The show must go on

Das Westfalenstadion von oben Eigentlich war der Trainingsauftakt Hauptthema. Aber Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nutzte die Gelegenheit und verkündete fröhlich lachend vor der versammelten regionalen und überregionalen Presse, vor über 100 Journalisten und elf TV-Teams einen vermeintlichen Verhandlungserfolg des BVB. Der eh noch bis 2011 laufende Vertrag mit dem neuen Namensgeber des Westfalenstadions wurde bis 2016 vorzeitig verlängert. Ein Rückschlag für alle Fans, die gehofft hatten, nach Vertragsende könne die ehrwürdige Spielstätte wieder ihren ursprünglichen Namen erhalten. Nun müssen wir noch weitere fünf Jahre mit einem grotesken Kunstnamen leben, der besser zum Blumenbeet einer Versicherungszentrale passt, als zu Deutschlands größtem Stadion. Aber ist diese Vertragsverlängerung ohne Not tatsächlich als Erfolg für den Verein zu verbuchen?

Auffällig ist, wie heimlich still und leise die Verlängerung vollzogen wurde. Der Grund für die Geheimniskrämerei, die man sonstigen Verträgen - gleich ob Spieler, Brauerei, Ausrüster oder Vermarkter - oftmals vermissen lässt, liegt auf der Hand. Es dürfte derselbe sein, der die Verantwortlichen veranlasst hat, die Verkündung auf den Trainingsauftakt zu terminieren und somit die Klopp'sche Aufbruchstimmung zu nutzen, um den Aufschrei gering zu halten. Alle Fans, die den neuen Namen ablehnen, wurden so vor vollendete Tatsachen gestellt und man konnte eine hitzige Diskussion im Vorfeld vermeiden. Nicht unbedingt ungeschickt aus Sicht der Geschäftsführung. Aber auch nicht unbedingt sensibel. Denn der Stadionname ist ein heikles Thema, heftig umstritten und mit immens viel Herzblut versehen. Das weiß auch die Geschäftsführung und man braucht kein Schelm zu sein, um das Vorgehen zu interpretieren. Ob mit treuen Fans und Kunden derart umgegangen werden sollte, ist letzten Endes jedoch wohl eine Stilfrage.

Und das Geschäftliche? Über Zahlen schweigt man sich beim BVB aus. Schriftzug WestfalenstadionIn der Pressekonferenz zum Saisonauftakt ließ Hans-Joachim Watzke sich lediglich entlocken, dass der neue Vertrag nicht schlechter sei als der bisherige. Doch was heißt das schon? Die Borussia stand seinerzeit am Abgrund und hatte eine regelrechte Serie der Negativschlagzeilen in sämtlichen Wirtschaftsmedien hinter sich. Der Verkauf der Namensrechte war elementarer Bestandteil des vorgelegten Sanierungskonzepts. Ohne ihn, so hieß es, sei der Ofen aus. Nicht eben die Verhandlungsposition, in der man Rekordsummen aushandelt. Nun also „nicht schlechter als bisher". Klingt wie ein „och ja, man lebt" als Antwort auf die Nachfrage nach dem Befinden.

Bleibt zuletzt die Frage nach dem „Warum?". Der alte Vertrag lief noch drei Jahre. Kein Anlass also eigentlich, eine vorzeitige Verlängerung sonderlich zu forcieren. Zumal der Marktwert des Namens heute kaum höher sein dürfte als 2011 - dem Jahr also, in dem der BVB wieder auf Augenhöhe mit den Großkopferten der Liga stehen will.

 So bleiben am Ende vor allem viele Fragen. Nicht jede der möglichen Antworten hat dabei einen angenehmen Nachgeschmack.

Westfalenstadion-ChoreoWir Fans jedenfalls, die am Westfalenstadion hängen, müssen die gestrige Nachricht erst einmal verdauen. Acht Jahre, die der neue Vertrag nun dauert, sind eine lange Zeit. Manch einer mag da resignieren und allmählich zur Überzeugung gelangen, dass das Stadion seinen Namen nie wieder zurück erhalten wird.

Doch wenn wir nicht daran glauben, wer soll es dann tun? Wenn wir den traditionsreichen Namen jener Spielstätte, in der der BVB so viele Triumphe und Tragödien erlebt hat, nicht hochhalten, wer dann? Das Westfalenstadion lebt. Es lebt in unseren Gedanken und vor allem unseren Gesängen. „Wenn wir ins Westfalenstadion gehen..." ist eines unserer Lieder. Von Versicherungsagenturen ist da keine Rede. Ein Park, das sind gepflegte Beete, Bänke, „Hunde anleinen" und „Betreten der Rasenfläche verboten".  Mit Stadionatmosphäre hat das nichts zu tun. Bratwurst, Bier und Borussia - das wird hoffentlich auf ewig mit dem Namen Westfalenstadion verbunden sein. Manchmal haben aberwitzige Kunstnamen eben auch was Gutes.

Wir sollten die Hoffnung darum nicht aufgeben, dass diese 16 Buchstaben im Jahr 2016 auch wieder ihren Weg zurück an die Stadionfassade finden und dann hoffentlich auf ewig dort hängen werden. Bis dahin müssen wir unsererseits alles tun, damit der traditionsreiche Name nicht in Vergessenheit gerät.

Die Show muss leider weitergehen: Für immer Westfalenstadion!

Arne, 04.07.2008