„Sind wie eine Spitzenmannschaft aufgetreten“ - BVB Amateure gewinnen 7:0 gegen Oggersheim
Nein, es ist kein Tippfehler. Sieben Tore - davon drei von Christopher Kullmann - durften die BVB-Amateure gegen die Gäste aus Ludwigshafen-Oggersheim bejubeln und vollendeten damit das gute BVB-Wochenende. Der Sieg ist Gold wert, hat man doch so auch das beste Torverhältnis der Regionalliga West und der Rückstand auf Lauterns Zweite wurde verkürzt.
Man könnte sich fragen, ob man diesen Sonntag Nachmittag anstatt aus der eigenen nicht lieber aus der Sicht von Marc Ziegler, der heute das Tor der Zweiten hütete, oder auch aus Sicht der Ordner am Gästeblock erzählen soll. Bei beiden Varianten würde man auf jeden Fall sehr viel Zeit sparen. Aus Zieglers Sicht könnte von 90 Minuten Spielpraxis berichtet werden, die eigentlich keine Spielpraxis war, denn er bekam nichts, aber auch wirklich nichts auf sein Tor, was zu halten gewesen wäre. Die Ordner vor dem Gästeeingang könnten von den spannenden Stunden erzählen, in denen sie die Invasion der Ludwigshafener bestaunen durften. Da beides eher weniger interessant klingen würde, belassen wir es einfach bei der üblichen Sichtweise.
In der Roten Erde fanden sich 806 Zuschauer ein, darunter auch der verletzte Mats Hummels. Eine ziemlich schwache Zuschauerzahl, wenn man bedenkt, dass am Vortag 75.000 an der Strobelalle waren.
Die Sangeswilligen stellten sich in den, vom Spielfeld aus gesehen, rechten Teil der Sitzplatztribüne, nachdem man aufgrund von Renovierungs-Maßnahmen auf der genannten Tribüne etwa eineinhalb Jahre in der Nordkurve, die heute gut besucht war, stand. Der Gästeblock war mit vielleicht 20 Leuten sehr dürftig besucht. Als Intro gab es auf BVB-Seite eine schöne Choreo, mit dunkelgelben, schwarzen und gelben Pappschals und einem Banner mit der Aufschrift „Heja Borussia!“. Wie beim Spiel der Profis stand für einige Fans unverkennbar das Thema „Stadionverbote“ im Mittelpunkt. Die einen finden dies mehr als angebracht, andere finden es unnötig.
Trainer Theo Schneider durfte sich, da das Spiel der Profis bereits am Vortag war, auf den Einsatz von Hünemeier, Schmelzer, Kullmann und Ziegler freuen. Manch einer wunderte sich da über Zieglers Rückennummer, ist die „2“ doch sehr ungewöhnlich für einen Torwart. Zum Sportlichen:
Gegen die gegen den Abstieg kämpfenden Oggersheimer musste ein Sieg her, damit Lautern nicht weiter davon eilt. Das Spiel begann von beiden Mannschaften eher verhalten, wobei die Borussia etwas drückender agierte. Die ersten Chancen des Spiels gab es folglich auf Dortmunder Seite, als Kullmann (7. Minute) und Ginczek (8.) ihre Möglichkeiten hatten. Bei der zuletzt genannten Chance muss noch Oggersheims Torwart Knödler erwähnt werden, der den Ball gut parierte. Nach 14 Minuten gab es einen Freistoß für die Gäste, der es in sich hatte. Ziegler musste zusehen, wie der Schuss von Monetta das Lattenkreuz wach rüttelte. Nur zwei Minuten später gab es eine weitere Chance für den FSV, die den Gästen ebenfalls nichts brachte.
Unter der Unterstützung der BVB-Fans verlagerte sich das Spiel weiter in die Hälfte der Ludwigshafener. Auffällig war dabei, dass beim BVB sehr viel über die linke Seite lief. Besonders Schmelzer, der am Sonntag für die U21-Nationalmannschaft nach nominiert wurde und somit vor seinem Debut in der Elf von Horst Hrubesch steht, war immer wieder am Ball.
