Der Traum ist vorbei - Ärgernis Spielverlegungen
Als am Samstag Schiedsrichter Schalk das entscheidende Heimspiel des BVB II gegen die Zweitvertretung aus Wolfsburg (1:2) abpfiff, sanken alle schwarzgelben Spieler wie vom Blitz getroffen zu Boden. Jedem war direkt klar: das war‘s. Zwar ist der Aufstieg in die neue dritte Liga noch möglich, doch nur Berufsoptimisten dürften bei einer Tordifferenz von sieben Toren auf RW Essen an die Sensation in Braunschweig glauben, zumal Essen am Samstag zu Hause gegen Lübeck antreten wird.
Dabei hatte der BVB II die Hinrunde doch so sensationell beendet. Neben Punktgewinnen in Magdeburg, Cottbus, Erfurt und Dresden waren es vor allem die Heimspiele, die den BVB II ganz nach oben brachten. Doch der Start ins neue Jahr wollte nicht so recht gelingen. Zu oft spielte man unentschieden, was vor allem an der katastrophalen Torausbeute lag. In 35 Partien haben es die Borussen gerade mal auf 35 Tore gebracht - für eine sichere Qualifikation für die neue dritte Liga einfach zu wenig. So war es oft die überragende Abwehr um Innenverteidiger Uwe Hünemeier (nur 35 Gegentreffer), die den BVB immer wieder im Rennen hielt und oft ein 0:0 oder knappe 1:0-Siege sicherte.
Nach Dresden ging es abwärts
Konnte das Team um Trainer Theo Schneider mit dem Heimsieg gegen Cottbus II den Turnaround schaffen, ging der Blick aber spätestens nach den Heimspielen gegen Dresden (2:0) und Oberhausen (0:0) wieder nach unten. Gründe dürften hier neben den zahlreichen
Verletzungen von wichtigen Offensivkräften wie Lars Ricken, Christopher Nöthe (6 Tore) und Sebastian Hille (4 Tore) vor allem in den permanenten Spielverlegungen liegen. Konnte man als Fan mit den Ansetzungen in der Hinrunde noch gut leben, entwickelte sich die Rückrunde zu einem echten Ärgernis. Nach ersten „positiven“ Erfahrungen in Ostdeutschland verlegte der DFB in Zusammenarbeit mit der ZIS (Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze) kurzerhand ein Großteil der Spiele des BVB II auf jene Tage, an denen auch die Profis ihre Spiele austrugen. Mit dieser Maßnahme wollte man sich ganz einfach die polizeiliche Begleitung der Spiele sparen und Konfrontationen der Fangruppen vermeiden. So fielen vor allem die Spiele in Verl, Düsseldorf und Emden, sowie das Heimspiel gegen Magdeburg dieser Taktik zum Opfer. Ursprünglich für den Samstag angesetzt, wurden diese Spiele kurzerhand auf den Freitag bzw. Sonntag verlegt. Das Spiel in Emden wurde dagegen nicht verlegt, weil die BVB-Profis ihr Heimspiel gegen Wolfsburg im Westfalenstadion austrugen. Ein Besuch der Spiele war für BVB-Fans deshalb nicht möglich. Und das vor dem Hintergrund, dass auf der Tribüne die Stimmung im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich gesteigert werden konnte. Vor allem viele junge Ultras von den drei großen Fangruppen und viele andere amateurbegeisterte Dortmunder begleiteten den BVB II mit anspruchsvollem Liedgut und allerlei Tifomaterial durch fast ganz Deutschland. Gerade Verlegungen wie Verl, lassen aber auch den Schluss zu, dass man den BVB II einfach gar nicht in der dritten Liga haben möchte. Jeder der in Oberligazeiten mal beim SC Verl an der Poststraße gewesen ist, wird wissen, dass es hier gar kein Konfliktpotenzial geben kann, weil Verl etwa den Zuschauerzuspruch wie Verbandsligisten hier im Dortmunder Umkreis hat.
