl dieser mit den aktuellen Mitteln nicht einmal annähernd zu gewinnen ist. Zusätzlich zu diesem internationalen Wettlauf kommt noch das nationale Wettrennen, in das sich mit Hoffenheim erst kürzlich ein neues Schwergewicht eingeschaltet hat. Auch hier gilt es für alle Vereine mitzuhalten und immer neue Millionenquellen aufzutun. Dabei weiß wohl noch niemand so wirklich, woher die Millionen für dieses absurde Spiel in den kommenden Jahren kommen sollen. Mancher Vereinsfunktionär, wie zum Beispiel Herr Kind aus Hannover, denkt offen daran, die 50+1 Regel zu kippen, während das für viele andere angeblich nicht in Frage kommt. Aber eben diese Leute liefern keine Antworten auf die Frage, wie es weiter gehen soll, sondern malen lieber eine unrealistische aber rosige Zukunft an die Wand.
Ein Produkt dieses absurden Wettlaufs ist die Einstellung vieler Borussen zu dem Verkauf unseres Stadionnamens. Während der Deal zu Beginn der 90er Jahre wohl noch für fast jeden undenkbar war, wurde er vor 3 Jahren als bittere Pille zur Konsolidierung geschluckt und ist nun für viele zum unausweichlichen Alltagsgeschäft geworden. Aber natürlich kann ein ähnlicher Prozess doch nicht unserem Vereinslogo widerfahren! Oder etwa doch?
Wehe dem Tag, an dem die erste Verein in England, Deutschland oder Frankreich diesen Schritt gehen wird. Ab diesem Tag wird die angeblich nicht mehr vorhandene Konkurrenzfähigkeit wie ein Damoklesschwert über der restlichen Fußballwelt schweben. Von den Regeln des irrationalen Wettlauf getrieben wird, wie schon bei den Stadionnamen, auch bei diesem vermeintlichen Tabu ein Verein nach dem anderen einknicken. Zumindest ich bezweifele vor dem Hintergrund der aktuellen Situation nicht, dass diese Situation über kurz oder lang eintreten wird.
Es ist daher in meinen Augen an der Zeit, dass wir uns alle ganz ernsthaft die Frage stellen, wo für uns die Grenze erreicht ist bzw. ob sie nicht schon längst überschritten ist. Haben wir nicht alle schon viel zu oft willenlos mit dem Kopf genickt bzw. schweigend einen weiteren Tiefschlag hingenommen? Warum sagen wir heute zu Dingen ja, die vor wenigen Jahren für fast jeden noch unvorstellbar waren? Warum opfern wir diese Dinge einem Strudel, der nie satt werden wird und kurze Zeit später das nächste Opfer von uns verlangt?
Von alleine werden weder die Bundesliga noch einzelne Vereine aus diesem Wahnsinn heraus kommen, ist ja scheinbar der Weg, den die Funktionäre wollen. Es liegt also verdammt nochmal an uns, die Grenze zu ziehen und den Ausstieg aus diesem Wahnsinn zu erzwingen. Wir Fans sollten unseren Fußball und damit auch unsere Borussia nicht sehenden Auges in den Abgrund rennen lassen, sondern möglichst bald einen Schlussstrich ziehen.
Zumindest für mich ist das Maß schon lange voll und ich bin nicht bereit noch weitere Teile des Fußballs für einen sinnlosen und unendlichen Wettlauf zu opfern! Obwohl es wohl vielen genau so geht, machen wir den immer wieder den ganz grundlegenden Fehler und hoffen darauf, dass das alles von alleine aufhören wird und schlucken dabei mehr oder weniger bewusst eine bittere Pille nach der anderen. Aufgestanden sind bisher nur die gerne öffentlich gescholtenen Ultras und vereinzelte Fangruppen und Organisationen. Der Rest der Fußballwelt ballt lieber im verborgenen die Fäuste oder lässt sich langsam aber sicher vom modernen Fußball einwickeln.
Es ist unser Fußball, unsere Borussia und unser Westfalenstadion. Wenn wir wollen, dass das so bleibt, dann ist es an der Zeit, sich endlich von diesen kleinkarierten Unterscheidungen in Ultras oder Kutten (und wie sie sonst noch alle heißen mögen) zu lösen und gemeinsam unserem Unmut Luft zu machen. Wir müssen damit aufhören, zu allem zähneknirschend ja zu sagen und verdammt nochmal auch endlich Nein sagen.
Jeder, dem das Herz blutet wenn er diese blau-weißen Buchstaben auf unserem Stadion sieht und der nicht will, dass auf kurz oder lang auch noch weitere Tabus gebrochen werden, sollte unserer Vereinsführung deutlich machen, dass nun zumindest in Dortmund Schluss ist. Solange den Herren Watzke und Rauball klar wird, dass sich dieser unser Verein nun wehrt, sei der Weg dahin jedem selbst überlassen.
Für immer Westfalenstadion!
qiub, 06.07.2008
BVB-News
11.05.12
Amas gegen Bochum - der Live Ticker ist dabei
10.05.12
Berlin ist schwatzgelb - Gastautoren gesucht
09.05.12
Infos von der PK aus dem Westfalenstadion