In der 35. Minute war es endlich soweit. Nach einem guten Pass von Tyrala schob Koch die Kugel excellent an Knödler vorbei. Der Ball rollte lange über den Rasen und alles sah nach Kochs zweitem Saisontor aus, doch Kullmann hielt Zentimeter vor der Linie seinen Fuß hin und leitete das Schützenfest der BVB-Amateure ein. Die Schwarz-Gelben machten weiter das Spiel und das zweite Tor ließ nicht lange auf sich warten. Oggersheims Keeper schien nach einem Angriff das Leder bereits in seine Hände zu bekommen, doch irgendwie kommt Koch dazwischen und wird zu Fall gebracht. Tyrala verwandelt souverän zum 2:0, was zugleich der Halbzeitstand war.
In Halbzeit zwei sollten die Zuschauer noch viele Tore zu sehen bekommen, aber kein herausragendes Fußballspiel, da Oggersheim, wie es deren Trainer Sascha Koch treffend beschrieb, „nicht statt gefunden hat“. Das nächste Tor ließ also nicht lange auf sich warten. Yasin Öztekin setzt sich gut bis zur Grundlinie und bis kurz vor das Tor durch und legt auf Ginczek ab, der nur noch seinen Fuß hinhalten muss und zum 3:0 einnetzt (57.). Ab jetzt ist fast jeder Höhepunkt des Spiels auch ein Tor. Vrancic schickt Öztekin über die rechte Außenbahn, wieder kann der sich durchsetzen und vollendet diesmal selbst (65.).
Doch das 4:0 schien der Mannschaft nicht zu reichen, und nur sieben Minuten später klingelte es erneut im Gehäuse des FSV. Schmelzer legt per Kopf auf Kullmann ab, der bekanntlich nicht unbedingt eine Graupe im Toreschießen ist und zum 5:0 trifft. Der BVB dominierte weiterhin und auch Öztekin wollte mal jubeln. Dazu hatte er, nach einem gekonnten Schuss aus gut 16 Metern, der das sechste Tor für die Amateure des Ballspielvereins bedeutete (82.), allen Grund. Während sich die Oggersheimer wohl dachten, „das reicht jetzt aber auch mal!“, ließ sich Kullmann abermals nicht lange bitten und schob nach schöner Vorarbeit von Hille zu seinem dritten Tor und zum 7:0 ein, was schließlich den Endstand bedeutete (85.).
Mit diesem Sieg hat der BVB seine Pflichtaufgabe gemeistert und die 3. Liga bleibt in Sichtweite. Es bedurfte keiner sonderlich herausragenden Leistung der Mannschaft von Theo Schneider, die Gäste waren schlicht weg schwach. Theo Schneider übertrieb allerdings mit seiner Aussage, seine Mannschaft sei „wie eine Spitzenmannschaft aufgetreten“, nicht.
Weiter geht's mit jeweils einem Heimspiel gegen Verl am Samstag, wo die Amas wieder auf zahlreiche Unterstützung hoffen dürfen (die Profis haben Spielfrei) und am Dienstag, den 31.3, mit einem Nachholspiel gegen die von Ulf Kirsten trainierten Leverkusener Amateure.
Theo Schneiders Kommentar dazu: „Wir hoffen natürlich, dass beim Heimspiel am Samstag eine ähnliche Kulisse und Unterstützung da ist und wir den nächsten Schritt machen.“
Stimmen zum Spiel
Sascha Koch:
Das Spiel war für mich ganz schnell erledigt. Dortmund hat das Spiel verdient gewonnen. Es stand nur eine Mannschaft auf dem Platz, die andere hat gar nicht statt gefunden. Keine Ahnung, was heute mit der Truppe los war, das war mit Abstand das Schlechteste, was die Mannschaft gezeigt hat, seit ich mit ihr zusammen arbeite. Das Spiel ist, auch in dieser Höhe, absolut verdient an Dortmund gegangen. Wir haben im ganzen Spiel glaube ich keinen einzigen Eckball gehabt. Einen Freistoß, der an das Lattenkreuz ging, das wars. Ansonsten, wie gesagt, haben die Offensive und die gesamte Mannschaft nicht statt gefunden. Wenn man den Gegner so zum Tore schießen einläd und nur da steht und zuschaut... Hat nur noch gefehlt, dass man sich an dem Applaus von den Rängen beteiligt. Wir müssen jetzt gucken, dass wir die junge Mannschaft relativ schnell aufbauen und am Freitag Abend gegen Lotte zeigen, was unser wahres Gesicht ist.
