Dortmund verliert "9-Punkte-Spiel"

Lars Ricken fehlt weiterhinEs wird noch einmal eng, doch Trainer Theo Schneider "will jetzt keine Panik schieben". Nach der sonntäglichen 0:1-Heimniederlage gegen den direkten Konkurrenten Magdeburg beträgt der Abstand zu Platz 11 nur noch drei Punkte. Besonders spielerisch ging heute überhaupt nichts, da Spielmacher Lars Ricken weiter verletzt war. Alle Chancen resultierten so aus Ecken oder Freistößen.

Nach der unnötigen 0:1-Niederlage in Verl wollte der BVB mit dem von den Profis abgestellten Brzenska die Elbestädter auf Distanz halten, für die es im Grunde die letzte Chance zum Anschluss ans rettende Ufer war. Diese erkämpften letzte Woche gegen die momentan starken Ahlener immerhin ein 2:2 und kamen heute mit komplettem Kader in die Rote Erde. Mit dabei der Bundesliga-Haudegen Steffen Baumgart sowie der ehemalige tunesische Nationalspieler Najeh Braham, der seine besten Zeiten eigentlich immer nur unter Paul Linz hat/te (früher Trier, jetzt Magdeburg). Auf Dortmunder Seite fehlte neben Ricken auch Hille (Wadenbeinbruch) sowie Gordon (Zerrung), dessen Verletzung für Trainer Schneider "unnötig wie ein Kropf" war. Der bei den Profis aus dem Kader verbannte Federico hätte mit seiner spielerischen Klasse heute übrigens auf dem Platz mehr geholfen als zu Hause vor der Glotze. Aber bestimmt wollte Trainer Doll ein Zeichen setzen (ist Vermutung, aber warum sollten die Amas auf so einen Akteur verzichten wollen?) und ihm eine völlige Denkpause verpassen. So brachte man die Amas um eine wesentliche Verstärkung. Aber was interessiert Hamburger Söldner auch die Gesamtentwicklung Borussia Dortmunds?

Kaum BVB-Fans zugegen, dafür warteten die FCM-Anhänger mit schöner Fahnenchoreo unter dem auch sonntags in Kirchen anzutreffenden Motto "Wer liebt, der glaubt" auf. Das Polizeiaufgebot war nach den Ausschreitungen mit Platzsturm in der letzten Saison wesentlich höher als sonst, auch stellten sich viele Ordner vor die Osttribüne, um etwaige Bestrebungen im Keim zu ersticken. Soviel sei jetzt schon verraten: Im Gegensatz zum letzten Spiel blieb diesmal alles ruhig, auch weil wohl gewisse Selbstreinigungsprozesse in der Magdeburger Fanszene stattgefunden haben.

Thema heute: Standardsituationen

Uwe Hünemeier agierte sicherer als BrennerZum Sportlichen: Eigentlich sind die ersten Halbzeiten in dieser Saison in der Roten Erde unglaublich langweilig und erst in Halbzeit Zwei macht Senesie dann irgendwann das 1:0. Dies war heute aus zwei Gründen nicht der Fall, denn erstens spielten beide Teams ohne Angst mit Zug zum Tor und zweitens war Senesie heute viel zu sehr neben Spur, um besonders in den ersten 45 Minuten überhaupt etwas auf die Kette zu kriegen. Das wohl Kurioseste an diesem Spiel war jedoch, dass nahezu alle Chancen auf beiden Seiten aus Standardsituationen resultierten. So schoss FCM-Kapitän Kallnik erst einen Freistoß knapp über die Latte (9.), während unser Kapitän Hünemeier, der wesentlich sicherer und besserer als Brzenska agierte, nach Nöthe-Freistößen erst an der Kürze des Tores (20.) und dann an einer Glanzparade Beers scheiterte (23.).

Zwischendrin stand dann Omerbegovic im Mittelpunkt, der zunächst seinen besten Schuss knapp neben das gegnerische Gehäuse setzte (11.) sowie nach einem Standard der Magdeburger einen Schuss gerade noch auf der Linie retten konnte (17.). Was macht man als Magdeburger gegen so einen Spieler, der auf der Linie am Pfosten steht? Richtig, man denkt sich, dass der da zwar steht, aber auch klein ist. Diesen Gedankengang muss auch Christian Reimann gehabt haben, der nach 28 Minuten - natürlich nach einer Ecke - an den Ball kam, nachdem sich Höttecke und Brzenska nicht einig waren, wer den Ball konsequent raus aus dem Totalausfall: Sahr SenesieStrafraum beförderte. Jedenfalls riskierte der Magdeburger Stürmer mit seinem linken Volleyschuss alles und traf genau in den Torgiebel. Keine Chance für Höttecke und Omerbegovic. Es sollte die letzte Chance in der ersten Hälfte auf beiden Seiten bleiben.