Verlogenheit des DFB
Selbst wenn dem nicht so ist, wird an dieser Stelle die Verlogenheit des DFB deutlich. Viele Vereine beklagen mit Zweitvertretung oft berechtigter Weise äußerst unattraktive Gegner, verbunden mit Zuschauereinbußen. Doch wie will man dieses Vorurteil widerlegen, wenn man alles daran setzt, dass die Fans der Zweitvertretungen deren Spiele erst gar nicht besuchen können? Gerade in Dortmund hat man ein festes Publikum, welches das Team begleitet, egal ob in Essen oder Dresden gespielt wird. Daher treffen diese Verlegungen viele Fans schon sehr hart. Aber auch Spieler und Trainer des BVB II können diese Vorgehensweise nicht nachvollziehen. So musste der BVB gerade in der Rückrunde neben der akustischen Unterstützung, auch oftmals wichtige Spieler wie Nöthe, Senesie oder Hillenbrand an die erste Mannschaft abgeben. Unterstützungen von den Profis waren im Gegenzug aufgrund der Verletzenmisere ausgeschlossen. „Das ist nicht fair. Wir erspielen uns ja auch ein gewisses Publikum und wenn die Spiele parallel zu den Profis sind, ist es ja auch normal, dass die Leute eher zu den Profis gehen.“, zeigt sich BVB-Trainer Theo Schneider alles andere als erfreut und geht noch einen Schritt weiter: „Wenn das Spiel gegen Verl (0:1-Niederlage) nicht parallel zu den Profis gewesen wäre, dann wäre die Tribüne hinter
dem Tor garantiert komplett schwarzgelb gewesen. Das hätte uns garantiert noch zusätzlich motiviert. Spiele wie zu Hause gegen Magdeburg waren dagegen ein zusätzliches Auswärtsspiel.“
Die neue Regionalliga
So spielt der BVB II auch im nächsten Jahr dank dieser Spielverlegungen, in denen der BVB II im Übrigen nicht einen einzigen Punkt (!) holte, in der Regionalliga. Unterschied ist nur, dass diese dann nicht mehr die dritte, sondern die vierte Liga darstellt. Unter normalen Umständen hätte man bei aktuell 48 Punkten locker den Klassenerhalt für die Regionalliga Nord gesichert und hätte auch in der nächsten Saison weitere Traditionsvereine wie Jena, Aue oder Münster in der Roten Erde begrüßen dürfen. Dazu hätte man auswärts die neue Fußballarena des SC Paderborn begutachten können. Doch da der DFB auf der Suche nach neuen Geldquellen fündig geworden ist und die eingleisige dritte Liga geschaffen hat, wird der BVB II in der Spielzeit 2008/09 in der Regionalliga West/Südwest antreten. Hier wird man in einer Staffel mit insgesamt zehn Zweitvertretungen spielen. Neben Gelsenkirchen, Bochum (beide Oberliga Westfalen), Mönchengladbach, Köln und Leverkusen (alle Oberliga Nordrhein) werden in Zukunft auch die Zweitvertretungen aus Mainz, Kaiserslautern, Wehen und Frankfurt in Dortmund zu Gast sein. Tolle Aussichten, zumal mit
Münster, Trier, Darmstadt und Siegen, sofern die Sportfreunde ihre Finanzkrise meistern, nur wenige attraktive Gegner in der neuen Staffel sein werden.
So bietet sich am morgigen Samstag die letzte Möglichkeit, den BVB II nochmal vor großer Kulisse spielen zu sehen. Vor allem sollte man beachten, dass ein Sieg gegen Braunschweig sehr wichtig wäre, damit RW Essen auch tatsächlich in die dritte Liga aufsteigen wird. Denn eins ist auch klar: wenn ein Großteil der Mannschaft gehalten werden kann und man diese mit einem Torjäger ausstattet der auch mal regelmäßig das Tor trifft, dann bietet sich in der nächsten Saison die Möglichkeit den verspäteten Aufstieg in die dritte Liga zu schaffen. Denn wirklich stark scheint diese Liga in der neuen Saison nicht wirklich zu werden.
Wer am Samstag die Reise in den Nordosten antreten möchte, dem sei die folgende Verbindung mit dem Regionalexpress ans Herz gelegt:
Dortmund Hbf ab 07:55 Uhr (Gleis 8)
Löhne an 09:13 Uhr (Gleis 12)
Löhne ab 09:50 Uhr (Gleis 13)
Braunschweig Hbf an 11:41 Uhr (Gleis 5)
Es gilt das Schöne-Wochenend-Ticket der Deutschen Bahn AG – 5 Personen für 35€.
Tommy, 30.05.2008
BVB-News
11.05.12
Amas gegen Bochum - der Live Ticker ist dabei
10.05.12
Berlin ist schwatzgelb - Gastautoren gesucht
09.05.12
Infos von der PK aus dem Westfalenstadion