Theo Schneider:
Wir sind heute, glaube ich, wie eine Spitzenmannschaft aufgetreten. Wir wussten, dass es ein unangenehmes Spiel wird und man hat in den ersten 30 Minuten gesehen, dass Oggersheim sehr diszipliniert gespielt hat. Insbesondere, was wir vorher beobachtet hatten, das schnelle Umschalten nach Standartsituationen, wo der Torhüter ganz schnell einen weiten Abschlag spielt. So sind zu Beginn einige brenzlige Situationen entstanden. Deswegen war es wichtig, das habe ich der Mannschaft auch gesagt, zu Beginn des Spiels ruhig zu sein. Was wir insbesondere ab der 30. Minute umgesetzt haben war, das Spiel zu verlagern und über den Rücken der Abwehr zu kommen. So sind dann auch die Tore gefallen. Julian Koch hat das hervorragend gemacht. In der zweiten Halbzeit war es, denke ich, nur noch Einbahnstraßenfußball. Wir haben das Spiel absolut kontrolliert und immer wieder zielstrebig nach vorne gespielt. Es ist natürlich sehr erfreulich, dass wir die Torchancen herausgespielt und entsprechen genutzt haben. Wir haben heute einiges für die Offensive getan und hinten wenig zugelassen. Heute stand die Null. Unter dem Strich muss man der Mannschaft ein riesen Kompliment machen. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht und viel Geduld gezeigt.
Natürlich hoffen wir, dass am Samstag beim Heimspiel eine ähnliche Kulisse und Unterstützung da sind wie heute.
Uwe Hünemeier:
Ich denke, die erste halbe Stunde haben wir uns sehr schwer getan, haben allerdings die Geduld bewahrt und am Ende ist natürlich jeder Schuss ein Treffer gewesen. Zum Schluss hatte sich der Gegner aufgegeben. Es ist gut, dass wir das ausgenutzt und die Dinger gemacht haben.
Über seine Situation im Profikader und bei den Amateuren:
Ich trainiere oben, aber je nach dem, wie die Personallage ist, werde ich natürlich, wenn ich oben nicht gebraucht werde, für die Zweite spielen und auch dann versuche ich natürlich, so wie heute, dass wir hinten die Null halten. In der Hinrunde haben wir eindeutig zu viele Tore kassiert und das versuchen wir jetzt wieder gerade zu rücken.
Fakten, Fakten, Fakten
BVB II: Ziegler – Koch, Hünemeier, Gordon, Schmelzer – Vrancic, Hillenbrand (83. Omerbegovic) – Tyrala (77. Boztepe), Öztekin – Ginczek (71. Hille), Kullmann.
FSV LU-Oggersheim: Knödler – Detloff, De-Angelis, Hajri, Krettek – Leithmann, Lapidakis (73. Müller) – Dalibor Gataric (64. Rudenko), Danijel Gataric, Zeciri (55. Helmel) – Monetta
Tore: 1:0 Kullmann (35.), 2:0 Tyrala (43. FE), 3:0 Ginczek (57.), Öztekin (65.), 5:0 Kullmann (73.), 6:0 Öztekin (82.), 7:0 Kullmann (85.).
Zuschauer: 806
Gelbe Karte: Monetta
Schiedsrichter: Stefan Brauer (Hildesheim)
Sven, 23.03.2009
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