Fazit nach 45 Minuten

Ein durchaus munteres Spielchen, obwohl praktisch alle Chancen aus Standards resultierten. Dabei profitierte Magdeburg einmal von einer Inkonsequenz Hötteckes und Brzenskas (man könnte zynisch sein und sagen, der kommt ja auch von den Profis). Spielerich geht bei diesem Boden und dieser Tabellensituation bei beiden Mannschaften sehr, sehr wenig. Das liegt auf Dortmunder Seite unter anderem am umsichtig agierenden Hünemeier, andererseits an dem bisherigen Totalausfall Senesie.

In der zweiten Hälfte erwartete man denn einen bedingungslosen Sturmlauf der Amateure, der jedoch erst in den letzten 5-10 Minuten so richtig intensiv wurde, als selbst Marcel Höttecke mit nach vorne stürmte und zweimal seinen Schädel auch an den Ball bekam, ihn jedoch nicht richtig drücken konnte. Dafür kam Brzenska mal richtig an den Ball, sein Versuch wurde jedoch auf der Linie geklärt. Den anschließenden Konter auf das leere Tor vereitelte Schmelzer, der so gerade noch die Grätsche ansetzen konnte. Nach 93 Minuten und ein paar Kaputten pfiff der solide Schiri Fritz ab, BVB-Spieler am Boden, Magdeburger ließen sich ob ihres großen Kampfeswillen zu Recht feiern. Ach so, Ihr fragt, was zwischen Halbzeit und Schlussphase passierte?! Nun ja, ich war nach der 50. Minute kurz eingenickt, denn da rettete Höttecke noch formidabel gegen Brahams Schuss aus zwei Metern. Dann habe ich mir noch sagen lassen, dass Senesie nach 64 Minuten zwar wunderschön den Ball nach Omerbegovic-Flanke annahm, aber ebenso kläglich abschloss. Sozusagen die Symbiose aus Welt-und Kreisklasse innerhalb von zwei Sekunden...

Fazit nach 90 Minuten

Auch diese Woche gabs keine Punkte für den BVB IIMit Kampf, Geschick und allen Tricks brachte der FCM den Auswärtssieg über die Zeit. Doch war dieser nicht unverdient, da dem BVB bis auf Standards nichts mehr einfiel, um im in der zweiten Halbzeit ausreichend Druck zu erzeugen. Zwar war die BVB-Moral intakt, doch ist dies auch notwendig, um gegen die erstarkten Magdeburger und auch Braunschweiger (dort tritt Dortmund am letzten Spieltag an und ein Endspiel um die Quali im Stadion an der Hamburger Straße wollen alle unbedingt vermeiden!!) im Fernduell bestehen zu können.

Nächsten Freitagabend geht es zur undankbaren Aufgabe nach Lübeck, um einen Tag später geschlossen nach Berlin zum Endspiel zu fahren. Am darauf folgenden Wochenende geht es dann zu Hause gegen den Aufstiegsaspiranten Oberhausen. Es wird also auch nicht einfacher!

Stimmen zum Spiel

Paul Linz: Wir haben heute gekämpft und das war das Wichtigste. Sicherlich setzten wir hier keine Glanzlichter, aber wir waren engagiert. Der Sieg war verdient und wichtig. Wir hatten einen großen Druck, aber dafür sind wir jetzt auch wieder dran. Auch den Respekt der Liga haben wir uns somit zurückerarbeitet und wenn wir auch wieder spielerisch besser werden, dann können wir die Qualifikation auch noch schaffen.

Theo Schneider kann es nicht fassenTheo Schneider: Ich habe es etwas anders gesehen, denn der Sieg war nicht unbedingt verdient. Das Tempo war für die Regionalliga wirklich hochklassig, es war sehr aggressiv und kampfbetont. In der zweiten Hälfte hatten wir die eine oder andere Möglichkeit, aber heute hatten wir auch das Glück nicht, dass der Ball mal über die Linie gedrückt wird. Trotzdem gibt es keinen Grund, jetzt nervös zu werden. Wichtig war auch, dass ich eine Reaktion auf das Spiel in Verl gesehen habe. Wenn wir nämlich die nächsten Spiele so angehen wie heute, dann ist mir für die nächsten Spiele nicht bange.

Daten zum Spiel

BVB II (4-1-2-3): Höttecke (3,5) - Hillenbrand (4) (76. Oscislawski, - ), Brzenska (4,5), Hünemeier (2,5), Schmelzer (4) - Eggert (4) (72. Boztepe, - )- Njambe (3,5), Großkreutz (4,5) (62. Öztekin, - ) - Omerbegovic (5), Nöthe (4), Senesie (5)

Magdeburg (4-2-2-2): Beer - Probst, Kallnik, Prest, Neumann - Wejsfelt, Gerster - Müller (62. Manai), Baumgart (62. Kullmann) - Braham, Reimann (89. Zander)

Tor: 0:1 Reimann (28., Linksschuss, ohne Vorarbeit)

Zuschauer: 1.242

SR: Fritz (Korb), 3. Oft zu kleinlich. Kam dafür in einem nickligen Spiel mit nur zwei Verwarnungen aus.

Gelbe Karten: Senesie (90.+3, unsportliches Verhalten) - Wejsfelt (85., Foulspiel)

Chancen: 3:4

Ecken: 10:8

Malte, 14.04.2008